Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 17 (1.5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.i? fitR WAHRMlt Seite f an als eine von schuftigen Trotteln öder von vertrottelten Schuften fabrizierte Fälschung erscheinen, denn welcher Jude hätte es denkbar gehalten, daß unter 'dem Vorsitze von Männern wie Theodor H e r z 1 und Max Nor dau Beschlüsse gefaßt wurden, die würdig einer Horde aus dem Irrenhause entsprungener Zuchthäusler wären. Daß die „Weisen von Zion" nichtsdestoweniger, bei Judenfeinden Glauben fanden, war zwar sehr betrübend, aber kaum überraschend. Welche Behauptung wäre zu absurd, wenn es dien Kampf gegen1 die Jud!en gilt? Auch daß die Fälschung ebenso plump als blödsinnig war, hätte ihre Wirkung milcht beeinträchtigt, wenn nicht dank einem glücklichen Zufalle eine im Jahre 1864 erschienene Streitschrift gegen Napoleon III. entdeckt worden wäre, die — mit ganz kleinen Veränderunigen — ganze Partien enthielt, die in den „Weisen von Zion" als die Protokolle des im Jahre 1895 stattgehabten Basler Zionitetenkomgresses figurierten! Die Fälscher hatten sich, wohl in der Hoffnung, daß die längst verschollene Streitschrift auch vergessen bleiben wird, ihre Arbeit zu leicht gemacht. Je weiteren Kreisen diese Enthüllung zugänglich gemacht wurde, um so mehr lichteten sich 'die Scharen der Gläubigen, die die Fälschung noch ernist nahmen. Kein Judenfeind, in! dessen- Herzen auch nur ein Funke von Ehre und Wahrheitsliebe schlummert, vermochte nach dieser Entdeckung sich noch dem Glauiben an die Echtheit . döieser Protokolle zu bewahren. Aber es gibt eine gewisse Hakenkreuderpresse, die durch keinerlei Regung von Schamgefühl gehemmt, noch weiter, für dlie „Weisien von Zion" kämpft. Aber auch diese Herrschaften sind nicht so frech und hirnverbrannt, zu lügen, daß die „Weisen von Zion" n i c h t Abschriften aus dem im! Jahre 1864 erschienenen Buche biete; sie — ignorieren bloß diese Kleinigkeit. Sie sagen auch nicht m'ehr„ daß daisi Opuls die Protokolle vom Basler Kongresse enthalte. Diese Bagatellen wenden schweigend fallen gelassen, auch Herzls und Nordlaus Namen sind verschwunden. Die Hetze wird fortgesetzt, aber mit schwächeren Kräften und mit wesentlich verminderter Wirkung. So heißt es z. B. jetzt selbst ita der „Deutschen Arbeiter-Presse": „Die .Protokolle dar Weisen von Zion' enthalten tückische und hinterlistige Anleitungen dazu, was der Jude machen soll, um die verhaßte arische Rasse irrezuführen, gegenseitig zu verhetzen, zu berauben und zu entrechten . . . Das Judenvolk leugnet ab, daß dieses Programm von .ihren jüdischen Führern niedergeschrieben wurde. Was wollen! die Juden damit sagen? Daß wir Christen dlie Protokolle der „Weisen von ZiOn" erfinden zum Heile und zum Segen Judas." Nein* das sagen die Juden nicht. Es wäre vertrottelt, das lassen sie nur die „Deutsche Arbeiter-Presse" sagen. Die Juden, die nicht nur die Niederträchtigkeit, die Gemeinheit, die Lüge verabschieuenv sondern auch Respekt vor der Logik haben, gelangen zu einer anderen! Schilußfölgerung. Sie sagen: Schurkische Judenfeinde haben Infamien erdlichtet und ndedergeschirieberii um sie den Juden in die Schuhe zu schieben. Es gibt allerdings auch Judenfeinde, die noch heute so dumm sind, oder sich so dumm stellen, als ob sie glaubten, daß Juden diese Monstrositäten/ beschlossen und niedergeschrieben hätten. * * * Das H a k e n k r e u z 1 e r b 1 a 11, das durch seine Stellungnahme zu den „Weisen von Zion" getrost den Anspruch auf den Titel des „Narren« von Wien" erheben darf, hat"durch eine in derselben Nummer veröffentlichte Aufforderung am seine Leser aufrichtige Bewunderung erpreßt. Als ob das Blatt plötzlich von einem fanatischen Wahrheitsdrang erfaßt worden) wäre, gibt es öffentlich seiinen Anhängern die schändlichsten Ratschläge, wie sie sich gegen die Juden verhalten sollen. Schon die Aufschrift: „Ruhig auch verleumden!" bedeutet ein Bekenntnis von hohem Werte. Und noch deutlicher heißt es im Weiteren: „Weg mit der Anständigkeit den Juden gegenüber!" Mancher mag vielleicht finden, daß das Hakenkreuzlerblatt durch seine Kampfmethode gegen dlie Juden, die in dem Kultus der Verleumdung wurzelt und in der Mißachtung der Anständigkeit gipfelt, diese Lehren schon genugsam verbreite, sie daher nicht erst besonders zu verkünden brauchte. Aber Aufrichtigkeit ist immerhin etwas Schönes. Schade nur, daß diese so schätzenswerte Eigenschaft durch eine Bemerkung in der erwähnten Aufforderung ein wenig verdunkelt wird. Das ffakenkreuzlerblatt behauptet nämlich, es empfehle Verleumdung und Unanständigkeit gegen Juden nur darum seiinen Anhängern, damit diese den Juden „Gleiches mit Gleichem zurückzahlen". Oder soll diese so ganz und gar haltlose Begründung vielleicht nur als Muster der Verleumdung und Unanständigkeit gelten? Dann ist sie ausgezeichnet gelungen. * * * Exkaiser Wilhelm II. kann die unfreiwillige Muße, der er sich in Doorn hingeben muß, nicht mit der im übrigen sehr gesunden Tätigkeit des Holzfällens allein ausfüllen. Er haut auch in einer an den Hofgeistiichen Dr. Vogel gerichteten und von diesem veröffentlichen Schrift auf dien — Gott der Juden los. Der Kaiser, der sich bekanntlich vor dien sichtbaren Feinden rechtzeitig in Sicherheit zu bringen wußte, nimmt kühn den Kampf gegen den unsichtbaren Gott des alten Testaments auf. „Aus unserer Religion" — dekretiert er — „müssen! Jahwe, der Gott der Juden, und alles, was uns in unserem Gottesglauben an Jahwe erinnert, entfernt, ausgemerzt werden." Man sieht, Wilhelm II. will, daß in seinem früheren Lande mit dem Gott der Juden radikaler vorgegangen werde, als man dort mit den Hohenzoirern verfuhr, für deren glorreiche Wiederkehr so viele arbeiten. Der Exkaiser möchte sozusagen auch nur noch von einem Exgott sprechen, „denn vor allem müsse mit dem Glauben gebrochen werden, daß der Gott der Juden auch unser Gott sei . . . Die wahre, für das Christentum gültige Offenbahrung Ist nicht im alten Testament, nicht am Sinai, bei Moses oder deri Propheten, sondern bei — Zarathuistra zu suchen." Diese Kabinettsordre Wilhelms mußte beträchtliches Aufsehen nacht bei den Juden allein, sondern vielleicht in höherem Maße bei den höchsten Autoritäten der kathoßschen