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Die Wahrheit · 1925-04-03 · Heft 13 (3.4.1925) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 13 (3.4.1925)
Date
1925-04-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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*• DIE WAHRHEIT Nr. 13 wurde, nur daß man ihr nicht den Diebstahl von Eßlöffeln vorwarf, wundert uns von einem Manne wie Dr. Körner, dessen Gepflogenheit es sonst nicht ist, über Dinge in der Weise zu reden, wie er es Samstag abends — sicher aus ganz bestimmten Gründen — tat. Es diene ihm daher zur Aufklärug, daß die Artikelreihe nicht von einem Anonymus geschrieben worden sind, sondern daß der Autor Herr R. Seiden, Mödling, in seiner Eigenschaft als Vertreter der Delegierten- Versammlung des J. N. F. der „Hakoah" unzionistisches und unjüdisches Verhalten vorwarf. Bei derlei Angriffen, die nur deshalb bei uns publiziert wurden, weil die „Morgenzeitung" ihrem Parteigänger Seiden nicht die Spalten öffnete, wird n i e, das Sin<g« gegen unsere Anschauungen von publizistischer Anständigkeit, der Name des Autors verschwiegen, der deshalb auch im vorliegenden Falle voll signierte. Von einer Anfrage der „Hakoah" oder Dr. Körners ist uns nichts bekannt. Daß Herr Seiden, der, wohlgemerkt, ein Parteigänger des Herrn Dr. Körner ist, mit seinen Ansichten, daß die „Hakoah" ihren zionistischen Pflichten nicht ganz nachgekommen sei, nicht alleinstehend war, geht aus den Ausführungen gerade des Herrn Dr. Körner selbst hervor, der unumwunden erklärte: „Ich muß es offen zugeben: Wir sind in jüdischen Sachen kolossal langsam". Zur Sache selbst wäre noch zu sagen: Die „Hakoah" braucht, um wieder in geordnete Verhältnisse zu kommen und den in letzter Zeit etwas vernachlässigten jüdischen Massensport wieder in vollem Umfange propagieren zu können, der Unterstützung weitester Kreise. Wenn die Herren der neuen Leitung, in der sich Männer wie Dr. Körner, Dr. Felix, TJeszö Herbst, Baitaxe und Dr. Menkes befinden, einmal klar darüber geworden sein werden, daß dies nur dann möglich sein wird, wenn man statt Politik lediglich Sport betreiben wird, kann man hinter das bisher leidige Kapitel beruhigt einen Schlußpunkt setzen. Als gutes Zeichen für die neue Marschroute ist die Betätigung der „Hakoah" auf dem Gebiete der Wohltätigkeit („Kinderheim"), eine Betätigung, die viel zu wenig gewürdigt, ihr sogar von mancher Seite unberechtigterweise zum Vorwurf gemacht wurde. In diesem echt jüdischen Sinne kann das erstrebte Ziel leicht erreicht werden. Die „Hakoah", die heute — ein einzig dastehender Fall in dter Geschichte des Sportes— in sämtlichen Sportdisziplinen die Spitze inne hat, wird dann mit Hilfe der gesamten Wiener Judenschaft auch eine Zierde derselben werden. E. H. Diebstahl und Ostjudenhafi. Eine Frau ging abends durch die Universitätsstraße gegen die Stadt; an der Ecke der Ebendorfergasse nahm sie wahr, daß jemand an ihrer Handtasche riß. Sie kehrte sich um und sah sich einem jungen Mann gegenüber. Der Kerl rief ihr Schimpfworte zu, so auch: „Politische Jüdin! Bist eh' keine Wienerin!*' und versetzte ihr, als sie um Hilfe rief, eine Ohrfeige. Dann ergriff er die Flucht, wurde aber festgenommen. Er ist unterstandsloser Komptoirist, der sich jetzt als Zeitungsfeolporteur fortbringt und wollte glauben machen, daß er durch den Genuß von vier Krügeln schwarzen Bieres so „gut aufgelegt" war, daß er der ihm völlig Unbekannten ins Gesicht gegriffen und ihr einige „witzige" Worte zugerufen hat. Oer lökalpatr.iotische Ostjudenfresser kann jetzt im Landesgerichte über weitere ebenso gute Witze nachdenken. Eine beherzigenswerte Anregung. Zu der in Nr. 10 vom 13. v. M. unter obigem Titel enthaltenen Aufforderung, die Kriegstoten zu ehren, wird uns mitgeteilt, daß der Verein jChewra Kadischa" für; den 16. und 17. Bezirk in Wien s^hon im Jänner 1922 im Gemeindetempel 16. Bezirk, Hubergasse S, eine schöne Marmortafel mit den Namen aller im Weltkriege HH4—1918 gefallenen jüdischen Krieger von Ottakring und Hernais (32 an der Zahl) -errichtet und mit einer würdigen Feier enthüllt hat. Koscher. Jüdische Kaufmannskreise in New York wollen das Wort koscher als „rein" und „einwandfrei" interpretiert sehen. Das oberste amerikanische Gericht hat aber im Sinne des New Yorker Staatsgerichtes entschieden, daß ein Geschäftsmann, der das Wort „koscher" unrechtmäßig gebraucht, sich vor den amerikanischen Gesetzen strafbar macht. Richter Satherland, der die Entscheidung des obersten Gerichtes vorlas, erklärte ausdrücklich, daß die jüdische Bevölkerung, die anf rituelle Lebensführung Gewicht legt, geschützt werden muß. Theater, Kunst u. Literatur Bund jüdischer Eltern im II: Bezirke. Der überaus rührige Verein veranstaltete Mittwoch, den 25. März 1. J. im Festsaale der Bezirksvorstehung wieder einen Elternabend, der sich starken Besuches zu erfreuen hatte. Der Vereinsobmann Postamtsdirektor K olmin eröffnete den Abend mit einer Begrüßung der Gäste, insbesondere des J ü d. Frauenvereines im 2. Bezirk, der durch eine größere Anzahl von Damen des Vorstandes vertreten war. Dem angekündigten Referate des Kultusvorstehers Dr. K1 a b e r über „Die jüdische Frau" folgte reicher Beifall. Es entspann sich eine längere Diskussion. Redner waren der Protektor des Vereines Ehrw. Dr. Orunwald und Religionsprof. i. R. Mor. An t scherl. Ein Appell an das Auditorium um Beitritt zum Verein trug Neuanmeldungen und Spenden ein. In der Bibelschule des Vereines werden derzeit in drei Klassen Volks- und Bürgerschüler unterrichtet. Die dringende Nachfrage von Mittelschülern wird die Einrichtung eines besonderen Kurses für diese Kategorie erforderlich machen. Auch soll die Angliederung eines hebräischen Sprachkurses in kurzem erfolgen. Material über die Minderheitenfrage. Das Minderheiteninstitut an der Wiener Universität (Wien L, Liebiggasse 5) arbsitet an der Herausgabe eines allgemeinen stati s tischen Minderheitenhandbuches und ist zu diesem Zwecke bestrebt, die Lage der Minderheiten zunächst Europas hinsichtlich des Bevölkerungsstandes, des wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Lebens von möglichst vielen Seiten zu beleuchten. Da das Institut hierin zunächst nur auf die vorhandenen, nicht immer ganz einwandfreien amtlichen Zahlen angewiesen ist, richtet es an alle Personen und Stellen, die Material über die rechtliche Lage einzelner Minderheiten, über die verwaltungsmäßige Durchführung der bestehenden Minderheitenrechtsbestimmungen (z. B. im Sprachengebrauch, im Schulwesen, bei Volkszählungen) oder private Statistiken über diese Gegenstände besitzen, besonders auch an alle Zeitungen, Zeitschriften und Verfasser, die Artikel oder Bücher über die Minderheitenfrage veröffentlichen, das Ersuchen, ihm ihr Material und Belegnummern etwaiger Artikel zugänglich zu machen. Jüdischer Wohltätigkeitsverein „Brüderlichkeit", Wien II. (Sitz Cafe Rembrandt). Der neugegründete jüdische Wohltätigkeitsvarein „Brüderlichkeit" feierte am 14. März in den Souterrainräumen des Cafe Rembrandt sein Gründungsfest, zu welchem sich ein sehr reichhaltiges und distinguiertes Publikum eingefunden hat. Das Fest, verbunden mit einem reichhaltigen Vortragsprogramm, wies auch guten materiellen Erfolg auf, so daß der Verein bereits in Kürze daran gehen kann, im Rahmen einer Mazzoth- und Kinderbekleidungs- Aktion in dieser Zeit schwerer wirtschaftlicher Not aktiv vor die jüdische Oeffentlichkeit zu treten. — Am 22. März fand die konstituierende Generalversammlung des neuen Vereines statt, bei welchem Anlasse Herr Dr. Wolf Herzberg zum Ehrenprotektor und Herr Jakob Morgenstern zum Ehrenobmanne ernannt wurden. Nachdem Herr Dr. Herzberg in einer großangelegten und sehr lehrreichen Rede die Wichtigkeit der Entwicklung des jüdischen Wohltätigkeitssinnes entwickelte, wurde die Wahl des neuen geschäftsführenden Vorstandes vorgenommen. Gewählt wurden: Obmann: Oskar Goldschmidt , Obmann-Stellvertreter: Malkiel Grün- Wald, Schriftführer: Karl Pick und Ing. Leopold Kosch, Kassiere: Jakob Weisz und Em. Fischl, Revisoren: Sal. Spiegel und Salo Pick, Beiräte: Ad. Friedmann, Bernh. S c h i m k o, Ad. Herz, Sam. K o h n, Herrn. Tanne und Jakob B e r g e r. Beth Israel. Samstag, den 4. d. M. (Schabbos hagodaul) *A4 Uhr nachmittag hält Rabbiner Mayersohn im Tempelverein „Beth Israel", II., Leopoldsgasse 29, eine Drosche. Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint Mittwoch, den 8. April, bedeutend verstärkt als Pessach-Festnumraer. Beiträge müssen bis längstens Montag in unserem Besitz sein.

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