Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 9 (6.3.1925)
- Date
- 1925-03-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 9 DR WAH Seil» S treter immer noch als viel zu hoch zu betrachten. Ihr Einfluß in der Landesversammlung wird weit größer sein, als es der Verbreitung des zionistischen Gedankens in Deutschland entspricht Denn bei einer Wahl, bei der das nichtdeutsche jüdische Element in denkbar größtem Ausmaße zur Abstimmung zugelassen war, bei der, wie die Wahlbeteiligungsziffern dartun, gerade in den Hochburgen nichtzionistischer Anschauung eine ungeheure Wahlenthaltung statthatte, konnten die Zionisten mit den ausländischen Juden zusammen nur ein Viertel aller Stimmen aufbringen. Und das, obwohl, wie selbst von streng konservativer Seite betont wird, „die Volkspartei im Wahlkampf ihr eigenes Programm gänzlich zurücktreten ließ" (Moritz A. Loeb im „Jüdischen Wochenblatt" 1925, Nr. 7), und obwohl die zionistische Liste durch Aufnähme bekannter Misrachisten, wie wiederum gerade von konservativer Seite behauptet wird, starken Zuzug aus konservativen nichtzionistischen Kreisen erhielt. Es ist zahlenmäßig natürlich sehr schwer festzustellen, wieviel von den auf die beiden zionistischen Listen abgegebenen Stimmen auf die ausländischen Juden fallen. Aber man wird schon sehr hoch greifen, wenn man feststellt, daß von den abgegebenen Stimmen höchstens ein Achtel aller Stimmen von deutschen Zionisten abgegeben worden sind; d. h., da die Zionisten alle Mann zur Wahl aufgeboten haben, aus den anderen Lagern aber (aus wahltechnischen und anderen Gründen) sich eine sehr große Zahl vonWählernderStimmeenthaltenhat, daß die Zionisten nach wie vor eine PESSACü Kaffee Zosafz laut Attest Sr. Ebmflrden des Herrn Ober-Rabbiner Simon Schreiber au Erlau IfrD vterlttOllclft auch bener wieder In garantiert reiner nnd auaiiim zn haben bei neinridi rrand. sonne in Kesice Diese Fabrik steht unter Oberaufsicht des Herrn Oberrabbiner Simon Schreiber und unter ständiger Kontrolle eines von Sr. Ehrwürden ernannten frommen jüdischen Aufsehers, so daß ihre sämtlichen Erzeugnisse verläßlich koscher sind und also von jedem Glaubensgenossen ruhig das ganze Jahr hindurch gebraucht werden können. BeacrV, a Sie beim Einkaufe ja recht genau die tarnzmarke: tarrEEFlIllU und Unterschrift: nenwtdi imnch sdbne wenn Sie die verläßlich aeebte Qualität bekommen wollen! *»■■■■■■■■■ —■■■»■■— Nun, von all diesen zivilisierten Semiten, die in diesen fünf ei eignisvollen Jahrhunderten geschlagen und überrannt wurden, hielt nur ein einziges Volk zusammen und klammerte sich an seine alten Ueberlieferungen, das war jenes kleine Volk, die Juden, die von Cyrus dem Perser heimgesandt worden waren, um ihre Stadt Jerusalem aufzubauen. Und sie waren fähig, das zu tun, weil sie in Babylon dieses ihr Schrifttum, ihre Bibel gesammelt hatten. Es sind nicht so sehr die Juden, die die Bibel machten, als die Bibel, welche die Juden machte. Durch diese Bibel liefen gewisse Gedankengänge, verschieden von den Ideen der Völker rund um sie sehr ermutigende und aufrecht erhaltende Gedankengänge, an welche sie sich 25 Jahrhunderte hindurch von Mühsal, Abenteuer und Unterdrückung klammern sollten. Die leitende dieser Jüdischen Ideen war die, daß ihr Qott unsichtbar und entfernt sei, ein unsichtbarer Gott in einem Tempel, nicht von Händen geschaffen, ein Herr der Rechtlichkeit (Righteousness) über die ganze Erde. Alle anderen Völker hatten nationale Götter, verkörpert in Abbildern, welche in Tempeln lebten. Wenn das Abbild zerschlagen und der Tempel eingeebnet war, verschied auch der Gott. Aber dies war eine neue Idee, dieser Gott der Juden, In den Himmeln hoch über Priestern und Opfern. Und dieser Gott Abrahams, so glaubten die Juden, hatte sie zu ihrem besonderen Volke erwählt, um Jerusalem wieder herzustellen und zur Hauptstadt der Rechtlichkeit auf der Erde zu machen. Sie waren ein Volk, verzückt von ihrem Sinn für eine gemeinsame Bestimmung. Dieser Glaube durchtränkte sie ganz, als sie nach der Gefangenschaft in Babylon nach Jerusalem zurückkehrten. Ist es ein Wunder, daß viele Babylonier, Syrer usf. in den Tagen ihrer eigenen Zerstörung und Unterjochung, und später viele Phönizier, welche faktisch dieselbe Sprache sprachen, und ein Fülle von Gebräuchen, Gewohnheften, Neigungen und Ueberlieferungen gemeinsam hatten, durch diesen begeisterten Kult angezogen wurden und in seine Gemeinschaft und seine Verheißung aufgenommen zu werden . traftMeteB.? Mask dem von .Tyrns, Stdon, Kaitisgo und den phönizischen Städten Spantens verschwinden die Phönizier plötzlich aus der Geschichte, und ebenso plötzlich finden wir nicht bloß in Jerusalem, sondern in Spanien, Afrika, Aegypten, Arabien, dem Osten, wo immer die Phönizier ihren Fuß hingesetzt hatten, Gemeinden von Juden. Und sie alle wurden zusammengehalten durch die Bibel und das Lesen der Bibel. Jerusalem war von Anfang an nur dem Namen nach ihre Hauptstadt. Ihre wirkliche Hauptstadt war dieses Buch der Bücher. Dies ist eine neue Art von Dingen in der Geschichte. Es ist etwas, dessen Samen lange vorher ausgesät worden war, als die Summerler und Aegypter ihre Hieroglyphen in Schrift zu verwandeln begannen. Die Juden waren ein neues Ding. Ein Volk ohne König und bald auch ohne Tempel (denn, wie wir bald erzählen müssen, wurde Jerusalem Im Jahre 70 v. Chr. zerstört), das zusammengehalten und aus verschiedenartigen Elementen zusammengeschweißt wurde durch nichts als durch die Macht des geschriebenen Wortes. Und diese geistige Zusammenschweißung der Juden war weder geplant noch vorhergesehen, noch vollzogen, weder von Priestern, noch von Staatsmännern. Nicht allein eine neue Art von Gemeinschaft, sondern eine neue Art Mensch tritt mit der Entwicklung der Juden In die Geschichte. In den Tagen Salomons schienen die Juden ein kleines Volk ganz wie andere kleine Völker jener Zelt zu werden, die sich um Hof und Tempel zusammenballten, regiert von der Weisheit der Priester und geführt vom Ehrgeiz der Könige. Aber alsbald trat, wie der Leser aus der Bibel lernen kann, diese neue Art Mensch, von der wir sprechen, der Prophet, in Erscheinung. Als Unruhen rings um die geteilten Hebräer sich häuften, wächst die Wichtigkeit dieser Propheten. Was waren diese Propheten? Sie waren Männer des verschiedensten Ursprungs. Der Prophet Ezechiel stammte aus der Priesterkaste und) der Prophet Ammos trug den Ziegenfellmantel eines Schafhirten. Aber alle hatten dieses gemeinsam, daß sie niemandem als dem Qott der Rechtlichkeit Ergebenheit schuldsten, und dej sfe direkt mm Voifee