Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 13 (3.4.1925)
- Date
- 1925-04-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 13 Pi£ WAHRHEIT Seite U Von Woche zu Woche Zur Universitätseröffnung. In einer Unterredung, die der Wiener Korrespondent des Warschauer hebräischen Tagblattes „Hajom" mit dem Rektor der Wiener Universität, Hofrat Professor Dr. Sperl, hatte, äußerte sich dieser über die Bedeutung und die Zukunft der hebräischen Universität in Jerusalem. Der Rektor gab zunächst seinem Bedauern Ausdruck, daß die Wiener Universität mit Rücksicht auf die hohen Kosten und auf die Unmöglichkeit, daß Mitglieder des Professorenkollegiums ihre Vorlesungen unterbrechen, bei der Eröffnungsfeier nicht durch eine Delegation vertreten sein kann. Die Universität wird sich daher mit der Absendung eines Begrüßungsschreibens begnügen müssen. Die hebräische Universität — setzte der Rektor seine Ausführungen fort — die soeben auf den Grundlagen einer so glänzenden und ruhmvollen Vergangenheit, wie sie vor 2000 Jahren auf den Bergen Jerusalems entstanden sind, ist vielversprechend. Sie wird die Aufgabe haben, die Tradition der glanzvollen Vergangenheit fortzusetzen und wieder jene ehrenvolle Stelle zwischen den Völkern einzunehmen, die sie vor 2000 Jahren innehatte. Alles hängt jedoch von den Professoren, die dort lehren, und den Schülern, die die dort lernen werden, ab. Werden gelehrte Professoren und wißbegierige Schüler dahinkommen, dann wird die Universität sich immer mehr entwickeln und auf die entsprechende flöhe gelangen. Hauptsächlich muß darüber gewacht werden, daß man sich dort nicht mit Politik, sondern mit der Forschung nach Wissen und der Suche nach der Wahrheit allein befasse. Auf die Frage, wie sich das Verhältnis der Wiener Universität zur Jerusaferner Hochschule in bezug auf den Uebergang der Schüler von der einen zu der anderen gestalten werde, erwiderte der Rektor: „Unser Verhältnis zur hebräischen Universität in Jerusalem wird ein ähnliches sein wie zum Beispiel dasjenige zu den Universitäten von Paris, London oder Rom, vorausgesetzt, daß man dort von den Hörern jenes Mindestmaß an Mitteln (das heißt Reifezeugnis) fordern wird, das wir hier von unseren Hörern fordern." Auf den Hinweis des Interviewers, daß die besten jüdischen Professoren, die sich auf dem Gebiete dieser Wissenschaft einen Namen erworben haben und bisher an verschiedenen europäischen Universitäten tätig waren, sich entschlossen haben, jetzt nach Palästina zu gehen, dort als Professoren zu wirken, meinte der Rektor: „Es ist selbstverständlich, daß sich unter den jüdischen Professoren Leuchten der Wissenschaft befinden, aber nicht alle werden als Professoren nach Jerusalem gehen. Einstein zum Beispiel wird dort nur ab und zu Gastvorträge halten. Und was das Institut für jüdische Wissenschaften betrifft, möchte ich darauf hinweisen, daß wir auch in unseren orientalischen Instituten in Wien sowie in dem evangelischen und katholischen Institut große Gelehrte auf dem Gebiete der semitischen Sprachen und der Wissenschaft des Judentums besitzen. Es ist natürlich, daß das judaistische Institut in Jerusalem von großem Werte sein wird, da die Forscher Juden sein werden und auch der Ort auf ihre Forschungen von Einfluß sein wird. Die Hauptsache jedoch bleib t," schloß der Rektor seine Ausführungen, „daß die Universität in Jerusalem nicht zu 'politischen Angelegenheiten, sondern zur Erforschung der Wahrheit und des Wissens allein benützt werde." Einen ähnlichen Standpunkt sollte auch die Wiener alma mater beherzigen. Maimonides-Institut. In der am 29. März abgehaltenen Generalversammlung des Vereins zur Erhaltung des Instituts wurde über Antrag des stellvertretenden Vorsitzenden Doktor Berth. Herzig beschlossen, den Leiter und Hauptdozenten Herrn Rabbiner Dr. K a m i n k a zu ermächtigen, an die Universität in Jerusalem anläßlich der Eröffnungsfeier namens des Maimonides-Instituts eine telegraphische Begrüßung zu senden. In derselben Versammlung wurde nach einem Berichte des Schriftführers Hofrat Dr. Emil Riesenfeld über den außerordentlichen Erfolg und die überaus starke und regelmäßige Frequenz der Vorlesungen, dem Leiter und der Verwaltung der Dank des Vereines ausgesprochen. In den Vorstand wurden die Herren Karl Altmann, Rechtsanwalt Dr. B. Herzig, Hofrat Dr. E. Riesenfeld, Osias Juer, Hirsch Intrater, Hofrat Dr. S. Fuchs, Dr. Isidor Klaber, Jos. Dresdner, Jak. Hirschhorn, Dr. N. Goldstein, David Keßler, J. Bergglaß und Ju!. Gruber gewählt. Jüdischer Kultur- und Tempelbauverein Wien (Ottakring- Hernals, Sitz: Wien XVI., Hubergasse 8). Der Tempel Wien XVI., Hubergasse 8, ist im Jahre 1886 erbaut worden und heute noch glänzen auf den Marmortafeln in seinem Vorraum die Namen jener Männer, unter deren Führung er einst erbaut worden ist. Heute aber, nach 39 Jahren, bietet er ein trostloses Bild und bedarf gründlichster Reparatur von innen und außen. Die Renovierung des Tempels dürfte begründeter Hoffnung nach zum größten Teil durch die Kultusgemeinde erfolgen. Ganz unzulänglich und jeder Würde spottend aber ist der einzige Nebenraum des Tempels. In eine kleine, mit vergitterten Fenstern versehene Schreibstube muß alles verlegt werden, was nicht im Tempel selber geschehen kann. Und dieser Raum soll in unseren Tagen, die mit Recht auf äußere Würde Gewicht legen, einen Zeremoniensaal vorstellen. In diesem Räume, angefüllt mit allen Einrichtungsgegenständen einer Kanzlei, mit den verschiedenen Vereinen gehörenden Kassen und Bildern, drängt sich die Gefolgschaft der Braut zusammen, wenn dieselbe vor der Trauung den Segen empfängt! In diesem Räume wird aber nicht zuletzt während der Wintermonate die Andacht verrichtet, ein beschämender Zustand, ein fürchterlicher Verstoß gegen Ehrfurcht und Pietät, wie er wohl in keiner Großstadt mehr anzutreffen ist, beschämend für unsere Besucher, nicht minder beschämend für uns selber! Diesem Zustande soll ein Ende gemacht werden! Der Tempel soll renoviert und gleichzeitig auch ein Wintertempel gebaut werden, der, würdig und zeitgemäß, auch den nachfolgenden Generationen berichten soll, daß in uns Sinn und Empfindung für jüdische Ehre gelebt haben. Zu diesem Zwecke hat sich der „Jüdische Kulturusd Tempelbauverein, Wien, Ottakring-Hernals" gebildet, über den wir schon berichtet haben. Die Mitgliedschaft soll sich nur auf zwei Jahre erstrecken. In diesen 24 Monaten ist der Monatsbeitrag 20.000 Kronen 2 Schilling. 20.000 Kronen monatlich kann ein jeder, aber auch wirklich jeder Jude durch bloß zwei Jahre hindurch hergeben, um dafür das Bewußtsein im Herzen zu tragen, auch einen Anteil am Bau zu haben! Es ist natürlich zu hoffen, daß für besser situierte Glaubensgenossen ein größerer Monatsbeitrag für einen solchen Zweck kein zu großes Opfer bedeuten wird. Allerdings dürfte eine monatliche Abgabe manchem nicht angenehm sein, ihm und uns wird dadurch geholfen, wenn die Zahlungen in größeren Raten erfolgen, und zwar vierteljährlich, halbjährlich, für ein Jahr oder auf einmal für beide Jahre. Möge dieser Notruf des Vereines im Herzen eines jeden widerklingen, der sich Gefühl fürs Judentum bewahrt hat Ein Gedenkbuch soll die Namen und Opfer all derjenigen verewigen, welche trotz schwerer Zeit daran gedacht haben, daß auch der Jude an sein Heiligtum nicht vergessen darf, Trauungen. Sonntag, den 29. v. M., fand im Seitenstettentempel die Trauung des Frl. Rita B a n d 1 e r mit Herrn Benno L ö w, Sohn des bekannten Religionslehrers der Wiener Kultusgemeinde Herrn Löw-Vogel, statt. Eine große Zahl Gäste füllte das Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen und bemerkte man u. a. den 1. Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Herr Dr. Jakob Ornstein, eine Abordnung des Verbandes der Religionslehrer der Kultusgemeinde, eine große Deputation der Jugendgruppe der „Union deutschösterreichischer Juden", deren verdienstvoller Schriftführer Herr Benno Low ist, unter Führung ihres Obmannes Herrn Jakob Herz Kuczer, sowie den Sekretär der „Union" Herrn Philipp L ö w. Die hohe Wertschätzung, deren sich die Brauteltern und das Brautpaar in weitesten Kreisen erfreut, bewiesen auch die zahlreich eingelaufenen herzlichen Glückwünsche, denen sich die Redaktion des Blattes anschließt. O. H. Sonntag, den 29. v. M. fand im Großen Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Dr. Hermann K e h, Sohn des Krakauer Großkaufmannes Kaiman Keh, mit Fräulein Mila Schneeweiß statt Ein distinguiertes Publikum füllte das Gotteshaus, ein Beweis, welch große Sympathien sich das