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Die Wahrheit · 1925-04-08 · Heft 14-15 (8.4.1925) · page 15

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 14-15 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 14/15 DIE WAHRHEIT Seite 13 Wahrheiten vom Tage Völkische Wissenschaft. Die Rassenfanatiker kennen zwei Wertungsmethoden, wenn von einer geschichtlichen Persönlichkeit die Rede ist. Entweder: N. N. war Germane, also war er ein großer Mann. Oder: N. N. war ein großer Mann, also war er Germane (z. B. Christus). In der „Weltbühne" hat nun Grete Wels in einem ungemein witzigen Artikel diese Methode u. a. auf Kolumbus angewandt und festgestellt, daß dieser bislang für den Entdecker gehaltene Mann ein Jude war. Man höre: „Daß Kolumbus ein williges Werkzeug der Weisen von Zion war, dürfte heute wohl als unumstößliche Tatsache gelten." Er selber war reiner Jude. Nicht bloß daß seine Mutter, wie in der Tat feststeht, Rebekka hieß, — man betrachte doch nur mal seinen Vatersnamen. „Kolumbus" ist bekanntlich die Iateinisierte Form von Colon, womit der Entdecker übrigens selber immer unterzeichnete. Colon? — merken Sie was, lieber Leser? Colon? — das hängt natürlich eng mit Cohn zusammen. Ein noch deutlicherer Beweis für die jüdische Rasse dieses Colon ist seine Habsucht. Welcher echte Germane z. B. könnte solche Forderungen an seinen König und. Gönner stellen, wie es Kolumbus-Colon-Cohn vor seiner Abreise nach Amerika getan hat? Kolumbus verlangte: „Erhebung in den Adelsstand; Würde eines atlantischen, Generals; Privilegien der Admiranten von Castillen; Macht und Titel eines Vizekönigs; 10 Prozent (!!!) der Kroneinkünfte; 10 Prozent vom Handelsmonopol. Daß die Reise von portugiesischen Juden finanziert wurde, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Fest steht sodann, daß sich Kolumbus die drei Söhne des reichen Pincon (Pinkus!) als Reisebegleiter auserkor. Und ferner ist es historisch, daß der Schiffsarzt ein Jude war. Es dürfte Ihnen, so endet Grete Wels diesen Abschnitt, bei dieser Feststellung dasselbe Licht aufgehen, das auch mir damals wie Schuppen von den Augen fiel .... Wie die Alten sungen ... In Sprottau wurde die vierzehnjährige Tochter des Majors und Stahlhelmführers Bold von der Schule ausgeschlossen, weil sie beim Tode Eberts folgende Worte an die Tafel der Klasse geschrieben hatte: „Der 'Sattlerlehrling Fritz Ebert ist am Sonnabend krepiert. Gott segne die Stunde." Vom „Nationalismus zur Bestialität", sagt Grillparzer. Wie furchtbar sich doch viele Eltern an den Seelen ihrer Kinder versündigen. Weshalb der Fritschismus sein eigener Feind ist Uns wird geschrieben: Der „Hammer"-Fritsch hat jetzt ein Buch über ,vseinen" Warburg-Prozeß herausgebracht,' welches er u. a. mit folgender Empfehlung" in seinem Antisemiten- Hammer begleitet: „Die Verhandlung vom 4. und 5. Dezember ist stenographisch aufgenommen und in der soeben erschienenen Schrift „Mein Streit mit dem Hause Warburg" wiedergegeben. Die Debatten zwischen dem Angeklagten und seinen Verteidigern einerseits und den Klägern (Warburg und Dr. Melchior) und ihren Rechtsbeiständen anderseits geben ein lebendiges Bild von den tiefen geistigen Gegensätzen, die zwischen Deutschen und Hebräern bestehen und gewähren zugleich gründliche Einblicke in mancherlei verborgene Zusammenhänge der internationalen Politik und Vorgänge während des Krieges." Diejenigen, welche diesen Prozeß in Hamburg miterlebten, wissen, daß Herr Fritsch hier nicht einmal witzig ist; denn Fritsch selbst, dessen Auge bereits vom Wahnsinn umflort scheint, ist nebenbei bekanntlich der typische Vertreter des Slaventums, während seine Rechtsanwälte, um mit Herrn Fritsch zu reden, als höchst „u ndeutsch" bezeichnet werden müssen. Der Mecklenburger Rechtsanwalt Dr. Paul Schröder ist vielmehr „Wende" als „Deutsche r", und der Rechtsanwalt Alfred Jacobsen könnte, seinem ganzen Aussehen nach, aus der Mandschurei eingewandert sein. Diese Tatsachen sind freilich in diesem Buche, das im wesentlichen die bekannten Tendenzlügen der Fritsch, Jacobsen und Schröder vor Gericht aneinanderreiht, nicht enthalten. Wer aber diese drei antisemitischen Wichtigtuer einmal mit eigenen Augen gesehen hat, weiß, daß dieses Dreigespann lediglich gekränkter Ehrgeiz und selbstverschuldeter Mißerfolg in die politische Arena trieb, und es ist in diesem Sinne nur erfreulich, daß sich ein solcher Fritschismus immer mehr als sein eigener Feind entpuppt. H. V. Nachspiel im Funder-Prozeß. Wie wir erfahren, hat sich Walther F u n d e r am 28. v. M. mit nachstehendem Briefe an den Amtsgerichtspräsidenten in Hamburg gewandt: „Zu Ihrem Briefe vom 18. März 1925 (Tageb. A. Nr. 2156) und in Bestätigung meiner Unterredung mit Ihnen erkläre ich nochmals, daß Herr Richter Dr. Ewald unter gleichzeitiger Ablehnung des Begriffes „Judendorff', Herrn Erich Ludendorff als unseren großen Feldherrn bezeichnete, an dem ich keine Kritik anlegen dürfe, weil Ludendorif für Deutschland viel geleistet habe. Da ich im Hitler-Putsch keine Leistung zu erblicken vermag, und der größte Teil des deutschen Volkes ist vor wie nach meiner Ansicht, so hätte sich meines Erachtens ein deutscher Richter niemals auf das Niveau eines Ludendorff, der sich bekanntlich in seiner Desertionsperiode Lindström nannte, begeben dürfen. Ich behalte mir daher im Menschheits- und Staatsinteresse vor, auf die Ludendorff- Ewald-Affäre nochmals zurückzukommen, da ich keine Lust habe, mir einer Ludendorff-Tendenz gegenüber im Gerichtssaale den Mund verbieten und mich in meinen staatserhaltenden Ausführungen beschränken zu lassen, die ein wesentlicher Faktor meines Jacobsen-Antisemeetings sind und bleiben. Ich behalte mir daher alle juristischen und publizistischen Schritte vor." Da das Hamburger Amtsgerichtspräsidium es bisher nicht für nötig erachtet hat, diesen Brief bindend zu beantworten, ist dieses Schrftstück durch Funder der Presse übergeben worden. Dr. Hellpach und die Rassenfrage. Dr. Hellpach, der demokratische Reichspräsidentschaftskandidat, der bedauerlicherweise beim zweiten Wahlgang wohl kaum kandidieren wird, führte in einer Wählerversammlung zur Rassenfrage aus: „Der Rassenstreit läßt die einfache wissenschaftliche Tatsache außer Acht, daß es reine Rassen überhaupt nicht gibt. Deutscher ist, wer sich der deutschen Staatsgemeinschaft verbunden fühlt. Heine, Lassalle, Mendelsohn-Bartholdy, Liebermann und Rathenau sind sicher bessere Deutsche gewesen als viele, die sie geschmäht haben." Solche mannhafte Worte, im heutigen nationalistischen Deutschland gesprochen, machen es erklärlich, daß ihr Sprecher sich nicht der Sympathien erfreut, die, in Stimmenanzahl ausgedrückt, für die Reichspräsidentschaftswürde befähigt Ebert und der Antisemitismus. Ebert hat als Reichspräsident treu über die Gleichberechtigung aller deutschen Staatsbürger gewacht. Und wer noch einen besonderen Beweis für Eberts ablehnende Haltung gegenüber der antisemitischen Seuche haben will, der lese in Bruno Willes „Deutscher Geist und Judenhaß" nach. Der Verfasser, der bei einer großen Anzahl hervorragender nichtjüdischer Persönlichkeiten eine Umfrage über ihr Verhältnis zum Antisemitismus veranstaltete und in dem angegebenen Buch veröffentlicht hat, bringt an erster Stelle einen Brief des Reichspräsidenten Ebert, in dem es heißt: Der demokratische und soziale Grundgedanke, auf dem unser neues Staatswesen aufgebaut ist, schließt schon an sich jede konfessionelle, insbesonders antisemitische Ausnahmebehandlung aus; ich bin aber auch überzeugt, daß der gesunde und gerechte Geist unseres Volkes die nur von Einzelnen ausgehende Herabwürdigung des Judentums verurteilt und jede persönliche Zurücksetzung der jüdischen Mitbürger, jede antisemitische Verhetzung und jeden Versuch der Erregung eines Judenhasses bestimmt ablehnt Gerechtigkeit war eine Maxime seiner Präsidentschaft. Gerechtigkeit für alle. Darum wollte er Liebe und Frieden im Volke und verabscheute die Giftsaat des Hasses: darum gab es für ihn kein „Divide et impera!", ein Grundsatz derer, die durch Entfachung des Rassen- und Klassenhasses bequem und leite!" Das deutsche Volk muß und wird ihm dieses Gerechtigkeits- und Einigkeitswollen danken, wenn auch die ihn schmähten und schmähen, welche aus der Klassen- und Rassenverhetzung Vorteile ziehen wollen. Antisemitismus und Totenehrung. Ein unwürdiges Verhalten legten Werwölfe, Stahlhelmleute und Angehörige anderer nationalistischer Organisationen an dem der Ehrung der gefallenen zwei Millionen deutscher Soldaten gewidmeten deutschen Totensonntag an den Tag. Nach dem „Vorwärts" kam es zu besonders skandalösen Vorfällen am Berliner Wittenbergplatz. Ein Zug von 1100—1200 Hakenkreuzlern zog vom Kurfürstendamm her geschlossen über die Straße. Wüste Hetz- und Schrnährufe erschollen aus ihren Reihen. Während der Reichspräsident auf der Totenbahre lag, tobten diese Jünglinge* „Nieder mit der Judenrepublik! Hoch Hitler! Juden raus!" Es kam schließlich zu Tätlichkeiten. So ehren die Leute die Gefallenen, sie, die Worte „vaterländisch" und „national" so gern im Munde führen. Daß 12.000jüdische Krieger für das deutsche Vaterland gefallen sind, wollen sie nicht wissen. Ihnen ist das Gedenken an die Toten nicht Herzenssache, sondern Farteimittel.

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