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Die Wahrheit · 1925-03-13 · Heft 10 (13.3.1925) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 10 (13.3.1925)
Date
1925-03-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Dit WAHRHEIT Seite 9 redung mit dem damaligen bayerischen Staatskommissar v. Kahr. Morel teilie darin v. Kahr mit, daß die Hitler-Bewegung französisches Geld erhalte. Der Schriftsteller Luth. der dieser Unterredung beiwohnte, wollte eine gleiche zwischen Morel und Hitler vermitteln, doch lehnte Hitler ab. Ein Zeuge Wenig, der früher Hitler Geld vermittelte, gibt die Möglichkeit zu, daß auch französisches Kapital dabei gewesen sein könnte. Ein weiterer Zeuge Dr. v. Gulat erklärt, daß ein Großbankier, den er damals behandelte, ihm mitgeteilt habe, daß die Franzosen über die Putschabsichten Hitlers genau unterrichtet waren und schon Extrazüge bereitgestellt hatten, um bei Gelingen des Putsches Bayern am Main und Rhein abzusperren. Hitler versuchte sich angesichts dieser belastenden. Aussagen persönlich zu rehabilitieren, doch der Verteidiger Dr. Pittingers erklärt ihm gleich, daß ja nicht er persönlich beschuldigt sei, von Frankreich Geld erhalten zu haben, sondern seine Bewegung. Das Urteil lautete auf Freisprechung des Angeklagten Doktor Pittinger. Damit ist wieder einmal gerichtsnotorisch festge stellt, daß die völkische Bewegung von Frankreich finanziert wird. Eine beherzigenswerte Anregung. Herr Dr. F i n z e 1, Graz, schreibt uns: „Ich ersuche höfl. um Aufnahme folgender Anregung, zu welcher mich das in der vorletzten Nummer Ihres geschätzten Blattes erschienene Kriegsgedicht veranlaßt bat. Das Andenken an die gefallenen jüdischen Krieger ist noch nicht so gewürdigt worden, wie es sich gebührt: im Gegenteil, es heißt überall, die Juden seien Drückeberger gewesen usw. Ich würde daher anregen, um die im Kriege gefallenen oder infolge Kriegserkrankung gestorbenen Soldaten einer unverdienten Vergessenheit zu entreißen, sie durch Errichtung von Erinnerungstafeln in den Tempeln zu ehren, zumal die indischen Krieger in manchen Gegenden auf die Kriegstaieln nicht aufgenommen wurden. Bemerken möchte ich. daß in Afrika (Algier und Marokko), wo ich im vorigen Sommer weilte, dir jüdischen Gemeinden das Andenken so gewahrt haben." Die Anregung ist wohl nicht neu, aber trotzdem sh schon oft gegeben wurde, wurde ihr unseres Wissens in Oesterreich noch nie Rechnung getragen. Interessant ist die Mitteilung betreffend Afrika. Ja, wir Wilden sind doch bessere Menschen. Aus der Budapester Kultusgemeinde. Am 2. d. M. fand in Budapest die Generalversammlung der Repräsentanz der Btidapester fortschrittlichen Kultusgemeinde statt. Bei der Wahl des neuen Vorstandes wurde der bisherige verdienstvolle Präsident Dr. Alexander L e d c r e r zum Präsidenten wiedergewählt. Vizepräsidenten wurden Gustav G. Ehrlich und Dr. Salotnon Eulenberg. Unter den neugewählten Vorsteher'; befinden sich auch der Chefredakteur des ..Pester Lloyd" Josei V e s z i, Abgeordneter Dr. Wilhelm V a s v o n y i und der Chefredakteur des „Egyeulöseg" Dr. Ludwig Szabolesi Präsident Dr. Lederet führte in seiner Rede, in der er die Wahl annahm, unter anderem aus: „Wir sielten vor großen Aufgaben, vor einer großen Arbeit. Die Situation der ungarischen J u d e n h e i t hat s i c h in keiner Weise gebessert. Alle Gravamina, die seit Jahren den Gegenstand unserer Beschwerden bilden, bestehen auch heute, und w e n n die Machthaber auch mit noch so schöner. Phrasen die Herstellung der Konsolidation und der Rechtsordnung verkünden, wir ungarischen Juden sind auch jetzt gezwungen, den Rechtsraub u n d die ekelhaftesten Auswüchse des geduldeten Antisemitismus zu konstatieren, da noch immer das Gesetz über den Numerus clausus in Kraft ist. Hier ist jede Argum'ent&tion. Beschönigung und jedes Herurnschleichen vergeblich: es ist chic, schmachvolle VerftK'.mig. die da4 Lernen verbietet, und ein bnit a i e r R c clitsra u b, '"cum er sich gegen die Jugend einer Konfession richtet. Und weil du Gravamina wegen des Numerus clausus ausschließlich gea-n uns gerichtet sind, hören wir ungarischen Juden nicht ruf. gegen dieses Gesetz zu protestieren, und hören nicht auf, Unfällen gesetzlichen Mitteln ständig dahin zu wirken daß diese unmenschliche Verfügung außer Kraft gesetzt werde. Lind wir hören nicht auf, mit unserer ganzen Kraft und mit allen unseren Bestrebungen dahin zu wirken, daß wir uns kräftigen, daß wir .im Bewußtsein unserer Rechte mit starker Seele, mutigem, stolzem Trotze den Rechtsraub, den Verfolgungen tmd Erniedrigungen entgegentreten. Das ist unser Programm." Man muß sagen, ein wirklich mutiges Programm. Ob es unter den heutigen ungarischen Zuständen durchzusetzen sein wird, ist jedoch eine große Frage. •Masaryks Geburtstag. Der Präsident der tschechoslowakischen, Republik, Thomas Garrigne - M. a s a r y k, feierte am 7. d. M. seinen 75. Geburtstag. Die europäische Ueffentlichkeit. zu deren führenden Persönlichkeiten Masaryk gehört, nimmt warmen Anteil an den Feierlichkeiten, mit denen die tschechische Nation ihren Befreier ehrt. Masaryks Lebensgang ist merkwürdig genug. Er hat sich sein Schicksal immer selbst gezimmert und ist sich immer treu geblieben, immer lernend, lehrend, wirkend, immer i>ereit, aktiv in den Gang der Dinge einzugreifen. Aus der Enge seiner kleinstädtischen Heimat in Göding kommt er in die Universitätsstadt, bahnt sich in nimmermüdem Fl eil.; und Energie den W eg auf den Katheder, in die Politik, in die Geschichte. Immer als unbestechlicher Erkenner dessen, was ist. So wird er in der Sozialphilosophie ein Eigener, der das Werk Kants auf neue Grundlagen stellt, der die rassische Seele dem Westeuropäer näherbringt. In seiner Wahrheitsliebe ist er unerbittlich. Er zerstört die Hankasche Legende von der Kömginhoier Handschrift. In die Politik tritt er als f u r c h 11 < ser E n t h ü 11 e r der F ä 1 s c h u n g e n u n d Lügen in den R i t u a1m o r dp roz es s e n gegen H i I s n e r in K u 11 e n b e r g u n d in P i s e k. Seine Untersuchungen in Polna fähren Hm zu der Broschüre „Die N o tw e n d i g k e i t d e r R e v i s i o n d e s P o 1 n a e r P r < >- z e s s e s", in der er 0.1. schäriste Kritik au den Methoden der kriminelle:) und gerichtsärztliehen Untersuchung übt. Die Folge sin:' Ssuroisz•:. .:en der klerikalen und nationalistischen Studcnks! :n de; Präger tschechischen Universität.-- Masaryk hält stund und trägt den Kampi gegen die Engstirnigkeit des Aberglaubens., gegen die Verdummnr.g der Massen offen auf das politische Gebiet. 1007 erscheint er in seinem rleimatsbexirk und wird dort nur das realistische Programm in den Reichsrat gewählt. Im Parlament, tritt er zum erstenmal g e g c n d e n d e u i s c h e n H o c hs c h u l c h a u v i u i s m u s auf. In. den außenpolitischen Fragen setzt er s&tj". immer, verleumdet von der dt. utschnationalcn Presse, für den Völkerfrieden, für den Ausgleich mit den Balkanslawen ein. In der Annexionskrise vermittelt er zwischen Wien und Belgrad und deckt dann furchtlos den Dokumentenschwindel des Spitzel* Nastic auf. dein in Wien der Ballhausplatz und der Historiker Fncdiung hereingefallen waren. Von da ab gilt Masaryk, der immer wieder das zynische Spiel der Wien- Budapester Diplomatie bloßstellt, als Hochverräter. Im Krieg verläßt er Oesterreich und geht, um sich selbst vom Stand der Dinge zu überzeugen, in die Schweiz. Von dort reist er nach Rußland. Aber schon binnen weniger Tage erkennt er da> Todeszeichen der Fäulnis in dem zaristischen System. Er bricht die Verhandlungen ab, organisiert die tschechischer. Kriegsgefangenen in Legionen und lehrt sie, daß das Volk seine Befreiung nur sich selbst verdanken könne. Von Rußland wendet er sich ab und appelliert an die westliche Demokratie Er vertritt die tschechische Sache in London und in Washington. Oesterreich verfolgt ihn, ächtet ihn. Im Oktober 191s erreicht er sein Ziel und im Dezember steht er vor der Prager Nationalversammlung, die ihn zum ersten Präsideuten des jungen Staates wählt. Als solcher ist er stets für die Gleichberechtigung der Juden eingetreten, die ihm dafür als Gratulanten zu seinein Geburtstag herzlichen Dank wissen. Insbesondere isf Masaryk ein wanner Freund der zionistischen Idee. Eine schöne Namensschwester. Der „Vorwärts" hatte vor kurzem dem deutschnationalcn Reichstagabgeordneten Wilhelm Bruhn, Herausgeber des Berliner radauantisemiiischcü Wochenblattes „Die Wahrheit", vorgeworfen, daß seine antisemitische Taktik erpresserische Absichten verfolgt und daü er sich durch Zedierung von Annoncen jüdischer Firmen bewogen ließ, Angriffe gegen diese Finnen einzustellen. Nimmeiir veröffentlich*- der „Sozialdemokratische Pressedienst'* sjhenürrereiide E::!';f:!iunv>-en über Biuhri, denen u. vu i -inehmen ist: n.CJ- •O/ifanraiv B«o;;o Sci'rvibvr u> Berhi. ■- :. ••■ s-ilir schürt u. „Wahrhök*' angogrüico. ür wan-dte cid du ihm bekann; ji inhaLer dor riiiiia. \ Villi SkUrck. die, oi> wohl Juden, mit ileir» Brunn innig befreundet sind. Es wurde abgemacht, daß Schreiber die gesamte Auüage der betreffende:t Nummer aufkauft, da das Erscheinen nicht mehr zu verhindern sei. Es wurde und: eine Regelung getroffen, daß weitere Angriffe in der Zukunft ausbleiben. Schreiber erbot sich, wöchentlich 50 Dollar zu zahlen. Bezeichnend ist, daß die „W ahrheit"' des Herrn Bruhn unter dem Mptto „Für deutsche Art und nationale Ehre" erscheint Terror toiiioincus xegen Kunst. Wie wir der Schweiber Presse einnehmen, wurde die „Sancta Susanna" von Paul Hindemith durch die Hamburger Ainisemiien in ihrer Auiführung im ..Hamburger S t a d 11 h e a t e r" gewaltsam verhirden. Die Kuiturkrcise Hamburgs planen jetzt einen Zusammenschluß gegen diesen antisemitischen Theater-T^r-ror. der sich hekavntlicb schon vor einiger Zeit

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