Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 10 (13.3.1925)
- Date
- 1925-03-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr.10 Trotz alledem meint Fritsch, daß die Deutsche. Bank in Berlin ein Instrument Morgans werden wird, oder schon geworden ist und mit Morgan an der Spitze wird von nun an immer franzosenfreundliche und deutschfeindliche Politik getrieben. Herr Fritsch, Sie wissen genau, daß gerade im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sehr wenige Juden sitzen. Sie wissen auch, daß Herr Helferich dort der erste Aufsichtsrat gewesen ist, also warum sagen Sie, die Juden haben die Finanzverträge mit Amerika, England und Frankreich abgeschlossen? Wer hat ebenso mit dem „Erzfeind" das erste Geschäft nach dem 'Kriege gemacht? Wer hat mit Creuzot in Paris verhandelt? Sind das auch Juden gewesen? Warum verschweigen Sie die Tatsache, daß Ihr Freund Stinnes es gewesen ist, derselbe Herr, von dem die Deutschvölkischen Geld bekommen haben. Warum schweigen Sie über die Kriegslieferungen der deutschen „Großindustrie" im Kriege an die neutralen Länder, die das Material dann an die Entente iieferten? Sie wollen das alles verleugnen, wissen es aber sehr'genau? Warum sind Sie in der völkischen Fraktion im Reichstag so still gewesen, wie Stinnes und seine Freunde in der Inflation das deutsche Volksvermögen, an sich gerissen haben? Sind das alles Juden gewesen? Nennen Sie öffentlich einen Juden, der Milliarden von deutschen Volksvermögeu an sich gerissen hat? Ich könnte Ihnen ein gutes Werk zum Lesen empfehlen, das Ihr Freund und Gönner, ein Leipziger Volksgenosse, vor einiger Zeit der Oeffentlichkeit überge'ben hat. Es sind die „Drei Verderber Deutschlands^, dort werden Sie alles sehr ausführlich finden. Es wird aber nicht ein Jude darin genannt. Ihre Verleumdungen gegenüber den Juden müssen Sie schon etwas „modernisieren", Ihre Anwürfe sind schon zu veraltet. Die Sagen und Märchen vom jüdischinternationalen Finanzkapital werden bald von der Tagesordnung verschwinden müssen. namens zu ehren? Gewiß, ich verkenne nicht, es gibt Namen, die tatsächlich durch ihren Mangel an phonetischer Schönheit unangenehm wirken, aber wenn "sich die Wahl eines anderen Namens .sachlich begründen läßt, wenn sie nicht hervorgerufen ist durch die Sucht, keinen ..iüdSschen" Vornamen zu haben, dann läßt sich gegen die Aenderung nichts einwenden. Es kann als bekannt vorausgesetzt werden, daß in Amerika die alten biblischen Namen: Jacob, I s a a4c. Abraha m -— klingt Abraham L inicoln 'nicht •g«?t? - undviele andere auch heute noch mit Stolz gern igen werden, über ts ist vielleicht doch gut, dara-ti zu erinnern. So wird auch keinchristlicher Deutscher a«n unseren heben alten Namen Anstoß nehmen, wenn er nur am Träger des Namens keinen Anstoß zu nermien braucht, und hier muß. wenn überhaupt noch nötig, der Hebel angesetzt werden: i n der Erlang u n g eines Mehr an W ü r d e, eines Mehr a n Stolz, also von E i g e n £ c h a f t e n, die bei dem a n d e reu o h n e weitere s d: as G et ü h I d er Achtun g au s 1 ö s e n. nicht aber, dadurch, daß wir. anstatt sie zu neuem Glanz zu bringen, Namen ablegen, die unsere Voreltern getragen haben. Glossen. Die „D eu t sch ös t er-r e ich i s'eh e Tageszeitung" versteht es vortrefflich, ihre Leser durch interessante Artikel zu -erfreuen und zu fesseln. Sie hat vor kurzem einen Artikel des Herrn . Ernst M e i c h e veröffentlicht, auf den anläßlich der Verhandlung über die Affäre Pruscha vor dem Obersten Gerichtshof die Aufmerksamkeit des Staatsanwaltes neuerlich gelenkt wurde. Vor einigen Tagen wieder bot die „D. T." einen Leitaufsatz von „hervorragender politischer Seite", der wirklich eine ganz ungewöhnliche Leistung bedeutet. Da wird nämlich u. a. ausgeführt, daß d!er Jude unter ein fremdenrecht gestellt werden müsse; aber nicht etwa unter ein mildes Fremdenrecht, das für Friedlemszeiteii gut genug wäre, sondern das geeignet wäre, im Kriieigiezur Anwendung zu gelangen, dienn man müsse die Juldenmacht immer als im Kriegszustand' befindlich betrachten. Dem Völkerbund wird aber schon heute warnend zugerufen, er solle sich ja hüten, diesem Fremdenrecht seine Zustimmung zu versagen, sonst müßte er sich gefallen lassen, als ein Instrument der Judeiumacht stiigmatiisiiert zu wierdien. Wie der Völkerbund eine solche Brandmarkung überleben könnte, ist allerdings schwer denkbar, aber das geht mich nichts an. Zur Begründung der Notwendigkeit dieses Fremdenrechtes wird namentlich auf die „Protokolle der Weisen von Zion" hinge wiesen: das macht mich stutzig. Diese von einem plumpen Dummkopf fabrizierte Fälschung hat bei vielen Antisemiten großen Erfolg gehabt und gilt ihnen, so unfaßbar dies auch einem vernünftigen Menschen erscheinen mag, als hohe Autorität. Der Verfasser des erwähnten Leitartikels scheint zu dieser Sorte von Antisemiten zu gehören. Ich bin wirklich froh, daß die „Deutschösterreichische Tageszeitung" ausdrücklich betont, daß der Artikel „von hervorragender politischer Seite" stammt. Ohme diese bestimmte Versicherung hätte ich leicht das Opfer eines bedauerlichen Irrtums werden können. Sobald ich von jemandem höre, daß er die „Weisen von Zion" für ein echtes Dokument hält, zweifle ich immer, ob er nacht vielleicht nur „ein hervorragender politischer Trottel" ist. * * * Der neunzehnjährige Rudolf H u g, der so kaltblütig vor Gericht sich .wegen der Ermordung seiner Tante, seiner Wohltäterin, die Mutterstelle an ihn vertreten, verantwortete, schließt sich würdig der langisn Reihe jugendlicher Mörder an, die wir in der 'letzten Zeit schände aid an i«:r-s vorüberzieh-cai saiien,. Das urteil über diesen Ji&ig- Ifti'g wurde just an dem Taige ausgesprochen, an welchem Hitler seinen hakenkreiuzlerischen Freunden stolz zurief: „Was Sie Schönes sehen, ist Zei-. chen deutschen Wesens- und was Sie Schlechtes sehen, ist Ergebnis der Hebräer." Also die vielen Buben, im Deutschen Reiche, die geradeaus vom Bordell weg zum Morden gingen, die. Haarmann und Denke, die doch auch nicht zu den Schönsten zählen, und Hug, Bergmei'ster. und neuerdings Rothstock in Oesterreich, sie alle sind „Ergebnis! der Hebräer"! Fehlt nur noch die Behauptung, daß auch Hitler selbst ein .„Ergebnis der Hebräer" ist, denn .d^ßsich