Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 9 (6.3.1925)
- Date
- 1925-03-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 9 Gemeinde entfernt Wo Dr. Leo Landau stand und wirkte, tat er Gutes und Jüdisches, denn seine Abkunft und seine eigene stolze Männlichkeit sicherten ihm Gehör. Nicht nur seine arme Frau und sein junges Kind trauern tief um ihn, auch seine vielen Freunde, nicht zum mindesten ich. Ein Kampfgenosse für die hehren Ziele einer wahrhaft jüdischen Gemeinde wurde abberufen. Wir sind um eine starke Persönlichkeit ärmer. Dir. Dr. S. Krenberger. * * * * Bei Ueberführung der Reste des Verblichenen vom Trauerhause, wo Oberrabbiner Dr. H. P. C h a j e s und Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes Trauerreden hielten, fuhr der Furgon am Polnischen Tempel vorbei, wo eine eindrucksvolle Trauerandacht stattfand. Nach herzlichen, ergreifenden Abschiedsworten des Herrn Rabbiners M. Mayersohn und nachdem Oberkantor Em. Frankel ein El mole rachamim rezitiert hatte, wurde die Leiche auf den Zentralfriedhof überführt. Dort hatte sich eine große Trauergemeinde eingefunden, die den vom Herzen kommenden Nachrufen der Rabbiner Mayersohn und Dr. J. M. Bach ergriffen lauschte. Für die Kultusgemeinde sprach Präs. Prof. Dr. Alois Pick herzliche Worte der Anerkennung und des Dankes, für die Loge „Wien" Kultusvorsteher Baurat W. Kempler, für den Polnischen Tempei dessen Obmann P o m e r a n innige Abschiedsworte. Die kantorale Funktion versah Oberkantor F r ä n k e 1 mit großer Assistenz. Seinen Freunden unersetzlich, seiner Familie ein mustergültiges Oberhaupt, so wird Dr. Leo Landau von einer großen Trauergemeinde beklagt und beweint. Das Andenken dieses Gerechten wird zum Segen sein. Worte des Gedenkens. Vom tiefen Schmerze überwältigt, ergreife ich die Feder, einem edlen und treuen Sohne unserer altehrwürdigen Vaterstadt Holleschau mit diesen Zeilen ein zartes Reis auf den Sarg zu legen. Mittwoch, den 25. Februar, ist Herr Hofrat Oberlandesgerichtsrat Senatspräsident Dr. Friedrich Berg unter starker Teilnahme zu Grabe getragen worden. Es war mir krankheitshalber leider nicht möglich, diesem verdienstvollen Manne, dem Mitbegründer des vor 16 Jahren in unseren Mauern geschaffenen Humanitätsvereins der Holleschauer in Wien, als Obmann und Ehrenmitglied die letzte Ehre zu erweisen. Sr. Ehrwürden, Herr Rabbiner Dr. I. Drobinsky, hat diesem Verklärten einen schönen Nachruf gewidmet, seine Vorzüge und Tugenden als Mensch und Richter ehrend hervorgehoben. Der Verblichene, treu seinem jüdischen Glauben, war ein Sendbote Gottes auf Erden, ein Fürst! Er hat nur in dem Menschen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses den Menschen gesucht und streng nach den Gesetzen seinen Beruf erfüllt. Ein Liebling Gottes und der achtbarsten menschlichen Gesellschaft ist dieser edle Mensch vom Richterstuhle auf Erden ins schönere Jenseits zu dem höchsten Richterstuhle Gottes berufen worden, Rechenschaft abzulegen über sein Tun und Wirken hienieden. Der Gedanke, der uns die Größe des Verlustes vergegenwärtigt, der auf der anderen Seite aber uns erhebt und geeignet ist, die trauernden Hinterbitebenen, die zwei in seinem Sinne erzogenen Söhne, die mit seltener Liebe und Verehrung zu dem Verklärten aufblickten, die schwergebeugte Gattin, die treue Gefährtin seines gottgesegneten Lebens, zu trösten, dieser Gedanke beruhigt auch unser Herz und Gemüt Die Lichtstrahlen des Wirkens des Hofrates Dr. Friedrich Berg werden nicht verlöschen und das Andenken dieses Gerechten wird zum Segen sein. Albert Low, Obmann des Humanitären Vereines der Holleschauer in Wien. Todesfall Am 3. d. M. wurde unter außerordentlich großer Beteiligung Frau Cäcilie Kessler zu Grabe getragen, die am 28. v. M. im 64. Lebensjahre verstorben war. Sie war eine wahrhaft jüdische Frau, eine Esches Chajil, die ihr ganzes Leben dem Wohl ihrer Kinder und ihrer Familie gewidmet hatte. Rabbiner Dr. Taglicht hielt eine zu Herzen gehende Trauerrede, in welcher er all die Tugenden der Verewigten und ihre Bemühungen, nach dem Tode ihres Mannes für die Kinder zu sorgen, welch schweren Kampf sie mutig aufnahm, würdigte. Er sprach sodann von der Dankbarkeit der Kinder, die dieses edle Wirken ihrer Mutter dadurch vergalten, daß sie ihr den Lebensabend verschönerten. Die kantorale Funktion versahen die Oberkantoren G. Margulies und R. Kogan mit Chorassistenz. Die Verewigte, die stets für wohltätige Zwecke eintrat, betrauern der in Industriekreisen bekannte Dir. Is. Kessler in Fa. Ignatz Klinger als Sohn, Frau Rosa Blatt, geb. Kessler, als Tochter und deren Gatte Eine Entgegnung an die Zionismen. Aus St. Pölten wird der „Union" berichtet: Vor einigen Tagen fand hier eine Versammlung der zionistischen Ortsgruppe statt. Oberrabb. Dr. A, Schächter hielt einen Vortrag unter dem Titel: „Die jüdis;li-politischen Parteien". Er beleuchtete die Richtlinien der Parteien, ihre Stellung mit und gegeneinander und betonte am Ende seiner Ausführungen, daß die zionistische Organisation keinen Zwang auf die Ausübung religiöser Vorschriften seitens der Chaluzim ausübe und verlangte zum Schlüsse vollste Unterstützung der Aktion Keren-Hajessod. Nun erbat sich Kultusrat Kohn das Wort: Redner drückt sein Erstaunen darüber aus, daß im heiligen Lande, wo die Wiege unserer Religion gestanden, jüdische Eisenbahnarbeiter und andere Chaluzim jegliche Arbeit am Sabbattage, verrichten und sich dadurch den Hass der einheimischen Juden in Jerusalem zugezogen haben. Nun nahm Redner Stellung gegen die Unterdrückung der deutschöi.terreichischen Juden und sagte, die Hochschuldebatte bei Beratung des Staatsvoranschlages hat wieder einen Beweis der Unterdrückung der Juden auf wissenschaftlichem Gebiete erbracht Jüdische Studenten müssen ihren „jüdischen Idealismus an ausländischen Universitäten durchhungern" und bei tüchtigen wissenschaftlich erprobten Gelehrten entscheidet nur der Taufschein, obzwar das Staatsgrundgesetz die Freiheit der Wissenschaft und ihrer Lehren gewährleistet. Nun warf Redner die Frage auf, wo blieben jene verantwortungsvollen Führer der verschiedenen jüdischpolitischen Vereine, wo unsere geistigen Größen? Es hat wohl seinerzeit eine Abordnung der Wiener Kultusgemeinde und ebenso von der „Union deutschösterreichischer Juden" bei Dr. Seipel in dieser Angelegenheit vorgesprochen, die Intervention blieb aber ohne Erfolg. Daher ist der Hebel beim Völkerbund und bei der Liga der Menschen- und Bürgerrechte anzusetzen. Dieser Liga gehören Männer an, wie Doumergue, Macdonald, Masnryk, Einstein und Leon Blum, im Friedensverträge ist doch der Schutz der Minoritäten festgelegt. Sind w'r Juden ein I rciwild", daß wir in Wort und Schrift in dsn Kot gezerrt, unsere kulturellen und wissenschaftliche.! Bestrebungen gehemmt und Ausnahmsbestimrsiungen für uns verlangt und ausgeführt werden? Herr Obmann Dr. Deutsch, welcher in seiner Rede unter anderem sagte, der Zionismus habe keinen Dank zu vergeben, sagte Herr Kohn, daß die Judenschaft keinen Dank, aber eine Gegenleistung von den zionistischen Führern, namentlich von Dr. Weizmann zusammen mit den Führern der verschiedenen jüdisch-politischen Vereine verlangt, da auch Nlchtzionisten dem Zionismus große finanzielle Opfer gebracht haben. Diese Gegenleistung besteht in einer Intervention beim Völkerbund persönlich oder in Form einer Denkschrift. Soll den unsere Heimat zum Tummelplatze unserer Feinde gegen uns werden? Sollen wir zu Parias, zu einer verachteten Volksklasse in der menschlichen Gesellschaft herabgedrückt werden? Wenn der Zionismus in diesem Punkte versagt, so ist das Demagogie und Parteiegoismus. Es ist gewissenhafte Pflicht aller verantwortungsvollen Führer des Judentums, diese Forderungen der Judenschaft Deutschösterreichs, die auch ein staatserhaltendes Element darstellt, voll und ganz in Tat umzusetzen. Sven Hedins jüdische Ahnen. Die Hedins sind eine alteingesessene Stockholmer Familie, die ihren Stammbaum bis ins 16. Jahrhundert verfolgen kann. Geistliche, höhere Beamte und ein berühmter Hofmedikus auf der väterlichen Seite; mütterlicherseits ist der bekannteste Ahnherr, wie bereits bereits berichtet, ein Frankfurter Jude. Er hieß Brot, ließ sich 1771 in Schweden taufen und nahm den Namen Berlin an. Diesem Ahnherrn ist es wahrscheinlich zuzuschreiben, daß der berühmte Enkel nicht wie Hödur (der altnordische blinde Kriegsgott) aussieht, und daß in dem sanften, beseelten Antlitz seiner Schwester etwas an die Glückel von Hameln erinnert. Bemerkenswert ist, daß Sven Hedin während des Krieges von deutschfeindlichen schwedischen Blättern seine jüdische Abstammung vorgeworfen wurde, als der Forscher seine Stimme für Deutschland erhob. Diese Blätter erklärten, Sven Hedin sei vom deutschen Kaiser gekauft, und das sei nur möglich, weil er eben kein echter Schwede, sondern ein Jude sei. yllMIMHHUHMimMiMUMiMMmii Beim Kabcireti der großen_ PURIM-FEfER Äo^o'i"pi«*fc) wirkes kervirriteitf« loMltrUte ud «le vollsthiii« Kapells J. Belg*r Mter BKt.UU«»| fc»