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Die Wahrheit · 1925-04-08 · Heft 14-15 (8.4.1925) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 14-15 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 die wAtmmn Nr. 14/15 Sven Hedin und die Völkischen. Aus Anlaß des 60. Geburtstages, den. kürzlich der berühmte schwedische Forschungsreisende Sven Hedin gefeiert hat, brachte die deutsche Tagespresse sehr sympathisch gehaltene Artikel über ihn, in denen auch besonders die Tatsache gebührend in den Vordergrund gestellt wird, daß dieser Gelehrte vielleicht der einzige Ausländer von Weltruf gewesen ist, der sich im Weltkrieg ganz offen und unbekümmert um alle Anfeindungen zu Deutschland bekannt hat. So brachte auch das „Deutsche Tagblatt" sein Bild und gedachte mit anerkennenden Worten seines mutigen selbstlosen Eintretens für Deutschland, das ihm bei allen Deutschen unauslöschliche Dankbarkeit eingebracht habe. Die „Deutsche Zeitung" feierte ihn in einem begeisterten Artikel, der die Ueberschrift trug: „Ein Jünger deutschen Geistes." Wenn die Blätter der Völkischen dem Forscher Sven Hedin solches Lob spendeten, war es ehrliches Abrücken von ihrem bisherigen Dogma, daß ein Jude oder Judenabkömmling und seine Leistungen zu verachten seien, oder war es geschehen in Unwissenheit der Tatsache, daß Sven Hedin in mütterlicher Linie den Juden Brod-Berlin zum Ahnen hat? Der Ku-Klux-Klan auch in Kanada? Dem jüdischen Warschauer „Moment" wird mitgeteilt, daß in Kanada eine große Ku-Klux-Klan-Organisation gegründet wurde, deren Aufgabe es ist, einen politischen und wirtschaftlichen Kampf gegen die Juden zu führen. Mit Hilfe amerikanischen Kapitals hat die Ku-Klux-Klan-Organisation der Vereinigten Staaten eine große Anzahl Agitatoren nach Kanada entsandt, die im Begriffe sind, in Kanada eine weitverzweigte Organisation zu schaffen. Welche Gefahr die Ku-Klux-Klan-Bewegung in Kanada darstellt, ist schon daraus zu ersehen, daß die Regierung in Kanada es für notwendig erachtete, eine besondere Beratung wegen Annahme einer positiven Stellung gegen den Ku-Klux-Klan abzuhalten. Polens Feldzug gegen seine Juden. Wir haben letzthin schon auf das Martyrium hingewiesen, dem die breiten Schichten der Juden in Polen ausgesetzt sind. Die polnische Regierung bereitet nun auch ein Gesetz vor, wonach sämtliche jüdischen Handwerker, um ihr Gewerbe weiter ausüben zu können, eine Prüfung bei den Gildenmeistern, die sämtlich Christen sind, ablegen müssen. In jüdischen Kreisen herrscht darüber große Erregung, da befürchtet wird, daß diese Gelegenheit dazu benutzt werden soll, um Juden ihres Verdienstes zu berauben, zumal, wie bereits gemeldet, auch die Verkaufskonzessionen für Tabak, Spiritus und Salz den Juden weggenommen werden sollen. In Polen ist ungefähr die Hälfte der gewerbetreibenden Juden Handwerker, so Schneider, Schuster, Gerber und Glaser. Das Schneidergewerbe liegt fast völlig in den Händen der Juden. Ein guter Rat Während des Ende des Vorjahres stattgefun,deneni Innsbrucker Naturforschertages veranstalteten die hakenkreuzlerischen akademischen Verbindungen zu Ehren der Gelehrten Ausflüge. Auf den Teilnehmerkarten vermerkten sie aber, daß nur arische Teilnehmer erwünscht seien. Die Naturforscher und Aerzte, die leider kein Verständnis für arische Wissenschaften haben, blieben daraufhin den arischen Ausflügen fern und unternahmen auf eigene Faust Exkursionen ohne Prüfung der Rasse. Ein klägliches Fiasko machte auch eine akademische Verbindung, die auf Schloß Ambras ein „Ritterspiel" aufführte, in dem das Hakenkreuz den Berg Sinai besiegte. Die Gelehrten zeigte keinerlei Interesse für die Hanswurstiade, und die rassenreinen Veranstalter blieben allein mit den in großer Menge vorbereiteten Lebensmitteln und sonstigen Genüssen. In kläglicher Stimmung fragten sie einen Gelehrten, was sie denn gegen die Ueberflfitung der Wissenschaft durch die Juden tun sollen. Dieser antworette kühl: „Auf den H.....setzen und auch fleißig lernen." Frauenwahlrecht in der Berliner Gemeinde. Die Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde hat beschlossen, den § 11 des Gemeindestatuts, der über das Recht der Teilnahme an den Wahlen der Repräsentanten handelt, dahin zu ändern, daß in Zukunft auch die weiblichen Mitglieder der Gemeinde das Wahlrecht haben sollen. Bisher war es zweifelhaft, ob auf Grund des Judengesetzes von 1848 die Gemeinde zur Aenderung des diesem Gesetz anzupassenden Gemeindestatuts berechtigt sei. Es wird abzuwarten sein, ob die Aufsichtsbehörde die Genehmigung der Statutenänderung, die mit den Stimmen der liberalen und volksparteilichen Repräsentanten gegen die Stimmen der Konservativen erfolgt ist, erteilen wird. Jüdische Kulturarbeit in Frankreich. Der vor einigen Jahren in Paris gegründete Jüdische Kulturbund, der sich insbesondere die Erziehung der jüdischen Jugend im jüdischen Geiste zum Ziele gesetzt hat, hat beschlosesn, alle in Frankreich bestehenden ähnlichen Verbände zu gemeinsamer Arbeit zu vereinigen. Mitglieder des Pariser Kulturbundes haben sich in die Provinzstädte begeben, um die dortige Kulturarbeit zu studieren und die Vereinigung zu vollziehen. Ein Kulturkongreß wird vorbereitet. Die Juden in Finnland. Um den kulturellen Zustand der jetzigen in Finnland wohnenden jüdischen Generation zu ergründen, müssen wir vorerst die Erziehungsinstitute beobachten. Eltern, die ihre Erziehung im Cheder und in der Talmud-Thora in Rußland genossen haben, wollten auch für die Kinder ihre alten Erziehungsschulen einrichten. Aber das, was in Rußland vor 20 Jahren möglich war, ist jetzt in Finnland nicht möglich. Denn die Lehrer, die nach Finnland kamen, waren nicht gerade die geeignetsten hierzu. Auch die hierführ bestimmte Zeit war sehr begrenzt; nur vier oder fünf Jahre sollte das Kind diese Schule besuchen. Denn als zehn-, bzw. elfjähriges Kind mußte es schon an der Versorgung des Haushaltes teilnehmen; es mußte mit einem Pack Ware herumziehen, um so Brot mitverdienen zu helfen. Diese Art Erziehung hat fast die ganze junge Generation genossen. Einzelne zwar besuchten die behördlichen Schulen, aber zufolge der Not ihrer Eltern und letzten Endes auch aus religiösen Gründen mußten sie ihren Unterricht unterbrechen. Die behördliche Schule, die von der jetzigen Generation besucht wird, hat die Seele des Jugendlichen ganz zerrüttet: denn die Schule bildet einen gewaltigen Kontrast zum Elternhaus. Die Unordnung und Dunkelheit des Elternhauses ist durch das Licht der Schule zum Vorschein gekommen. Die Lehrer nutzten diese Schwäche aus und predigten das Christentum. Einzelne Tauffälle haben den Eltern die Augen geöffnet und demzufolge durften die Kinder die Schule nicht mehr besuchen. Was die ökonomische Lage anbetrifft, so haben die Juden, trotzdem in Finnland immer! ein Gesetz der Handelsbegrenzung existierte, sich sehr stark im Handel vertieft. Was die alte Generation nicht wagte, das wagte die junge. Ihr war der Handel (Hausieren) mit Zigaretten, Streichhölzern und alten Kleidern zu eng. Sie machte Geschäfte auf und es glückte ihr, trotzdem diese Gesetzesüberschreitung die Gefahr der Ausweisung mit sich brachte. Diesr Handel hat nach und nach breite Schichten des finnländischen Judentums herangezogen und als Finnland von Rußland befreit wurde, ein Gesetz der Gleichberechtigung und Handelsfreiheit herauskam, hat man fast keinen einzigen jüdischen Hausierer mehr angetroffen. Mit der Veränderung der ökonomischen Lage ging auch eine Verbesserung des Aeußeren vonstatten. Die Jugend erwarb sich die Erziehung, die sie weder im Elternhaus noch im Cheder genossen hat. selbst; sie änderte ihr Betragen, ihre Weltanschauung, und wenn wir sie jetzt betrachten, ihren europäischen Schliff, so scheint es, daß hier die Gewohnheit zur Natur wurde, von Unnatürlichkeit ist hier nichts zu merken. Zu Hause wird wohl noch etwas Jüdischkeit gehütet, aber außerhalb des Hauses oder vielmehr außer den Forderungen der Religion ist alles verschönt worden. Und wenn wir uns in die Zustände, in welchen die jüdische Bevölkerung Finnlands gelebt, in die ungünstige Umgebung hineindenken, so staunen wir, welch Riesenfortschritte diese Juden in kulturellem Sinne gemacht haben. 1 Verleumdung aus völkischem Spaltungsbedürfnis. In der antisemitischen „Deutschen Hoch schul-Zeitung" finden wir einen Artikel über „Freimaurerei und Fase h i s m u s", der von einem „P h" gezeichnet ist und in welchem darüber gejammert wird, daß sich der Faschismus, den man sonst vielleicht mit einem kräftigen antisemitischen Einschlag auf weitere Staaten hätte übertragen können, auf dem absteigenden Ast befindet. Der Artikel übersprudelt geradezu von Blödsinn, so daß man nur einen einzigen Absatz zu zitieren braucht, um sofort die faustdicken Lügen dieser sonderbaren „Hochschulzeitung" zu entlarven. Der scheinbar im Lager des „antisemitischen Werkbundes deutscher Freimaurer" stehende völkische Logenfeldwebel schreibt dort: „Italien hat trotz alledem den Kampf gegen die Freimaurerei begonnen — nach Ungarn das erste Land, das den Logen und damit den Juden energisch an den Leib rücken will. Es ist auch in Italien der Vorstoß gegen die Loge nur ein Teil des Kampfes gegen das Judentum — und da mag uns der Korrespondent der Wiener „Neuen Freien Presse" noch so aufgeregt weiszumachen suchen, daß es sich

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