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Die Wahrheit · 1925-05-01 · Heft 17 (1.5.1925) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 17 (1.5.1925)
Date
1925-05-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 17 DIE WAHRHEIT Seile 11 [Theater, Kunst u. Literatur Vortrag. Anläßlich der Eröffnung des Sommerseinesters im Maimonides-Institut, HL, Hetzgasse 40. fand am 22. d. M. nach einer die Wichtigkeit der Kenntnis des jüdischen Schrifttums beleuchtenden Ansprache seitens des Vorstandes Hofrat Dr. E. Riesenfeld ein Vortrag des Leiters Herrn Dr. Armand Kaminka über den „Kampf der ortho^ doxen Gelehrten in Südfrankreich und Spanien im 13. Jahrhundert gegen die philosophischen Schriften Moses Maimonides" statt. Während der Osten und der Norden Europas damals keine nennenswerte jüdische Bevölkerung aufwies, waren sie in Südfrankreich und in der Provence in großer Anzahl angesiedelt und nahmen in den geistigen Zentren, besonders in Montpellier eine hervorragende, durch keinerlei Unduldsamkeit gestörte Stellung ein. War doch anno 1300 Rabbi Jacob Ben Muchir Dekan der berühmten Gelehrtenschule der genannten Stadt und ist eine Fülle von frommen und anerkannten Rabbinern aus diesem Himmelstrich für die gesamte Juden'heit in Kleinasien, Afrika und Europa maßgebend gewesen. Die große Leuchte Maimonides, der griechische und arabische Weisheit mit der talmudistischen zu verbinden wußte, hat durch seine Hauptwerke zunächst die Geister in gerechtes Erstaunen gesetzt und ist bald gründlich mißverstanden worden. Zudem waren die Juden damals noch nicht in Ghettos abgesondert, sondern dem Einfluß ihrer christlichen Umgebung durch regen Verkehr mit derselben ausgesetzt, was Güdemann mit den Worten: „Wie es sich christelt, so jüdelt es sich", für alle Zeiten trefflich kennzeichnet. Anfangs des 13. Jahrhunderts wüteten in der Provence die Glaubenskämpfe gegen die Albigensex, welche von den Anhängern der Päpste als Ketzer verfolgt wurden. Rambam, der sein philosophisches Werk mit einem frommen Psalm einleitet, ward beschuldigt, die griechische Philosophie als maßgebender wie die Bibel hingestellt und die Religion wissentlich verdrängt zu haben. Der Kulturkampf, der nun für und gegen Maimonides unter der Flagge: „für Religion gegen Philosophie", für Orthodoxie gegen Ketzerei in der damaligen Judenschaft sich abspielte, war leider nicht nur mit geistigen Waffen allein, nicht immer in einwandfreier Form geführt worden. Zum Blutvergießen, wie in Beziers, wo 20.000 Albigenser ermordet wurden, ist es wohl nicht gekommen, aber Rabbi Schlamme ben Hohor wandte sich an die Dominikaner und veranlaßte sie, die öffentliche Verbrennung der Schriften Maimonides anzuordnen, welche auch tatsächlich ausgeführt wurde. Er soll nach dem Urteil des „Redak" ein höchst orthodoxer, aber beschränkter Mann gewesen sein, dessen Meinung jedoch auch von anderen Gelehrten seiner Zeit geteilt wurde, welche eine Wirkung zum Abfall von der wahren Religion durch das Studium der Philosophie befürchteten. Kein Wunder, wenn wir sehen, daß auch moderne Geister wie Graetz und Achad Haam den zentralen Gedanken in den Werken des Maimonides nicht richtig erfaßt haben. Dr. Kaminka erblickt ihn darin, daß Maimonides bestrebt war, ein einheitliches Weltbild zu gestalten, daß nach ihm Vernunft ein Korrelat der Offenbarung ist, daß die göttliche Einheit zu erfassen, ein einheitliches Ziel alles Denkens, Ethik und Religion beinhaltet; er hat uns eine neue einheitliche Weltanschauung gegeben und von der griechischen Philosophie, respektive von den Lehren des Aristoteles nur ausgesagt, daß. wenn sie als richtig erwiesen wären, wir ihre Einheitlichkeit anerkennen und darnach die Bibel deuten müßten. Wie Maimonides hat das gesamte Judentum stets auch von anderen Völkern gerne gelernt, aber die Lobpreisung Gottes und die Erkenntnis seiner Einheitlichkeit als Hauptprinzip erfaßt und zur Lebensaufgabe ausgestaltet In diesem Sinne mag unser Rambam als geistesverwandter Vorläufer des oft mißverstandenen Spinoza gelten, den er sicher beeinflußt hat. Med.-Rat Dr. H. Haase. Kol-Nidre im Radio. Im Rahmen des Radiokonzertes vom 27. April brachte der bekannte Cellovirtuose, Prof. Julius Sulz er, ein Sohn des berühmten Oberkantors Prof. S'alomon Sulzer, ein selbstbearbeitetes Kol-Nidre in meisterhafter Weise zum Vortrag. Die immer wieder von neuem tief ergreif enden jüdischen Weisen dürften sicher auch auf die nichtjüdischen Radiohörer bei einer so tief empfundenen Wiedergabe einen nachhaltigen Eindruck gemacht haben. Hoffentlich werden wir bald wieder Gelegenheit haben, das hervorragende Spiel' Prof. Sulzers im Radio zu hören. 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