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Die Wahrheit · 1925-05-01 · Heft 17 (1.5.1925) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 17 (1.5.1925)
Date
1925-05-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 17 DIE WAHRHEIT Sette 9 | Wahrheiten vom Tage Jüdisches Gefühl. Der Deutsche Turnverein von Laa an der Thayai hat ein merkwürdiges Erlebnis gehabt. Da er für ein Faschingsfest zur Ausschmückung eines Saales 400 Quadratmeter Papier benötigte, wandte er sich brieflich an einige Wiener Papierhändler, die er im amtlichen Adreßbuch verzeichnet gefunden) hatte. Der Deutsche Turnverein in Laa an der Thaya steht auf dem Boden der Arierparagraphen, vermutlich weil Laa a. d. Thaya ein vom jüdischen Welteroberungsplan besonders gefährdetes Bollwerk germanischer Zucht und Sitte ist. Das Bekenntnis zur arischen Rassenreinheit prunkt natürlich auch auf dem Briefpapier des wackeren Turnvereines. Das veranlaßte das Wiener Büro1 der K1 e i n z e 11 e r Papierfabrik zu folgender Erledigung des Laaer Kaufangebotes: „Antwortlich Ihres Schreibens vom 2. d. M. teilen wir Ihnen mit, daß wir eine Geschäftsverbindung mit einer Stelle, welche auf dem Arierparagraphen steht, ablehnen. Hochachtungsvoll Kleinzeller Papierfabrik A.-G." Diese unerwartete Antwort hat in Laa a. d. Thaya große Verblüffung hervorgerufen und) die völkischen' Tnrner zu philosophischen Erörterungen über den Undank der jüdischen Firma veranlaßt, ..die das Holz zur Verarbeitung sicher von Ariern kaufe und deren Arbeiter bestimmt auch Arier sind." Ich' finde die Verblüffung der guten Laaer Turner sehr begreiflich, ja ich muß gestehen, daß ich sie teile. Der Fall, daß eine jüdische Firma zwar arische Holzhändler und arische Arbeiter verdienen läßt, dagegen selbst auf einen Verdienst verzichtet um seinem jüdischen Gefühl Ausdruck zu geben, ist ein so seltenes Ereignis, daß es weit über die räumlich nicht sehr ausgedehnten Grenzen von Laa a. d. Thaya Aufsehen zu machen verdient. Dr. H. Sp. Zwei jüdische Minister in Frankreich. Nach einer Meldung der „La Tribüne Juive" vom 24. d. M. sind zwei Juden Mitglieder des neuen französischen Ministeriums, und zwar M. Andre Hesse Minister für Kolonien, und M. Abraham Schramek Minister des Innern. Andre Hesse wurde im Jahre 1874 in Paris gebocen, im Jahre 1910 von Charentetnferieure ins Parlament entsendet und 1924 abermals in dasselbe gewählt. Er ist Mitglied des Appellationsgerichtshofes in Paris. Abraham Schramek, Senator von Bouche-du-Rhöne, wurde im Jahre 1867 in Saint Etienne geboren, war ehemals Gouverneur von Madagaskar und Präfekt von Bouche-du- Rhone und ist seit 1920 Mitglied des Senats. Beide1 Herren stehen seit langer Zeit im politischen Leben Frankreichs und sind wegen ihrer hervorragendten Fähigkeiten und ihres rechtschaffenen Charakters allgemein geschätzt. Eigenartige journalistische Methoden. In einer jüdischen Zeitung liest man im Textteil: „Zürich. Hugo Bettauer, der bekannte Wiener jüdische Schriftsteller, ist seinen Verletzungen erlegen. Der Täter wird nunmehr wegen gemeinen Mordes belangt. Er begründet seine Tat mit den Schriften Bettauers. Diese können bezogen werden durch die Buchhandelsabteilung des „IsraelitischehWochenblattes" (jetzt: Stampfenbachstraße 59, 2. Etage). Die Preise stellen sich auf je 1 Reichsmark für: „Die Stadt ohne Juden" (phantastischer Roman), „Die freudlose Gasse" usw." — Ein Kommentar zu dieser höchst erstaunlichen Notiz bleibe besser unterdrückt Dreimal Ruhetag in der Woche. Jerusalem, die heilige Stadt der Juden, Christen und Mohammedaner, gilt als geweihte Stätte für die drei verschiedenen Glaubensbekenntnisse, die hier heimisch sind. Diese halten streng darauf, daß ihre Feiertage beachtet werden. Dadurch ist die merkwürdige Tatsache entstanden, daß in Jerusalem zweimal Weihnachten, zweimal Ostern und viermal Neujahr gefeiert werden und daß es jede Woche drei Sonntage gibt Da ist der christliche Sonntag, an dem alle christlichen Läden geschlossen, aber die anderen geöffnet sind Samstag ist der jüdische Sabbat, an dem kein jüdisches Geschäft offen ist und am Freitag, dem Gebetstag der Mohammedaner, sind die Anhänger Allahs in der Moschee versammelt und arbeiten nicht. Von Donnerstag abends bis Montag früh herrscht also kein regelmäßiges Geschäftsleben in Jerusalem, und das macht sich nicht nur in den Haushalten, sondern auch in den Büros bemerkbar. In den Regierungsstellen, wo Beamte aller drei Glaubensbekenntnisse beschäftigt sind, kann drei Tage in der Woche nur wenig gearbeitet werden. Der oberste Kommissär Herbert Samuel ist am Samstag nicht zu sprechen; dafür arbeitet er am Sonntag. Der Staatssekretär ist ein Christ, der am Sonntag fehlt; viele der unteren Beamten wieder huldigen dem Islam und arbeiten nicht am Freitag. Eine gedeihliche Zusammenarbeit ist also nur an vier Tagen der Woche möglich. Außerdem wird in Jerusalem zuerst das allgemeine Osterfest und dann 13 Tage später das griechischkatholische gefeiert. Aehnlich war es mit dem Weihnachtsfest. Auch der Neujahrstag fällt in der griechisch-katholischen Kirche später. Noch später im Jahr ist das Muharrem, der Neujahrstag der Moslem, und das jüdische Neujahr wird gewöhnlich anfangs September begangen. Was geht im Judenreinen** Alpenverein vor? Einer der Hauptschreier im Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein, der berüchtigte Gebirgsantisemit Karl Sandtner hat, nachdem er bereits aus dem Hauptausschuß des Vereines ausgeschlossen worden ist, nunmehr auch die Leitung der Zeitung „Der Bergsteiger", des Organs der deutschvölkischen Touristen, zurückgelegt. Die Gründe des Austrittes werden von den Parteifreunden in tiefes Dunkel gehüllt und wir sind neugierig, ob genannter Herr weiter touristischer Mitarbeiter der „Deutschösterreichischen Tageszeitung" bleiben wird. Jedenfalls scheint sich die Moral im Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein mit der Ausschließung seiner jüdischen Mitglieder bereits bedeutend gehoben zu haben. Ein trauriges Jubiläum. Die Feier des 250jährigen Bestandes der Pfarrkirche zum hl. Leopold im zweiten Bezirke, welche Sonntag, den 19. d, M., mit großem kirchlichem Pomp begangen wurde, ruft bei uns Juden traurige Gefühle wach; ist es doch ehemals ein jüdisches Gotteshaus gewesen, welches in eine Kirche umgewandelt wurde, wozu Kaiser Leopold I. am 18. August 1670 selbst den Grundstein legte. Zu diesem wurde eine 13 Lot schwere Silbermünze gelegt mit folgender charakteristischen lateinischen Inschrift: Auf der einen Seite: Honori Jesu Christi Dei et Mariae FÜii Sancti Leopoldi Austriae marchionis Primus hic lapis Positus est Anno Dom. MDCLXX. Die XVIII Augusti. Auf der anderen Seite: Augustiss. ImperatoT Leopoldus Austriacus Post ejectam Judaeorum Perfidiam Abolito ex his aedibus Synagogae nomine Speluncam Latronium Mundavit in Templum Dei Et D. LeoooWo Austriae marchioni ac Patrono Ritu catholico conservari fecit MDCLXX. Geschäft ist Geschäft Nicht uninteressant ist die Tatsache, daß der antisemitische Rechtsanwalt Dr. Robert Gruber. ein wütender Judenfeind, die Verteidigung der wegen Preistreiberei angeklagten Direktoren der Ankerbrotwerke übernommen hat. Hieraus ersieht man, daß es den Herren Antisemiten nicht verschlägt, auch jüdische Kapitalisten zu verteidigen, wenn es im Interesse ihrer Taschen gelegen ist Man wird sich dies für die Zukunft merken müssen. „Die ersten Lichtstrahlen." Mit Rücksicht auf den voraussichtlichen Eintritt Balfours in das englische Kabinett als Großsiegelbewahrer dürfte es von Interesse sein, eine bemerkenswerte Aeußerung in seiner bei der Eröffnung der Universität in Jerusalem gehaltenen Rede besonders hervorzuheben. Er sagte, „daß die Araber und Juden es waren, die, als in den Jahrhunderten der Finsternis des Mittelalters die Kultur des Okzidents aus der Welt geschwunden war, die ersten Lichtstrahlen ausgesendet haben." Bekanntlich haben Juden und Araber im Mittelalter fast ausschließlich die Wissenschaften gepflegt und es ist anzunehmen, daß die neue jüdische Universität dazu beitragen) wird, die Jahrhunderte alten geistigen Beziehungen zwischen jüdischer und arabischer Wissenschaft wieder aufzunehmen und zu vertiefen. Die judentumfeindlichen Bolschewlsten. Die grundsätzliche Religionsfeindschaft' des Bolschewismus richtet sich in gleicher Weise gegen die christliche wie die jüdische Religion. Nichtsdestoweniger wird jede Ausschreitung der Moskauer Regierung gegen die christliche Religion von den Judengegnern als Beweis für die Behauptung ausgenutzt daß die Moskauer Regierung eine Judenregierung sei. Wie unrichtig diese Behauptung ist, zeigt die neuerliche Schließung der so-

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