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Die Wahrheit · 1925-04-24 · Heft 16 (24.4.1925) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 16 (24.4.1925)
Date
1925-04-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT LViilä Nr. 16 wecken und steigern, die in der arischen Gesellschaft ganz von aHein ohne künstferische Zucht zu ansehnlicher Blüt« gedeihen. In Wien hatten wir zum Beispiel Gelegenheit, die Segnungen einer christlichen Weltanschauung in vollen Zügen zu genießen. Die armen jüdischen Handwerker, die darbenden jüdischen Gewerbetreibenden wurden parteimäßig boykottiert und unbarmherzig bediängt. Für die Vertreter des Kapitalismus hingegen hatte man die schönsten und tiefsten Bücklinge, die Unterscheidungen der Rasse verschwanden da völlig. Mit dem lärmenden Kampfgeschrei gegen die Korruption waren die Männer ausgezogen, die gar bald bei dem Kultus des Gottes „Nimm" anlangten, der heute noch1 eine zahlreiche Gemeinde frommer Verehrer um sich sammelt. Jene, die dafür in die Schranken traten, die Schäden des jüdischen Kapitalismus mit arisch-christlichen Sanierungsmethoden auszumerzen, haben sich selber allgemach in ansehnliche Kapitalisten verwandelt. Man hat einst die spezifisch Wiener politische Parteir doktrin als den „Sozialismus der dummen Kerle" charakterisieren wollen. Indessen, abgesehen davon, daß diese Antikapitalisten, deren Entrüstung ausschließlich allein auf das Kapital der anderen abzielt, gar so dumm nicht sind, wie sie scheinen wollen, tut man jetzt gut daran, diese Schlagworte als antiquiert außer Kurs zu setzen. Auch aus diesen Gründen ist es ein arger Anachronismus, von Zusammenhängen zwischen Judaismus und Kapitalismus zu reden. Vom Dalles allerdings heißt es: Der Dalles ist ein jüdisches Wort, kommt auch bei den Christen vor. Auf den Kapitalismus das gleiche Witzwort anzuwenden, verbieten sowohl die Zeugnisse der ältesten Vergangenheit, als auch die Wahrnehmungen aus der lebendigen Gegenwart. Hier darf füglich eine Reminiszenz aus der reichen Geschichte des Judenhasses ihre Stelle finden: Ibn Alarif, der Großwesir des Königs Habus von Granda, hatte vor seinem Tode dem Großherrn zum Nachfolger im Großwesirat den Juden Samuel Halevi, später Samuel Hannagid genannt, emplohlen. Samuel Halevi war Geheimschreiber bei dem Grcßwesir und dieser hatte Gelegenheit, ebenso sehr seine Klugheit, wie seine Gelehrsamkeit zu bewundern, und in treuer Gesinnung gegen seinen Herrn riet er 'hm vor seinem Tode, diesen Juden zum Großwesir einzusetzen. Dies geschah und der König erkannte gar bald, daß er keine Ursache habe, seine Wahl zu bereuen. Denn unter seiner umsichtigen Verwaltung hob sich zusehends der Wohlstand des; Landes. Die Glaubenseiferer nahmen aber großes Aergernis daran, daß ein Ungläubiger, ein Jude, das Land regiere. Dessenungeachtet überhäufte der König den Wesir mit seiner Gunst. Er pflegte mit ihm durch die Straßen der Hauptstadt zu spazieren. Ein glaubenseifriger Araber, einer von der gelehrten Gilde, der das sah, konnte seinen Zorn nicht meistern und rief den beiden Spaziergängern den Fluch zu: „Allah möge den ungläubigen Juden verderben!" Der Fürst war darüber entsetzt und beauftragte den Wesir, den Namen des Schuldigen zu ermitteln und ihn dann bestrafen zu lassen. Dem Uebeltäter, der gewagt hatte, den ersten Ratgeber des Königs öffentlich zu fluchen, wurde, so forderte es das Gesetz, die Zunge ausgeschnitten. Des anderen Tages aber nahm Samuel Halevi, der offenbar wußte, wie mit den Judenfeinden, den damaligen Antikapitalisten, am leichtesten auszukommen ist, einen Beutel mit goldenen Münzen und übersandte ihn dem wütenden gelehrten Araber. Nach einiger Zeit traf es sich wieder einmal, daß, als der König mit seinem Wesir durch die Straßen Granadas ging, sie demselben Araber begegneten. Der aber warf sich zu Boden und rief: „Allah, segne den glorreichen König und seinen weisen Ratgeber!" Verwundert bemerkte der König zum Wesir: „Ist das nicht derselbe, der dich vor einiger Zeit mit Schmähungen überhäuft hat. und du, hast ihm nicht die Zunge herausschneiden lassen?" Darauf antwortete Samuel: „Jawohl, ich habe ihm eine neue, eine goldene Zunge eingegeben und darum spricht er jetzt goldene Worte." Seit jener Zeit hat der Judenhaß seine Natur kaum geändert, Nur hat der viel verrufene jüdische Kapitalismus heute nicht mehr genug für alle die erforderlichen — goldenen Zungen. (Fortsetzung folgt.) bolios I- ROTGASSE -1 Glossen. Hans Herz l, der.getaufte Sohn T h eo d o r si H e r z I s, hat die erhebende Universitätsfeier in Jerusalem zum Anlaß genommen', um in seiner Art den Manen seines edlen Vaters, dieses großen Juden, eine Huldigung darzubringen. Er veröffentlichte in der katholischen Zeitung „Univers" einen Artikel, in welchem er ausführte, daß, seitdem die Verfolgungen gegen die Juden in Rußland eingestellt sind, in Osteuropa keine jüdische Probleme mehr existieren und! damit habe; der Wunsch seines Vaters, daß Palästina eine jüdische Nationalheiimstätte werde, jede Berechtigung verloren. Es wäre töricht, die Ausführungen Herzls einer sachlichen Erörterung zu unterziehen, sie verraten eine zu grenzenlose Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse. Aber soll man mit dem bloßen Schweigen der Verachtung d'as neuerliche aufdringliche Hervortreten dieses Mannes züchtigen!, den es gelüstet, d!as Grab seines; Vaters just in diesen Tagen öffentlich zu schänden? Hans Herzl scheint wirklich nur den Beweis erbringen zu wollen1, daß er durch die Taufe ein ganz anderer Mensch, geworden sei, der nicht einmal die Erinnerung daran behalten, wer sein Vater gewesen. Wäre ein Funken jüdischen Geistes, jüdischen Fuhlens im Herzen dieses verlorenen Sohnes zurückgeblieben, dann wüßte er, daß ihm nur Schweigen1 gezieme. # * * In den Gesetzentwurf über die Reform des ungarischen Oberhauses wurde die Bestimmung aufgenommen, wonach zur Vertretung der israelitischen Konfession ein von den Kuitusge mein den gewähltes'Mitg 1 i e d einen Sitz im Oberhause erhält. Soll man darüber staunen, daß in Horthy-Ungarn neben: der großen Schar von Vertretern der katholischen und protestantischen Kirche vielleicht auch einem Vertreter jüdischer Konfession ein! Plätzchen im Magnatenhause eingeräumt wird? Ein Gesetzentwurf ist allerdings noch kein Gesetz. Aber denkbar wäre es immerhin, daß in Horthy-Ungarn auf diese Weise das Ideal eines Numerus clausus als Muster aufgestellt} werden soll. Einen einzigen jüdischen Professor und einen e i n z i g e n jüdischen Hörer würden die Horthy-Leüte vielleicht auch an der Universität unbehelligt lassen. * August Lederer und Ladislaus Okoücsanyi, welch herrliches Dioskurenpäar aus dem Kreise der „besten Offiziere" Horthys! Es ist schwer zu unterscheiden, welchem von beiden die Palme gebührt: Dem Oberleutnant Lederer,der mit Hilfe seiner Gattin deren Geliebten zerstückelte, oder den Oberleutnant Okolicslanyi, der die Halbweltdame Amalie Leyrer ermordete. Aber ganz gleich waren sich die beiden' in der bestialischen Grausamkeit, mit der sie sich früher schon eigenhändig an den vielen Mordtaten in Westungarn beteiligt hatten, also ganz gleich in dem „patriotischen Ueberschwang", der ihnen die alleinseligmachende Amnestie Horthys gesichert hätte, wenn nicht ein Zufall nachträglich einige ihrer Schandtaten enthüllt hätte, die auch beim Schleen-

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