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Die Wahrheit · 1925-04-24 · Heft 16 (24.4.1925) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 16 (24.4.1925)
Date
1925-04-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 16 DIE W AHR HEIT Seite 7 testen Willen nur noch mit schlichter Raublust in Zusammenhang gebracht werden konnten. Ein tückischer Zufall, den diese beiden Offiziere kaum mehr bedauern dürften als die hochmögenden Patrone der Erwachenden. Ach wie gerne hätten diese es verhindert, daß die große Oeffentlichkeit die Subjekte genauer erkennt, die sich einer nach dem anderen mordend aus .dem Kreise der Rassenschützler stehlen. Wer weiß, ob nicht dank diesem Zufalle doch schon der Tag näher ist, wo auch das schon so lange betörte und irregeführte Volk Ungarns erwacht und sich sagt: Am Ende ist der Oberleutnant H e j j a s, unser gefeierter Held, von dem schon einmal ein mutiger Staatsanwalt erklärte, es belasten mehr als fünfzig Mordtaten sein Gewissen, auch nicht mehr wert als die Lederer und Okolicsanyi. Und an dem Tage wird es mit der Glorie des Mejjas vorbei sein. * Wie v i e 1 W e i s h e i t kann i n e i n e m Druckfehler liegen! Das weiß die staunende Weilt, seitdem ein volksparteiliches, deutsches Blatt, das Schreiben Dr. Jarres veröffentlicht, in welchem er seinen Konkurrenten Hindenburg mit bittersüßer Miene zur Kandidatur auf die Präsidentschaft aufforderte. Ein Druckfehler wollte, daß Dr. Jarres sein Schreiben in — v e r h e r u n g svoller und nicht, wie es wohl beabsichtigt war, in verehrungsvoller Ergebenheit schloß. O, weiser, politisch kluger, tiefsinniger Druckfehler! Blitzartig beleuchtet er die so furchtbar verworrene Lage im Deutschen Reiche. Schon die Kandidatur Hindenburgs hatte, das ergab sich wohl überzeugend auis den Preßstimmen der ganzen Welt, eine verheerende Wirkung für das Deutsche Reich erzielt, die leider durch einen Durchfall Hindenburgs nicht völlig verwischt werden dürfte. Mit wahrem Schmerze fragen sich die Freunde Deutschlands, wie kann ein großer Teil eines Volkes so geschlagen sein, daß eis zur Herausforderung aller seiner Feinde, sein Schicksal im Frieden just wieder in die Hände seiner geschlagenen Heerführer legen will? Wahrlich, es können auch nicht Hindenburgs Freunde sein, die den greisen Feldmarschall zu der Annahme der Kandidatur drängten. Hindenburg ist kein Ludendorff, sondern gilt bei Freund wie Gegner als Mann von Ehre, dem nicht nur ein Eid, sondern auch das einfache Wort heilig ist. Kann sich Hindenburg, der bisher kein Hehl daraus machte, daß er silch3 als treuer, durch seinen Diensteid seinem obersten Kriegsherrn ergebener Soldat fühle, darüber täuschen, daß er al5 gewählter Präsident sich durch einen Eid auf die Verfassung der Republik in einen Konflikt stürzt, aus dem er kaum in Ehren herauskommen könnte? Diese Erwägung allein hätte den 77jähr3*gen Greis zwingen müssen, auf die 'Kandidatur zu verzichten. Er hätte es dann nicht nötig gehabt, durch die paar Reden, die er seit seiner Kandidatur gehalten, den ekklatanten Beweis zu erbringen, daß er dem Posten, auf den man ihn drängen will, nicht gewachsen wäre. Ego. liiilliniiiiiiilllililiiiiiiiltiniiiiiM Werbet Abonnenten für „Die Wahrheit"! MHHinHIIIIIIM^^ Bei unseren Brüdern in New York. Von Chajim Bloch. (Fortsetzung.) Nicht weniger erstaunlich ist was hier auf kulturellem Gebiete vollbracht wird. Unzählige Schulen in Form des nur noch im Osten Europas existierenden „Che dt er" — ihre genaue Zahl läßt sich nicht angeben, doch zählen sie nach Tausenden — sowie mindestens fünfzig Talmud-Thora-Anstalten sorgen für di<e Erhatlung unseres geistigen Erbteils, unserer Thora, der die jüdische Volksseele durch Jahrtausende Liebe und Treue bewahrte. Es bestehen in New York zwei große R a b b i n e r -> H o c h s c h u 1 e n. Das sogenannte Schächterische Seminar (The Jewish Theological Seminary of America, 531 bis 535 West 123 d Street), an dessen Spitze gegenwärtig der bekannte jüdische Gelehrte Dr. Cyrus Adler steht, ist eine Anstalt, auf der die amerikanische Judenheit stolz sein kann. Das Lehrerkollegium besteht aus tüchtigen Gelehrten und Männern von bekanntem Rufe. Es tragen vor: Louis Ginzberg über Talmud, Alexander Marx über Geschichte, Mordechai M. Kaplan über Homiletik. Israel Davidson über hebräische Literatur. Allen diesen Gelehrten geht. auch bei uns in Europa ein großer Ruf voran. Eine besondere Beachtung verdient die Bibliothek des Seminars, die ziu den köstlichsten Besitztümern des amerikanischen Judentums gehört und mit ihren wertvollsten Handschriften und Büchern ältester Drucke als die bedeutendste jüdische Bibliothek der Welt bekannt ist. Sie untersteht der Leitung des bekannten Bibliographen Alexander Marx (Schwiegersohn des verewigten Prof. David Hoffmann in Berlin) und wird von ihm in rastloser Mühe gehegt und gepflegt. Die Bibliothek hat erst in jüngster Zeit die berühmte Bücherei von Elkan Adler in London um den Preis von 1.200.000 Dollar erworben. (Ich werde demnächst über diese Bibliothek einen ausführlichen Artikel schreiben.) Während meiner Anwesenheit in Amerika wurde zugunsten des „notleidenden" Seminars ein „Drew"-Sammelaktion über eine Million Dollar eröffnet und die Sammelarbeit in allen Städten Amerikas mit einem Eifer betrieben. Von dem man sich bei uns keine Vorstellung machen kann. (Bei uns sieht man solchen Eifer höchstens bei den Wahlen in die Kultusgemeinde.) Das zweite Rabbiner-Seminar nennt sich „Jeschiwat Rabbi Jizchak Elchanon * (nach dem berühmten Kownoer Oberrabbiner Spektor s. A.), ist eine Gründung des osteuropäischen orthodoxen Judentums und wird von Dr. Bernhard Revel, einem jungen Gelehrten, geleitet. Dieses Seminar hat vor einiger Zeit vom Kollegium der Universität des Staates New York das Recht bekommen, seinen Schülern den Doktorgrad für hebräische Wissenschaft und Literatur zu verleihen. In der Reihe der kulturellen Institutionen sollen noch zwei andere wichtige Anstalten angeführt werden. Rabbi Stephen S. W i s e hat vor einigen Jahren das „Jewish Instiute of Religion" ins Leben gerufen. (Fortsetzung folgt.)

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