Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 14-15 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 14/16 DIE WAHRHEIT Seite l eine Reihe wichtiger Lehren für den internationalen Gewerkschaftskampf. Fimmen zeigt, daß der wirtschaftliche Kampf der Arbeiterklasse in Angriff und Abwehr sich diesen veränderten Verhältnissen anpassen muß; er beweist, daß die Gewerkschaftsbewegung nicht bei den Methoden der Vorkriegszeit stehen bleiben dürfe, sondern sich immer mehr internationalisieren muß. Fimmen macht dann praktische Vorschläge über eine Anpassung und Umgestaltung der heutigen nationalen und internationalen Arbeiterbewegung, um den neuen Aufgaben gewachsen zu sein. Die Vorschläge worden sicher diel Beachtung nicht nur der Arbeiterwelt, sondern aller politisch Interessierten finden. Jedenfalls ist die Frage von Fimmen richtig gestellt: Entweder erkämpft das Proletariat die demokratischen Vereinigten Staaten von Europa oder wir kommen zur Europa-A.-G., der nicht nur die Industriearbeiter, sondern alle Arbeiter des Kopfes und der Hand als wehrlose Hörige dienstbar werden. Sozialphilosophische Neuerscheinungen. Fr. Haymann, Weltbürgertum und Vaterlandsliebe in der Staatslehre Rousseaus und Werner Sombart, Soziologie. — Kurt Sternberg, Staatsphilosophie. — Fichte, Rudolf Stammler, Rechtsphilosophische Abhandlungen und Vorträge, I. Band. - Pan¬ Verlag Rolf Heise, Berlin. Fast zehn Jahre ist es her, daß Meineckes „Weltbürgertum und Nationalstaat" erschien. Es gibt wohl wenig Werke, die in so kurzer Zeit eine derartige Verbreitung gefunden haben; ein Zeichen, wie brennend dieses Problem den weitesten Schichten ist. Aber Meinecke konnte natürlich nur einen Grundriß schaffen. Ein näheres Eingehen erfordert Spezialstudien, und eine solche Monographie hat nun Haymann geschaffen. Zwei Persönlichkeiten, die Führer der beiden größten Bewegungen der Jahrhundertwende, scheinbare Antipoden werden hier zum Gegenstand einer historisch-philosophischen Untersuchung gemacht. Die Ideen der französischen Kosmopoliten und der deutschen Nationalisten (im besten Sinn) werden genau durchforscht und man kommt zu dem Ergebnis, daß die nationale Idee den Weltbürger ebenso durchdrungen hat, wie die kosmopolitische den Patrioten. Diese Einheit des Weltbildes, die unserer Zeit mangelt, war das Zeichen einer Kulturhöhe, zu der wir uns erst wieder durchringen müssen. Und auf diesem Wege mag das Werk von Haymann als Wegweiser dienen. Ein glücklicher Gedanke war es vom Verlag, Quellenbücher der Philosophie herauszugeben. Man war bereits gewöhnt, nur mehr über die Ansicht eines Autors zu lesen (und zu sprechen), ohne je seine Werke selbst in der Hand gehabt zu haben. Eine gute Waffe gegen diese Oberflächlichkeit sind die Quellenhandbücher, von denen uns Sombarts Soziologie und Sternbergs Staatsphilosophie vorliegen. Nach einer kurzen Einführung gibt uns Sombart eine Auswahl aus den klassischen Schriften der Soziologie: Comte, Spencer, Schäffle, Tönnies, Stammler, Taide, Gieske, Waid, Wendt, Simmel, Spann, Scheber, Max Weber sind mit den charakteristischen Stellen vertreten. Die einzige Kritik, die wir am Werke üben können, nämlich Fehlen einer Reihe von hervorragenden Autoren, wird durch den Herausgeber in der Einleitung mit Hinweis auf Raummangel entwaffnet. — Ebenso brauchbar ist die „Staatsphilosophie" Sternbergs, dessen Einleitung besonders hervorgehoben werden muß. Die Auswahl aus Piaton, Aristoteles, den Stoikern, Thomas von Aquino, Morus, Machiaveiii, Hobbes, Montesquieu, Rousseau, Kant, Fichte, Hegel gibt uns ein abgerundetes Bild vom Werden des modernen Staatsgedanken. Jeder, der sich mit diesem Problem befassen will, wird das Buch dankbar begrüßen. — Stammler, der hervorragende Jurist und Philosoph, beschert sich selbst eine Festgabe für sein Jubeljahr 1926. Ober besser gesagt uns. Denn der erste Band seiner gesammelten Abhandlungen und Vorträge, die die Früchte der Jahre 1888 bis 1913 enthält, kann nur als eine Festgabe gewertet werden. Was teils in Vergessenheit geraten, teils an fast unzugänglichen Stellen veröffentlicht war, gibt uns hier zusammengetragen ein einheitliches Bild vom Werke des hervorragenden Neukantianers. Es ist nicht etwa nur ein Buch für Juristen; jeder philosophisch Gebildete wird es dankbar begrüßen. Nachdem Hermann Cohens Schriften in letzter Zeit in weitere Kreise gedrungen sind, sollen Stammlers Aufsätze als Pendant empfohlen werden. Besonders hervorgehoben seien die Aufsätze: „Die Theorie des Anarchismus". „Recht und Willkür". „Vertrag und Vertragsfreiheit", „Gedanke und Ziel der Wohlfahrtspflege", „Begriff des Volonte geniale bei Rousseau". „Wesen des Rechtes und Zukunftsaufgaben des Rechtes". Ein zweiter Band, der die Aufsätze der Jahre 1914 bis 1924 umfaßt, ist bereits vom Verlage angezeigt. Hoffen wir noch auf einen dritten. Dr. Hbg. G. Wobbermin, Religionsphilosophie (Quellenhandbücher der Philosophie). Pan-Verlag Rolf Heise, Berlin 1924. Nach einleitenden Worten des Herausgebers über „Begriff. Aufgabe und Methode der Religionsphilosophie", in denen der religionsgeschichlichen Arbeit zwei Aufgaben gestellt werden: Die Frage nach dem Wesen und die Frage nach der Wahrheit der Religion und zugunsten der religionspsychologischen Methode sowohl Dogmatismus und Scholastik, wie anderseits Rationalismus strenge Ablehnung erfahren, gibt R. Winkler einen, auch durch ein Schema veranschaulichten Ueberblick über die religionsphilosophische Arbeit seit Kant. Es folgen ausgewählte Kapitel aus religionsphilosophischen Schriften von Kant bis zur Gegenwart. Diese Auswahl regt an. die zitierten Bücher selbst zur Hand zu nehmen, womit ja der Verfasser seinen. Zweck erreicht hat. L. Alfons Paquet: Die neuen Ringe. Reden und Aufsätze zur deutschen! Gegenwart. 1924. Frankfurter Sozietätsdruckerei G. m. b. H. Paquet, der Vielgereiste, einer der objektivsten und darum so sympathischen Deutschen, spricht zur Jugend, sie neue Wege weisend in dieser Zeit politischer Zerfahrenheit. Alle aktuellen Fragen schneidet Paquet an, alle behandelt er von einer höheren Warte: und man erkennt, wie sehr sie durch die „Politik" in die Tiefe gezerrt werden und so an Wert verlieren. (Glaube, Technik, Evangelium, Amerika, Christentum, Sozialismus u. v. a.) Auch „Die Völker und die Juden" werden in einem eigenen Abschnitt besprochen. Voll Geist und in heutzutage fast unbekannter Ehrlichkeit. Darum natürlich auch nicht im antisemitischen Sinne. Wir behalten uns vor, darauf noch ausführlicher zurückzukommen. —f—n. Gustav Landauer: „Der werdende Mensch", Verlag Gustav Kiepenhauer, Potsdam. Gustav Landauer, der Apostel des idealistischen Sozialismus, fiel als Opfer der Revolution. Sein Freund, Martin B u b e r, hat im letztwilligen Auftrag eine Reihe von Aufsätzen über Leben und Schrifttum unter obigem Titel gesammelt und herausgegeben. Ob das Thema der Aufsätze Goethe oder Hölderlin, Tolstoi oder Kropotkin, Strindberg oder Withman ist, ob der Titel „Gott und der Sozialismus" oder „Zum Problem der Nation" lautet, immer wieder tritt uns die wunderbare Einheit von echtestem Sozialismus und reinstem Nationaljuidentum entgegea Landauer hat uns in Schrift und Tat gezeigt, daß Nationaljudentum und Weltbürgertum keine Gegensätze darstellen, daß Sozialismus und Zionismus kein Gemenge, sondern eine Verbindung eingehen, die kristallisiert einen Edelstein ergibt, den jüdischen Prophetismus, der als Grundton aus allem klingt, was Landauer gesprochen, geschrieben und geleistet hat. Curt Geyer: Drei Verderber Deutschlands. J. H. W. Dietz Nachfolger, Berlin, 1924. Das Buch bildet einen Beitrag zur Geschichte Deutschlands und der Reparationsfrage von 1920—1924. Dem Verfasser sind die drei Verderber: Stinnes, Havenstein und Helfferich. Es ist uns aus dem Herzen beschrieben, wenn es in dem Werke heißt: „Erhält der finstere Geist reaktionärer und chauvinistischer Gesinnung von Deutschland her neue Kraft, so steht vor uns nicht die Perspektive des Friedens und der Verständigung, sondern der Vergewaltigung und Unterdrückung, des Hasses der Nationen, die Perspektive kommender Kriege." Davor soll uns Gott hüten. sp. M. Rüstzeug im Kamoie gegen unsere Feinde. Unsere alten Weisen rufen uns zu: Wisse, was du deinem Gegner zu erwidern hast. Darum sei gewappnet und vertiefe dich in die Schriften, die dem Zwecke dienen. In Deutschland gibt es zwei Vereine, die schon seit vielen Jahren unentwegt in der sogenannten Judenfrage für Wahrheit und Gerechtigkeit in die Schranken treten und denen wir gar nicht genug für ihr mannhaftes Auftreten danken können. Erstens ist es der „Verein zum Abwehr des Antisemitismus" (Berlin, W. 35, Flottwellstraße 7), der von hervorragenden Männern christlichen Glaubens ins Leben gerufen wurde und zurzeit vom Reichsminister a. D. Dr. Gothein geleitet wird. Die monatlich erscheinenden Mitteilungen dienen zur Aufklärung und der Abwehr. Hierzu zählt auch das vom genannten Verein herausgegebene „A b w e h r - A. B. C", das in zweiter völlig umgearbeiteter Auflage vorliegt. Massenhafter Ankauf zur Verbreitung in christlichen Kreisen ist dringend erwünscht. Der andere Verein ist der genügend bekannte, aber leider noch immer nicht von allen Seiten genügend gewürdigte „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben s". Jeder der jüdischen Gemeinschaft ängehörige Deutsche müßte auch Mitglied des Zentralver-