Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 14-15 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 14/15 DIE WAHRHEIT Sette 15 wahrscheinlich nur um einen „Akt der Gefälligkeit" handelt, „den der Faschismus in diesem Augenblicke der Kirche erweisen will." Unter demselben Losungswort: „Für die Demokratie!" — stehen die „Königliche Kunst" und Juda in einer Front gegen alle wahrhaft nationalen Regierungen. So wie das „faschistische" Spanien durch die Brüder Unamuno und Blasco Ibanez begeifert wird, so wird Italien, wird Ungarn systematisch verleumdet Alle diese Staaten passen eben nicht in das politische Prograhun dftr Brüder und der Juden hinein, die beide von dem demoKratischen Pan-Europa träumen als der Vorstufe für die Weltrepublik, in der der Jude allein mit seinem Geldsacke herrschen wird. Als Verkünder Pan-EuTopas, als Sendbote der Loge schreibt und reist der Wiener Logenbruder Coudenhove-Kalergi, durch Juden wie Frisch „von der Dresdner Bank an Finanzjuden wie Walburg trefflich empfohlen!" Blühender kann kein Unsinn ausgebrütet werden. Der italienische und spanische Faschismus waren niemals antisemitisch, ja, Mussolini hat einmal sogar — in einem ihm vorgeworfenen Vergleich zwischen dem deutschen und italienischen Faschismus — den Antisemitismus als eine Banditen-Bewegung geprangert, fm großen und ganzen scheint sich die „Deutsche Hochschulzeitung" mit der völkisch angehauchten „Hamburger Universitätszeitung" um die Palme zu streiten, denn in die letztere fingiert der dipl. Landwirt Brunno B a r t e 1 e s seine versteckt antisemitischen Artikel und in der Wiener „Deutschen . Hochschulzeitung" werden die gerichtsnotorisch festgestellten Verleumdungen gegen das Bankhaus War bürg zur „höheren" Ehre des Hakenkreuzes wieder einmal aufgefrischt. Trotzdem begrüßen wir die beiden Hochschulzeitungen zu ihrer verschiedenen antisemitischen Meinung, denn die Menschheit bekommt nicht eher Ruhe, bis jeder einzelne Hakenkreuzler seine eigene Partei hat. Und darauf kommt es, wie die Erfahrung lehrt, den Antisemiten an. Walter Funder. Rechts- und Linkshändigkeit bei den Juden. Durch manche Opfer des Krieges, die durch den Verlust der rechten Hand gezwungen sind, „Linkser" zu werden, ist die Erforschung der Rechts- und Linkshändigkeit in ihrer Ursache und Wirkung zu einer zeitgemäßen Frage geworden. Für das hohe Alter der Bevorzugung der rechten Hand bieten nicht nur die alten Kulturfunde, sondern auch die Sprache interessante Belege. Im Deutschen hat Recht, Gerechtigkeit und rechts den gleichen Stamm, links kehrt in linkisch wieder. Auch die Griechen leiten Geschicklichkeit von rechts, Ungeschicklichkeit von links ab. Aehnliche Bezeichnungen sollen auch bei den außereuropäischen Völkern, zum Beispiel bei den Südseeinsulanern, zu finden sein. Nach Grimm ist in verschiedenen Sprachen der Stamm von links und fünf der gleiche, auch für zehn und rechts. Beim Abzählen müssen die Urmenschen bis zur Zahl 5 die Finger der linken Hand benutzt haben, für eine Zahl über fünf hinaus die der rechten Hand, es war also zunächst die rechte Hand die aktive. Wertvolle Anhaltspunkte zur Beantwortung der Frage liefern auch die Schriftzeichen einiger semitischer Sprachen, zum Beispiel des Hebräischen, des Syrischen und des Arabischen. Da die Buchstaben dieser Schriften eine linksläufige Richtung haben, ist es möglich, daß sie mit der linken Hand geschrieben worden sind. Als Uebergang dieser Zeit linkshändigen Schreibens zu einer Schrift mit der rechten Hand ist eine alte griechische Schriftart, bekannt, bei der abwechselnd eine Reihe von rechts nach links und in der nächsten von links nach rechts geschrieben wurde. Einige Angaben des Talmud weisen darauf hin, daß die hebräische Schrift sowohl mit der linken wie mit der rechten Hand geschrieben wurde, so wird an einer Stelle hervorgehoben, daß die hebräischen Inschriften der Gebetriemen (Tephillin) und der Pfostenschriften (Mesusoth) nur mit der rechten Hand ausgeführt werden dürfen, und an einer anderen Stelle, daß „in Ermangelung anderer Gebetriemen die mit der linken Hand geschriebenen noch zum Gebrauch erlaubt seien." Auch bei vielen anderen Geboten, wie zum Beispiel bei der Chalizza, trifft der Talmud Bestimmungen über die Linkshändigen. Das beweist aber nur, daß die Rechtshändigkeit bei Juden stets die Regel war. Rechte Hand ist in der biblischen Sprache identisch mit Kraft. Heine und sein Gegner. Im „Volksruf", dem „Kampfblatt der deutschen Nationalpartei" für Neutitschein und Troppau (herausgegeben von dem auch außerhalb der Grenzen des Sudetendeutschtums rühmlichst bekannten radaunationalistischen Abgeordneten Dr. Schollich) erschienen kürzlich „Splitter" eines gewissen Dr. Oswald Plawina. Das könnte an sich als eine Lokalangelegenheit von Neutitschein und Umgebung gelten, wenn nicht die Mentalität, die aus diesen „Splittern" spricht, symptomatisch wäre für den Mordgeist, der heute die weitesten nationalistischen Kreise beherrscht. Einer dieser „Splitter" lautet wörtlich: „Hat die Kaiserin Elisabeth den Tod durch Mörderhand nicht zehnfach verdient, wenn sie den Hundsfott von einem Dichter wie Heinrich Heine so hoch verehrt hat, daß sie ihm im Parke von Miramare sogar seine Büste aufstellen ließ?" Es handelt sich, wie man sieht, um einen ausgesprochenen Kriminalfall: Gutheißung eines Kapitalverbrechens, über dessen bestialische Scheußlichkeit bisher innerhalb, wie außerhalb Europas keine Meinungsverschiedenheit bestand. Was aber mag besagten Plawina, abgesehen von in jenem Satze sich dokumentierenden Gesinnungsniedrigkeit, zu seinem blutrünstigen „Splitter" veranlaßt haben? Auch die verbissenste völkische Parteiborniertheit vermag für eine solch schamlose und unvorsichtige Entblößung ausgesprochen verbrecherischer Instinkte keine zureichende psychologische Erklärung zu bieten. Vielleicht trägt es zur Aufhellung des Kriminalfalles bei, wenn man die erschütternde literarhistorische Tatsache ins Auge faßt, daß Herr Plawina — sozusagen — ein Bruder Heines in Apoll ist. Das Corpus delicti betitelt sich: „Aus Zeit und Leben" und ist im Verlag W. Verth in Tuntschendorf erschienen. Dieser Tuntschendorfer Gedichtband enthält eine zwanzigstrophige „Komische Ballade": „Der Filzlaus Ende", die beginnt: „Es war einmal ein Jüngling, der hatt' 'nd Filzelaus; die plagte ihn nicht wenig — es war schon schier ein Graus" — und so fortfährt frei nach Goethe, Auerbachs Keller. Liegt nicht die Annahme nahe, daß in Plawinas „Splitter" nur ohnmächtiger Grimm eines völkischen Plagiators sich austobt, der, angesichts der Unmöglichkeit, an einem zwar viel Gelegenheit zu Plagiaten bietenden, aber leider fremdrassigen Dichter sich vergreifen zu können, in einen Paroxismus der Mordgier verfällt? Den Befähigungsnachweis dafür, daß er kapabel wäre, auch Heine zu piagieren, hat Oswald Plawina jedenfalls erbracht. Wie ihm denn auch die moralische und literarische Qualifikation zur Beschimpfung eines wahren Dichters nach alledem kaum abzusprechen ist. Vultur. Eine Reminiszenz. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: „Ich lese in Budapester Blättern, daß zahlreiche Glaubensgenossen, die zur Zeit jdes kommunistischen Terrors, um Leben und Existenz zu retten, schweren Herzens zur Taufe schritten, reumütig zum Judentum zurückkehren. Oberrabbiner Dr. S. H e v e s i hat solche Anlässe wiederholt benützt, um in ergreifenden Ansprachen öffentlich den Gefühlen Ausdruck zu verleihen, die hiebei sowohl die Reumütigen, wie auch die freudig gestimmten Glaubensgenossen beseelten. Es dürfte die Leser Ihres Blattes interessieren, daß eine ähnliche, aus solchem Anlaß veranstaltete Feier bereits vor Jahrzehnten in Wien von dem hervoragenden Prediger Dr. Adolf J e 11 i n e k veranstaltet wurde. Im Jahre 1868. als dank der neuen konfessionellen Gesetze, Juden, die ihre Taufe bereuten, die Möglichkeit hatten, ihr Gewissen durch den öffentlichen Rücktritt zur Religion ihrer Väter zu beruhigen, fand im Seitenstetten-Tempel eine interesante Feier statt. Ein öljähriger Herr Josei Sch. trat öffentlich, zur jüdischen Religion zurück, wurde zur Thora gerufen und durch folgenden, von Dr. Jellinek verfaßten hebräischen Segen wieder in den Bund aufgenommen. Der Segen in wörtlicher Uebersetzung lautete: „Segen für Zwangsapostaten, die wieder einkehren unter den Fittich des Gottes Israel. Gott, der Abraham, Isak und Jakob gesegnet hat, der allerbarmende, allgütige Gott, der Sünde, Missetat und Schuld vergibt, der es durch seinen Propheten Maleachi verheißen hat, daß er wieder zurückführen werde das Herz der Väter zu ihren Kindern und das der Kinder zu ihren Vätern, der segne, stärke und ermutige den Herrn N. N., welcher heute mit vollständiger Bußfertigkeit wieder zurückgekehrt ist zu Adonai, unserem Gott, dem Einzig-Einzigen und Ewigen, und mit willigem Gemüte sich wieder zuwendet dem reinen und heiligen Glauben der Väter. Er hat Geständnis abgelegt, bereut und wird begnadigt, wie geschrieben stehet: Wer die Sünde bekennet, von ihr läßt, der wird in Gnaden aufgenommen. Also geschehe der göttliche Wille und darauf sprechen wir alle Amen." Und unter allgemeiner Rührung erscholl aus allen Räumen der Synagoge ein lautes, inniges Amen. Hieran knüpfte sich noch