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Die Wahrheit · 1925-05-08 · Heft 18 (8.5.1925) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 18 (8.5.1925)
Date
1925-05-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT KV«.ia KV. 18 Glossen. Das Tragen des Hakenkreuzes von Beamten im Finanzministerium würde in einer scharfen Interpellation^ däe Hüte- Sozialdemokraten an dem Rnanzminster richteten, gebührend gegeißelt. Kein Zweatfel, diesem' Unfug wird ein Ende gemacht werden. Daß Beamte, die von dem Steuergeldern aller bezahlt werden, im Amt ihren Parteistandpunkt nicht demonstrativ betonen sollen, itsit doch selbstverständlich. Interessant ist, daß die „Deutschösterreichische Tageszeitung" den Standpunkt des Beamten, der Anlaß zu der Interpellation) gab, damit rechtfertigte, daß der Gemeinderat Plaschkes gelegentlich in Amtsräumen erscheint und dabei eine Krawatte trägt, däe mit dem Zionsstern geschmückt ist. Den kleinen Unterschied, daß Gemeinderat Plaschkes in den Aemtern nicht als Beamter fungiert, übersieht das geistvolle Häkenkreuzilerblatt. Oder stellt es sich nur, als ob es den Unterschied nicht verstünde? Du lieber Himmel, nicht jeder tut klug daran, sich dumm zu stellen. Manchem glaubt man es nämlich. P a i n 1 e v e, der gegenwärtige französische Ministerpräsident, gehört zu jenen Männern seines Landes, die gleich Zotet, Jaoires, Picard usw. schon zu einier Zeit, in! der die Schlammwelie» des Antisemitismus sich über ganz Frankreich ergössen^ für däie Unschuld des jüdischen Kapitäns; Dreyfuis eintratent Dias war 'damals noch ein kühnes Wagnis, denn der unter der Maske deö Patriotismus wütende Judenhaß war zu mächtig. Schließlich siegten ftt Frankreich aber doch Gerechtigkeit und1 Verinuntft, denn der verbissenste französische Antisemit beugte sich vor der Wahrheit, als nicht nur die Unschuld des Juden, sondern auch die Schuld seiner Ankläger an de» Tag trat. Man würde den Framzösent der heute noch einen Schimmer des Zweifels ani der] Schuldlosigkeit Dreyfus4 verriete, für einen Iirsinniiigen halten. Da Sind unsere Antisemiten denn doch aus einem anderen Holze gezimmert. Däe wissen, daß man im Kampfe gegen die Juden, auf kein Mittel, und wäre es noch so albern und verlogen^ zu verzichten braucht. Selbst der Chefredakteur der Zeitschrift „Neues Reich", eines Blattes, das unter einem wissenschaftlichen Firnis antisemitische Hetze betreibt, verschmäht es, auch in unseren Tagen nicht '& Worte niederzuschreiben: „(Wiegen: des angeblich unschuldig nach Cayenne deportierten Kapitäns Dreyfus wurde einst jahrelang die ganze Welt literarisch alarmiert." In Frankreich genießt der rehabilitierte und zum Obersten beförderte Dreyfus hohe Ehren, für österreichische Antisemiten muß der Mann, der unschuldig ein grauenhaftes Martyrium erlitt, noch immer der „angeblich" Unschuldige bleiben., Fehlt nur noch die verdächtigende Andeutung, daß Ministerpräsident Painleve, der angeblich immer im Dienste der jüdischen Freimaurer Stands, schon aus diesem Grunde für den jüdischen Offüzier eine Lanze brechen mußte. * * * D|ie jhakemlkreuzlerischje „Liwzer Vo 1 ks s t im m e" druckt unter dem Schilagworte „Jüdische Wahrheit" vodlinhaltliich eine Glosse ab, in der ich das Verhalten zweier JüdütHien rügte, die sÜch lieber einer Falschmeldung schuldig machten, bevor sie einer hakenkreuzlerisehen Sommerfrische den Rücken gekehrt hätten. Die „Linker Volklsistitmine" bemerkt hierzu: „Wir sind zwar. Antisemiten, aber nicht so fanatisch, um nicht auch am Gegner, wenn er auich Jude ist, die Wahrhaftigkeit anzuerkennen. Uns sind Juden, die offen für ihre Rasse und jauch RetigiionJ eintreten,; hundertmal lieber, als jene Judenstämmilinge und Gewässerten, die aus Gesehäftsrübksichten sich zum Christentum wässern lassen und sich zum Pseudo-Arier stempeln wollen." Wie gerne würde ich diese Höflichkeit erwidern, aber ich müßte lügen!, wenn1 ich iin dem Kampfe, den die Anitisemiten gegen die Jude» führen, jemals etwas anderes als den schärfstem Widerspruch gegen Wahrheit, gegen das Rechtsgefühl und auich gegen die von dem Alten Testament wie vom Evangelium gleichmäßig gelehrte Nächistemlilebe gefunden hätte. Gegen schldchte Menschan* die sich unter Juden wie unter Christen finden, könneni sich mit Recht alle wenden, dte redlich' das Gute wollen, ohne Unterschied der Religion und der Abstammung; der Antisemitismus aber ist ein Bekenntnis, das einem wahren Christen fremd bleiben muß. * * * Die C z o n grader Bomben Werfer wurden auch in dier (Appelilationsiverihandlung vor der Königlichen Tafel freigesprochen. Czongrad ist keine Millionenstadt, in der sich Verbrecher oft dem Auge der1 Gerechtigkeit entziehen können. Czongrad ist &m Meiner Grt, wo jeder jeden kennt und es müßte mit sehr kuriosen Dingen zugehen, wenn eine ganze, allgemein des Mordes beschuldigte Verbrecherschar unschuldig unter den diffamierenden Verdacht gelangt wäre. In der Tat wan io Czongrad anfangs alle Welt darin eini^ daß die Verdächtigten auefyL die Täter seien, und nicht einmal die Beschuldigten störten diese Uebereinstimimuug. Sie legten vor dem Untersuchungsrichter eifo Geständnis ab und iw der öffentlichen Verhandlung erklärten sie, nur durch Mißhandlungen zum Bekenntnis eines Verbrechens gezwungen worden zu sein^ dem sie ganz ferne stehen. Wie man in Czongrad jetzt über die Herren denkt, weiß ich nicht, aber Tatsache ist, daß die Richter, vor denen sie bisher gestanden, dbn Glauben ' an die zwingendenf Mißhandlungen teilten, obwohl Spuren derselben bei der Verhandlung nicht mehr wahrnehmbar waren. Die Spuren der Bombenattentäter waren jedetHfais bleibende: drei Tote und zahlreiche Verwundette. Die ungarischen Richter stehen wieder vor der peinlichen Aufgabe, nach den Tätern zu forschen. Da man kaum so unartig sein wird, zweimal Frdgesprochene eh* drittesmal mit einer Anklage zu belästigen, so würde es dem Ausehen d!er ungarischen Justiz vieieieht frommen, wenn mzwisoheti wenigstens die Personen, die schon zweimal gegen die Freigesprochenen ausgesagt hiaibet^ unter Anklage gestellt würden, fis sind' dies u. a. der Ministerialrat Dr. Johann DSbszeghis, der Hilfesekrtetär im Ministerium des Inaiereni Dr. Edtand Ratkay, femer

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