Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 13 (3.4.1925)
- Date
- 1925-04-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nt. 13 DIE WAHRHEIT Seif 7 Glossen. Es hat schon viele geschlagene Feldherren gleich Ludendorff gegen e n, mit deren Namen ein verlorener Krieg verknüpft war. Aber auch die Feldherren, die sich sittlich berechtigt fühlten, an das Urteil der Geschichte zu appellieren, die dereinst unbefangener, somit gerechter, die Ursachen von Sieg und Niederlage feststellen würde, haben so viel Selbsterkenntnis, Würde und Bescheidenheit besessen, dieses Urteil in stiller Zurückgezogenheit abzuwarten. Ein Luden dorff hat dies nicht nötig gehabt. Er hat ja, wie er und seine Freunde in Wort und Schrift verkünden, eigentlich den Krieg gar nicht verloren, ganz im Gegenteil! Es sieht nur in den Augen der Leute, die nichts verstehen, so aus. als ob Ludendorff der Besiegte gewesen wäre. In Wahrheit hat der Krieg nur Zeugnis für die Größe, den Heldenmm und den Sieg Ludendorffs erbracht. Und Ludendorff hat es glänzend verstanden, den Beweis für seine Behauptung zu erbringen. Ein geschlagener Feldherr verschwindet im Dunkel. Ludendorff aber trat kühn und selbstbewußt mit der Forderung hervor, zum Präsidenten des Reiches gewählt zu werden, eine Auszeichnung, auf die er wahrlich nur als Retter des Vaterlandes, als ruhmgekrönter Sieger Anspruch erheben dürfte. Das ist klar. Wer wird nun noch zweifeln, daß Ludendorff eigentlich den Krieg gewonnen hat? Daß er für seine Wahl auch die Hilfe von Juden in Anspruch nehmen wollte, beweist folgender in Hamburg verbreiteter Flugzettel: 3>te 2öaf)rf)etf $cuffd)öftcrr. 2Bod)cnf$rift für iüMfd>c 3n!etttffeit XLV. 3a(M£. 2Bien 20. 3B8r3 1925 Shtmmer 11 <$Ut Erfolg in Hamburg* IPie uns mitgeteilt nMrd, ift der nom „£udendorffcBund" ftarh bekämpfte Hamburger 3entrumsmann Bering 5um 2. Hamburger poli5ei=Senator ernannt morden, Oering bat fid) in der politifd>en Bekämpfung des Hntifemitismus grofee Derdienfte erroorben und es ift daber nid)t oertDunders Ud>, dafj feine Berufung 5um poli5ei=Senator bei den Hamburger Hntifemiten ein lüutgebeul ausgelöft bat. Der jetzige pott5eUSenatoc Oering roar bisher der Dornende der oaterländifcrjen Der bände. 3Bäl)ll Gudendorf! Druck oon Huguft (Eietgen, Hamburg 5. * * * Herr Dr. Jerzabek, der neulich in der Nationalversammlung sein Bedauern darüber äußerte, daß man, um Komplizen des Rothstocks zu schaffen, den Aussagen von Prostituierten, die zur JAG. MAVER Zeit des Attentates auf Bettauer anwesend waren, mehr Glauben schenke als den amtlichen Angaben der Polizei, hat mit dieser Behauptung dem hoffnungsvollen jugendlichen Mörder einen außerordentlichen Dienst erwiesen. Unbefangene Menschen sagten sich: Es war gewiß nicht hübsch von Rothstock, daß er Bettauer, von dem er nie etwas gelesen, sozusagen unbekannterweise, durch fünf tödlich wirkende Kugeln sein Mißfallen bekündete. Aber was sollte man von dem Attentate denken, daß Herr Eh". Jerzabek auf die Ehre einer Dame verübte, von der er noch weniger wußte als Rothstock von Bettauer. Der Mörder hatte wenigstens den Namen und die genaue Adresse seines Opfers gekannt; Herr Dr. Jerzabek aber hatte, ohne den blassesten Schein einer Begründung, einen vergifteten Pfeil auf die Frau abgeschossen, deren Namen er nicht einmal gehört hatte. Man sieht, wenn Herr Dr. Jerzabek von der Absicht geleitet war, das Attentat Rothstocks auf Bettauer in mflr derem Lichte erscheinen zu lassen, so war ihm dies gelungen. Naive Gemüter würden vielleicht angenommen haben, daß Dr. Jerzabek nach der Züchtigung, die er sofort in der Nationalversammlung selbst von dem Abgeordneten Sever erlitt, sein Unrecht bekannte und sich beeilt haben werde, die so furchtbar beschimpte Frau um Verzeihung zu bitten. Welche Naivität! Das ist Herrn Dr. Jerzabek nicht eingefallen. Er hat ruhig abgewartet, bis die betreffende Dame zu ihm komme und ihn zu Rede stelle, und er gab ihr dann eine schriftliche Erklärung, in der er bestätigt: Erstens, daß sie ihm die Gründe angegeben, weshalb sie zur Zeit des Attentates auf Bettauer in dessen Bureau war. Zweitens, daß er daraus entnommen, daß keineswegs unlautere Motive die genannte Dame zu diesem Besuche veranlaßten. Drittens erklärt Herr Dr. Jerzabek buchstäblich: „Da es mir vollständig ferne liegt die Ehre eines Menschen zu verletzen, von allem, was ich über den Fall Bettauer gesagt habe, nichts ein persönliche Spitze gegen Frau N. war und die Ehrenhaftigkeit und Vertrauenswürdigkeit der genannten Dame außer Frage steht." Freunde des Herrn Dr. Jerzabeks dürften beruhigt einen Preis von 25 Millionen Kronen ausschreiben, der demjenigen zuteil werden soll, der in der Erklärung ein Wort des Bedauerns, der Entschuldigung für die schändliche Beschimpfung entdecken könnte, die der Dame zur gefügt worden war. Wenn jemals ein Abgeordneter wegen Ehrenbeleidigung angeklagt von einem Parlamente ausgeliefert worden ist, so konnte Herr Dr. Jerzabek dessen sicher sein, höher als die Immunität eines Abgeordneten steht die Immunität der Frauenehre. Es ist wirklich zu bedauern» daß Herr Dr. Jerzabek die Belehrung hierüber nicht von dem Richter erhalten hat. Er hätte sie vielleicht besser verstanden, als die bloße moralische Verurteilung, die der Abgeordnete Sever über ihn ausgesprochen hatte. Ego. Kleider-, Pelzeu. Gummimantel-Fabrik Zenlrale: Detailverkauf: Wien IL, Glockengasse 24 Wien II., T&borslrafto U