Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 14-15 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 20 DIE WAHRHEIT Nr. 14/15 eines sein. Der in nahen Beziehungen zu diesem Verein stehende Philo-Verlag, der sich durch außerordentliche Rührigkeit auszeichnet, hat bereits eine große Anzahl, ..Schriften für Abwehr und Ausgleich" veröffentlicht, die gar nicht genug verbreitet werden können. Vor mir liegen folgende Schriften: Gegen völkischen Wahn. Rede an Menschen guten Willens von Lic. Theol. Ernst M o e r i n g, Pastor an der Königin Luise-Gedächtniskirche in Breslau. Ein prachtvolles Werkchen von einem prachtvollen Manne. Jüdische Geschäftsmoral nach Talmud und Schulchan Aruch von Simon Bernfeld. Das Zinsverbot bei den Juden nach talmudisch-rabbinischem Recht von Immanuel Bernfeld. Eid und Gelübde nach Talmud und Schulchan Aruch von demselben Verfasser. Gefälschte Talmudzitate von Rabbiner Dr. E. Münk. Berlin. Leider immer noch zeitgemäße Themata, die hier gründlich erörtert werden, um endlich der Wahrheit 7 um Siege zu verhelfen. Dr. Spanier, Magdeburg. Martin Bubers Bücher. Wir harten schon des öfteren Gelegenheit, auf die ausgezeichneten Werke des großen Philosophen Martin B u b e r zu verweisen. Nun liegen wieder zwei von ihnen vor uns — wie die meisten, so erschienen auch sie in der Literarischen Anstalt Rütten & Loening -'u Frankfurt a. M. —, und zwar: 1. Die Legenden des P aal-Schern, eine unübertrefflich klare Wiedergabe des Hoffens und Träumens des Ostjudentums vor 100 Jahren. In 21 Geschichten (und einer „Nachricht" wird das Leben und Tun eines der Repräsentanten seiner Zeit und seines Volkes geschildert eines gottbegnadeten Frommen. Wir lauschen begeistert den Reden des ,.Meisters des wahren, sonst unaussprechlichen Gottesnamens" (Baal Herr, Schern Name) — als wären wir anwesend unter seinem zahlreichen Volke... 2. Die Geschichten des Rabbi Nachman. Vorerst rine geistvolle Abhandlung über das Wesen der jüdischen Mystik. Dann eine prächtige lebenswarme Biographie des rroßen chassidischen RabbL Und dann — in schönster Dichtersprache nacherzählt — die „Worte" und die ..Geschichten" des Rabbi Nachmans. Die Phantasie und Buntheit, ^ie in diesem Groß und Klein gleich fesselnden Märchen sich findet, übertrifft in ihrer Schönheit alle mir bekannten „Geschichten". Auch „Tausend und eine Nacht" verliert, neben diese Erzählungen srestellt, seine Pracht. Wie sind wir Juden doch reich, ohne es zu wissen! Vertieft euch in die Mystik eures Volkes, blättert in den Büchern der Ostjuden — und ihr werdet euch bereichert fühlen! 3. Der große Magsrid und seine Nachfolger. Buber hat dem Westjudentum und damit auch dem sogenannten „europäischen Kulturkreis" das Verständnis für die chassidische Mystik nähergebracht Er kann wohi als ihr bester Interpret angesprochen werden, und so ist es selbstverständlich, daß auch dns vorliegende Buch, in welchem er uns an Hand von vielen ..Erzählungen" die Porträts von 17 der größten Chassidim entwirft als ein Meisterwerk zu bezeichnen ist. —f—n. Fürst Philipp zu Eulenhurg-ffertefeld. Dieser Fürst, der seinerzeit deutscher Botschafter in Wien war. war der ver- ^autesre Freund des ehemaligen deutschen Kaisers Wilhelm II. Durch angebliche Schmutzereien, die ihn in GeriehtsverhamdJIungen verwickelten., fiel er bei Hof in Ungnade. Professor Johannes Haller hat es in sefiwem Werke: Aus dem Leben des Fürsten Phidipn zu Eulenburg-Hertefeld (Berlin 1924) unternommen, die Ehre eines Verstorbenen zu retten, „dem im Leben das bittere Unrecht geschah, ungehört verdammt zu werden für Dinge, die er einst verbrochen hatte." Es ist hier nicht der Ort, auf diese Dinge näher einzugehen. Wir wollen '■u.r des Fürsten Stellung zu Juden und Judentum beleuchten. Das antisemitische Gebaren, Ausnahmen zu statuieren, finden •^ir auch bei EuJenbumg. Sein VerteidSger war der jüdische fusr-'zrat Wronker. Als es sich um Hinterlegung einer Kaution handelte, wandte sich der Sohn des Fürsten an den Direktor fVr Deutschen Bank. Mankiiewiicz. der „eine wahrhaft edle Gesinnung bekundete" (Seite 359). Den Baron Nathaniel Rothschild schildert E. (Seite 135) folgendermaßen: „Daß die Rothschilds Juden sind----ist eine Tatsache, mit der sich ein Christ abfinden muß. Stehe ach meinerseits auch auf einem sehr festen christlichen Standpunkt, so bin ich doch mein Leben lang so objektiv (so!) geblieben, daß ich einen Unterschied zwischen Juden und Juden machen konnte. Weder habe ich mich jemals daran stoßen können, daß mein Jugend- und UniveTSiitätsfreund Bing aus Frankfurt Jude war (der sich 1870 das Eiserne Kreuz verdiente und von uns „adeligen" Studenten allgemein 'geliebt wurde), noch daß mein Freund Rat Rothschild Jude war, Wohl sah er trotz seines blon* Kopf- und Barthaares etwas jüdisch aus, doch wünschte ich wohl, daß alle meine Standesgenossen den Charakter, das Herz, die Kenntnisse — und die Manieren meines Freundles Rat besäßen. Er war der vollendete „vornehme Mann" — innerlich und äußerlich." — Eulenburg war eine künstlerische Natur, so daß er für den Generalmusikdirektor Hermann Levi in München besondere Sympathie hegte. In einem Briefe aus München schreibt Eulenburg (Seite 28): „Frau Cosima Wagner wünscht Levi in Berlin zu haben, wie ich unter der Hand erfuhr. Das wäre mir recht, denn Levi ist eine Perle, wenn auch eine orientalische." In eine manderen Brief aus München — an den damaligen Prinzen Wilhelm gerichtet — kommt der urwüchsige Antisemit zum Vorschein: „Mit wie wannen Herzen ich die Antwort Ew. königlichen Hoheit auf die Adresse der Prediger las, das können Sie sich wohl vorstellen, auch mit weichen Empfindungen ich den endlosen Wurm jüdischer Niedertracht in der Presse verfolge." (Seite 31.) — In dem Tagebuch des Fürsten Eulenbung heißt es unter dem 22. April 1908 (Seite 400): „Judentum, Geld. Hof, Regierung — alle gegen einen, der ihnen mehr tat als Gutes." Was mag erst der Fürst unter Judentum verstanden haben? Wahrscheinlich was andere Antisemiten auch darunter verstehen: Die Inkarration aller Schlechtigkeiten. Logisches Denken gibt es bei Judenfeinden. Dr. Spanier (Magdieburg). Das Buch Schewet Jehuda von R. S a 1 o m o aben Verga. Herausgegeben von Dr. M. Wiener. I. und II. Teil. Steindruck- 1924, Hannover. Orientbuchhandlumg Heinz Lafaire. In den Jahren 1855 und 1856 hatte Oberlehrer Dr. Wiener in Hannover den hebräischen Text und die mit Anmerkungen versehene deutsche Uebersetzunig dieser Chronik, die die Leidensgeschichte der Juden schildert, von neuem ediert. Inzwischen vergriffen, hat der rührige Verlag in dankenswerter Weise einen Steindruck veranstaltet, der sich uns in vortrefflicher Ausstattung repräsentiert. Wir hegen den dringenden Wunsch, daß diese Unternehmung von unseren Glaubensgenossen unterstützt wird'. Sp. — M. Theodor Zlocisti: „Moses Heß", Welt-Verlag, Berlin. In der vollkommen neu bearbeiteten Auflage seiner ausführlichen Biographie über den „Vorkämpfer des Sozialismus und Zionismus" zeigt uns der vortreffliche jüdische Schriftsteller Zlocisti (der „Sänger der jüdischen Renaissance-Bewegung", welcher heute als Arzt in Palästina wirkt) ein imposantes Abbild einer machtvollen Persönlichkeit, eines Menschen, der mithalf, zwei Bewegungen zu gründen. Aloses Heß (1812—1875) war wie die anderen Väter des Sozialismus — wie Marx und Lassalle — Jude. Aber er vergaß über den Sozialismus sein Judentum nicht — und das ist es, was ihn uns so nahe bringt Aber noch etwas erfahren wir aus dieser Biographie: Heß war auch ein erfolgreicher Naturwissenschaftler: Ein Gedanke, für den Heß durch dreißig Jahre kämpfte, wurde in allerjüngster Zeit erst anerkannt: Die Atom-Theorie wird verdrängt von der Lehre der elektrischen Kraftzentren! Mit Spannung liest man auf 440 Seiten die Lebensgeschichte eines der besten und — leider erst nach seinem Tode — erfolgreichsten Männer unseres an Großen und Großem wahrlich nicht armen Volkes. —f—n. C. Gebhard. Die Schriften des Uriiel da Costa, Heidelberg 1922, Carl Winter. Als zweite Teil der Bibliotheca Spinozana, dite von dter Spinoza-Gesellschaft herausgegeben wird, ist diese vortreffliche Monographie über den in deutschen Kreisen hauptsächlich durch das Guizkowsche Drama bekannt gewordenen Ketzer erschienen. Bemerkenswert ist daß Gutzkow auf Seite XXXVII nachweist, das die Bezeichnung „Pharisäer' 'für alle traditionstreuen Juden, die bei Spinoza auffällt, bereits von da Costa gegen seine Gegner gebraucht und von diesen angenommen worden ist, indem sie ihrerseits die Leugner der Tradition als „Sadduzäer" bezeichneten. Die Behandlung des Maramen als „Volk" und in mancher anderen Hinsicht erscheint uns als nicht ganz den historischen Tatsachen entsprechend. Der interessante Zwischenfall in der Amsterdamer Portugiiesensyuagoge, der zum Banne gegen Menasse ben Israel geführt hat ,wird bereits von da Costa in seiner Geschichte dieser Synagoge erwähnt, die Gründung der jüdischen Volkskunde" behandelt In Grunwalds (Portugiieengräber", Seite 28, wird aus dem Jahre 1656 berichtet, daß •giesengräber Seite 28 wird aus dem Jahre 1656 berichtet, daß gegen „ein von Holland gekommenes, »ehr anstößiges Buch" der Vorstand der Hamburger Portugiesen Stellung nimmt- Es ist möglich, daß der verfehmte Autor da Costa ist. Trotz kleiner Versehen, die unser jüngst verstorbener Freund Porges in der „Monatsschrift" zusammengestellt hat, verdient das in Buch uneingeschränkte Anerkennung. L,