Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 11 (20.3.1925)
- Date
- 1925-03-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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12 die wAfflfflgrr Kr. U Vergeblicher Boykott eines Purimfesteg. Man schreibt uns aus Mistelbach unter dem 11. März: Für den 7. März hat die Judenschaft von Mistelbach einen von jüdischen Bürgersöhnen arrangierten Purimball zu wohltätigen Zwecken angesagt Einladungen dazu ergingen auch an einige christliche Mitbürger. Tags zuvor erhielt der Vorstand der dortigen Kultusgemeinde die Mitteiung, daß an markanten Stellen des Ortes Plakate folgenden Inhaltes angeschlagen waren: An die christliche Bevölkerung der Stadt Mistelbach! Die Judenschaft feiert im März jeden Jahres das Purimfest Auch die hiesige Judenschaft begeht dieses Fest am 7i März 1925 im Gasthofe Frohner. Da der Großteil der Bewohner Mistelbachs über die Bedeutung dieses Festes im Unklaren ist, soll Nachstehendes zur Aufklärung dienen: Das Purimfest auch Hamanfest, Fest der Mardochaitage genannt, ist ein Erinnerungsfest der Juden. Vor mehr als 2000 Jahren lehnten sich die Perser (arische, indogermanische Rasse) gegen die Unterdrückung seitens der Juden auf. Ehe aber die Perser auch nur versuchen konnten, sich gegen die jüdische Gewaltherrschaft aufzulehnen, richteten die Juden unter Führung ihrer Königin Hadassa (Esther) und des Juden Mardochai ein Blutbad unter den Persern an, bei welchem 75.000 Perser abgeschlachtet wurden. Die jüdische Königin Esther und der Jude Mardochai, waren die Anstifter dieses Massenmordes. Der Vertraute des Königs, ein Perser namens Haman, endete auf den Galgen. Dies ist die geschichtliche Bedeutung dieses Festes. . Kein Jahr versäumt die Judenschaft um diesen blutigen Sieg am Christentum festlich zu begehen. Es ist das Purimfest daher eine jüdische Gedenkfeier, bei der die Anwesenheit der christlichen Bevölkerung nicht am Platz ist. Bleibet daher dem Feste lern! Die Ortsgruppen der nationalsozialistischen, deutschen Arbeiterpartei, der groQdeutschen Volkspartei, der deutschen Verkehrsgewerkschaft und des deutschen Turnvereines. Verlag Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei Ortsgruppe Mistelbach. Sanzells Druck Wien-Stammersdorf. Der Kultusvorstand machte von dieser Schmähschrift dem Bürgermeister und Obmann-Stellvertreter der großdeutschen Volkspartei Kommerzialrat Dun kl die Anzeige, dem vom Pamphlete allerdings nichts bekannt war. Gleichzeitig erfuhr der Vorstand, daß an den Gastwirt Frohner „Zum weißen Rössl" von Mitgliedern der in Mistelbach neugegründeteu Nationalsozialistischen Partei die Autforderung gestellt wurde, den Saal zum Purimfeste den Juden nicht zu übet lassen, wobei dem Wirt noch mit Gewalttätigkeiten gedroht worden sein soll. Der Gastwirt ließ sich jedoch nicht abschrecken und das Purimfest fand statt. Es nahm einen glänzenden Verlauf und war nahezu von sämtlichen Juden von Mistelbach, Laa, Wolkersdorf, Poysdorf und Umgebung sowie von einigen Mistelbacher Christen besucht. Ob- . wohl gleichzeitig in einem nahegelegenen Gasthofe von den Nationalsozialisten unter der Devise „Die brennende Judenfrage*' ein Vortrag mit Wiener Referenten und Wiener Teilnehmern abgehalten wurde, war der Ball in keiner Weise gestört. Nichtsdestoweniger machte der Kultusvorstand von Mistelbach an die Bezirkshauptmannschaft und an die Staatsanwaltschaft von Korneuburg über den Vorfall die Anzeige, da er der Ansicht war, daß, abgesehen von der Uebertretung des Vereins- und Preßgesetzes auch 4as Vergehen nach "§"302 St G. da zu erblicken sei. Am Schlüsse der Eingaben heißt es: Das Purimfest, welches seit Jahrhunderten in Wien und überall, wo eine größere Anzahl von Juden wohnt begangen wird, feiert durchaus nicht die Abschlachtung von Persern, sondern die Befreiung der in Persien wohnhaften Juden von einem Pogrom. Die der Feier zugrundeliegende Legende wird in dem zu den Büchern des Alten Testamentes gehörigen Buche Esther geschildert, weläies mit päpstlicher Ucni-bmijrung to die offizielle Sainmlung der ..Heiligen Schriften des alten und neuen Testamentes" aufgenommen ist und hat die biblische Gestalt der „Esther" nicht bloß den französischen Dichter Racine, sondern bekanntlich auch den größten des deutschen Oesterreich, Grillparzer, zu herrlichen Dichtungen begeistert was allerdings den Verfassern des Pamphlets, das sich, wie nahezu alle von dieser Seite stammenden Enunziationen, durch ein besonders schönes Deutsch auszeichnet nicht bekannt sein dürfte. Die verhetzende Wirkung des zu inkriminierenden Aufrufes an die christliche Bevölkerung ist eine umso tiefere als, wie allgemein bekannt, zu den auf den Plakaten an-, geführten Vereinen und Parteien einflußreiche Gemeinderäte, Bundes- und Eisenbahnbeamte usw. angehören sollen. Der ergebenst gefertigte Kultusvorstand hält sich für verpflichtet, vondiesem Sachverhalte die Anzeige ha. zu erstatten, da die betreffenden Vereine und Parteien durch eine derartige Schmähschrlift ihren satzungsgemäßen Wirkungskreis überschritten haben dürften, wobei insbesondere darauf hingewiesen wird, daß die Behauptung, der Vorstand der einen oder der anderen Organisation habe die Zustimmung zu diesem Plakate nicht erteilt, sich dadurch widerlegt, daß, wie verlautet auch andere sogenannte judenreine Vereine, Parteien und Organisationen zur Mitfertigung eingeladen wurden, dieselbe aber abgelehnt haben. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Mistelbach: Wilhelm Kohn m. p. Dr. Franz-Schmitz m. p. Mitteilungen der Jugendgmppe. Purlmfeier. Die Jugendgruppe der „Union" veranstaltete Samstag, den 14. März 1925, im Wiener Ring- Caf6 eine Purimfeier, die bei einem starken Besuch als sehr schön gelungen bezeichnet werden darf. Nach einer herzlichen Begrüßungsansprache des Obmannes der Jueemdgruppe Herrni Jakob Herz Kuczefr ergriff Rabbiner Dr. J. M. Bach das Wort zu einem lichtvollen Vortrag über Purim, in dem er dieses Fest und die ihm zugrunde liegende Legende von ganz neuen Gesichtspunkten beleuchtete. Der Vortrag, der ungeachtet seiner höhen Wissenschaft auch Perlen des Humors aufwies, wurde von den Zuhörern mit großem Beifall entgegengenommen. Anschließend daran rezitierte Frl. Margarete Bach packende Stellen aus der Bibel und bewies bei dieser Gelegenheit wieder 'einmal, daß diese junge Künstlerin zu den größten Hoffnungen, insbesondere auf dem Gebiete des Vortrages religiöser Poesie, berechtigt Der nicht endenwollende Applaus veranlaßte die talentierte Künstlerin zu weiteren Rezitationen, die ebenfalls stark akklamiert wurden. Nach diesem ersten Teil des Programmes folgte ein heiterer zweiter, in dem die Jugend zu ihrem Tanzrecht kam und bis in die frühen Morgenstunden sich vergnügte. IIIIIIIMIilllHIHIIIIIIIIIIIHinilllll MI Sund jädiscfiBP Eitern im II Liener G^meindedezlrh _Wien II., Taborstrafle 12, Tel. 49330__' EINLADUNG zu üem om Dienstag den 24 PMrz 192?, im großen Sitzungssäle der Bezlrhsverfretung " Leopoldsfadt, Wien II, Karmetiterplafz O. um halb 7 Mir abends, stat, findenden ELTERNABEND Thema: Die Jüdlsdie Frau Referent: Herr Kultusvorsteher med. Dr. Isidor Kluber Cnmlllo Baamgartea Dir. O jsta? Holmln Schriftführer Obmann QÜBie wllllcoi