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Die Wahrheit · 1925-03-20 · Heft 11 (20.3.1925) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 11 (20.3.1925)
Date
1925-03-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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SflHB 10 gfe WAHRHEIT Nr. 11 ftWIer 4» Verlangen, „da& der Ufrterrlcht hv Jüdischem Geiste geleitet werde". Nun, uns kann es nur recht sein, wenn der großdeutsche Vorkämpfer das von einem Jungen mit dem ganzen Einsatz seiner Person bis. zur äußersten Konsequenz erfolgte Eintreten für seine Ehre als „klar zutagetretende jüdische Eigenart" qualifiziert ... Dagegen müssen wir energisch gegen die Verdrehung protestieren, die sich Herr Zeidler im weiteren Verlauf seines Artikels zuschulden kommen läßt, indem er die zur Pflege der gegenseitigen Beziehungen und zur Information des Stadtschulrates amtlich geplante Heranziehung von Lehrern und Schülern zu gemeinsamer Beratung als einen „echt jüdischen Versuch, durch Revolution von unten die erprobten Einrichtungen deutscher Zucht und Ordnung zu zerstören", auslegt In Wirklichkeit handelt es sich nämlich um den Plan, an den Mittelschulen ähnliche Verhältnisse zu schaffen, wie sie an den Hochschulen bereits herrschen. An diesen hat die Studentenschaft schon längst in aller Form Einfluß auf den Schulbetrieb genommen. Dieser Einfluß zeigt sich vor allem in einer ständig wachsenden Terrorisierung der jüdischen Hörer und Dozenten, kann also nicht gut als ein „jüdischer Revolutionsversuch" gedeutet werden. Um so berechtigter ist freilich die Sorge des Herrn Zeidler um die „erprobten Einrichtungen deutscher Zucht und Ordnung". Die berühmte deutsche Zucht und Ordnung hat wirklich seit dem Aufkommen des Hakenkreuzlertums eine böse Erschütterung erlitten. Fälle wie der 'Mord des jugendlichen Hakenkreuzlers Novosat an einem des „Verrats" geriehenen Kameraden, die unsaubere Affäre des Alt-Weiber- Don Juans Meiche und der jüngste Raubmord des „Cherusfcers" auf dem Karlsplatz sind bedenkliche Fäulniserscheinungen. Man. sucht diese vielfach als Folge des Krieges zu deuten. Aber die demoralisierende Wirkung des Weltkrieges müßte sich doch in den Schichten der manuellen Arbeiterschaft zumindest ebenso stark zeigen wie in den Kreisen der jungen Intellektuellere, die zur Zeit des Krieges noch gar nicht wehrfähig waren, sondern ihre „Wehrfähigkeit" erst in den geheimen Konventikeln des Hakenkreuzlertums und in den Paukbuden der antisemitischen Verbindungen erhalten. Während sie dort dem Studium des Rauf-und Saufkomments so intensiv ergeben sind, daß sie ihr eigentliches Studium darüber vernachlässigen und so kläglich verbummeln wie der Raubmörder vom Karlsplatz, widmen die jugendlichen Arbeiter ihre freie. Zeit der geistigen Bildung unter Anleitung idealistisch gesinnter Lehrer. Als solche fungieren hauptsächlich die — jüdischen Studenten, die durch den Arierpara- .graphen von dem Firlefanz der deutschen Hochschülerverbindüngen und durch ihren guten Geschmack von der jüdischnationalen Nachäffung besagten Firlefanzes ferngehalten werben. Diese jüdischen „Zerstörer" tragen in die Kreise der manuellen Arbeiter das Verständnis und die Begeisterung für deutsche Kunst und Wissenschaft, während die rassereinen arischen Jugendkonventikel sich als Brutstätten von Mord, Raub und Unzucht deklarierten. Wenn die deutschen Väter aus dieser Tatsache die notwendigen Schlüsse ziehen werden, dann wird auf die diversen Hakenkreuzlertage unvermeidlich die Dämmerung des Haken- .kreazlertums folgen. Dr. Hugo Spiegler. Bei unseren Brüdern in New York. Von Ghajim Bloch. (Fortsetzung.) - Es soll aa dieser Stelle eine Tatsache Erwähnung finden, die die guten Beziehungen zwischen Juden und Christen in New York am besten kennzeichnet Mir fiel es auf, daß der Bau mancher jüdischer Ootteshäuser, und sogar solcher, die noch als h a 1 bbrthöd ox gehalten werden, vom außen einer Ch11stIichen Kirche ähnlich ist; Ich verstieg mich in einem Gespräche mit einer bekannten Persönlichkeit zu der Bemerkung, daß die amerikanischen Juden in ihrer Nachahmungssucht sogar beim Bau ihrer Gotteshäuser nicht stehen bleiben. Ich wurde darüber aufgeklärt, daß meine Kritik, erfreulicherweise, unzutreffend ist. Jene Gotteshäuser waren in der Tat vor wenigen Jahren noch christliche, sind aber von Juden erworben und in Synagogen verwandelt worden. Ich war über diese Mitteilung ganz erstaunt. Auf meine Frage, wie es dazu gekommen sei, wurde mir folgendes mitgeteilt: Durch die immer mehr wachsende Ansiedelung von Juaen in New York und ihr Eindringen in alle Geschäftszweige, auch in solchen Stadtteilen, die bis vor wenigen Jahren ausschließlich von Christen bewohnt waren, sehen sich die christlichen Elemente ver-* anlaßt, ihren Wohnsitz nach anderen Gegenden zu verlegen, so daß ihre Gemeinden mitverlegt werden. In der Regel ziehen vereinte Gruppen weg. Nun verkaufen sie ihre Kirchen zu verhältnismäßig niedrigen Preisen an Juden, verpflichten aber diese, die in ihren Besitz übergehenden Kirchen ausschließlich heiligen Zwecken zuzuführen. Solche Verkäufe können selbstverständlich nur mit Zustimmung der höchsten Kirchenbehörde durchgeführt werden. Und nun wurde es mir klar, warum die Tempel der Juden wie Kirchen aussehen! Schön und überaus herzlich klingt eine Geschichte — man verbürgte sich mir für ihre unbedingte Wahrheit — die in diesem Zusammenhange in New York erzählt wird. Ein christlicher Einwanderer, Mitglied einer evangelischen Gemeinde, reiste im Juni 1914 für kurze Zeit nach Deutschland. Indessen brach der Weltkrieg aus, er mußte einrücken und konnte verschiedener Umstände halber erst im Jahre 1920 nach Amerika zurückkehren. Er begab sich gleich nach seinem Eintreffen in New York in seine Kirche, um für die glückliche Ueberfahrt ein Dankgebet zu verrichten. Die Kirche war indessen in einen Tempel umgewandelt worden und da fand der Nichtsahnende die betende Gemeinde in weißen Mänteln und mit Etrog und Lulow (Strauß und Granatapfel) in der Hand — es war nämlich an diesem Tage der erste Sukkothtag. Der Ankömmling blieb auf den ersten Blick ganz fassungslos. Dann aber trat er an einen der Betenden heran und fragte ihn, ob seine Bruderschaft zum Judentum oder die Juden, unter Beibehaltung mancher ihrer Zeremonien, zum Christentum übergetreten sind. Soll da nicht eine Vergeltung der Vorsehung zu sehen sein, um die Juden auf diese Weise für die vielen Synagogen, die in Europa — und unser liebes Gesterreich kann sich dessen besonders rühmen! — in Kirchen umgewandelt wurden, zu entschädigen? Bei uns in Wien wäre ein solcher Besitzwechsel einfach undenkbar. # # * Von Nietzsche rührt das tiefsinnige Wort her: „Das Leid holt das Edelste, Herrlichste aus dem Menschen hervor. Güte, Erbarmen, Anteilnahme und Zusammenschluß." Man kann von der Wahrheit dieses Ausspruches sich überzeugen, wenn man sieht, was unsere amerikanischen Brüder in den letzten Jahrzehnten auf religiösen, sozialen und kulturellen Gebieten geleistet haben. Uns in Europa fehlt ja so vieles, was das junge Judentum drüben besitzt, so daß wir es auch um seinen geistigen Reichtum beneiden können. (Fortsetzung folgt.)

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