Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 14-15 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14/15 DIE WAHRHEIT Von Woche zu Woche Jüdischer Frauenverein Leopoldstadt. Der im Titel genannte Verein wendet sich durch uns an alle mitfühlenden Herzen, sich zu den Pessachfeiertagen des seit langen Jahren so segensreich wirkenden Vereines zu erinnern, der vor den Feiertagen übermenschliches auf dem Gebiete der Wohltätigkeit geleistet und gerade jetzt, in dieser schwersten Zeit, aller Hilfsmittel entblößt dasteht. Es gibt keine größere Freude, als anderen Freude zu bereiten. Wir bitten deshalb um Spenden für den Verein. Tausend Dank im Voraus. Generalversammlung der „Woia". Dienstag, den 31. März fand die Generalversammlung der „Woja" im geräumigen Lokale des Vereines, 1., Griechengasse 3, statt Eine größere Anzahl der führenden Männer verschiedener jüdischer Organisationen nahm an derselben teil und brachte das warme Interesse an dem Gedeihen und Fortbestand der Mittelstandsküche wie des Arbeitsnachweises zum Ausdruck. Der Vorsitzende, Direktor P i s e k, sowie der Kassier Oberrechnungsrat Weiner erstatteten unter Beifallsbezeugungen der Versammlung eingehende Berichte und beantragten, den Begründer und früheren Präsidenten der „W o j a" Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenraann wegen seiner besonderen Verdienste zum Ehrenpräsidenten zu ernennen. Nach durchgeführter Statutenänderung fanden Wahlen statt, die folgende einstimmigen Resultate ergaben: Ehrenpräsident Rabb. Dr. Rosenmann, Präsident Dir. Josef P i s e k, Vizepräsidenten Carl Blume und 0. R. R. M. Weine r, Kassier Oberinspektor Be r an, Schriftführer Bankbeamter Ernst Rosenmann, denen sich als Vorstandsmitglieder eine Reihe bewährter, tüchtiger Männer anschließt. Eine besondere Begeisterung gab sich in der Versammlung kund, als über Antrag der Herren Rabbiner Dr. Rosenmann und O. R. R. Weiner beschlossen wurde, anläßlich der Eröffnung der Universität in Jerusalem ein Begrüßungstelegramm abzusenden. Nachdem einige erwägungswerte Anregungen dem Ausschusse zur Behandlung übergeben wurden, schloß der Vorsitzende mit Worten des Dankes an die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, insbesonders an den gewesenen Schriftführer, Herrn Gustav Rapaport. Generalversammlung. Der Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk, der auf eine segensreiche 26jährige Tätigkeit zurückblickt, hielt am 22. März d. J. seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Präsident des Vereines, Herr Direktor Benno K a h a n e begrüßte die Erschienenen, insbesondere den Vertreter der Kultusgemeinde Herrn Medizinalrat Dr. Jakob Deutsch, den Obmann des Bethausvorstandes Herrn Sigmund Weiler und die Vertreter der Wohltätigkeitsvereine der beiden Bezirke. Vor Eingehen in die Tagesordnung hielt der Vorsitzende den im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitgliedern einen warmen Nachruf. Nach! der Verlesung des Protokolls der letzten Generalversammlung erstattete der um den Verein sehr verdiente Kassier Herr Leopold L ö w i n g e r den Kassabericht, der nach den Ausführungen des Revisors Herrn Bernhard Mandelbaum einstimmig genehmigt und der Vereinsleitung das Absolutorium per Akklamation erteilt wurde. Aus dem sehr sachlichen Tätigkeitsbericht des Herrn Emanuel D o n a t über die Ausspeisung entnahmen die Mitglieder, daß die Kosten der Ausspeisung im abgelaufenen Jahre mehr als 100 Millionen Kronen betragen haben, außer den in großer Zahl eingelaufenen Naturalspenden. Herr Obmann D o n a t hob insbesonderes die großen Verdienste hervor, die sich die beiden Damen Charlotte We gIer und Regine Ungvary um die Ausspeisung erworben haben. Die durch ihre langjährige charitative Tätigkeit besonders verdienstvollen Mitglieder Frau Olga Krupnik, die Herren Julius Krupnik, Benedikt Schmidek und Ottomar Katz wurden unter stürmischem Beiiall zu Ehrenmitgliedern ernannt. Bei den sodann vorgenommenen Wahlen wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder per Akklamation wiedergewählt und in Werbet Rbonnenten für „Die Wahrheit"! innifRHiimimiinninipni» den Vorstand neugewählt die Herren Alois L i 1 i e n t h a 1, Karl Mandelbaum, Kommerzialrat Sigmund N isse 1, Emil .Schmeier und Ignaz Steiner. Herr Oberveterinärrar Heinrich Rosenzweig sprach namens der Mitglieder dem Präsidenten und der gesamten Vereinsleitung für die mustergültige Führung den Dank und die Anerkennung aus. Pessach-Ausspeisung. Der Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk wird wie in früheren Jahren, auch heuer während der Pessachfeiertage die Ausspeisung seiner Schützlinge (\30 an der Zahl) vornehmen und täglich auch Fleisch verabreichen. Da die Mittel des Vereines hierfür zu gering waren, wurde von dem sehr verdienstvollen Vize-Präsidenten Herrn Josef S a 1 a m o n eine Sammelaktion eingeleitet, um die erforderlichen Mittel für die Pessach-Ausspeisung aufzubringen. Die Vereinsleitung ladet alle Gönner und Freunde des Vereines zur Besichtigung der Mittag-Ausspeisung in ihrem Vereinshause XVI., Wurlitzergasse 11 ergebenst ein. Eine beherzigenswerte Anregung. Es wird uns mitgeteilt, daß im Tempel Döbling eine prunkvolle Votivtafel für gefallene Glaubensbrüder des Bezirkes schon im Jahre 1919 errichtet wurde. Arbeitsgemeinschaft .Jüdische Krankenfürsorge". Vor kurzem fand im Sitzungssaal der Kultusgemeinde die Generalversammlung der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Kranketifürsorge"' statt. Den Vorsitz führten Gemeinderat Doktor L. Plaschkes und Frau Rosenberg (Bikur Chaulim). Rabbiner Bela Fischer erstattete ein ausführliches Referat über die Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft im Jahre 1924, das gleichzeitig einen programmatischen Ueberblick über die Bedürfnisse und über die Möglichkeit der Krankenfürsorge in Wien bot Er führte aus, wie die Arbeitsgemeinschaft es im vergangenen Jahr verstanden hat, alle Möglichkeiten zur Versorgung ihrer Schützlinge heranzuziehen. Eines ihrer Hauptprinzipien ist dabei gewesen, den Hilfsbedürftigen zur Erlangung wohlerworbener Rechte zu verhelfen und somit zu verhindern, daß sie den jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen unnütz zur Last fallen, ihr zweites Hauptprinzip, die zu verausgabenden Geldmittel so anzuwenden, daß sie nicht Ausbeutern der Wohltätigkeit zufallen, sondern wirklich Segen stiften. Gerade zur Eindämmung der Betriebsamkeit jener Leute, die Verein nach Verein abzuklopfen verstehen, hat sich der Zusammenschluß und die Befolgung gemeinsamer Richtlinien als sehr wirksam erwiesen. Anderseits wurden auch Beispiele dafür angeführt, wie das Zusammenwirken rasche und gründliche Hilfe in schwierigen Fällen gebracht hat Die Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Krankenfürsorge" hat sich aber nicht auf pekuniäre Hilfeleistung beschränkt. Ihre praktischen Erfahrungen haben sie die Notwendigkeit erkennen lassen,, auch solchen Kranken mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, die aus dem Ausland mit durchaus zureichenden Geldmitteln nach Wien kommen, um hier Genesung zu suchen. Diese fallen sehr häufig unberufenen Ratgebern in die Hände, die ihnen das für Arzt und Spital bestimmte Geld aus der Tasche zu lecken verstehen. Durch Artikel hat sie aufklärend gewirkt und nicht nur allgemeine Warnungen ausgesprochen, sondern auch positiv Wissenswertes über die Wiener Spitalsverhältnisse und -kosten mitgeteilt. Neuerdings kommen ihr Anfragen aus dem Ausland zu, so daß sie, schon ehe die Reise angetreten wird, aufklärend und vorbeugend wirken kann. Zum Schluß berichtete der Redner über die rituelle Küche, die in Lainz für die strenggläubigen Patienten des dortigen Versorgungsheims und der umliegenden Spitäler geführt wird und diesen Elementen ermöglicht, diese Anstalten aufzusuchen. Da das israelitische Versorgungsheim bei der allgemeinen Verarmung den begründeten Aufnahmegesuchen längst nicht mehr zu entsprechen vermag, ist die Erhaltung dieser Küche eine sehr wichtige Angelegenheit Der Referent dankte bei dieser Gelegenheit Herrn Gemeinderat Doktor Plaschkes und dem Vizepräsidenten, Herrn Oskar Goldschmied, die der Arbeitsgemeinschaft und insbesondere der rituellen Küche durch Rat und Tat oftmals über schwierige Zeiten hinweggeholfen haben. Ebenso dankte er für die im vorigen Jahr sehr zahlreichen Geld- und Naturalienspenden und nannte rühmend die Persönlichkeiten und Institutionen, die die Arbeitsgemeinschaft durch größere Zuwendungen gefördert haben. Leider hat sich die Verschlechterung der allgemeinen Lage auch hier so sehr geltend gemacht, daß die letzten Monate ein Defizit geschaffen haben, dessen Beseitigung gegenwärtig die Hauptsorge des Vorstandes ist. Rabbiner Fischer schloß seine Ausführungen mit Vorschlägen iür die