Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 17 (1.5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064022-3064038--13632-3081147- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite § Sic WArt&fflT Hr. 17 wie der protestaofcisdhen Kirche erregen, dam diese waren bisher ausnahmslos von der Uelberzeugung1 fcchdinmgen, daß dÜe für das Christentum einzig gültige OffenSbamumg gerade auf dem Alten Testament, auf Mfoses und dien Propheten basiere und' mit Zarathustra so wenig zu schaffen1 habe, wie etwa der GeneraffielÜhnarischall ttkidenburg mit den höchsten Idealen einer Republik. Es ist begreiflich, daß Ülese Botschaft Wilhelms die mannigfachsten Kommentare hervorruft, von dienen ifch in aller Kürze bloß zwei anführen möchte. Viele behaupten, daß aiuis diesem neuesten Testament Wilhelms nur der Antisemit spreche, der von dem) Gott der Juden so wenig wissen will wie von dien Juden selbst. Eine andere Vermutung geht dahäinv daß an den Ausfühirjungeni Wihehns nur eine' Kleinigkeit auszusetzen sei: daß sie einem Geistlichen und1 nicht einem Psychiater vorgelegt wurden. Ego. „Pro cultura." Erst ih jüngster Zeit hat dSe „Union" von einer Vereinigung Kenntnis erhalten, die vermöge ihres Programmes und ihrer Tendenzen würdig erscheint, in weiteren Kreisen bekannt zu werden; Sie nennt sich „Pro cultura". Der Titel allein 'besagt schon, daß es da um Höheres geht, daß man es da mit Leuten zu tun hat, die ethische Werte vertreten. Die Vereinigung hat ihren Sitz in Wien, ihre Begründer aber sind ungarische Schriftsteller, deren Ziele über die Geschäftsrechnerei hinausragen und die sich auf ein Podium stellten, das edlere Zwecke verfolgt, als durch Parteiinteressen Geld zu machen. Die Seele des Ganzen ist Herr Nandor Korcsmaros, Schriftsteller und Publizist von Beruf, ein durchwegs liberal gesinnter Mann, der bereits eine Reihe von namhaften Arbeiten veröffentlicht und als offener Gegner des gegenwärtigen Regimes von Ungarn wegen seiner politischen Haltung mehreremal die Luft der ungarischen Gefängnisse einzuatmen gezwungen wurde. Diese Tatsache vermag ihn natürlich in den Augen jedes für Freiheit und Kultur eingenommenen Menschen nur bestens zu empfehlen. Gegenwärtig befaßt sich Herr Korcsmaros mit der Frage des „Numerus clausus", die er rein vom Standpunkte der Kultur betrachtet und der er als arischer Kulturmensch die größte Aufmerksamkeit widmet. Wir werden noch Gelegenheit halben, mit dieser Sache uns näher zu beschäftigen. Und weil wir gerade das Wort Kulturmensch erwähnt,haben, sehen wir uns veranlaßt, uns* bei dem Gedanken, der in diesem Worte liegt, ein wenig aufzuhalten. Was Kultur ist, was sie für die Menschheit bedeutet, das fühlt jedermann, mag er auch nicht die Tragweite, respektive den großen Inhalt des Wortes in seiner Gänze erfaßt halben. Alle Nationen und Völker streben ihr nach, überall ist sie mehr oder weniger hingedrungen, selbst unter den wildesten Wilden beginnt sie bereits festen Fuß. zu fassen. Ihre Höhe richtet sich je nach' den Errungenschaften eines Volkes. So war es im Altertum, so ist es auch heutzutage. Von ihrer allumfassenden Größe soll hier weiter nicht die Rede sein. Das ist ein Kapitel, das in tausend großen Büchern nur ihre An^ fangsgründe darstellen würde. Alles strebt nach Kultur, die sich bei kleineren Völkern zunächst in dem Streben nach1 Selbständigkeit ausspricht. Wir sehen es ja in dem Kampfe der Minderheiten, der immer stärker zum Ausdruck gelangt. Die Idee erstreckt sich auf alle Menschen und bringt nicht selten eine Ueberhebung zutage. Kurz gesagt: Jeder, der von der Kultur beleckt erscheint, nennt sich auch Kulturmensch. Ist dem wirklich so? Sehen wir uns ein wenig unsere Umgebung an. Da erblicken wir ganze Reihen von Menschen, die sich vermöge ihrer Zugehörigkeit zu einer großen Nation als Vertreter der höchsten Kultur ausgeben. Man sollte denken, wenn dies wirklich der Fall wäre, wenn diese Leute tatsächlich den erhabenen Geist des Wortes Kultur, das sie muir zu oft im Munde führen^ verstehen würden, so müßten sie auch ihr Verhalten und Gebaren demgemäß einrichten. Denn Kultur heißt Menschlichkeit in der höchsten und tiefsten Bedeutung des Ausdruckes. Aber gerade das Gegenteil läßt sich in diesen Kreisen wahrnehmen. Von wahrer Menschlichkeit keine Spur. Haß und Verachtung säen, Verleumdungen niederster Art verbreiten, Rechte verkümmern, das ist ihre Kultur. Richtig benannt ist es nur Unkultur. Mit solcher Unkultur haben wir Juden, die schon zu einer Zeit eine wirkliche Kultur besaßen, wo andere Völker noch in der Tiefe scMuininerten, unaufhörlich den Kampf zu führen. Sie verspottet eine Klasse von Staatsbürgern, deren Religion die reinste Menschenliebe predigt, ganz eihfabh darum, weil ihre Gegner Unduldsamkeit, also den Auswuchs der Kultur auf ihre Fahne geschrieben haben. Nichts ist ihnen heilig, wenn es gilt, die jüdische Minderheit in irgend einer Weise zu schädigen. Angesichts solcher Zustände, die trotz ihrer Intensität dennoch mit der Zeit in sich selbst verfallen werden und verfallen müssen, ist es von besonderem Wert, wenn gerade einer aus dem Lager der Gegenseite es sich zur edlen Aufgabe gemacht hat, solchen Einführungen den Krieg zu erklären, die jeder wahrhaften Kultur ins Angesicht schlagen. Dazu gehört auch der „Numerus claiuisuls". Er ist nicht pro cultura, sondern contra cultuiratm, weil er sich zu einer Einschränkung bekennt, die im Zeitpunkte unserer Kulturhöhe einen Hohn auf den gesamten kulturellen Fortschritt der Menschheit bedeutet. Mag nun unsere Gegnerschaft noch so sehr wüten und toben, wir Juden werden allezeit pro cultura sein. Ph. Leon. Werbet und verbreitet die „Wahrheit". JAC. MAVER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., Taborstra&e 44