Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 16 (24.4.1925)
- Date
- 1925-04-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr.16 sehe Majorität neben einer starken arabischen und einer kleineren rein christlichen Minorität wird leben' können. Diese Tatsache haben weitsichtige Politiker bereits vor der Möglichkeit der Errichtung der Republik Palästina vorausgesehen und den Zionisten vorgehalten, daß, abgesehen von der Kleinheit des Landes und der dadurch bedingten U n m ö gl i c h k e i t einer Existenz für eine Gemeinschaft von 16 Millionen Menschen ihr Ziel aus diesem Grunde scheitern müsse. Das Vorhandensein dieser beiden Minoritäten wird die Regierung der Republik Palästina hindern, allen Einwohnern des Landes den Stempel jüdischen Volkslebens aufzuprägen und es dadurch zu einem jüdischen Lande zu gestalten. Sie ward einen Staat scharfen müssen, der der arabischen wie der christlichen Minorität in politischer, sprachlicher und kultureller Beziehung völlige Gleichberechtigung' gewährt, um so mehr, als in der Hauptstadt des Landes die heiligsten Kultstätten der christlichen Religion wie auch sefyr bedeutende Kuiltstätten des Islams sich befinden. Die Regierung wird nicht die Macht haben, alle Beamtenstellen mit Juden zu besetzen, sondern, um nicht fortdauernd Konflikten ausgesetzt zu sein, diese paritätisch zu verteilen gezwungen sein. Dazu kommt noch der gewichtige Umstand, daß der Mandatarstaat für Palästina, das mächtige britische Reich, die neue Republik nur als einen Posten in der Berechnung seiner auswärtigen Polit i k eingesetzt hat, und infolgedessen die Regierung eventuell gezwungen sein würde, die Interessen dieses Weltreiches wahrzunehmen, ganz abgesehen davon, daß das britische Reich im Hinblick auf seine überaus zahlreichen mohammedanischen Einwohner die Araber in Palästina als seine ganz besonderen Schützlinge betrachten wird. Kann aber ein solcher Staat, der keine selbständige auswärtige Politik treiben, der nicht ein malin seinem eigenem Territorium ausschließlich „Juden" aufnehmen kann, der es nicht vermag, sein eigenes Volksleben, eine eigene Kultur zu entwickeln, den Anspruch erheben, auf Grundlage der nationalen Zusammengehörigkeit eine Gemeinschaft von 16 Millionen zusammenzuketten, die außerhalb seiner Grenzen wohnen, während innerhalb seiner Grenzen nur ein Bruchteil dieser Zahl leben kann? Hat eine solche Theorie das Recht, das jahrhundertalte Band der ethischen und religiösen Basis zu zerreißen, wenn sie nicht in der Lage ist, die neue Basis, die sie als Ersatz anbietet, so fest zu fundieren, daß darauf ein solider, auf festen Fundamenten und unter sicherem Dach errichteter Bau ruhem kann? Diese Frage stellen, heißt sie verneinen. Der einzige Erfolg, den der Zionismus erreichen wird, und der auch gewiß nicht unterschätzt werden soll, wird eine stärkere Kolonisierung Palästinas mit Juden anstatt mit Arabern und Christen sein, aber zu den bisherigen deutschen, englischen und anderen Bindestrich-Juden werden sich palästinensische Juden zugesellen. Eine Lösung der Judenfrage und eine Aufhebung des Antisemitismus, welche gerade der Zionismus anstrebte, wird auch durch die Errichtung der Republik Palästina nicht erreicht werden. Das Judentom hat wirklich andere Aufgaben zu erfüllen, als sein Ideal auf die Errichtung eines Staates zu konzentrieren, Die biblische Landeskunde bereichert: M. Thilo. Zwei Jahre im Lande der Bibel. Neuwied a. Rh., 1924. J. Meinecke. Th.'s Wahrnehmungen zeugen von einer scharfen Beobachtungsgabe und sind für das Verständnis der Bibel vorzüglich zu verwenden. Zutreffend werden zum Beispiel Jes. 44,22 und Hos. 6,4 auf S. 37, Sech. 3,10 auf S. 37 erklärt. Der Grund, weshalb die Juden den Tempelplatz nicht betreten, ist S. 48 nicht richtig angegeben. Das Staunen, weshalb die Juden nicht Christen werden wollen und manches, was sonst hier über sie gesagt wird, läßt erraten, daß der Verfasser mit dem Wesen des Judentums zu wenig vertraut ist. Unter den arabischen Sprichwörtern, S. 162, fällt das dem Abr. ibn Ezra zugeschriebene Wort auf: „Wenn wir mit Leichentüchern handeln würden, dann würde niemand sterben". Das Büchlein wird jedem Freunde Palästinas und der Bibel eine willkommene Gabe bedeuten. Gleichfalls eine Reise ins Land der Bibel liegt vor in Bruder Willram, Unter morgenländischem Himmel.Innsbruck 1923, Verlag Tyrolia. Das geschmackvoll ausgestattete Buch gefällt sich darin, ein wenig (s. S. 28) zu antisemitein. Auch zeigt, was schon begreiflicher ist, der Verfasser (S. 107) kein Verständnis für die „alte Messiassehnsucht Israels". Sonst kann aber auch der jüdische Leser sich der Führung des Verfassers durch historisch geweihte Stätten ruhig anvertrauen. Die „biblische Theologie" kommt zu Worte in Dürr L., Ursprung und Ausbau derisr.- jüd. Heilandserwartung (Berlin 1925, C. A. Schwetschke u. Sohn, M. 6). Mit Erfolg sucht D. den Heiland aus einer autochthon jüdischen Volkseschatologie herzuleiten. Daß mit dem Kommen des Messias, wie D. schreibt, die Vernichtung oder Unterwerfung der Völker (S. 39) verbunden sein soll, kann zu sehr unheilvollem Mißbrauch falsch gedeutet werden. Es handelt sich in Wirklichkeit nur um diejenigen Völker, die Israel, d. h. Gott sich feindlich zeigten und dem Erscheinen des Messias entgegenarbeiten würden. In einer aufgewühlten und Schlagwörtern so leicht zugänglichen Zeit, wie der unseren, ist Vorsicht geboten. Thematisch verwandt ist J o h. L e i p o I d t s Studie „War Jesus Jude?" (Deichert, Leipzig 1923), die mit Zurückweisung der halsbrecherischen Hypothesen ä la Chamberlain diese Frage bejaht. V. Zapletal. David und Bathseba. (Paderborn 1923, Ferd. Schöningh.) Eine poetische Darstellung einer biblischen Episode. Mit historischer Treue folgt Zapletal der biblischen Erzählung. Auch die ergänzenden Ausfüllungen verraten die sachkundige Hand. Wenn auch einiges auf den jüdischen Leser störend wirkt, so dürfen wir doch froh sein, daß durch solche Popularisierung der biblischen Geschichte unser Altertum uns in greifbare Nähe gerückt wird. Ueber biblische Erzählungen und fremde Literatur berichtet unter anderem das Korrespondenzblatt des Vereines zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums. (1922. 1923/24. Schwetscbke & Sohn, Berlin.) Außer Berichten des Vorstandes enthalten diese Hefte sehr beachtenswerte Aufsätze von Baeck, Stern, Albeck, Guttmann, Speyer, Baneth. Sie behandelt außer Biographischem die Frage der Entstehung der Mischna, die Beziehungen Jehuda Halewis zu Gazali, die biblischen Erzählungen im Koran, die Juden .unter dem großen Kurfürsten. (Fortsetzung folgt.) JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien IL, Taborstraße 44