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Die Wahrheit · 1925-04-03 · Heft 13 (3.4.1925) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 13 (3.4.1925)
Date
1925-04-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Kr. 13 Hoffen wir im Interesse unserer bedrückten ungarischen Glaubensgenossen, daß dort endlich wieder bessere, menschenwürdigere Zustände eintreten, und möge insbesondere ihnen hierbei die günstige Vergangenheit die Gewähr für eine bessere Zukunft bieten! Die Juden in Altosterreich. Aus der Korrespondenz eines liberalen Slawen. (Schluß.) Ung.-Hradisch, 14. März 1899. Bester Freund! Durch mein Verschulden ist in meinem Briefwechsel eine recht lange Pause eingetreten. Ich habe hier namentlich in der letzten Zeit einen recht harten innerlichen Kampf ausgefochten, dessen Ausgang für mich, Gott sei Dank, glücklich ist, da meine Lebensmüdigkeit größtenteils behoben ist. Diese Arbeit an der Umänderung meiner Lebensanschauung ist wahrlich nicht die letzte Ursache dessen gewesen, daß ich so lange nicht nur Dir, sondern auch meiner Familie gegenüber geschwiegen, nicht als ob ich Dich weniger freundschaftlich lieben würde als früher, keineswegs-- ich war aber mit meinem Innern nicht fertig und wollte Dich mit einem Mischmasch nicht belästigen. Wenn ich Dir sage, daß ich das Leben liebe und sogar meine Anschauungen der Menschheit gegenüber im günstigen Sinne umgeändert und daß ich mich endlich von meiner ehemaligen kulturell-panslawistischen Richtung vollends losgesagt habe, so siehst Du wohl selbst, daß ich an mir ein gutes Stück Arbeit vollbracht. Du hast also schon unsere Schriftsteller liebgewonnen. Recht so, liebe sie, es sind ja wahre Menschenfreunde und gehören Euch ebenso an wie uns, gerade so wie Eure Trefflichen bei uns offene Herzen finden müssen und finden werden. Ein Exklusivismus in literarischer Beziehung ist der Menschlichkeitsidee jedenfalls schädlich. Das faktische Leben muß doch endlich selbst den noch immensen Augiasstall der unterschiedlichen Phantasie gehörig reinigen. Falls es möglich ist, so bitte ich um die Schenkung des 49. Jahrganges der Narodny Noviny. Wenn Du dies tun kannst, so bitte mir ein paar deutsche Widmungszeilen hinzuschreiben. Endlich eine für mich, wie Du mich kennst, heikle und unangenehme Angelegenheit. Eine mir sehr nahestehende Person braucht bis zum ersten des nächsten Monates 5—10 fl. Falls es Dir möglich sein sollte, so borge auf meinen Namen eine von lebhaft vor, wie Du bei diesen Zeilen lebhaft vor, wie Du bei diesen Zeilen so lebhaft lachst. Aber das macht ja nichts. Ein böhmisches Sprichwort sagt: Eine kecke Stirn ist besser als ein Meierhof. Diese Worte muß ch mir wohl hundertmal vorsagen, ehe ich mich entschlossen habe, der an mich gerichteten Bitte zu willfahren. Und das habe ich selbst nur in dem guten Glauben gemacht, daß Du deswegen Deine Gefühle mir gegenüber nicht ändern wirst. Erfufrchtsvolle Grüße' an Deine Familienangehörigen. Dein Dir stets ergebener Theodor. * * * Ung.-Hradisch, 17. März 1889. Liebster Freund! Wie ich sehe, hat Dich mein letzter Brief unangenehm überrascht, was ich natürlich nur seinen Endsätzen zuschreiben kann. Leider bin ich heute genötigt, die darin enthaltenen Bitte zu wiederholen, oder Dir die Beustschen Memoiren (2 Briefe) samt den 1000 Redefragmenten — alles im Betrage von 10 fl. — zum Ankaufe anzubieten. Es ist das für mich eine höchst unangenehme Sache, von Dir einen derartigen Dienst fordern zu müssen, aber meine hiesige Lage ist eine derartige, daß ich zu diesem Schritte förmlich genötigt bin. Uebrigens bin ich überzeugt, daß Dir die Erfüllung dieser meiner Bitte nicht schwer fallen wird, um so mehr, als Du hiermit Deine journalistischen Literatur beträchtlich bereichern kannst. In der Hoffnung, daß Du mir diese meine Zudringlichkeit nicht übelnehmen wirst, bin ich Dein Dir stets ergebener Theodor. % *'* Ung.-Hradisch, 29. März 1889. Liebster Freund! Entschuldige, daß zwischen meinem letzten Besuche und meinem Schreiben ein so langes Intermezzo liegt. Es war mir füglich unmöglich, Dir über etwas Wesentliches zu schreiben — und selbst heute glaube ich nicht, Dir etwas Neues präsentieren zu können. Eine Lokalneuigkeit wird wohl für Dich die sein, daß das hiesige tschechische Gymnasium der Ustfedni Matice skolskä mit dem nächsten Jahre verstaatlich werden wird und daß die hiesigen Israeliten bei den Kommunalwahlen im Herbste tschechischnational wählen werden, was natürlich einen großen Fortschritt unserer Sache bedeutet. Uebrigens bin ich jetzt überzeugt, daß die Israeliten von ganz Mähren mit der Zeit und mit dem immensen Anwachsen der antisemitischen Richtung unter den Deutschen dieselben Pfade einschlagen werden. In bezug auf Dr. Gantsch herrscht auf der rechten Seite des österreichischen Parlamentes die Ueberzeugung, daß es höchst erwünscht wäre, ihm ein definitives Vale zu geben. Leider ist der Umstand zu befürchten, daß in einem solchen Falle die Linke jenem hochgeehrtem Herrn unter die Arme greifen würde. In bezug auf Goncarows Absturz erachte ich es für notwendig, Dich auf die darin ausgedrückten literarischen und Kunstansichten aufmerksam zu machen. Sie sind in mancher. Beziehung etwas höchst Originelles und dürften für Dich in Zukunft anwendbar sein. Für die Narodni Noviny habe meinen besten Dank und entschuldige, daß ich es unterlassen habe, Dir gleich Samstag' meinen Dank hierfür abzustatten; in jenem Abendfreudentaumel war es für mich eine Unmöglichkeit. Meine liebste Bertha läßt Dich, mein Berti, bestens grüßen,; sie hat schon in K. ihre Freude darüber ausgedrückt, daß ich einen so guten Freund habe. Entschuldige, wenn ich Dir heute etwas gemessener und weniger barbarisch schreibe; ich werde halt von Tag zu Tag mehr zivilisiert und nehme konventionelle Manieren an. Dennoch weiß und fühle ich, daß mir meine Offenherzigkeit und Geradeheit nie abhanden kommen wird, was ich nicht für Eigenlob zu erklären bitte. Achtungsvolle Grüsse an Deine Familienangehörigen. Dein Dir stets ergebener Theodor.

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