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Die Wahrheit · 1925-03-06 · Heft 9 (6.3.1925) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 9 (6.3.1925)
Date
1925-03-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 9 Seite 11 Theater, Kunst u. Literatur | H Von Woche zu Woche Festakademie. Donnerstag den 20. v. M., veranstaltete die neugegründete Jugendgruppe des Tempelvereines, IL, Pazmanitengasse, in den Olympiasälen eine Festakademie, die als durchaus gelungen bezeichnet werden darf. Diese Tatsache war, wie der geistreiche Conferencier und artistische Leiter des Abends, Herr Adolf Reimann. in seinen Be- .grüßungsworten sagte, vor allem ein Verdienst der rührigen Präsidentin Frau Otti Pollitzer, der Herren Obmann Oskar Schramek und Vorstandsmitglied Franz Engel, von dem die Initiative zur Gründung der Jugendgruppe und Veranstaltung des Abends ausging. Aber auch die anderen Herren des Gesamtvorstandes hatten zu dessen Gelingen viel beigetragen und so konnte das zahlreiche Publikum ein gediegenes Programm mit großem Beifall entgegennehmen. Insbesondere war es die Gesangskunst der Frau Kammersängerin Clotilde W e n g e r, der Herren Ernst Fischer und G a 11 o s von der Staatsoper, die entzückende Wiedergabe russischer Volkslieder durch Dela L i p i n s k a j a, die Meisterschaft des Vortrages des Herrn Paul Pranger vom Burgtheater, die Komik des unverwüstlichen Sigi Hof er und des Schriftstellers Peter fi e r z, der in eigenen Chansons von Karl M. M a y begleitet wurde, die Vorträge der schönen Magda Sonja und des Fräuleins Rosi Bock, die das Publikum begeisterten. So ver- -lief der Abend, da auch die Jugend zu ihrem Tanzrecht kam, sehr animiert. Robert Liefmann, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Man soll nie unnütz Fremdwörter meiden, besonders dann, wenn das entsprechende deutsche Wort nicht den ganzen Gedankeninhalt des Fremdwortes wiedergibt. So war es hier eine falsche Bescheidenheit des Autors {über die man sich bei einem seiner Fachgenossen nicht beklagen kann), daß er seinem Werk den Titel Grundsätze und nicht Fundamente gab, denn nur das Wort Fundamente löst all die Assoziationen aus, die wir als Wertmaßstäbe diesem Werke zuerkennen müssen. „Fundamentum exegi aere perennius" kann Liefmann mit Horaz sagen. Eine Grundlage für alle weiteren Forschungen auf dem Gebiete der Wirtschaftstheorie ist hier gelegt worden, die von einer klaren Beobachtungsgabe ihres Meisters zeugt. Es ist versucht worden, einmal unvoreingenommen die Dinge so zu sehen, wie sie sind, ohne durch Probleme der Weltanschauung, durch „Systeme" das Bild zu verzerren. In zwei mächtigen Folianten ist ein Lehrgebäude errichtet, das nicht angefressen ist von dem Schimmel der Romantik u. a. Der erste Band, der in dritter Auflage vorliegt, behandelt die Grundlagen der Wirtschaft. Nach einer Auseinandersetzung mit den herrschenden Lehren gibt L. eine Darstellung des Wesens und der Aufgabe der Wirtschaftswissenschaft. Einer eingehenden Ausführung über das Wesen des Wissenschaftlichen und über den Konsumertrag folgt als Höhepunkt die Abhandlung über die Kosten. Der zweite Band (in zweiter Auflage) behandelt die Grundlagen des Tauschverkehres. Nach Darlegung der Grundsätze von Tausch und Geld folgt das wichtigste Kapitel des genannten Werkes, das Problem des Preises. Einer ebenso glänzenden Darstellung der Einkommenslehre folgt als Abschluß eine Abhandlung über Volkswohlstand, Kapitalbildung, Volks- und Staatswissenschaft. Daß ein solches umfangreiches Werk in zwei Jahren bereits neue Auflagen erforderte, nimmt uns Wunder. Ja, wenn es eine englische Ausgabe wäre. Denn auch von Liefmann gilt das Wort „kein Prophet gilt in seinem Vaterland". Das Ausland hat ihn richtiger zu werten gewußt als die deutschen Fachkollegen. Wenn Liefmann an der Auflagenzahl seiner Grundsätze das wachsende Interesse an seiner Theorie sieht, so mag ihn das trösten, auch wenn die Hüter der Lehre am Katheder ihn totschweigen. Das ist ja stets das Schicksal des deutschen Gelehrten. Wer aber das Bedürfnis fühlt, die Grundlagen unserer Wirtschaft nicht nur oberflächlich kennenzulernen, der lasse die verschiedenen Grundsätze und Leitfaden beiseite und vertiefe sich in die Grundsätze von Liefmann. Er wird sich für seine Mühe reichlich belohnt finden. Dr. H. K. Malmonides - Institut, 3. Bez., Hetzsasse 40. Samstag, H4 bis *S5, Rabbiner Dr. A. Kaminka: Das Buch Esther. HS bis H6, Rechtsanwalt Dr. N. Goldstein: Mischna Nesikin. Montag wegen des Purimfestes keine Vorlesung. Generalversammlung. Sonntag, den 22. Februar 1. J., fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Brigittenauer israelitischen Tempels statt. Der Obmann Herr Hermann E11 b o g e n, begrüßte die Erschienenen, insbesondere den Vertreter der Kultusgemeinde, Herrn Kultusvorstand Baumin g e r, die Präsidentin des Brigittenauer israelitischen Frauenvereines, Frau Dr. Weiß, den Obmann der Bezirkskommission, Herrn Nimhäuser, und den nach erlittenem schweren Unfall wieder hergestellten Obmann der Wahlkommission, Herrn Bernhard P o 11 a k. Vor Eingang in die Tagesordnung hielt der Obmann dem vor einigen Wochen verstorbenen verdienstvollen Kultusvorsteher, Herrn Isidor Schwarz, s. A., der durch mehrere Jahre als Delegierter der Kultusgemeinde der Generalversammlung beiwohnte und stets ein reges Interesse für den Tempelverein bekundete, sowie den im Vorjahre verstorbenen Vereinsmitgliedern einen warmen Nachruf, welcher von der Versammlung stehend angehört wurde. Nach Verlesung des Protokolls der letzten Generalversammlung durch den Schriftführer Herrn Ignatz Freund erstattete der Obmann den Jahresbericht. Er konstatiert mit besonderer Befriedigung, daß es dem Vorstande gelungen ist, den Frieden im Verein herzustellen und daß der Verein durch das friedliche Zusammenwirken und die Opferwilligkeit der Mitglieder in der Lage war, größere Renovierungen des Tempels durchzuführen und namhafte Beträge für Neuanschaffungen zu bestreiten. Kultusvorsteher Herr Bauminger gibt seiner Freude über die Einigkeit und über das segensreiche Wirken des Vereines Ausdruck, beglückwünscht die Vereinsleitung zu dem schönen Erfolg und wünscht ein weiteres Gedeihen des Vereines. Nun erstattete der Kassier, Herr Leopold Pick, den Kassenbericht, wobei er bemerkt, daß der Verein seine Angestellten den Zeitverhältnissen entsprechend honoriert. Nach dem Revisionsbericht des Kontrollors Herrn Moriz P e c h t a 11 wird der Kassenbericht genehmigt und dem Vorstande das Absolutorium erteilt. Zum Tätigkeitsbericht -sprachen die Herren: Geza Reich, E. Nimhäuser, Feldschuh, Goldsand und N. Sabarsky. Sämtliche Redner sprechen ihre Anerkennung über die Leistungen des Vorstandes aus und es wird über Antrag des Herrn Goldsand dem Obmann Herrn F. 11 b o g e n besonders der Dank durch Erheben von den Sitzen Ausdruck verliehen. Die genannten Redner beantragen, der Verein solle seine Tätigkeit für die Erhaltung einer jüdischen Schule und Ausgestaltung einer sozialen Fürsorge im Bezirke erweitern. Zu diesem Zwecke soll das Vereinsstatut in diesem Sinne abgeändert werden. Dieser Antrag wurde angenommen und gleichzeitig ein 15gliedriges Komitee gewählt, welches 14 Tage nach der Konstituierung des neuzuwählenden Vorstandes mit den Arbeiten beginnen wird. Hierauf wurde die Generalversammlung zur allgemeinen Befriedigung geschlossen. Jubiläumsfeier. Wie wir aus zuständiger Quelle vernehmen, feiert der Leopoldstädter Bethausverein „Montefiore" IL, Taborstraße 38, am 7. d. M. sein 25jähriges Jubiläum, und findet aus diesem Anlasse um 9 Uhr vormittags ein feierlicher Festgottesdienst unter Mitwirkung Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Joel P o 11 a k und des Oberkantors G. Müller statt. Erwähnenswert ist, daß es dem Gründer des Vereines, Herrn Jakob Weiß, durch eine gütige Vorsehung gegönnt ist, dieser Feier persönlich beiwohnen zu können. 60. Geburtstag. Vor kurzem feierte Herr Theodor Just. Chef der Weingroßhandlung Theodor Just & Co., seinen 60. Geburtstag. Herr Just, der als eines der ältesten Mitglieder des Tempelvereines Aeschel Awrohom wiederholt Gelegenheit hatte, für jüdische Wohltätigkeit einzutreten, wurde aus diesem Anlasse Gegenstand herzlichster Glückwünsche seitens seiner zahlreichen Freunde. Iii memoriam Dr. Leo Landau. Ein kluger, gewandter, charaktervoller Mann voll Eifer für jüdische Angelegenheiten ist plötzlich von uns gegangen. Er kam aus dem Verband der Wiener Tempelvereine als Vertreter der Beth Isroel, IL, Leopoldsgasse, in den Kultusvorstand, wo er durch vier Jahre im Vertreterkollegium eine allseits geachtete und verdienstvolle Tätigkeit entfaltete. Er war durch Besonnenheit und Objektivität ausgezeichnet und erregte durch seine inhaltsreichen, sachlichen und eingehenden Referate stets Bewunderung. Als Obmann des Kuratoriums des Merores-Waisenhauses hat er dieses Humanitätsinstitut, in den schweren Zeiten klug geführt Gehässigkeit und Neid haben ihn aus der Leitung der jüdischen ^^^MWMi

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