Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 14-15 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DiEj^ygasr barmen.'" „Um Erkenntnis, Einsicht und Vernunft beten wir gleich zu Anfang unseres Aehtzehngebetes vlreimal täglich." Gewiß, die hebräische Universität in Jerusalem will und soll — nach dem Plan ihrer Gründer — gleich allen anderen ähnlichen Schwesterschulen eine Hochschule und' ein Institut für freie Forschung werden, es söhn und. bleiben. Ohne Voreingenommenheit, unbeeinflußt und nicht einseitig will und wird auch sie an die einzelnen Fnaigeni lund Probleme der Erkenntnis und des; Wissens» herantreten. Einzig und allein der Wahrheit, niemandem sonst als ihr will auch sie dü'enen. Wie so viele ihrer Vor- und Ebenbilder in Europa will auch sie reine und klare, vor dem Forum der Wissenschaft geprüfte und ihr standhaltende Ergebnissie aus dem Born und tiefen Schacht der Erkenntnis ans Licht ziehen! und zutage fördern. Das soll sie nur ganz ruhig tun; dieses Recht kann und darf wohl kein Mensch ihr streitig machen. Doch dürfte man an ihrer Geburtsstunde gerade dieser Hochschule auf ihren neuen Lebens- Wieg dien Wunsch mitgeben, nicht zu vergessen und eingedenk zu sein, auf welch heiligem Boden sie sich befindet und welch uralte heilige Sprache sie hegt und pflegt. Vom der Universität in der heiligen Stadt, an der Stätte, wo -düe Schechinah thront, in der Sprache der Bibel, der gottbegnadeten Sänger und Dichter, der begeisterten Propheten und Seher Israels, gerade von idiesier Lehrstätte wird man wohl mehr als sonst von irgendwelcher es wünschen und erwarten können, daß sie auch vor den alten und zuerst dort in dieser heiligen Sprache einst verkündeten und seither der ganzen Menschheit zuteil gewordenen und ihr zu großem Segen gereichenden religiösen Wahrheiten zumindest ihre Augen nicht verschließe, und daß auch dieser „Lebensbaum"' ihr nicht gleichgültig sei und bleibe und daß die hebräische Universität auch die Produkte und Resultate der Wissenschaft berücksichtige, die in uns das alte „Ignorabimus" auslösen müssen und die uns die Spuren und Pfade zum Glauben und zu Gottes Erkenntnis bahnen und ebnen. Am diese, in der Zeit der großen Fortschritte auf den verschiedenen Gebieten des Wissens, der Naturerkerintnis und der Technik der Welt und der Geschichte, auf dfese do^h auch noch, oder vielmehr gerade jetzt noch vorhandenen Quellen des Glaubens und der Religion zurückzukommen, welch schöne und herrliche Aufgabe der hebräischen Universität zu Jerusalem. Dieser unser stillgehegter Wunsch, dieser der hebräischen Universität zum „Feste dier Freiheit" entbotene Gruß dürfte wohl nicht vereinzelt und nicht isoliert sein. Wir glauben uns mit demselben in guter Gesellschaft zu befinden. Es sei uns da gestattet, keinen Geringeren als Nah um Sokolow anzuführen, der in einem Artikel über die Universität in Jerusalem u. a. von derselben meint: „Jerusalem ist der Raum des Endlosen, wo Welten auf Welten geschichtet sind, wo Raum auf Raum gelagert ist. Diese Universität tritt ihren Weg nicht mit dem unendlich Großen, sondern mit dem unendlich Kleinen an. Wir sind von der Ueberzeuguog durchdrungen, daß sie in ihrem Aufstieg zum unendlich Großen führen wird. Man erinnert sich an Bacons Wort, daß ein wenig Wissenschaft die Menschen von Gott wegführt, aber viel Wissenschaft sie wieder zu Gott zurückbringt." Werbet und verbreitet die „Wahrheit'*. Prag zu bringen) so lange als wirkliches Chomez zu betrachten sind, bis es mir gelingen wird, einen bezüglich ihrer rituellen Zulässigkeit aufgetauchten Zweifel aufzuklären. Niemand darf eine solche Mazzoh auch nur berühren. Sogar Kinder und Schwerkranke sind dem Verbot unterworfen. Es ist Lebensgefahr." Dasselbe ließ Rabbi Low durch den Verwalter in der Altneu-Synagoge bekanntmachen. Nun ließ Rabbi Low alle Männer und Frauen, die mit dem Mazzoh-Backen beschäftigt waren, zusammenrufen und befragte sie, ob bei dem Mazzoh-Backen auch Nichtjuden mitgearbeitet hätten. Diese erwiderten: „Es haben in der ganzen Zeit keine Nichtjuden mitgewirkt Erst in der vergangenen Nacht mußten zur Bewältigung der rückständigen Arbeit zwei nichtjüdische Bäckergesellen herangezogen werden. Doch haben sich diese größtenteils nur mit dem ,Rödeln' beschäftigt." Rabbi Low fragte noch: „Kennt ihr die Namen dieser Bäckergesellen?" Sie erwiderten darauf: „Ihre Namen kennen wir nicht, es sind aber die im Judenviertel genügend bekannten Leute, denen man das Chomez am Erew Pessach verkauft, die beiden Rotbärtigen." Rabbi Low war es num fast klar, daß die beiden Bäckergesellen in einem unüberwachten Augenblick irgendein Gift in die Mazzos getan haben mußten. Daß es sich um Gift handelte, nahm Rabbi Low deshalb an, weil ihm in der vergangenen Nacht träumte: „Sochoh naasseh lau sam Chajim, lau sochoh naasse lau sam moves" — „Wenn er religiöse Verdienste, Sechus, hat, dann wird sie ihm zum Balsam des Lebens, wenn er aber keine religiösen Verdienste hat, so wird sie ihm zum Todesgift." Er selbst hatte für seine Hausgenossen von diesen Mazzos erhalten, welche in Anwesenheit der Bäckergesellen zubereitet worden waren. Darauf ließ er wieder verkünden, daß sich der aufgetauchte Zweifel, ob die Mazzos zum Genüsse erlaubt seien, nur auf die in der letzten Nacht gebackenen Mazzos beziehe. Jene Leute aber, die schon früher gebackene Mazzos erhalten hatten, könnten solche auch ohne jedes Bedenken genießen. Doch müßten sie ein Drittel von ihrem Vorrat an solche Leute abgeben, deren Mazzos in der letzten Nacht gebacken wurden und deren Genuß streng verboten sei. Und nun ließ er in später Nachtstunde das gestörte Abendgebet verrichten und befahl, daß sich jeder nachher wie gewöhnlich zum Seder setzen sollte. Er selbst setzte sich nicht zum Seder. Vielmehr rief er Josef Golem in sein Zimmer und sprach zu ihm: „Geh in die Wohnung der Rotbärtigen und suche gründlich nach einem Pulver oder einer Flüssigkeit. Findest du etwas, dann bringe es sofort zu mir." Der Golem nickte bejahend mit dem Kopfe. Rabbi Low rüstete ihn mit dem Amulett aus, welches ihn unsichtbar machte, und der Golem ging davon. In die gemeinsame Wohnung der Bäckergesellen eintretend, traf er sie nicht zu Hause. Er hatte keine große Mühe mit dem Suchen, denn er fand bald in einer Schublade eine Schachtel mit Pulver. Er nahm es und begab sich alsbald zu Rabbi Low, der, auf ihn wartend, im Zimmer hin- und herging. Als der Rabbi am Pulver roch, erkannte er sogleich, daß es Gift sei. Besonders fiel ihm auf, daß die Mazzos einen ähnlichen schwachen Geruch hatten. Nun gab der Rabbi dem Golem die Schachtel zurück und befahl ihm, wieder in die Wohnung der Bäckergesellen zu gehen und die Schachtel zurückzustellen, daß man nicht bemerken könne, daß sie jemand berührt habe. Er aber begab sich in Begleitung seines alten Dieners Abraham Chajim zur Behörde.