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Die Wahrheit · 1925-03-27 · Heft 12 (27.3.1925) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 12 (27.3.1925)
Date
1925-03-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 12 brachte Dr. Piaschkes die Notwendigkeit der Einrichtung eines Rechtsschutzamtes der Kultusgemeinde, der Hebung des Niveaus des Religionsunterrichtes in den Elementarschulen, vor allem in den Mittelschulen, einer größeren Förderung des Jugendgottesdienstes, als es bisher der Fall gewesen, Vereinheitlichung des Friedhofs- und Beerdigungswesens wie auch der Trauungen, Heranbildung von jüdischen Pflegerinnen für das Spital der Gemeinde, Unterstützung des Jüdischen Kinderspitals und der Fürsorge in den städtischen Humanitätsanstalten, Erleichterung; bei der Steuerzahlung durch die Möglichkeit von Teilzahlungen. Der Redner übte auch eine scharfe Kritik an der Tätigkeit der Chewra Kadischa und deren Präsidium. Obwohl die meisten seiner Forderungen sich mit denen der „Vereinigung für soziale Fürsorge" im Prinzip decken, fielen gerade von dieser Seite während der Rade Dr. Piaschkes Zwischenrufe, die nur bewiesen, daß es den Herren mehr auf das Persönliche als das Sachliche ankommt. In der Wahlrechtsfrage nahm der Redner seitens seiner Partei Stellung für das allgemeine Wahlrecht, gegen jede Seßhaftigkeitsmaßnahmen und für das passive Wahlrecht der Angestellten. Gegen das letztere würden wohl seitens der Mehrheitspartei Bedenken geäußert, die in Anbetracht der bestehenden Hetze nicht von der Hand zu weisen sind. Redner sprach sich schließlich für die Einheit der Gemeinde aus, die dazu dienen würde, das Ansehen derselben in der Judenschaft des Auslandes zu heben, wozu auch die Unterstützung des Keren Hajessod und die Begrüßung der Universitätseröffnung beitragen würden. Es folgten Reden der Herren Dr. Bader, Dr. Glanz und M. Scharfstein. Herr Dohan forderte namens der „Union" eine systematische Heranziehung der jüdischen Bevölkerung zur Steuerleistung und insbesondere, hier ist jedes seiner Worte zu unterschreiben, endlich die Fertigstellung der Renovierungsarbeiten des Großen Leopoldstädter Tempels, der noch immer einen trostlosen Anblick bietet. Dies betonte auch Bezirksrat E. Hoffmann, der dem Kultusvorstande die stiefmütterliche Behandlung des größten Gemeindetempels Wiens insbesondere in der Frage der Beheizung zum Vorwurf machte. Er beklagte auch die Umgehung der Funktionäre dieses Tempels bei ihnen zukommenden Trauungen und Leichenbegängnissen und stellte die Forderung nach Abstellung dieses Uebelstandes, der im Bezirk eine große Mißstimmung auslöst, auf. Mehr politischer Natur war die Rede des Herrn Oberbaurat R. Stricker, der anschließend an die Beziehungen zwischen der „Sozialen Vereinigung" und der österreichischen Sozialdemokratie bei der. Behandlung der Stellung dieser Partei zum Judentum von einem „Antisemitismus in roter Bluse" sprach. Nachdem sodann Kommerzialrat Reif die Einsetzung einer Ersparungskommission beantragt und als letzter Redner Herr Moritz auf die Ausführungen Strickers beinahe zustimmend, Jedoch mit einer faulen Ausrede reagiert hatte, wurde das Budget mit allen gegen die fünf Stimmen der Fraktion für Soziale Fürsorge angenommen. So weit, so gut, oder vielmehr nicht gut, denn in unserem bisherigen Bericht haben wir uns ohne Rücksicht auf die Parteistellung der Redner, lediglich vom publizistischen Standpunkt, bemüht, das herauszugreifen, was bei der Debatte an Nutzbringendem vorgebracht wurde. Es kann aber nicht Wunder nehmen, daß die wohlfeile Gelegenheit der Budgetdebatte von einigen Rednern dazu benützt worden ist, um Angelegenheiten, noch dazu in öffentlicher Sitzung, zu berühren, die mit dem Thema selbst nicht das Geringste zu tun hatten. Und hier sei insbesondere den Vertretern der „Sozialen Vereinigung" der Vorwurf nicht erspart, daß bei ihnen die Tätigkeit ihrer sozialdemokratischen Freunde im Parlament gelehrige Schüler gefunden hat So wie dort wurde nicht zum Hause, sondern für die außen Befindlichen Propagandareden gehalten. So wie dort bemühte man sich, die Debatte fruchtlos in die Länge zu ziehen und sachlich sprechende Redner durch höchst unsachliche Zwischenrufe zu unterbrechen, was zu unerquicklichen Abschweifungen vom Thema Anlaß gab und mitunter zu Beleidigungen führte. Und daß es gar so weit kam, daß angesichts von wüsten Beschimpfungen gegen die anderen Parteien durch Herrn Dr. Glanz die Sitzung durch einen demonstrativen Exodus der Mehrheitsparteien unterbrochen 'Und erst nach einer wiederholt vergeblich geforderten Entschuldigung des Herrn Dr. Glanz wieder aufgenommen Xultusgemeinde einzigartig da, wie man überhaupt den Herren der „Sozialen Vereinigung" das Lob nicht schuldig bleiben kann, daß ihr Auftreten im Kultusvorstande ein in diesem Rahmen völlig ungewohntes ist. Wir können nicht auf jede Einzelheit eingehen, die die Richtigkeit unserer Behauptung beweisen würde, nur soviel sei noch zu diesem leidigen Gegenstände gesagt, daß die Art und Weise der Budgetdebatte hoffentlich eine Warnung für die Herren war. Wir wolle« auch nur ganz kurz darauf reflektieren, daß Herr Gemeinderat Dr. Piaschkes bei aller Güte seiner sonstigen Ausführunge» und Argumente es sich nicht entsagen konnte, das beliebte Steckenpferd einiger seiner Parteifreunde wieder einmal selbst zu satteln und in einem Abschnitt seiner Rede, in dem es von Vergleichen mit Straßenbahnschaffnern, Kanalräumer« usw. nur so wimmelte, die Kardinal-, resp. wie er sie höchst unangebracht bezeichnete, die Rabbinerfrage des Trinkgeldsystems wieder einmal in einseitiger Form anzuschneiden für passend fand. Das, was er in diesem Zusammenhang, und auch betreffs der Mohelim vorgebracht, ist schon so oft von berufener Seite widerlegt worden, daß ein Mehr ein Weniger wäre. Es erübrigt sich noch, sachlich festzustellen, daß gemät dem Antrag des Kommerzialrates Reif die sechsglisdrige Ersparungskommission, übrigens eine gerade heute sehr notwendige Körperschaft, wie folgt festgesetzt wurde: Kommerzialrat Reif, Regierungsrat Dr. H. O p p e n h e i m e r, Engel (Union), Dr. D. Friedmann, Kommerzialrat Markus (Zionistische Partei), Moritz (soziale Fraktion). Und da Ende gut, alles gut ist, wurde nach Schluß der Debatte den Kultusvorständen, Regierungsrat Dr. H. Oppenheimer (Union) und Dr. Desider Friedmann (Zionistische Fraktion) für die fruchtbare Arbeit die sie bei der Ausarbeitung des Budgets geleistet haben, einstimmig Dank und Anerkennung ausgesprochen, ebenso dem Sekretär Guido Fuchsgelb für sein ausgezeichnetes Elaborat. Auch die Arbeitsleistung der Beamtenschaft von der Buchhaltungsabteilung wurde lobend anerkannt. _________ Trauungen. Sonntag, den 29. d. M., 3 Uhr nachmittags» findet im Großen Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herr« Dr. Hermann Keh mit Fräulein Mila Schneeweiß statt — Dienstag, den 31. d. M., 3 Uhr nachmittags, findet im gleichen Tempel die Trauung des Fräulein Edith Kraul, Tochter des bekannten Herrn Prof. Dr. S. K r a u ß, mit Herr« Baurat Ing. Dr. S. Morgenstern statt. Silberne Hochzeit Max Schwager. Samstag, den 21. d. A4., fand im Leopoldstädter Tempel die silberne Hochzeitsfeier des Tempelverwalters Hern Max Schwager mit seiner Gattin Regine geb. Kohn statt. Der Jubilar wurde besonders feierlich aufgerufen und nach den Segenssprüchen hielt Sr. Ehr würden Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald ein* tief empfundene Ansprache an ihn, worauf der Chor das Halleluja anstimmte. Oberkantor Fischer rezitierte eine« selbst verfaßten Mischeberach. Der Jubilar spendete aus diesem Anlasse ein silbergesticktes Thora-Seiden-Moireband Eine große Anzahl von Kultusbeamten, an der Spitze die Sekretäre und der Rechnungsdirektor, die im Amtszimmer des Tempelverwalters sich versammeitert, brachte« im Rahmen des Gottesdienstes die Glückwünsche der Beamtenschaft zum Ausdruck. Es sprach der Obmann-Stellvertreter des Vereines der Verwaltungsbeamten Herr Verwalter Max Popper herzliche Worte und überreichte eine künstlerisch ausgeführte Adresse. Dann sprach in geistreich-humoristischer Rede der erste Sekretär der Kultusgemeinde Herr Guido Fuchsgelb. Diesem schloß sich namens der Betsitzinhaber Herr Fritz Samek mit einer schlichten, erhebende« Ansprache an und überreichte eine kunstvolle Adresse. Nach dem Gottesdienst versammelte sich der Bethausvorstand mit dem Sekretär Herrn Rudolf Kraus ebenfalls im Amtszimmer des Tempelverwalters und hielt der Präsident Herr Anton Beck an das Jubelpaar eine herzliche Ansprache der Anerkennung. Der Jubilar dankte gerührt für die Ehrung. Unter den zahlreichen Anwesenden sah ma« Deputationen von Bethaus- und Humanitätsvereinen, weiters Regierungsrat der Polizeidirektion Herrn Dr. Henry Gans und Polizei-Oberkommissär Schreiber, Bezirksvorsteher Hoffmann und viele andere. In der Wohnung des Jubilars hatten sich ebenfalls zahlreiche Gratulanten und Honorationen eingefunden. Eine Deputation des Kantorenvereines mit dem Präsidenten Herrn J. L ö w i t überreichte dem Jubelpaar einen prachtvoll gravierten Silberpokal mit einer schönen Adresse. Eine Deputation des humanitären Vereines „Kurfürsorge" unter Führung des Präsidenten Herrn med. Dr. J. L. Braun und Gemahlin, Fürsorgerat Leo Heller. S. Wechsler und Gemahlin, Ferdinand G r ü n w a 1 d und Gemahlin und Frau Dr. Regine K r i s überreichte dem Ju-

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