Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 10 (13.3.1925)
- Date
- 1925-03-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Säte, h die Wahrheit iö gänge die notwendige Ingerenz ausüben? Wir zwei fein nicht im geringsten daran, daß diese Verteilung eine durchwegs gerechte umi objektive Sein wird, und sind* auch, davon überzeugt, &cS da keine Partefcüdksacät bei der Verwerrdiimg des Sammieliergebnisses tiervorgekehrt sein werde. Trotzdem aber wolle« wir unser erworbenes Recht, bei der Spenden verteMiöig ein Wort mitzureden!, giesicheFt sehen. Noch ist das Gesamtergebnis dieser. Sammeltjage niicht bekannt? Allein die Mitglieder der „Union" verlangen dringlich die Intervention ihrer Vertreter beim Verteilungsakte. Sie sehen also dieser Arbeit wie allen anderen mit Beruhigung entgegen. Der Jude gibt, ata* er will zuweilen auch wissen, nicht nur wofür, sondern wem er gegeben. Philipp Leon. An die verehrten Mitglieder der „Union deutsch- Österreichircher Juden**! Die Kosten der Aufrechterhaltung unseres Rechtschutzbüros und die damit verbundenen Ausgaben wach seit vonTagzuTag. Leider stehen die Eingänge iür den Verein mit diesen Erfordernissen nicht im Einklänge. Die Zahl der Rückstände an Jahresbeiträgen ist in einzelnen Bezirken eine derart große und verschlingt an Papier und Briefporti solch hohe Summen, daß wir uns veranlaßt sehen, diesen Weg beschreiten zu müssen, um unsere werten Mitglieder, die ihren Pflichten bisher nicht nachgekommen sind, an diese hiermit ergebenst zu erinneru. Wir legen daher nicht nur den betreffenden Herren Mitgliedern selbst, sondern auch den Herren Obmännern und Kassieren der Mitgliedschaften im Interesse unseres im steten Kampf gegen die Feinde des Judentums stehenden, die gefährdeten staatsbürgerlichen Rechte unserer'Glaubensgenossen schützenden Vereines ans Herz, unsere Aktion bei Einbringung der uns so notwendigen Jahresbeiträge nachdrücklichst ti nier stützen zu wollen. Das Sekretariat der „Union deutsehösterr. Juden". Wahrheiten vom Tage Mitteilungen der Jugendgruppe. Die Jugendgruppe der Union deutschösterreichischer Juden veranstaltet Samstag, den 14. März 1925, halb 9 Uhr abends, im Wiener Ringcafe, Wien, I., Stubenring, eine I»oMrämfe-!5*«5äeB* in deren Rahinen Herr Gemeinde-Rabbiner Dr. Julius Max Bach eine« Vortrag über „Purimgedanken" halten und seine Tochter. Frl. Margarete Bach, aus der Bibel rezitieren wird. Anschließend Tanz-Soiree mit Kapeile Isi Geiger. Während der Tanzpausen erstklassige Vorträge. Die rührigt' Jugendgruppe hat auch eine Sportsektion ins Leben gerufen, die sich mit Eintritt der schöneren Jahreszeit als erste Aufgabe gestellt itat, regelmäßig Aji s f 1 ü g e ihrer Mitglieder zu veranstalten. Der erste dieser Ausflüge findet Sonntag, den 15. März, statt. Treffpunkt: 2 Uhr nachmittags, Endstation des J-Wagen, Ottakring. Gäste willkommen. mmmnuiiniiiMiiiiiififiiBiiiHiii CfCltQS IÄOTGA5SE-1 ■■■■•■■■■■■m Der hetzende Teut. Ais man Dienstag abends durch die Straßen Wiens ging, glaubte man seinen Ohren nicht trauen zu können. So wie in den seligen Kriegszeiten ertönte allenthalben der Ruf „Extraausgabe!" und im Nu waren die Exemplare derselben den Verkäufern aus den Händen gerissen. Die Nachricht, die man da zu lesen bekam, hatte wirklich viel Kriegerisches rtn sicii. In dem Wien, dessen Seelen man saniert glaubte, von dein immer wieder in Genf und an anderen maßgebenden Orten betont wird, daß Ruhe, Ordnung und Konsolidierung eingetreten sei, war auf einen bekannten und teilweise anerkannten Publizisten ein Attentatverübt worden, dessen Folgen das Leben des Angeschossenen in ernste Gefahrsetzt. Man mag Bettauers Schriften beurteilen wie man will, es wird viele geben, die mit uns der Ansicht sind, daß Bettauer als Sozialpolitiker Hervorragendes geleistet, daß er sicher aus seinem jüdischen Herzen heraus stets für das Recht der Aermsfen der Armen eingetreten, daß aber sein -Wirken in sexüalethischer Hinsicht, sicherlich von ihm unbeabsichtigt, Verwirrung in die bisher bestandenen Anschauungen gebracht und insbesondere eine unerquicklich große Zahl von Nachsudlern veranlaßt hat, angeblich jn seiner Art. die entstandene Verwirrung in rebus eroticis nur noch zu vergrößern. Alle diese Gedanken aber über den Publizisten Bettauer, die manchmal zu seihen Ungunsten ausfallen können, werden es-nicht ermöglichen, daß man rein menschlich dieses Attentat auf ihn versteht. Und will man es doch zu klären versuchen, so kann es nur in einer Hinsicht geschehen: Der 20jährige Attentäter war ehemals- Nationalsozialist und gehörte, sicher als solcher, einer geheimen Terrorvereinigung an. Es liegt also ein ganz ähnlicher Fall vor. wie bei Nowosad. Auch dieser hat in Gehehnkonventikeln gelernt, „das Schöne zu fördern und das Schlechte zu unterdrücken." Dali dies auch mit der Waffe in der Hand geschehen kann, haben beide Heldenjünglinge bewiesen. Und da liegt der Verdacht nahe, daß man wie bei Nowosad auch hier versuchet! wird, die- Tat als einen Akt des Irrsinns zu bezeichnen. Da* darf nie und nimmer geschehen. Denn, wenn höchstens ein beeinflußendes Moment bei der ruchlosen Handlung mitgespielt hat, so war es das der Verhetzung. Vor einem halben Jähr haben wir au dieser Stelle die Worte zitiert, die ein Salztmrger Hetzblatt in einer Abhandlung über neuzeitliche Literatur -zum besten gegeben hat: „Möchte sich auch gegen den notorischen Massenmörder von Seelen Bettauer ein Jawurek. finden, der besser trifft. Solch ein Pestilenzkerl, der alle Gesetze und Sitten verhöhnt, gehört ausgetilgt." Er gehört „ausgetilgt", schrie der Teut von Salzburg, „ausgejätet", der Teüt von Wien. Gemeint ist die „Deutsche Arbeiterpresse", die sogar zu dieser Aufforderung die Adresse des Juden Bettauer aufzeichnete. Was bedeutet das, Herr Staatsanwalt, was anderes, als die Aufforderung, auf ihn zu schießen? Und wenn ein Minderbegabter liest, daß man straflos zu einer Tat auffördern darf, so meint er, die Tat selbst werde auch straflos sein. Daß diese Tat außerdem noch ein Heldenstück ist, das kann er ja, wenn er in den richtigen Kreisen verkehrt, und das tat er, täglich hören und lesen. Wer darf sich wundern über das, was Dienstag gescheiten ist? Nein, man kann sich nicht wundern, höchstens trauern über die Tragik des verhetzten jugendlichen Attentäters. Daß dieser, der einem Vereine angehörte, der nicht mehr und nicht weniger in seinem Programm stehen hatte, als „die Rettung der deutschen Kultur und die Befreiung der deutschen Jugend von allem, was sie schädigt," ausgerechnet aus einer urtschechischen Gegend stammt! und auch bis zu seinem 10. Lebensjahre kein Wort deutsch kannte, daß gerade dieser. Deutsche das Attentat auf den „völksfremderi" Bettauer 'verübte, entbehrt nicht einer gewissen Tragikomik. Es wird nach all demr heute und schon wiederholt früher hier Gesagten notwendig sein, den Quellen der Verhetzung nachzugehen, und dies wollen wir vom Staatsanwalt erhoffen. Die Gelder der völkischen Bewegung. Adolf Hitler hatte den Sanitätsrat Dr. Pittinger verklagt, weil dieser behauptet hatte, die Hitler-Bewegung werde von Frankreich finanziert. In München fand vor einigen Tagen der Prozeß statt--Der; inzwischen verstorbene Arbeiterführer Morel hatte eine Unter- Kleider-. Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Wien II, Glotkengaas* 24 Detail verkauf: Wien II., Tabörstraße 44