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Die Wahrheit · 1925-04-03 · Heft 13 (3.4.1925) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 13 (3.4.1925)
Date
1925-04-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 13 Seite 9 Herr Dr. Walter Riehl hat die Verteidigung des Mörders übernommen. Ich gratuliere Rothstock zu dieser Wahl. Er hätte kein glücklichere treffen können. Es verlautet mit Bestimmtheit, Rothstock habe Bettauers Schriften nie in der Hand gehabt. Herr Dr. Walter Riehl, in dessen Händen er vertrauensvoll sein Schicksal gelegt, muß er wohl gekannt haben. Wer könnte wirkungsvoller, eindringlicher, überzeugender Rothstock, der in der Atmosphäre einer maßlosen politischen Verhetzung aufgewachsen ist, verteidigen, als Herr Dr. Walter Riehl, dem Freund und Feind das Zeugnis nicht versagen dürfen, daß er einer der rücksichtslosesten leidenschaftlichsten Rufer im Streite war. Herr Dr. Riehl denkt schon heute daran, eine Sammlung zu fördern, um Röthstock nach Entlassung aus der Haft zur Begründung einer neuen Existenz zu verhelfen. Das läßt sich ja hören. Aber es ist erfreulich, daß es Rothstocks Freunden gesetzlich verwehrt ist, heute schon eine Sammlung, zur Errichtung eines Monumentes für den edlen Jüngling anzukündigen. Ego. An die verehrten Mitglieder der^Union deutsdiösterreldilsdier Joden"! Die Kosten der Aufrechterhaltung unseres Rechtschutzbüros und die damit verbundenen Ausgaben wachsen von Tag zu Tag. Leider^tehen die Eingänge für den Verein mit diesen Erfordernissen nicht im Einklänge. Die Zahl der Rückstände an Jahresbeiträgen ist in einzelnen Bezirken eine derart große und verschlingt an Papier und Briefporti solch hohe Summen, daß wir uns veranlaßt sehen, diesen Weg beschreiten zu müssen, um unsere werten Mitglieder, dieihrenPflichten bisher nicht nachgekommen sind, an diese hiermit ergebenst za> erinnern. , Wir legen daher nicht nur den betreffenden Herren Mitgliedern selbst, sondern auch den Herren Obmännern und Kassieren der Mitgliedschaften im Interesse unseres im steten Kampfe gegen die Feinde des Judentums stehenden, die gefährdeten staatsbürgerlichen Rechte unserer Glaubensgenossen schützenden Vereines ans Herz, unsere Aktion bei Einbringung der uns so notwendigen Jahresbeiträge * nachdrücklichst unterstützen zu wollen. Das Sekretariat der „Union deutschesterr. Juden". PESSACH IN DER „EINHEIT" Wien II., Malzgasse 12 Sowohl in der allgemeinen als auch in der Mittelstandsabteilung wird wie alljährlich während der Pessachfeiertage täglich zu Mittag und am? Abend gutes und billiges Essen verabreicht werden. In jeder Abteilung wird an jedem Tische „Seder" gegeben werden Wahrheiten vom Tage Ritualmordhetze der Hakenkreuzen In der hakenkreuzlerischen „Deutschen Arbeiterpresse'" vom Samstag findet sich folgender, eine ganze Viertelseite füllender, in faust- „Die jüdischen Ostern kommen! Volksgenossen! Arier! Paßt auf eure Kinder auf!" Also zur Abwechslung eine kleine Ritualmordhetze, das Kampfmittel von Trotteln, bestimmt, auf Trotteln zu wirken. Ueberdies eine nette Verhöhnung des Pressestaatsanwaltes, der schon einmal wegen einer ganz ähnlichen Hetze dieselbe Zeitung beschlagnahmt und angeklagt hat und es. wie wir erfahren, auch diesmal tun will! (Wir kommen darauf in der nächsten Nummer ausführlich zurück.) Nur soviel für heute: Damals haben sich die Ehrenmänner mit echt deutscher Tapferkeit hinter die „Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge" versteckt, was werden sie heute tun? Durch diese Hetze, die sogar die Christlichsozialen ablehnen, zeigen die Wiener Hakenkreuzler, wes Geistes Kind sie sind. Das Gehirn der Rothstock-Leute scheint anderer Gedanken als an Meuchelmord überhaupt nicht mehr fähig. Wer weiß etwas? In einem nichtunterzeichneteii Leitartikel der „Reichspost" hieß es an dem Tage, an dem allerdings das Attentat gegen Bettauer die Geister schrecklich exzitiert hatte: „. . . Man kann in den bisherigen Gestalten eines Georg Sand, der den verräterischen Buchhändler Kotzebue nieder sc h o ß, den irregeleiteten Heroismus erkennen . . ." Was soll man zu dieser Verstrudelung der Unbildung, die hemmungslos in die Feder gerät, sagen? Man kann dazu bloß bemerken, daß wahrscheinlich nicht Georg Sand, der ais George Sand eine französische Schriftstellerin war, gemeint sein dürfte, sondern Karl Ludwig Sand, der deutsche Student und Schwärmer, der aber auch nicht gemeint sein dürfte, weil er allerdings einen Mann namens Kotzebue niederschoß, der aber auch nicht gemeint sein dürfte, weil er nicht ein Buchhändler, sondern ein Schriftsteller war, der aber auch nicht gemeint sein dürfte, weil eher der Buchhändler Palm gemeint sein dürfte, weil er zwar erschossen wurde, aber keineswegs ein Verräter, sondern ein deutscher Patriot war und auch darum nicht gemeint sein dürfte, weil er nicht einem heroischen Attentat zum Opfer fiel, sondern auf Befehl Napoleons erschossen wurde. Wer und was ist also bei diesem verdeutlichenden Vergleich gemeint? Ludendorff als Spaltungskandidat. Zu der Meldung, daß der deutsch-völkische „Stahlhelm*' aus dem erst vor einiger Zeit begründeten „Nationalen Ausschuß" wieder ausgetreten ist, erfahren wir, daß dieser Schritt seine Ursache in der Unstimmigkeit hat, die zwischen dem Führer des „Stahlhelmbundes", S e 1 d t e, und dem Tag-Stuhlmeister des „Jung-deutschen Ordens" Mahraun, in der Frage der Kandidaturen für die deutsche Reichspräsidentenwahl bestanden haben, und weil Mahraun Herrn Ludendorft als den Spaltungskandidaten des Jarresblockes bezeichnete. Abbau der Politik! Die von verschiedenen Blättern als Sensation angekündigte Generalversammlung des Sportklubs „Hakoah", die den Zerfall desselben herbeiführen sollte, erwies sich als ein Sturm im Wasserglas. Es war hier wieder einmal mehr der Wunsch der Vater des Gedankens. Wohl wiesen viele Redner wie Dr. K ö r n e r, Dr. F e 1 i x u. a. auf die immerhin bestehende momentane finanzielle Krise im Vereine hin, die zur Folge hatte, daß die Subventionen an die Sektionen, die Massensport betreiben, eine Einschränkung erfahren mußten, was in diesen Sektionen Unzufriedenheit hervorrief. Daß dies von einzelnen Zeitungen — Dr. Körner verwies auf die „Arbeiter-Zeitung", den „Sportmontag" und die „Jüdische Gemeinde" — in geradezu unverantwortlicher Weise dazu benützt wurde, um eine Krise heraufzubeschwören, kann, wie Dr. Körner meinte, nicht genug verurteilt werden, umsomehr, als jeder Sportverein heute selbstverständlich mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Daß Herr Dr. Körner aber in diesem Zusammenhang auch unser Blatt erwähnte und von diesem meinte, daß im letzten Jahre in einer Reihe von Schmähartikeln gegen die Leitung der „Hakoah", verfaßt von einem Mödlinger Hakoahner, der ihm gar nicht bekannt sei und dessen Name er trotz wiederholter Anfragen nicht in Erfahrung bringen konnte, über die „Hakoah" in ganz gehässiger Weise hergefallen

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