Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 9 (6.3.1925)
- Date
- 1925-03-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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t>m WAHRHEIT Seite 1 Testament, demoliert hatte. Seien wir ehrlich: Was soll ..einem Rassentheoretiker eine Religion, dessen Stifter immer wieder sich seiner jüdischen Verwandtschaft rühmt? * * * Wieder wurde, wie aus den Gerichtssaalberichten ungarischer Blätter ersichtlich ist, ein Beleidiger des Herrn von H o r t h y verurteilt. Robert E d e r, Husarenoberleutnant i. R., hatte sich in einer erregten Debatte zu dem, wie der Ankläger behauptet, auf Herrn v. Horthy treffenden Ausrufe hinreißen lassen: „Wer ist denn der Niemand?" Der Husarenoberleutnant in Reserve, der sich zu wenig Reserve auferlegt hatte*, wird jetzt einige Monate ungestört darüber nachdenken können, wer Herr v. tlorthy ist. Es ist wohl anzunehmen, daß er, auch wenn das Resultat dieses Nachdenkens nicht sehr schmeichelhaft für das gegenwärtige Oberhaupt des ungarischen Staates ausfallen sollte, sich wohl hüten wird, es öffentlich zu verkünden. Auch die Gegner Horthys werden zugeben müssen, daß man von ihm nicht wie von einem „Niemand" sprechen darf. O, Herr v. Horthy ist schon ein Jemand. Er ist eine ausgeprägte Individualität, der seinen Namen mit unvergänglichen Lettern in die Geschichte Ungarns eingegraben hat, ein Mann, an den noch in späten Zeiten die Abkömmlinge zahlreicher in Ungarn lebender Familien schmerzbewegt mit wehmütigen Gefühlen und tränenden Augen denken werden. Andere wieder werden in freudig gehobener Stimmung dafür sorgen, daß das Artdenken Horthys bei ihren Nachkommen in hohen Ehren erhalten bleibt. Denn Herr von Horthy hat durch seine Amnestieerlässe, aus denen volles Licht auf seine Persönlichkeit fällt, gezeigt, was er als Retter und Helfer zu tun vermochte. Er hat vielen, vielen Menschen das Leben gerettet, die man in jedem anderen Land der Welt erbarmungslos gehängt hätte. * * * Graf Bethlen hat Sr. Durchlaucht v. Horthy eine kleine Ueberraschung bereitet. Da ich so oft schon an dieser Stelle andere zitierte, darf ich mir vielleicht erlauben, zur Abwechslung einmal auch mich zu zitieren. Neulich schrieb ich: Graf Bethlen ist wirklich zu bedauern, daß er sich darüber den Kopf zerbrechen muß, was er den Leuten antworten soll, die von ihm wissen wollen, weshalb er die Mörder der Redakteure Somogyi und Bacso nicht verhaften ließ, während es doch so bequem wäre, den lästigen Fragern zuzurufen: „Stellt Euch nicht so naiv! Ihr wißt es gerade so gut wie ich, weshalb ich gegen die Mörder nichts tun konnte." Noch war die Tinte nicht trocken, mit der ich dies zu Papier gebracht und Graf Bethlen hatte es sich überlegt, es sei doch das Beste, daß er nicht seinen, sondern den Kopf Horthys zerbreche. Er ließ daher im „NSpszava" Ungarn sowie der zivilisierten Welt mitteilen, daß es niemand anderer als Seine Durchlaucht Nikolaus von Horthy gewesen, der den Befehl zur Ermordung der genannten Redakteure JAC. MAYER erteilt hatte. Jawohl, das ließ der ungarische Ministerpräsident mitteilen, denn ein Wink von ihm und diese beispiellos sensationelle Nummer „Nepszavas" hätte nie das Licht der Welt erblickt. Graf Bethlen ist ein Siebenbürger und genießt auch sonst den Ruf, einer der schlauesten Politiker zu sein. Se. Exzellenz hat offenbar erkannt, daß der europäische Skandal, Morde, an denen er unschuldig ist, mit seinem Namen zu decken, schon zu lange dauere und er hat mit einem Schlage, den Horthy abzuwehren keine Zeit mehr hatte, die Verantwortlichkeit für die grauenhaften Verbrechen auf Se. Durchlaucht den Herrn Gouverneur überwälzt. Graf Bethlen hat damit ein großes Geheimnis enthüllt, das jedem bekannt war. * * * Zur Affäre Beregi hat nun auch einer der „besten Offiziere" Horthys, Herr Ivan H e i j a s, das Wort ergriffen. Man durfte von diesem Herrn, dessen Gewissen, wie ein mutiger Staatsanwalt in Ungarn, Herr v. MolJovanyi, erklärte, mindestens von 54 grauenerregenden Mordtaten belastet ist, viel erwarten, aber das hätte ihm niemand zugemutet. Man bedenke: Hejjas mißbilligte die von den „Erwachenden" inszenierte, von den Behörden sanktionierte Metze gegen Beregi! Ja, Hejjas hätte das Auftreten Beregis, eines Künstlers, dessen Talent er ungemein schätzt, sogar gewünscht! Hejjas schämt sich dessen, was gegen Beregi aufgeführt wurde! Nun, schändlich genug war es, was in dieser Affäre gegen Vernunft, Anstand und Kunst gesündigt wurde, aber es dürfte doch manchem schwer fallen, die sittliche Entrüstung Ivan Hejjas ernst zu nehmen. Wer ohne ein Wort nachträglicher Reue oder tiefen Bedauerns zu finden, es erträgt, daß sein Name mit der Ermordung unzähliger Menschen verknüpft ist, deren einziges Verbrechen ihre Konfession war, brauchte auch in Fragen der Kunst nicht gar so zartfühlend zu sein. Vielleicht hat Hejjas nur die Empfindung, daß die mächtige Hand, die bisher ihn schützte, bald selbst eines Schutzes bedürftig sein könnte, und er hält es daher für geraten, eine Distanz zwischen sich und den „Erwachenden" zu schaffen. Es wäre nicht der erste Fall, daß die Ratten ein sinkendes Schiff verlassen. Ego. Vorzüglich und streng ritueller Mittagstist h zu vergeben bei Hirsdi Wien IL, Tandelmarktgasse Nr. 12 Blumen Monogramme-. Visitkarten-Prägerei seit 40 Jahren bestehend, ist wegen Ablebens des Besitzers billigst abzugeLen Wien, 2. Bez., Novaragasse Nr. 16 Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detail verkaut: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., Taborstraße 44