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Die Wahrheit · 1925-03-20 · Heft 11 (20.3.1925) · page 15

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 11 (20.3.1925)
Date
1925-03-20
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 11 DTE WAHRHEIT Seite 13 Die deutschen Befreiungskriege, ein jüdisches Werk. Theodor Fritsch hat bekanntlich in seinem „Hammer"-Verlag die deutsche Uebersetzung des Buches „Der internationale Jude" herausgegeben, das unter dem Namen Henry Fords geht, in Wirklichkeit aber von einem national-polnisch gesinnten Antisemiten verfaßt ist. Auf Seite 28, 2. Teil, liest man wörtlich folgendes: „Die Liga gegen Napoleon war Jüdisches Werk. Ihr Hauptquartier war Holland. Als Napoleon in dieses Land einfiel, wurde das Hauptquartier nach Frankfurt am Main verlegt" Sonach steht einwandfrei fest, daß ein deutschvölkischer Führer in einem Buche, das er des Gelderwerbes wegen verbreitet, Ansichten wiedergibt, wonach die Befreiungskriege 1813/15 ein jüdisches Werk sind, wonach die Heldentaten eines Blücher, York, Gneisenau, Freih. v. Stein, Arndt, Jahn usw. Handlungen sein sollen, die Im Dienste einer. in jüdischem Solde stehenden Liga verübt worden sind. Das ist Tollheit — ohne Methode . . . „Goethe und die Juden." Der Goethe-Forscher Heinrich Teweles veröffentlicht im Verlage W. Gente ein Buch, „Goethe und die Juden", in welchem charakteristische Aussprüche Goethes enthalten sind* Lessings „Nathan" apostrophierte Goethe mit dem berühmten Satz: „Möge das darin ausgesprochene Duldungs- und Schonungsgefühl der Nation heilig und wert bleiben". — Daß Goethe mit Juden freundschaftlich verkehrte, beweist seine Lebensgeschichte hinreichend. Die Juden zeigten ihm auch ,.mehr gefällige Aufmerksamkeit und schmeichelnde Teilnahme" als ein National-Deutscher, und ihre schnelle Fassungsgabe, ihr penetranter Verstand, ihr eigentümlicher Witz machen sie zu einem sensibleren Publikum als unter den zuweilen etwas langsam und schwer begreifenden Echt- und Nur-Deutschen angetroffen wird. Darum las Goethe seine Schriften gern jüdischen Zuhörern vor, zumal Frauen, unter denen besonders Henriette Herz, die Schwestern Itzig, Frau Eleonore von Fließ und vor allem Marianne v. Erbenberg hervorstechen. Von Männern erfreuten sich der Dichter Michael Beer, der Maler Oppenheim und vor allem der junge Felix Mendelsohn seiner Freundschaft und Förderung. Rückkehr. Laut dem soeben erschienenen Bericht der Budapester Chewra Kadischa sind während des letzten Jahres zahlreiche getaufte Juden wieder zum Judentum zurückgekehrt. Auch sehr viele Christen ließen sich in die jüdische Gemeinschaft aufnehmen. Man führt diese Bewegung auf die brutale und verbrecherische antisemitische Taktik der Rassenschützler zurück. Ebenso hat Ministerialrat Dr. Oskar Müler vor kurzem mitgeteilt, daß auch in Deutschland als Reaktion auf das Treiben des antisemitischen Ariertums zahlreiche christliche Jünglinge und Mädchen, unter ihnen Abkömmlinge alter Adelsgeschlechter, zum Judentum übertreten. Ein Erfolg in Hamburg. Wie uns mitgeteilt wird, ist der vom „L u d e n d o r f f - B u n d" stark bekämpfte Hamburger Zentrumsmann V e r i n g zum II. Hamburger Polizei-Senator ernannt worden. Vering hat sich in der politischen Bekämpfung des Antisemitismus große Verdienste erworben, und es ist daher nicht verwunderlich, daß seine Berufung zum Polizei-Senator bei den Hamburger Antisemiten ein Wutgeheul ausgelöst hat. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Sonntag, den 15. d. M., 10 Uhr vormittags, fand unter dem Vorsitz des Präsidenten Gen.-Stabsarzt Prof. Dr. A. Pick eine öffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes statt. Auf der Tagesordnung stand die Erledigung des Rechnungsabschlusses und der Bilanz für das Vervvaltungsjahr 1924 und Beschlußfassung über den Voranschlag für das Verwaltungsjahr 1925. Vor Eingehen in die Tagesordnung benützte der Präsident den Anlaß, um den anwesenden verdienstvollen Amtsleiter des Friedhofsamtes Herrn Wilhelm Freistadt zu seinem 35jährigem Dienstjubiläum im Namen der Kultusgemeinde herzlichst zu beglückwünschen, wobei er unter großem Beifall die hervorragenden Verdienste des Jubilars um die Kultusgemeinde, ganz besonders um das Friedhofsamt würdigte. In tiefer Ergriffenheit dankte der Jubilar für alle Liebs und Güte, die ihm in seiner langjährigen Dienstzeit von dem Vorstande und dem Präsidenten bewiesen worden waren. Auch sprach er seinen . Mitarbeitern für die Unterstützung in seinem schweren Amte seinen tiefgefühlten Dank aus und betonte, daß nur vom religiös-humanitären Gesichtspunkte aus es möglich gewesen sei, denjenigen« die ihr Liebstes verloren haben, mit Rat und Tat an die Hand zu gehen. Von diesem Standpunkte wolle er sein Amt, das ihm stets zur Ehre gereicht habe, auch weiter leiten. Präsident Dr. Pick verlas nun eine Resolution des Vertreterkollegiums anläßlich der bevorstehenden Eröffnung der Universität in Jerusalem, in welcher dieses Kulturereignis ersten Ranges gewürdigt und aus diesem feierlichen Anlasse dem Aulbaufonds ein Beitrag von 20.000 S gewidmet wurde. Die mit großem Beifall angenommene Resolution beweist wieder einmal, daß alle Parteien des Judentums sich zusammenfinden, wenn es gilt, für die Ehre und das Ansehen des jüdischen Volkes in den Augen der andersgläubigen Welt — und zur Hebung dieses Ansehens wird die Universitätseröffnung sicher beitragen — einzutreten. Die Resolution hat folgenden Wortlaut: „Die Wiener israelitische Kultusgemeinde begrüßt mit großer Befriedigung die Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem, die in der jüdischen Geschichte eine neue Periode einleitet. Die steten Verfolgungen der jüdischen Studentenschaft, die teils gesetzliche, teils faktische Einführung des „Numerus clausus" in den ost- und mitteleuropäischen Staaten bedrohen vielfach unsere lerneifrige Jugend in der Fortsetzung ihrer Studien. Verzweifelt und innerlich gebrochen, ist sie häufig gezwungen, ihrem Drange nach Bereicherung ihres Wissens zu entsagen. Durch die Eröffnung der hebräischen Universität wird dieser Jugend, die im Lande unserer Väter ihre Zukunft begründen will, nach vollständiger Ausgestaltung dieser hohen Lehranstalt die Möglichkeit geboten werden, eine Hochschule zu besuchen, der Haß und Verfolgung fremd sein werden. Die Eröffnung der hebräischen Universität bedeutet auch einen wichtigen Markstein im jüdischen Aufbauwerk in der alten Heimat Palästina und soll der gesamten Kulturwelt zeigen, daß die Wiedergeburt des jüdischen Volkes sich nicht auf den physischen und materiellen Aufbau der jüdischen Siedlungen erstreckt, sondern auch die Grundlage zur Gestaltung eines neuen jüdischen geistigen Zentrums in der alten jüdischen Heimat schafft. Jahrtausendelang hat das jüdische Volk während seiner Galuthwanderung der geistigen Entwicklung seiner Güter das größte Interesse entgegengebracht. Zerplittert und durch Unduldsamkeit In seiner Entfaltung vielfach behindert, konnte das geistige jüdische Leben nirgends dauernd festen Fuß fassen. Durch die Errichtung einer hebräischen Universität wird eine neue Stätte des geistigen Schaffens der Juden gesichert, sie wird aber auch eine gastliche Stätte für Lehrende und Lernende aller Völker sein. Die Wiener israelitische Kultusgemeindc begrüßt daher den historischen Akt der Eröffnung der hebräischen Universität aufs herzlichste und verleiht ihrer Hoffnung Ausdruck, daß das begonnene Wiederaufbauwerk in Erez lisrael da? Interesse der weitesten jüdischen Oeffentlichkelt finden wird und versichert alle jene Männer, die sich um die Ei Öffnung der hebräischen Universität verdient gemacht haben, ihrer aufrichtigen Sympathien, in deren Betätigung das Vertreter-Kollegium den Beschluß gefaßt hat, dem Plenum de« Kultusvorstandes nachstehenden Antra* zu unterbreiter: Die Wiener israelitische Kultusgemeinde beschließt, dem Keren Hoj^ssod einen Beitrag von S 20.000 zu widmen." I. Sekretär Fuchsgelb verliest die im Einlaufe befindliche Antwort des Bundesminrsteriums für Land- und Forstwirtschaft auf eine Anfrage der Kultusgeme?nde, aus welchem Schreiben hervorgeht, daß sich der neue Erlaßüber die Schlachtung von Kleinvieh nicht auf nach jüdischem Ritus geschlachtete Tiere beziehe. Sedann erstattet der gewesene Vizepräsident der Gemeinde, Dr. Desider Friedmann, den Bericht über den Rechnungsabschluß für das Jahr 1924, mit Einnahmen von K 35.251 3*4.675 und Ausgaben von K 36.287,430.776, was einen Fehlbetrag von K 1.036,066.119 ergibt, der aus den Ueberschüssen des Jrhres 1923 gedeckt wurde. Der Voranschlag für 1924 erfuhr eine Steigerung auf der Einnahmenr.nd Ausgabenseite um rund 35 Prozent. Die Steigerung der Ausgaben erklärt der Referent unter anderem aus der Erhöhung des Personalaufwandes nach der Ge- Der Mazzothbäckerei Strum, Wien 11., Rote Sterogasse 11, ist es gelungen, den bekannten Gaon Ch. J. Jeruchem, Oberrabbiner von Altstadt, für die Oberaufsicht ihrer Mazzotherzeugung zu gewinnen. Bürgt also die Persönlichkeit des Gaons Oberrabbiners Jeruchem vollkommen für Kaschrus, so hat anderseits ein Mitarbeiter dieses Blattes Gelegenheit gehabt, sich persönlich zu überzeugen, daß der Betrieb der Mazzothbäckerei Strum auch in hygienischer Hinsicht musterhaft geführt wird.

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