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Die Wahrheit · 1925-04-24 · Heft 16 (24.4.1925) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 16 (24.4.1925)
Date
1925-04-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16 DIE WAHRHEIT Seite 3 Worte. Darunter auch — Adolf Bartels. Als ich Herrn Bartels in dieser Gesellschaft fand, da dachte ich zunächst an Namensgleichheit oder irrtümliche Verwechslung. Ich habe daraufhin einige ältere Jahrgänge von 'Kürschners Literatur-Kalender nachgesehen und festgestellt, daß es nur einen, nämlich den im Jahre 1862 in Wesselburen geborenen Adolf Bartels gibt. Eine irrtümliche Verwechslung aber ist schon deshalb ausgeschlossen, weil in dem betreffenden Buche die Echtheit jedes Beitrages durch faksimilierte Namensunterschrift bezeugt ist. Ich hätte große Lust, die Namensuinterschrift des Herrn Bartels auszuschneiden und sie dem Raphael Schermann vorzulegen, auf daß er vermöge einer exakten Handschriftdeutung den Zwiespalt der Natur erkläre. Denn hier liegt in der Tat ein Zwiespalt der Natur vor. Gewiß, man soll nicht gleich jemandem seinen GesinnnungsWechsel vorwerfen; der Mensch kann jederzeit noch etwas hinzulernen, kann jederzeit sich eines Besseren bewußt werden oind mithin seine Meinung ändern. Aber daß einer seine Meinung ändert, indem er sich eines Schlechterem bewußt wird, indem er vom Gegner des Antisemitismus zum rasseschnüffelnden Antisemiten sich wandelt — nun, das gehört denn doch zu den recht seltenen Fällen. Jüdisches Fräulein i zu vierjährigem Knaben, das die deutsche Sprache beherrscht 2 und im Haushalt etwas mithilft, wird sofort aufgenommen. Zuschriften an Dr. Isidor Tänzer, Advokat. Novi Zamky, 2 Slowakei. Zionistische Probleme. In Fortsetzung der von einem philozionistischen deutschen Juden angeschnittenen Diskussion geben wir im folgenden einem Antizionisten, Herrn Hugo Hertz in Hamburg, das Wort, wobei wir betonen, daß manche seiner Ausführungen nicht unser Einverständnis haben. Wir wollen aber im Sinne des Diskussionseröifners und in Wahrung unserer publizistischen Objektivität den Stimmen pro und contra Gehör verschaffen und hoffen, daß diese durch viele Ereignisse der letzten Zeit notwendig gewordene Auseinandersetzung für beide Teile fruchtbringend sein wird. Die Red. Das zionistische Ideal gipfelt in der Forderung, in Palästina eine öffentlich-rechtliche Heimstätte für das gesamte jüdische Volk, und nicht nur für einen Teil des jüdischen Volkes zu begründen. Aus dieser Forderung leitet jedoch der Zionismus ex posteriori die Theorie ab, daß das Judentum kein« Reliigions-, keine Kulturgemeinschaft, sondern eine ethnologische, rassenmäßig (?) begründete Volksgemeinschaft darstelle. Wäre nicht schon wiederholt von berufener wissenschaftlicher Seite die Unhaltbarkeit dieses Standpunktes nachgewiesen worden, so müßte man sich mit dieser Tatsache abfinden, ohne Rücksicht darauf, welche Rückwirkung die Anerkennung dieser Behauptung auf die politischen Rechte der Juden in ihren Heimatländern nach sich ziehen würde. Aber die Möglichkeit der Verminderung der staatsbürgerlichen Rechte muß die Juden stets von neuem zwingen, auf die Unrichtigkeit der zionistischen Theorie hinzuweisen. Aber abgesehen von diesem Gesichtspunkte, tritt bereits jetzt zutage, daß auch im günstigsten Falle in Palästina nur eine jüdi- Tempelhofes (Berlin 1924, Kohlhammer). Was G. über diese beiden Altäre, die Bedeutung der Altäre bei den Israeliten überhaupt, die Hörner am Altar, die beiden Säulen Jachin und Boaz (als Mazzeben zu den beiden Altären) sagt, klingt wahrscheinlich. Auf demselben Gebiete bewegen sich die folgenden Arbeiten: E. Kalt. Biblische Archäologie, Freiburg i/Br. Herder & Co. Wie wenige unter denen, die über Juden und Judentum sich ein Urteil anmaßen, kennen die Tatsachen, die hier über das altisraelitische Sklavenrecht, über die Juden als Handelsvolk („Gleichnisse aus dem Handelsleben finden sich nur im Neuen Testament", Seite 56), das jüdische Familienleben und vieles andere zusammengestellt sind. Die Argumentationen gegen die Wellhausensche Schule verdienen größte Beachtung. D ö 11 e r Jon., Die Wahrsagerei im Alten Testament (Aschendorff, Münster i. W., M. 1.20). Daß die Becher Wahrsagung noch heute im Schwünge ist (15) ist religionsgeschichtlich wichtig, ebenso die .Verwendung eines Mediums für diesen Zweck im alten Aegypten (17), das, was D. unbekannt sein dürfte, genau ebenso in den Beschwörungen der „Becherfürsten", d. h. der durch den Becher zu beschwörenden Geister, wiederkehrt, die sich im hebräischen Volksglauben in Menge finden. Die auch anderwärts gegebene Zusammenstellung der Urim und Tummim mit Alpha und Omega, Emet und Tamim (Ri 9, 16, 19) legt einen neuen Erklärungsversuch des noch immer nicht enträtselten Davidschildes, des Hexagramms, nahe; Fügt man ein Aleph links und ein Taw rechts in althebräischer Schrift aneinander, wie sie übrigens in Taanak auf kleinen Scherben zutage gefördert worden sind, so erhält man ohne weiteres ein Pentagramm. Das Hexagramm weist einen Strich mehr auf, der in Verbindung mit den anschließenden Linien ein althebräisches (auch griech.-lateinisches) M ergibt. Wir hätten hier somit das Wort „emet" vor uns und es würde dadurch der talmudische Ausspruch illustriert, daß „emet" das Siegel Gottes sei. Dies würde zu den Ausführungen über das Hexagramm im Jahrbuch für Jüd. Volkskunde 1923 und sonst übereinstimmen. Daß dieses Zeichen bei den neuesten Ausgrabungen in Palästina auch an der Stätte des alten Kapernaum entdeckt worden ist, ist für die Bestimmung seines frühesten Vorkommens innerhalb des jüdischen Kulturkreises zu beachten. Besonders hervorzuheben sind wegen der Energie, mit der sie die Eigenart der Religion Altisraels, ihren ethischen Monotheismus und echt rein menschlichen Charakter als einzigartig gegen herabsetzende, unbegründete Urteile anderer moderner Kritiker verfechten, sind die folgenden beiden Beiträge: A. Jirku, altorientalischer Kommentar zum Alten Testament (Leipzig 1923, Reichert). Ohne Uebertreibung darf man dieses Werk als unentbehrlich für jeden Bibelforscher bezeichnen. In anderem Sinne, als Schräder und Jeremias, trägt hier ein Fachmann kritisch alle Parallelen zum A. T. aus altorientaiischen Quellen zusammen. In seiner. Studie „Die Beurteilung der Armut im A. T." (Perthes, Gotha 1924, M. 4.—), bietet Dr, H. Bruppacher absichtslos so wertvolles apologetisches Material, daß man sie nicht warm genug empfehlen kann. Besonders wendet sich seine Beweisführung gegen die christliche Auffassung der Armut als Askese. Die Armut ist nicht von Gott gewollt, sie muß bekämpft werden. Die jüdische Ethik ist keine romantische Individual-, sondern Sozialethik. Das Sittliche behauptet überall im A. T. den Primat vor dem Kultisch- Asketischen. Einen Beitrug zur biblischen Psychologie liefert: W. v. Hauff, Sexualpsychologisches im Alten Testament, Bonn a. Rh. 1924. Marcus und Weber. M. 2.40. Steht der Verfasser auch in literarischer Hinsicht auf radikalem Standpunkt, so ist doch die Art, wie er die einschlägigen Daten in einer ethnologischen und religionsgeschichtlichen Perspektive behandelt, dankenswert.

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