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Die Wahrheit · 1925-03-27 · Heft 12 (27.3.1925) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 12 (27.3.1925)
Date
1925-03-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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flr. 12 DIB WAHRHEIT Stfte 5 kommt noch hinzu, daß die jüdische öffentliche Meinung zu jeder Zeit durch den Kischinewer Pogrom und die darauffolgende Pogromperiode zu tief aufgewühlt und auf ganz andere Bahnen geleitet wurde. Auch im zionistischen Lager selbst entstand durch die Ugandafrage ein tiefer Riss, auf den eine langjährige Krise folgte, welche die Energie und Aufmerksamkeit der Zionisten völlig in Anspruch nahm. Im Februar 1980 veröffentlichte der Cambridger Professor Israel Abrahams einen kurzen Artikel im „Jewish Chronicle" über die Notwendigkeit einer jüdischen Hochschule. In den letzten zwei Jahren hat die Idee der Gründung einer medizinischen Hochschule einen gewissen Anklang gefunden. Soviel zur geschichtlichen Uebersicht. Um nun auf die Sache selbst überzugehen, möchte ich zunächst die Notwendigkeit einer Hochschule erörtern. Es erübrigt sich, vor einem Zionistenkongreß lange übar die nationale Notwendigkeit und Bedeutung einer jüdischen Universität zu sprechen. Wir alle fühlen, welch ungeheuren Wert ein intellektuelles Zentrum hätte, wo Juden lernen, lehr an und forschen könnten, in einer günstigen Atmosphäre, ungehemmt von Beschränkungen, in jüdischer Gemeinschaft, von dem Bestreben baseelt, neue jüdische Werte zu schaffen, unsere großen Traditionen mit dem Modernen zu verknüpfen. Aus dieser Synthese würde eine wahrhaft jüdische Bildung entstehen. Die Diaspora würde von einem solchen Zentrum in eminenter Weise beeinflußt werden, es würde die Selbstachtung der jüdischen Intellektuellen in hohem Maße steigern. Welche Fülle jüdischer Geisteskraft könnte in der jüdischen Hochschule sich entfalten, sich ausleben! Bedeutende jüdische Gelehrte, die heute wegen ihrer Abstammung zurückgesetzt werden, denen es nicht möglich wird, sich zu betätigen, die zuweilen die größten materiellen und moralischen Demütigungen erleiden müssen, weil sie sich von ihrem Volke nicht abkehren wollen, fänden eine Stätte, wo sie sich ganz der Wissenschaft, aber auch ganz ihrem Volke widmen könnten. Diese Konzentrierung der jüdischen wissenschaftlichen 'Arbeit wäre für die Gelehrten selbst und für die allgemeine Wissenschaft ein unschätzbarer Vorteil. Für unsere Stellung in Palästina würde die Universität von ganz hervorragender Bedeutung sein. Im Prozeß unserer friedlichen Entwicklung im Lande dürfte die Universität unser bestes Hilfsmittel sein. Sie würde uns neue Kräfte ins Land bringen; sie würde zur Erschließung und Erforschung des Landes beitragen; sie würde unser Ansehen in den Augen der autochthonen Bevölkerung heben. lehre. Im Talmud (Sanh. 65 b) wird erzählt, daß Raba, ein babylonischer Lehrer des vierten Jahrhunderts n. Chr., einen Mann aus Lehm erschuf, der aber nicht reden konnte. An dieser Stelle nennt schon der Talmud das Sepher Jerzira „Das Buch der Schöpfung" als die Quelle, woher jene Weisheit stammt, durch die die Wunder des Gottesnamens Zustandekommen. Dieses Buch baut auf Grund der Zahlen von 1 bis 10 und der 22 Buchstaben des Alphabetes die Theorie von den Anfängen aller Dinge auf, von dem Gedanken geleitet, daß die Zahlen und Buchstaben die Elemente unseres Denkens darstellen, wobei man beachten wolle, daß im Hebräischen die Zahlen durch die Buchstaben des Alphabetes wiedergegeben werden. So entsteht Einheit und Vielheit, Wort und Sprache. Der Gottesname selbst ist im Grunde auch nur ein Wort, eine Zusammenstellung von Buchstaben, aber er ist nicht ein Wort, das ein Menschenhirn zuerst gebildet, noch eine Menschenzunge zuerst gesprochen hat, sondern er ist ein Wort, das Gott die Menschen gelehrt hat.- Dadurch ist der Gottesname nicht nur höhere, sondern höchste Weisheit. Die Kabbala oder Geheimlehre unterscheidet zwischen dem vierbuchstabigen Gottesnamen (Tetragrammaton), der in der Bibel vorkommt, und dem zwölfbuchstabigen und dem, der aus 42 Buchstaben besteht. Betreffs des ersten sagt der Talmud, daß die Weisen ihn einmal wöchentlich ihren Söhnen und Schülern* lehrten. Der zwölfbuchstabige war anfangs jedermann geläufig, wurde aber später nur den Verschwiegensten unter den Priestern anvertraut und diese suchten ihn durch den Gesang ihrer Brüder, der Priester, unhörbar zu machen. Die 42buchstabige wurde als das heiligste Mysterium betrachtet. Man " teilte ihn nur einem solchen Manne mit, der sehr verschwiegen war, reifes Alter besaß, weder zornmütig noch eigensinnig war und sich im Umgange sanftmütig zeigte. Wer in dieses Geheimnis ein- PESSMB Haisee Zusatz laut Attest Sr. EhrwUrden des Herrn Ober-Rabbiner Simon Schreiber aus Erlau werimiHcii 1^3 auch heuer wieder in garantiert reiner and ua liim zu haben bei Heinrich rrandf Söhne In Kosice Diese Fabrik steht unter Oberaufsicht des Herrn Oberrabbiner Simon Schreiber und unter ständiger Kontrolle eines von Sr. Ehrwürden ernannten frommen jüdischen Aufsehers, so daß ihre sämtlichen Erzeugnisse verläßlich koscher sind und also von jedem Glaubensgenossen ruhig das ganze Jahr hindurch gebraucht werden können. Beachten Sie beim Einkaufe ja recht genau die Sdraizsnarife: KArEEEMtöniE . und Unterschrift: Heinrich ERANCK Sühne wenn Sie die verläßlich aechfe Qualität bekommen wollen! Eine große Bedeutung der Universität liegt auch in der Heranbildung von Lehrern für unsere Schulen in Palästina und in der Diaspora. Die heutigen Lehrer sind fast durchgehend in nichtjüdischen Schulen ausgebildet. Ganz anders würde es mit ihrem Unterricht aussehen, wenn die Lehrer aus einer jüdischen Universität kämen und auch mit der Universität stets in organischem Zusammenhang blieben. geweiht worden war und es richtig bewahrte, kann auf die Liebe Gottes und das Wohlgefallen der Menschen rechnen, sein Name flößt Achtung ein, sein Wissen ist gegen Vergessen geschützt und er gelangt zum Besitze zweier Welten, der, in der wir leben und der zukünftigen Welt. So verleiht das Mysterium des Gottesnamens eine besondere höhere Kraft. Dieser Glaube war viel verbreitet. Bereits aus der Zeit Konstantins, des ersten christlichen Kaisers, gibt es einen Bericht über eine Religionsdisputation zwischen Papst Sylvester und jüdischen gelehrten Zauberern, in dem diese einen Stier mit dem Gottesnamen töten, während jener ihn mit Hilfe des Namens seines Gottes wieder lebendig macht. Aus der Zeit des 9. Jahrhunderts berichtet die Achimaaz-Chronik, daß ein gewisser Chananel, der in Oria als Wundertäter verehrt wird, seinen Neffen Papoleon dadurch zum Leben erweckt, daß er ihn deji „Schern" unter die Zunge legt. Was also die Golemsage erzählt, ist nichts Unbekanntes, die Frage ist nur, wieso R. Löwe zu dem wird, der mittels des Gottesnamens Wunder tut, und welche Beziehung zwischen ihm und der ihm beigelegten Wirksamkeit besteht. Es kann einer gründlicher Kenner der Kabbala sein, ohne sich auch nur ein einziges Mal praktisch der Kabbala zu bedienen, und so ist aus dem Wenigen, was R. Löwe zu Ehren der Kabbala sagt, nichts für seine praktische Betätigung auf diesem Gebiete zu folgern, zumal der Biograph Lowes, Maier Perls, von der Golemsage noch gar nichts weiß. Rappaport verneint überhaupt die Frage, ob Löwe Kabbaiist war und alles, was sonst zu dem Zweck angeführt wird, um Löwe zum Kabbalisten zu machen, ist sehr dürftig. Hingegen ist es sehr merkwürdig, daß der Frankfurter Rabbiner Naftali Kohen, der im vierten Geschlechte von Löwe abstammte, der erste ist, der sagt, „daß sich R. Löwe des heiligen Geistes bedient habe, wie es allgemein bekannt ist". Dieser Naftali Kohen war Kabbaiist

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