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Die Wahrheit · 1925-04-08 · Heft 14-15 (8.4.1925) · page 26

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 14-15 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 26)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft im kommenden Jahr, üeineinderat Dr. Plaschkes erörterte im Zusammenhang mit dem Jahresbericht die Schwierigkeiten, die der ruhigen und pflichtbewußten Arbeit in Lainz gegenwärtig von der Stadtverwaltung bereitet werden und sprach die Hoffnung aus, daß diese Mißhelligkeiten in absehbarer Zeit in einer der Gerechtigkeit und Billigkeit entsprechenden Weise aus der Welt geschafft würden. Er sprach Rabbiner Fischer den Dank der Arbeitsgemeinschaft für seine soziale Tätigkeit aus. Den mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen folgte eine Aussprache, in der verschiedentlich wertvolle Anregungen zutage traten. Aus der Versammlung heraus wurde der Wunsch nach öfterem Zusammenkommen zur Besprechung von sozialen Problemen laut. Zum Schluß wurde eine Resolution, die sich mit der Zukunft der Lainzer Aktion befaßte, einstimmig angenommen. Todesfall. Samstag, den 28. März, ist der langjährige Obmann des Brigitteuauer Bethaus- und Bildungsvereines „Ansehe daht wuzedek" und gewesener Bezirksrat Herr Siegmund D i c k s t e i n nach langem schweren Krankenlager. 58 Jahre alt, verschieden. Als die Chewra Kadischa die Leiche abholte, war im Trauerhause und auch vor demselben die Brigitteuauer ludenschaft sehr zahlreich versammelt, um dem gebildeten und für jüdische Ideale begeisterten Juden dieses Bezirkes wehmutsvoll das letzte Geleite zu geben. Der Furgon bewegte sich in die Traunfelsgasse und machte vor dem Hause, in dem sich die bezeichnete Andachtsstätte befindet, Halt. Hier wurde die Leiche von mehreren Vereinsmitgliedern mit dem Rabbiner Herrn Gottesmann erwartet, der von dem Verblichenem Abschied nahm. Montag, den 30. v. M.. haben wir das, was an Sigmund Dickstein sterblich war. der Erde übergeben. In der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes. III. Tor, versammelten sich die tiefgebeugten Hinterbliebenen, sämtliche Familienmitglieder, sowie zahlreiche leidtragende Freunde und Abordnungen der zionistischen Partei, der sozialdemokratischen Bezirksvertretung, des Brigittenauer Tempelvereines, des Bethauses „Ansehe daht wuzedek" und aller im Bezirke wirkenden humanitären Vereine. Die kantorale Funktion' hatte Herr Kantor Roth, der mit tiefer Empfindung die Sierbegebete rezitierte. Rabbiner Dr. A b e 1 e s hielt dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf.- Er skizzierte dessen Lebenslauf und hob sein Wirken an der Seite Theodor Herzls hervor. Sodann sprach Dr. Plaschkes namens der zionistischen Partei, Rabbiner Gottesmann für ,.Ansche daht wuzedek" und Bezirksrat Selz er für die Bezirksvertretung Brigittenau. Am offenen Grabe fungierte Herr Oberkantor Alter. Der Verstorbene hinterläßt eine schwergeprüfte Gattin und fünf musterhafte Kinder, von denen zwei Töchter und ein Sohn noch unverheiratet geblieben sg^d. Mit Sigmund Dickstein scheidet ein ganzer und vollwertiger Mensch aus den Reihen der Wiener JudenschafL ein Streiter und Kämpfer für das Recht und die Ehre des Judentums. Das Andenken dieses Gerechten werde zum Segen. N. Ch. Künstlerischer Abend des Verbandes der Fachpresse. Der am 25. März im Hotel Continental veranstaltete Abend bot eine Fülle künstlerischer Darbietungen. Das Streichquartett L i I i e n t h a 1 (Dr. Fritz Lilienthal. Dr. Hausner, Doktor Turek, Dr. Heindl) spielte das D-Dur-Quartett von Borodin mit größter Technik und herrlichem Zusammenklang der Instrumente. Die jugendliche Tanzkünstlerin Trude E m m e r-! i ng (Schule Carri) tanzte, von der Pianistin Hilde L o e we meisterhaft am Flügel begleitet, äußerst anmutig und charmant d#e Nocturne von Chopin sowie eine schalkhafte Tarantella und erntete lebhaften Applaus. Opersängerin Annemarie S t r e h 1 a u sang mit herrlicher Stimme und feinstem Ausdruck eine Arie aus der Favoritin und erhielt große Anerkennung. Einen besonderen Erfolg holte sich Dr. Wilhelm Steiner mit dem stimmlich und darstellerisch ausgezeichneten Vortrag einer Arie aus dem „Nordlicht" und mußte sich zu Zugaben entschließen. Sonja A 11 b a c h, Mitglied des Burgtheaters, bewies ihr respektables Talent mit dem Vortrage ernster Gedichte und wurde lebhaft akklamiert. Fritz Werner brachte selbstverfaßte Chansons äußerst wirkungsvoll zu Gehör und entfesselte Beifallsstürme. Einen erlesenen Genuß bot das Kammerquariett Tautenhayn (Karl Tautenhayn, Weißgärber. Straßer. Zittriisch). das mit dem ganzen Einsätze seiner großen Künstlerschaft Altwiener Musik spielte. Füi Mars entzückte mit dem fein pointierten Vortrag einiger Kabareitlieder. Mimi I.ic tanzte mit größter FtißspUzentecbuik und <chr grnziös einige mondäne Tänze und Würde lebh.'ft bedankt, /um Schlüsse brachte Dr. S z am <■ k mit dem Vortrage einer selbstvertaßten Humoreske die Lacher auf seine Seite. Die künstlerische Leitung lag in den Händen des Prof. Ludwig M a h I e r. Der Israelitische Humanitäts-Verein für die westlichen Bezirke Wiens, wird sein Ferienheim in Vöslau ..Florahof" heuer wieder im Juni eröffnen und ersucht Eltern und Vereine, die erholungsbedürftige Schulkinder von 6 bis 14 Jahren in unserem Heim unterbringen wollen, sich schon jetzt vormerken zu lassen. Anmeldungen nur schriftlich an Frau Elise Fröhlich. VI., Gumpendorferstraße 92. Neid und Dummheit Der Führer der Deutschvölkischen. Graf E. Reventlow, den von jeher eine gewisse Offenherzigkeit ausgezeichnet hat, entwirft in dem von ihm herausgegebenen „Reichswart" das folgende beachtenswerte Urteil über seine Parteigenossen: „Wer das Vereinsud Verbandsleben in Deutschland kennt und — es muß leider ausgesprochen werden — besonders das völkische, weiß, wie eifrig sich da invidia et stultitia (Neid und Dummh e it) betätigt, wie sich nicht gerade die erhabensten Leidenschaften erhitzen, wie der unglaublichste Unsinn geglaubt und wie die infamsten Verdächtigungen ausgesprengt und angenommen werden. Wird es hiermit nicht anders, und zwar von Grund aus. dann ist nicht daran zu denken, daß die völkische Bewegung jemals auch nur eine einigermaßen einheitlich zu leitende politische Macht wird." Der Graf Reventlow wirft dann namentlich einer bayerischen Gruppe der Deutschvölkischen „fanatischen Drang zur Unwahrheit" vor. Da man allen Grund hat, dieses Urteil keineswegs auf diese bayerische Gruppe zu beschränken, so wird mit den Worten: „Neid und Dummheit, verbunden mit einem fanatischen Drang zur Unwahrheit" tatsächlich die gesamte deutschvölkische Bewegung ganz vortrefflich charakterisiert. Dem Andenken Anatole Frances. In unserer Nr. 44 vorigen .Jahres hatte Herr Dr. L. D. in dem Artikel „Anatole France ist tot" gesagt, es müsse hervorgehoben werden, „daß auch gerade das Judentum an der Bahre dieses wundervollen Menschen trau er t". Wir können jetzt, wie wir aus den Blättern der Hamburger Kammerspiele, „Der Freihafen", ersehen, noch folgende interessante Worte Dr. Arthur Sackheims hinzufüget): „Durch und durch urbaner Pariser, nicht ganz so sehr Vollblutfranzose. (Anatole France war — wie der ihm so verwandte erste Apostel des Relativismus in der Geistesgeschichte Michel de Montaigue — mütterlicherseits jüdischer Abstammung). Aber vor allem war Anatole France ein ganz unpathetischer Hohepriester der Wahrheit. Schönheit und Menschlichkeit." Hier scheint also die Erklärung dafür zu liegen, weshalb hauptsächlich die französischen Antisemiten das Andenken Anatole Frances verunglimpfen. Druckfehlerberichtigung: In Nr. 13 haben sich einige Druckfehler eingeschlichen. So soll es S. 1, Sp. 1, Z. 22, v. o. für beigelegt, heißen: begleitet. S. 1, Sp. 2, Z. 1' v. o. für eingeschrieben heißen: geschrieben; S. 1. Sp. 2, Z. 31 v. o. für ihn: heißen: ihm; S. 1, Sp. 2, Anm. 7 für Bell. jüd. ist zu lesen Bell, jud.; S. 2, Sp. 2, Z. 16 v. o. sind nach dem Worte Form folgende Wörter ausgefallen: bei keinem andern Volke findet, daß der Gelehrte und Forscher: S. 2, Sp. 2, 1. Z. v. u. ist das Wort: sicherlich zu streichen. S. 3. Sp. 1, Z. 25 für sollten, muß es heißen: sollen: S. 4. Sp. 1, Anmerkung 17 ist zu lesen: daß sie die Toten; S. 4, Sp. 2, Z. 2 v. o. für Schüler: Schülern. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Vom Rabbinate der israelitische Kultusgemeinde Wien wird hiermit bekanntgegeben, daß die Fleischbänke des Herrn Salomon Schabes, Wien IL, Krummbaumgasse 6, und Wien VI., Stumpergasse 48, nicht mehr unter Aufsicht des Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde Wien steht und daher dasselbe für das Kaschruth dieser Fleischbänke die Verantwortung nicht übernehmen kann. Fernsprecher. Jewish Social Research, New York. Wie uns der Präses der Kultusgemeinde Pardubitz, Herr Berthold Thein, mitteilt, ist das in der amerikanischen Presse verbreitete Gerücht, es sei in Pardubitz eine Frau als Schochet bestellt worden, vollständig aus der Luft gegriffen. G. W. Ihre Versicherung, für unsere Zeitschrift zu wirken, hat uns sehr gefreut, gedenken Sie dabei vor allem des Preßfonds. Einsendungen der gedachten Art sind uns sehr wünschenswert und bitten wir, uns solche von Zeit zu Zeit zukommen zu lassen. O

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