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Die Wahrheit · 1925-03-13 · Heft 10 (13.3.1925) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 10 (13.3.1925)
Date
1925-03-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Di£_WAHRHElT Nr. 10 auch gegen die „Standest reue" von John Qalsworthy richtete Eine völkische Gemeinheit Der „Berliner Lokal- Anzeiger'4 schrieb zum Tode Eberts: „Er ist, seitdem er aufgehört hat, ein Tribun des Proletariats zu sein, vielmehr zu einem Manne geworden, der vorwiegend spießbürgerliche Eigenschaften hatte." Wir könnten, wenn uns der Ernst der Stunde nicht so groß erschien, die Zitierung der deutschnational-antisemitischen Haßstimmen gegen den großen Teten noch beliebig erweitern. Für uns war aber die „Ansicht" des ..Berliner Lokal-Anzeigers" in diesem Falle besonders wertvoll, weil einer der Redakteure aus der antisemitischen Hetzküch«; dieses Blattes, Graf Siegfried v. Moltke, in Mecklenburg bereits vor vier Jahren öffentlich zur Ermordung Maximilian Hardens aufforderte. _ R. V. „Hunnisch-chinesischer" Antisemitismus. Am 10. Oktober v. J. hatte die in Hamburg antisemitisch gefärbte deutsche Volkspartei eine öffentliche Wähler Versammlung anberaumt. Referent war der berüchtigte Antisemit Dr. Carl Anton Fiper von den rechtsradikalen ..Hamburger Nachrichten". In der Diskussion meldete sich u. a. Walther Funder zum Wort. Seine Ausführungen richteten sich in der Hauptsache gegen den Antisemitismus. Dabei ging es natürlich ohne Angriffe auf den als Antisemiten weithin bekannt gewordenen Rechtsanwalt Alfred Jacobsen, Hamburg, nicht, ab. Funder behauptete von Jacobsen, daß dieser vor vielen Jahren in einem Ostseebade ein 'fete-ä-tete mit einer reichen Jüdin gehabt, darüber an einen Verwandten nach Berlin telegraphiert: „Habe Goldfisch gefangen", eine Methode, die Jacobsen bei einem lOOprczeniigen Juden zweifellos als Ostjudenschaft bezeichnet haben würde. Dies alles würden keine jDementieriügen aus der Welt schaffen. Der Referent möge itiio etwas vorsichtiger mit dem Worte Ostjudenschaft umgehen, da er sonst hierüber Jacobsen mit abkanzle und den ganzen Bürgerbrei (gemeint war der mehr oder minder propagierte antisemitische Bürgerblock) unmöglich mache. Bemerkt sei. daß Jacobsen in dieser Versammlung nicht anwesend war, und da'j die in einer Rezension zum Ausdruck gebrachte Stellungnahme Dr. Pipers zum Ostjudentum den Ausgangspunkt für einen Teil der Diskussion abgab. Jacobsen stellte, nachdem ihm die auf ihm sich beziehenden Aeußerungen bekannt geworden waren. Strafantrag wegen Beleidigung, über den im Privatklageverfahren von der Hamburger Strafabteilung 9 (Amtsrichter Dr. E w a 1 d), am 2. März verhandelt wurde. Der Privatbeklagte behauptet, schon vor drei Jahren sei die von ihm behauptete Tatsache öffentlich mitgeteilt worden; damals aber hatte Jacobsen es nicht gewagt, gegen die Träger der Behauptungen vorzugehen. Funder behauptet in seinem Eingangsvortrag, m der Hallerstraße hätten deutschvölkische Radikalinskis gedroht: „Wir kommen eines Tages mit Jacobsen wieder und stecken das ganze Judenviertel in Brand!" Hätte diese wüste rechtsradikale Hetze nicht stattgefunden, dann lägei der Reichspräsident heute nicht auf der Bahre. Der Privatbeklagte glaubt, in der Verhandlung dem. Kläger in seinen auf ein reines Deutschtum abzielenden Bestrebungen dadurch behilflich sein zu sollen, daß er den Namen Jakobsen übersetzen zu müssen meint und auswechselnd mit der guten deutschen Endung Jacobsohn versieht. Als Funder den Kläger mehrfach antisemitischer „Logenfeldwebel" nennt und von Ludendorff als „Judendorff spricht, werden diese Ausdrücke vom Vorsitzenden zurückgewiesen. Der Privatkläger führt aus, daß er niemals „Beziehungen" zum Judentum „unterhalten" und in 37 jähriger öffentlicher Tätigkeit einen der reinsten und feinsten Lebenswandel geführt habe": er entstamme einem der ältesten Geschlechter in Ditlunarscheii. Sein Gegner sei von ganz anderer Struktur, zuerst sei er „Mitglied des deutschvölkischen Schutzbundes, dann deutschnational, volksparteiisch, demokratisch und sozialdemokratisch gewesen", eine echt antisemitische Behauptung, welche Funder, dei niemals einer politischen Organisation angehörte, an Hand von Dokumenten sofort Widerlegte. Einmal habe Funder sogar zum Ausdruck gebracht, er •Jacobsen sei seiner Schädelbildung nach hunnisch-chinesischer Abstammung". Die Frage des Verhandhmgsleiters an Funder. ob er für seine Behauptungen den WnhiljeUv beweis antreten woiie, beantwortete dieser dahin, daß tr innerhalb dreier Tage die Adresse des Oberkellners V/olff ermitteln werde, der seinerzeit in dem Ostseebade das nach Berlin geschickte Telegramm an die PostanstaH befördert habe. Der Antisemit Jacobsen bittet unter m:>niosen Beschimpfungen den? Antrag .-»bmiehnen und den Beklagten, wegen öffentlicher Beleidigung zu einer Gefängnisstrafe zu verurteilen. Nach kurzer Beratung lehnt das Gericht den Beweisantrag des Beklagten ab und verurteilt ihn wegen öffentlicher „übler" Nachrede zu 300 Mark Geldstrafe oder 30 Tagen Gefängnis Dem Kläger wird die Publikationsbefugnis zugesprochen. Funder hat gegen dieses ungerechtfertigte Urteil Revision eingelegt. R. V. An den Pranger. Als einziges antisemitisches Blatt Oesterreichs hat der Innsbrucker „Nationalsozialist", das berüchtigte Juden-Boykottorgan Tirols, die Nachricht über den „jüdischen Haarmann Lederer" aus dem Leipziger „Hammer" übernommen, jene Sensationslügenmeldung, mit der sich „Ego" in einer unserer letzten Nummern befaßte. Selbstverständlich gelten auch für das nachdruckende Blättchen jene An- und Zurechtweisungen, wie für das Original, wenn es auch nicht „Der Hammer", reete „Chammer" heißt. Vor dem XIV. Zionistenkongreß. Im Hotel Imperial fand am 5. d. M. ein Empfang der Vertreter der Wiener Presse durch die leitenden Funktionäre der Wiener Zionistischen Organisation statt. Den Vorsitz führte der Präsident des Landeskomitees Herr Dr. Jakob Ehrlich. Außer ihm waren der Präsident des Zionistischen Aktionskomitees Oberrabbiner Dr. H. P. C h a j e s, der Präsident der Keren-Hajessod-Kommission Direktor Siegmund E p 1 e r, der Präsident der jüdischen Nationalfondskommission Herr Adolf Böhm und Frau Anitta Müller-Cohen anwesend. Der Einladung waren Vertreter sämtlicher Wiener Blätter sowie mehrere Korrespondenten auswärtiger Zeitungen und Nachrichtenagenturen gefolgt. Präsident Dr. Ehrlich eröffnete im Namen des zionistischen Landeskomitees den Presseempfang, begrüßte die Erschienenen und bezeichnete als Zweck des Empfanges, die Vertreter der Presse über die Ziele und Zwecke des Palästina- Auibautonds (Keren Hajessod), zu dessen Gunsten in der Zeit vom 8. bis 20. März in Wien eine Aktion veranstaltet wird, zu informieren. Hierauf sprach Herr Oberrabbiner Dr. C h a j e s, Präsident des Aktionskomitees der zionistischen Weltorganisation, über die Bedeutung des Palästina-Aurbaufonds (Keren Hajessod) und führte in einem mit Beifall aufgenommenen Vortrag unter anderem aus: „Eigenartig wie das Verhältnis des jüdischen Volkes zu Palästina und dessen Aufbau, eigenartig, wie das vom Völkerbund ratifizierte Mandat über Palästina, ebenso eigenartig ist der Aufbaufonds (Keren .Hajessod). Nur ein einziges Beispiel, das an die Wiedererrichtung der jüdischen Heinistätte in Palästina erinnert, finden wir in der Geschichte, und zwar in den'Bestrebungen zur Wiederherstellung des griechischen Staates. Auch zu der Wiederherstellung des griechischen Staates haben vorwiegend im Auslande lebende Griechen das meiste beigetragen, um ihre, unter dem türkischen Joche lebenden Brüder zu befreien. Ihnen und den von ihnen zur Verfügung gestellten Mitteln ist es auch gelungen, den griechischen Staat zu errichten. Die in Palästina lebenden Juden waren nach der Verifizierung des Mandates nicht in der Lage, die für den Wiederaufbau nötigen Mittel aufzubringen. Es ergab sich daher die Notwendigkeit außerhalb Palästinas die Juden zu Leistungen für Palästina heranzuziehen. England hat sich nur verpflichtet, die Einwanderung zu fördern, geschlossene Siedlungen der Juden zuzulassen, die J e w i s h Agency in allen Fragen, die die Entwicklung des Landes betreffen, anzuhören. Es hat sich nicht verpflichtet, das Land aufzubauen. Diose Verpflichtung hat das jüdische Volk übernommen. Von den Einwanderern des letzten Jahres hat ein Teil die materiellen Mittel zur Ansiedlung gehabt, diesen mußte man nur technische und organisatorische Hilfe leisten, die materiell nur wenig kosteten. Ein anderer Teil, und dieser ist der wertvollste, stand völlig ohne Mittel, ich spreche von unsen.-n Pionieren, den Chahrzim. Es sind Menschen, die von den Studien kamen, zum Teil uns wohlhabenden Häusern, und kernen anderen Vorteil im Auge hatten als. den des Landes. Sie konnten im besten Falle Straßenarbeiter oder Landarbeiter werden; dies war schon ihr höchstes Ideal. Diesen Menscher, mußten wir die -Arbeit ermöglichen, sie erhalten, solange sie keine Arbeit' hatten." Redner sprach dann von. dem Ruthen? bcrg-Projekt, „durch das später einmal ganz Palästina mit Strom versorgt werden soll. Auch an diesem mußte sich der Auibaufonds beteiligen. Nicht nur, well die Privatiniative nicht alle Mittel aufbringen konnte, sondern, wei! wir t>: verhindern wollten, daß die Bevölkerung einmal ausgebeutet würde. Ebenso ging es mit den Thermalbädern von Tiberias. Jetzt vergibt England die Konzcssion für das Tote Meer und auch daran werden wir uns lieteiligen müssen, um spätere Ausbeutungen von einzelnen Unternehmern zu verhindern. Das

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