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Die Wahrheit · 1925-03-13 · Heft 10 (13.3.1925) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 10 (13.3.1925)
Date
1925-03-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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DIC WAHRHEIT Nr. 10 Und wer dies als Hinderungsgrund anführt und berücksichtigt, wie viele kurz vorher getaufte Juden Offiziere geworden sind, der setzt gewissermaßen eine-Prämie auf die Charakterlosigkeit. Mein Vater ist gewiß ein konservativer Mann; aber in der Judenfrage kann er sich der Erwägung nicht verschließen, daß wir diese Angelegenheit heute nicht nur in einseitiger und ungerechter Art behandeln, sondern daß wir auch demoralisierend wirken, daß wir uns selbst schädigen, indem wir viele der vortrefflichsten, unternehmendsten und reichsten Familien allmählich in das Ausland drängen und daß wir schließlich sogar eine gefährliche Politik führen, indem wir die Juden in eine oppositionelle Stellung treiben. . Wer ist der „sehr gebildete, strebsame, wohlerzogene und; gut aussehende*' Attache v. Goldsehmidt-Rotschi'ld? Sein Vater, Maximilian Benedikt Goldschmidt, geboren 1843, war mit Minna Freiin v. Rothschild, Tochter des Freiherrn Wilhelm v. Rothschild in Frankfurt a. M., vermählt; erhielt von Wilhelm II. 1903 den Adel, 1907 den nach dem Recht der Erstgeburt vererblichen Freiherrntitet. Der älteste der drei Söhne, Algert Max, vermählt mit Mirjam Freiin v. Rothschild aus Paris, erfreute sich der besonderen, Wertschätzung des Kaisers, wurde von ihm zum Kammerjunker und noch bei Lebzeiten des Vaters ganz persönlich zum Freiherrn gemacht. Nur zum Leutnant konnte er ihn nicht machen; am engstirnigen Antisemitismus des Reserveoffizierskorps scheiterten die Bemühungen des Oberpräsidenten, des Kanzlers, des Kaisers. Immerhin in den diplomatischen Dienst war dieser eine Jude aufgenommen worden. Weit hat er es freilich in der „Karriere" nicht gebracht; denn er war nicht alter Herr eines feuidalen Korps, auch nicht Gardekavailerieoffizier, und „Freie Bahn für den Tüchtigen" gab es nicht in Preußen-Deutschland. Bei Ausbruch des Weltkrieges stellte sich der Londoner Attache dem Bezirkskommando zur Verfügung, wurde Adjutant des Fürsten Hatzfeld, Herzogs v. Trachenberg, und später zur preußischen Gesandtschaft in München geschickt, wo er bis zum Kriegsende blieb.__ KUNDMACHUNGr An die Judenschaft! Im, Bestreben, selbst den allerstrengsten Anforderungen bezüglich der rituellen Zubereitung meiner Mazzoth niSD Genüge zu leisten, ist es mir heuer gelungen, den weltberühmten orthodoxen Oberrabiner Eheim lizctioh Mein aus Altstadt für die Oberaufsicht (Haschgachah) meiner Mazzoth-Bäckerd zu gewinnen. Ich habe meinen Betrieb durch Einstellung neuer, patentierter Maschinen bedeutend vergrößert und werden die Mazzoth auch hygienisch in der erdenklich sorgfältigsten Weise hergestellt. Mazzoth und Mazzoth-Grieß sind bei mir heuer erzeugt und garantiert frisch zu haben und werden auf Wunsch auch prompt in die Provinz versendet. Orthodoxe Mazzoth-Bäckerei H. STRUPI, Wten ML, Rotensterngasse 11, TeL 47-7-17. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie ist ein Jude hier oder dort Gesandter geworden, z. 7*. der Rechtsanwalt Landsberg aus Magdeburg beim belgischen Hof. Was die „Völkischen" weidlich und nachhaltig erregte. Nicht etwa weil es ihm an der nötigen Befähigung, sondern an dem arische** Stammbaum fehlte. Selbst gegen den Gesandten der wf hdrniniischen Zeit, Herrn Rosen, a$s er Reichsminister des Auswärtigen war, eiferten die Hakenkreitzler, er sei nicht ungemischt deutschblütiger Rasse, sondern in — Jerusalem geboren! Schaudervoll, höchst schaudervoll! Aber der Lärm entsprach llipll Feuilleton Wie nennen wir unser Kind? Von Lukas Bastheim. Es hat den Anschein* als würden die deutschen Juden im Laufe der nächsten Jahrzehnte die Schlakken, die ihrem Charakter von ihrer jahrhundertelangen politischen und gesellschaftlichen Entrechtung her noch anhaften, völlig abstreifen, dlenn alles drängt dahin, dem deutschen Juden ein höheres Selbstgefühl, höheren Mut zurückzugewinnen, Eigenschaften, die von selbst erhöhte- Wertschätzung der Familientradition, Gleichstellung ererbter Gepflogenheiten mit denen anderer, höhere Würde im Gefolge haben. Von diesem Gesichtswinkel aus betrachtet, wäre es eigentlich überflüssig, auf Mißstände hinzuweisen, die aus diesem Mangel an Selbstachtung, an Würde hervorgegangen sind; aber oft genügt schon die Erwähnung einer üblen Gewohnheit, um sie zu beseitigen, und es ist nicht immer richtig, ihre Abstellung der Zeit zu überlassen. Ich denke an1 die wenig würdige Art, mit der die deutschen Juden dte in ihren Familien üblichen Vornamen durch moderne und hypermoderne Namen zu ersetzen bemüht sind, ein Bestreben, das in letzter Zeit groteske Formen angenommen hat. Manchen mag es nicht wichtig erscheinen, dagegen zu eifern; es gewinnt aber doch als ein Zeichen für die unrichtige Einstellung vieler Juden in ihrem Verhältnis zur Umwelt symptomatische Bedeutung. Die Grundursache dieser Sucht ist — darüber wollen wir uns keiner Täuschun^hingeben — der Wunsch, nicht schon durch den Vornamen, als Juden gekennzeichnet zu werden, gerade als ob es eine Schalt d e wäre, J u de z u s e i: n. Welch geringe* Maß von Würde dokumentiert sich in diesem Bestreben! Welch nutzloses Beginnen ist es außerdem! Glaubt denn irgend! jemand emstlich, der Name mache den Träger? Nein, noch immer hat der Träger dem N am en Gl an z und Ansehen gegeben, wenn er der Mann .darnach war, und noch immer hat schlechter Charakter, schlechtes Benehmen auch den schönstklingenden Namen verhaßt machen können. Wem fällt es wohl ein, den echt jüdischen Namen „Baruch" nicht schön zu finden, wenn er mit dem weiteten Namen „Spinoza" ver-

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