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Die Wahrheit · 1925-04-08 · Heft 14-15 (8.4.1925) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 14-15 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 16 DIE WiAHRHEIT Nr. 14/16 eine ergreifende Szene. Josef Wertheimer, der damals an der Spitze der Gemeinde stand und Jahrzehnte hindurch mit allen Kräften seinen Geistes für die Anerkennung der bürgerlichen Rechte seiner Glaubensgenossen gewirkt hatte, begrüßte dieses erste Zeichen der endlich auflebenden religiösen Freiheit, indem er, zur Thora aufgerufen, in den Segensspruch „Schehechejonu" ausbrach. Der Antisemitismus im Kabarett Aus Leserkreisen wird uns geschrieben: „Viele Theater und fast jedes Kabarett belustigen ihre Zuhörer hervorragenderweise mit jüdischen Witzen und ziehen jüdische Eigenarten ins Lächerliche. Man sollte als Jude solche Bühnen meiden oder seine Mißbilligung laut zeigen." Nun, bei den Juden gibt es doch genau so „Originale" wie anderswo und solche sind erfahrungsgemäß gern die Zielscheibe der Witzbolde. Solange ein gesunder Humor hinter den Witzen steckt, darf man nicht allzu empfindlich sein. Aber wenn der Witz nicht mehr Karikatur der Wahrheit, sondern bewußte Lüge, wenn seine Quelle nicht Humor, sondern Haß, wenn sein Zweck nicht Lachen, sondern Verhetzung ist oder wenn man merkt, daß geschäftstüchtige Spekulation auf die Instinkte antisemitischer Besucher das treibende Element bildet, dann ist es wohl am Platze, daß anständige Leute fernbleiben oder durch Ausdruck ihrer Mißbilligung oder sonstige Schritte dafür eintreten, daß solcher antisemitischer Unsinn unterbleibt. Für Mitteilung besonders krasser f älle wäre die Redaktion dankbar. Die Lage der Juden in Brasilien. Ein treuer Leser aus Rio de Janeiro schickt uns folgende interessante Schilderung der Lage der Juden in Brasilien: Die Zahl der hier ansässigen Juden dürfte mit 3000 Seelen eher zu niedrig, als zu hoch gegriffen sein, es sind meistens in den letzten Jahren aus Rußland, den Randstaaten, aus Rumänien eingewanderte Leute, deren Anzahl noch immer in stetem Wachsen begriffen ist. Weit weniger kommen aus Marokko, Griechenland und der Türkei, der Rest sind Elsaß-Lothringer, Oesterreicher und Deutsche. Was man hier unter „Israelitischer Kolonie" versteht, sind fast nur die den Jargon sprechenden Juden, die auch großenteils in einer bestimmten Stadtgegend wohnen. Unter den russisch-rumänischen Juden sind am meisten die Möbelhandlungen vertreten, sie haben das hier irüher nicht bekannte Abzahlungssystem eingeführt und einige unter ihnen habenes zu gut eingerichteten, großen Ladengeschäften gebracht Allerdings sind die hier hergestellten Möbel alles Dutzendware, das wohlhabendere Publikum läßt sich seine Möbel nach eigener Zeichnung in den eleganten Möbelmagazinen anfertigen. Dann gibt es eine Anzahl Konfektionsgeschäfte, Schneidereien, Tapezierer, Maler und Goldwarenhändler, doch liegt das Gros des Geschäftes in Goldwaren und Juwelen in den Händen der elsässischen Juden, von denen manche Familien schon in der dritten Generation hier ansässig sind. Sie haben schöne Läden mit prachtvollen Auslagen in den Hauptstraßen, doch sind neben ihnen auch einige Geschäfte, die deutschen Glaubensgenossen gehören, in die Höhe gekommen, die sich durch strenge Reellität auszeichnen. Die levantinischen Juden sind meistens Manufaktur- und Modewarenhändler, sie bevorzugen wieder einige andere Straßen. Unter den russisch-rumänischen Einwanderern überwiegen die Zionisten, die sich jedenfalls durch Tatkraft auszeichnen. Sie haben auch eine eigene Schule gegründet, „Collegio Hebreio- Brasileiro", die durch freiwillige Beiträge, neben dem Schulgelde, unterhalten wird. Sie haben auch das lebhafte Bestreben, anrüchige Elemente, deren es leider nur noch zuviele gibt, wie Mädchenhändler — hier „Caftens" genannt — und Dirnen auszumerzen. Die hiesige Presse zeigt im allgemeinen eine wohlwollende Haltung den Juden gegenüber, besonders bringt das verbreitetste Abendblatt „A Noite" manchmal judenfreundliche Berichte, deren Inspirator wohl der angesehene Rechtsanwalt Dr. Herbert Moses, Sohn des verstorbenen Juweliers Ignatz Moses, eines österreichischen Juden, ist. Dr. M. steht der Redaktion der Zeitung nahe. Wohl der bekannteste brasilianische Vertreter des Judentums war der erste Lustspieldichter Brasiliens, Antonio Jose da Silva, geboren in Rio de Janeiro, den die Inquisition, bei welcher er sich nicht nur durch seine Rückkehr zum Judentum, sondern auch durch die Verspottung der Geistlichkeit verhaßt machte, zusammen mit seiner Frau und Mutter im Jahre 1739 in Lissabon lebendig verbrennen ließ. Die Werke des „Juden11, wie er noch allgemein genannt wird, werden letzt noch viel gelesen. Auch der Seefahrer Fernando de Norouha, nach welchem die gleichnamige Insel im Norden Brasiliens benannt ist, soll von jüdischer Abstammung gewesen sein. Gegenwärtig sind die jüdischen Familien mit echt portugiesischen Namen sehr selten. Theater, Kunst u. Literatur August von Wassermann gestorben. Am 16. März starb in Berlin im Alter von 59 Jahren der Direktor des Kaiser- Wilhelm-Institutes für experimentelle Therapie, August von Wassermann. Mit ihm ist ein Forscher dahingegangen, dessen Name wie kaum ein zweiter der zurzeit lebenden Aerzte überall in der Welt bekannt ist, wo wissenschaftliche Medizin gelehrt und geübt wird. Er war ein Schüler Robert Kochs, mit welchem er 1891 die Toxine entdeckt hat, sowie Paul Ehrlichs, der ihn seinen bedeutendsten Schüler nannte. Weltberühmt wurde er, als er im Jahre 1906 die Blutprobe auf Syphilis, die unter dem Namen ,AVassermannsche Reaktion" ihren Siegeslauf über die Welt angetreten hat, entdeckte. August von Wassermann ist der Sohn des verstorbenen Hofbankiers Angelo von Wassermann und wurde 1866 in Bamberg geboren. Er stand jüdischen wissenschaftlichen Bestrebungen nahe und förderte insbesondere die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums zu Berlin, die ihn vor zwei Jahren anläßlich ihrer Jubelfeier gleichzeitig mit Gh. N. Bialik und anderen großen jüdischen Persönlichkeiten zu ihrem Ehrenmitglied, ernannt hat. Das Judentum auf der Jahrtausend-Ausstellung in Köln. Im allgemeinen ist es wenig bekannt, wie lange das Judentum im Rheinlande seßhaft ist. Nach urkundlichen Feststellungen gab es bereits im Anfang des 4. Jahrhunderts jüdische Gemeinden u. a. in Köln, Worms, Mainz und Speyer. Gerade während des Mittelalters haben die Juden im Rheinlande eine sehr bedeutende Rolle gespielt; allerdings auch manchmal schwere Verfolgungen zu erdulden gehabt. Es ist beabsichtigt, sowohl die äußere Geschichte der Juden wie ihr geistiges Leben, sowie das Judentum in Synagoge und Haus während des verflossenen Jahrtausends zur Darstellung zu bringen. Zum ersten Male wird hier der Versuch gemacht, das überall verstreute Material, soweit es nicht in den Stürmen der Zeit, besonders in den Jahren des schwarzen Todes und in den später folgenden Austreibungen vernichtet wurde, zu sammeln. Die uralte jüdische Gemeinde zu Worms mit ihrem reichhaltigen Synagogen-Archiv und ihrem alten Friedhof, desgleichen Mainz mit seinen Grabsteinen, Kulturgeräten usw. haben sich bereit erklärt, wertvolles Material auszustellen. Die äußere Geschichte der Juden in dem tausendjährigen Zeitraum wird an Hand von Originalurkunden, Bildern von Judenvierteln, Originalgrabsteinen, Abgüssen und Photographien, Memorbüchern, Bildern berühmter jüdischer Persönlichkeiten, mittelalterlichen Judentrachten, Siegeln und dergleichen dargestellt. Das geistige Leben wird wiedergegeben durch wertvolle Handschriften aus der reichen religiösen Literatur des rheinischen Judentums, teilweise mit Illustrationen, und durch Erstdrucke wichtiger Werke, die Synagoge durch den teilweisen Aufbau einer solchen aus dem 18. Jahrhundert, durch Photographien alter und neuer Synagogen, Thoravorhänge, Kulturgeräte, durch Abbildungen von Judenbädern usw., das Leben des Hauses, soweit es religiös beeinflußt war, durch Ausstellung von kunstgewerblichen Gegenständen, wie Sabbatlampen, Chanukkaleuchtern und dergleichen. Auch das Zeitalter der äußeren und inneren Emanzipation der Juden in den Rheinlanden ist hierbei nach Möglichkeit berücksichtigt. Die Sammlung und Sichtung des wertvollen Materials liegt in den bewährten Händen des Herrn Rabbiners Dr. K o b e r. Dank der Vermittlung des Herrn Rabb. Dr. M. G r u n w a 1 d, Wien, sind auch von dort Gegenstände für die Ausstellung zur Verfügung gestellt worden. Professor Greßmann über die Ausgrabungen in Palästina. Im neuen Hefte der „Zeitschrift für die alttestamentarische Wissenschaft" berichtet der hervorragende deutsche Orientologe Professor Hugo Greßmann über die Ausgrabungen in Palästina. Bei den amerikanischen Ausgrabungen in Beisan stieß man auf drei Basaltstatuen ägyptischer Könige: Sethos I., Ramses II. und III. Bedeutungsvoll ist besonders die Statue Ramses IL, denn sie enthält die Nachricht, daß Ramses Semiten verwendete, um seine gleichnamige Stadt im Delta zu bauen. Die Ausgrabungen haben gelehrt, daß Beisan von 1313 bis 1176 v. Chr. in ägyptischen Händen blieb. — Auf der amerikanischen Expedition nach Moah und dem Toten Meer fand Albricht 500 Fuß über dem Toten Meer eine stark befestigte Burg, 7 große Steinblöcke, sogenannte Monolithe, und tausende von Feuerherden und Gehegen, aber keine Reste einer Stadt Die Scherben weisen auf die Zeit um 200 v. Chr. Albricht denkt

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