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Die Wahrheit · 1925-04-08 · Heft 14-15 (8.4.1925) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 14-15 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14/15 DIE WAHRHEIT Seite 5 nicht Macht und Lustbarkeit, sondern „gib Mein Volk frei, auf daß es Mir diene". Noch sind die Hindernisse allgemeiner Bildung, geistigen Aufbaues physischen und ethischen Wohlstandes nicht beseitigt. Noch ist Israels Aufgabe nicht gelöst und erfüllt; es bleibt mit dem aus seiner Umwelt stammenden Alliierten noch in winziger Minorität; die Menschheit, die Klassen müssen erst seine Plattform aufnehmen und realisieren, soll seine Mission erfüllt sein. Man gibt uns zu, daß wir mit der Offenbarung der Menschheit einen guten Dienst geleistet;, sogar daß jüdische Geisteskultur es war, die sich in Jesus von Nazareth konzentriert hat. Das Christentum ist aber der wahre Propagant des Dekaloges, der Träger des biblischen Zivilisationswerkes geworden. Von .Schleiermacher bis Harnack ruft man uns zu: „Ihr habt Jesus den Herrn verworfen, damit seid ihr abgetan, die Bibel geht ihren Siegesweg ohne euch." Stimmt das? Wohl ist unsere Bibel Gemeingut der Völker des Westens durch das Christentum geworden, aber dasselbe hat ihr einen höchst schwierigen und zweifelhaften Anhang beigegeben, das neue Testament. Wir wollen nicht den kritischen Maßstab an die mißglückte Mischehe jüdischen Geistes mit alexandrinischem Neo-PIatonismus, ägyptischer und indischer und persischer Mythen legen, auch nicht darauf pochen, daß was gut darin ist, nicht neu sei und was neu, nicht gut. Für uns genügt die eine Feststellung, daß man den Hauptzug unserer Bibel daraus gestrichen hat, die Basis entzogen hat, mit der sie steht und fällt: „Ich bin der Ewige, dein Gott, diu sollst keine anderen Götter haben neben Mir." Statt dessen lehrt es eine Dreieinigkeit, Inkarnation, Erlösung, Auferstehung und ewige Hölle. Wohl hat diese Lehre einen Teil des Erdballes sich erobert, doch nicht auf dem wollen so eine Wohltat ausüben. Darauf gab er uns ein Fläschchen mit einer Flüssigkeit und sprach: Wenn ihr beim Weinhändler Berger beschäftigt sein werdet, dann trachtet in jedes Faß Pessajhwein ein bißchen von dieser Flüssigkeit hineinzugießen. Wir redeten darauf: Zum Wein kommen wir nicht. Der Mönch sagte: Wir müssen einmal mit den Juden fertig werden, weil sie und ihr Glaube, ein Irrglaube, schädlich sind. Daher bestrebt euch, in diesem Jahre bei den Mazzos beschäftigt zu werden, und sobald dies geschieht, in das Mehl dieses giftige Pulver vollständig hineinzuschütten. Hauptsächlich trachtet aber das Gift in jene Mazzos zu bringen, die für den jüdischen Rabbi, der ein gefährlicher Zauberer ist, bestimmt sind. So sprach er und gab uns die Schachtel Pulver. Er sagte uns auch eine größere Geldsumme als Lohn zu. Wir baten daher bald darauf die Mazzos-Bäcker, uns Beschäftigung zu geben, doch lehnten sie unser Angebot ab. Erst einen Tag vor den jüdischen Ostern würden wir zur Arbeit gerufen. Und da mischten wir einen Teil des Giftes in das Mehl, in einem Augenblick, als wir beim Sieben des Mehles unbeaufsichtigt waren. Es tat uns wohl leid, so viele Menschen, von denen wir jahrelang beschäftigt und ernährt wurden, ums Leben zu bringen, und daher mischten wir nur die Hälfte des Pulvers bei." Der Morgen graute, als der Polizeihauptmann die Aussage des einen der Gesellen — der andere schloß sich der Aussage seines Genossen vollkommen an — niedergeschrieben hatte. Nun begab sich der Polizeihauptmann zu Rabbi Low und verlangte von ihm, daß die Juden, welche von den vergifteten Mazzos erhalten hatten, solche der Behörde abführen' sollten; er benötige sie als corpore delicti. Die Gemeinde überkam wieder eine große Angst, als sie den Polizeihauptmann und seine Begleiter in das Haus des Wege der Vernunft und Ueberzeugunig, sondern zumeist mit Gewalt und Bestechung, durch Missionäre, hinter denen Kanonen und politische Uebermacht gestanden. Man denke an Konstantin und Karl den Großen. Nicht anders wie die Sachsen — Tod oder Taufe — wurden die wilden Stämme Afrikas und Amerikas, wurden die Abessynier z. B. bekehrt. Und wie herrlich weit ist die Menschheit damit gekommen? Der Weltkrieg und seine Folgen, überall soziale Unruhen, das sagt alles, was die christliche Zivilisation gezeitigt hat. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! Hat auf solche Art das neue Testament das alte verdrängt? In diesem Sinne ward menschlicher Fortschritt zum Besseren nicht erwirkt. Noch ist Israels Mission nicht erfüllt, die Wüste ist noch unfruchtbar. Es war das große Verhängnis, das Nietzsche in die Worte kleidet: „Jesus wollte den Westen rationalisieren, Paulus und das Konzil von Nicea machten ihn asiatisch, mystisch." Wohl haben die Besten^ die Auserwäihlten unsere Bibel studiert, aber nicht im Leben betätigt, was sie daraus gelernt, und nur die Besten, nicht die Massen. Noch wird die Welt von Brutalität, List und Betrug beherrscht; wie weit ist die Welt von der Beherziiguwg der Lehren unserer Propheten? Zieht Israel sich jetzt zurück, dann stürzt der fre'sinnige Teil der Nationen dieser Welt zusammen, dessen erste Nahrung und Kern es gewesen; es muß noch aushalten und an seiner Aufgabe weiterarbeiten. Hier heißt es freimütig bekennen, daß wir Juden von heute leider diese geistilge Mission über unseren weltlichen Interessen verabsäumen. Wir nehmen zuviel von den Sitten und Gewohnheiten unserer Umwelt in uns auf: Ihre Fehler und Mängel1 haben wir bedauerlicherweise uns zu eigen gemacht, wir haben die Emanzipation Rabbi Low eintreten sah, und sie fürchtete, es könnte wieder eine falsche schwere Anklage vorliegen. Rabbi Low ließ durch die Gemeindediener in allen Synagogen beim Morgengebete verkünden, daß jene Mazzos, welche in der Nacht vor Erew-Pessach gebacken worden seien, als Chomez been, wirklicher Chomez, im Amtszimmer des Polizeihauptmannes abzuliefern seien. Noch immer wußten die Juden nicht, in welcher Beziehung der Polizeihauptmann zu den Mazzos stehe. Indessen hatte sich dieser zu dem Priester Taddäus begeben und unterzog ihn, ihm die schwerbelastende Aussage der Bäckergesellen vorhaltend, einem strengen Verhör. Dieser stellte alles in Abrede, versicherte hoch und heilig, er wisse von nichts und erklärte sich bereit, darauf einen Eid abzulegen. Die Behörde, welche zwar Verdacht genug gegen Taddäus hatte, ließ ihn auf freiem Fuße, da außer den beiden Bäckergesellen kein Zeuge vorhanden war. < Die beiden Bäckergesellen wurden aber zu je fünf Jahren Kerker verurteilt. Seitdem hüteten sich die Juden Prags, einen „Rotbärtigen" in das Haus zu lassen, und ihre Warnung: „Gefährlich ist ein Rotbärtiger" blieb bis heute sprichwörtlich. Am siebenten Pessachtag, da Rabbi Low einen Vortrag über die wunderbare Errettung aus den Händen der Aegypter und über den Durchzug durch das Schilfmeer hielt, berichtete er auch von der letzten Errettung. Er sagte: „En banal hanes makir b'nissau — Derjenige, dem vom Himmel ein Wunder geschieht, erkennt nicht die Größe des ihm gewordenen Wunders. Hätte ich nicht irrtümlich im Abendgebet statt des Wortes ,umachalif .umachamitz' gesagt, dann wäre ein schreckliches Unheil über unsere Gemeinde gekommen,"

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