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Die Wahrheit · 1925-03-06 · Heft 9 (6.3.1925) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 9 (6.3.1925)
Date
1925-03-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 DIC WAHRHEIT sMjitf «r. 9 Die preussischen Landesverbandswählen.*) Von Dr. Bruno Weil, Vorstandsmitglied des „CentralVereines", Berlin. Die außerordentlich heftige Kampfstimmung, die die Wahlen zum Landesverband beherrschte, ist abgeebbt; betrübliche Erscheinungen aller Art, die in scheußlicher Verunglimpfung von Glaubensgenossen untereinander ihren Höhepunkt erreichten, gehören der Vergangenheit an. Diskussionsreden. Zwischenrufe, Sprengkolonnen und Tätlichkeiten, die zum Eingreifen der staatlichen Organe führten, sind zu Ende; ihre höchst unangenehme Erinnerung wird noch lange in unserem Gedächtnis leben, aber die Unmittelbarkeit des Geschehens ist vorbei, und im Zeitablauf heben sich die Konturen des Gewesenen und des Werdenden schärfer ab. Der „Centratverein" ist in den Wahlkampf mit einer vollkommen eindeutigen, für die Religionsgemeinde und damit gegen den Zionismus gerichteten Parole eingetreten. Die Ergebnisse haben bewiesen, daß diese Wahlrichtung innerlicher und äußerlicher Notwendigkeit entsprach. Man hätte die Einstellung auch dann für richtig gehalten haben, wenn sie nicht mit einem vollkommenen Siege geendet hätte und wir betrachten sie nicht allein des äußeren Umstandes willen als gerechtfertigt, daß die Front aller religiösen Lager gegen .Volksgemeinde und restlose Hebraisierung einen außerordentüeheii Erfolg davongetragen hat Denn KUNDMACHUNG An die Judenschaft! Im Bestreben, selbst den allerstrengsten Anforderungen bezüglich der rituellen Zubereitung meiner Mazzoth m^D Genüge zu leisten, ist es mir heuer gelungen, den weltberühmten orthodoxen Oberrabiner Chaim 3izcrok Seruchem aus Altstadt für die Oberaufsicht(Haschgachah) meiner Mazzoth-Bäckerel zu gewinnen. Ich habe meinen Betrieb durch Einstellung neuer, patentierter Maschinen bedeutend vergrößert und werden die Mazzoth auch hygienisch in der erdenklich sorgfältigsten Weise hergestellt. Mazzoth und Mazzoth-Grieß sind bei mir heuer erzeugt und garantiert frisch zu haben und werden auf Wunsch auch prompt in die Provinz versendet. Orthodoxe Mazzoth-Bäckerei H. STRVm, Wien II., Rotensterngasse 11, Tel. 47-7-17. -) Verspätet eingelangt. auf die 124 Abgeordneten der LandesT Versammlung kommen insgesamt 33 Vertreter der zionistischen Anschauung, wobei die beiden gewählten Po ale-Zionisten noch der Mutterpart-ei zugezählt sind. Man wird keinen Anstand nehmen, diese Zahl der zionistischen Ver- Priester und Propheten in Judea. (Aus „Kurze Weltgeschichte", „A Short History of the World".) Von Ii. G. Wells. . H. G. Wells, einer der wenigen wirklichen Schriftsteller Europas, ist erst in letzter Zeit als das bekannt geworden, was er wirklich ist: einer der großen ernsten Kritiker menschlichen Zusammenlebens. Er hatte das Unglück, da er spannend und mit prachtvoll konstruktiver Phantasie zu erfinden und zu erzählen versteht für einen Unterhaltungsautor gehalten zu werden. Sein Erfolg —ein legitimer Erfolg _ steht bei angelsächsischen Leservölkern ebenso sehr auf seiner sozialistisch-kulturkritischen Bedeutung wie auf den glänzenden Fabeln seiner Romane und Novellen. Erst als er, sozialistischer Unterhauskandidat der Londoner Universität, mit seinem Buch über die Washingtoner Konferenz hervortrat (deutsch bei Kurt Wolff, „DieHoffnung auf Frieden"), merkte man auch hierzulande, daß hinter jedem seiner utopischen Romane ein warnender und durchschauender Geist am Werke war. Eben ist bei Tauschnitz, Nr. 4598. aber noch nicht deutsch, seine „Kurze Weltgeschichte" erschienen, gesehen mit den Augen eines Naturwissenschaftlers und Soziologen, die den Versuch einer wirklichen Geschichte der Menschen auf der Erde darstellt, bei der Beschreibung des Planeten „Erde" im Weltraum beginnt und mit den Konferenzen nach dem Versailler Vertrag endet — ein Wurf von 250 Seiten in 72 kurzen Kapiteln, nur ein Versuch, aber ein prachtvoller. Wir geben hier eines derjenigen (das XXII.), die sich mit den Juden befassen, um in dem Tosen des Geschreis, das unsere Vergangenheit zu schänden sich bemühen darf, die Stimme eines Mannes laut werden zu lassen: Der Untergang Assyriens und Babylons war nur die erste einer Reihe von Katastrophen, die den semitischen Völkerschaften zustoßen sollten. Im 7. Jahrhundert v. Chr. hätte es scheinen können, als ob die ganze zivilisierte Welt von semitischen Herrschern regiert werden sollte. Sie beherrschen das große assyrische Reich, sie hatten Aegypten erobert; Assyrien, Babylonien und Syrien waren semitisch und hatten Sprachen, die untereinander wechselweise verständlich waren. Der Handel der Welt lag in semitischen Händen. Tyrus und Sidon, die großen Hafenstädte der phönizischen Küste, hatten Kolonien ausgestreut, die schliäßlich in Spanien, Sizilien und Afrika größer wuchsen als die Mutterstädte. Karthago, vor 800 v. Chr. gegründet, war zu einer Bevölkerung von mehr als einer Million angewachsen. Es war für einige Zeit die größte Stadt auf der Erde. Seine Schiffe gingen nach Britannien und in den Atlantischen Ozean hinaus. Sie können möglicherweise Madeira erreicht haben. Wir haben bereits verzeichnet, wie Hiram mit Salomon zusammenarbeitete, um auf dem Roten Meer Schiffe für den arabischen und vielleicht für den indischen Handel zu bauen. Zur Zeit des Pharao Necho umsegelte eine phönizische Expedition ganz Afrika. Zu jener Zeit waren die arischen Völker noch Barbaren. Nur die Griechen waren dabei, auf den Ruinen der Kultur, die sie zerstört hatten, eine neue zu errichten, und die Meder waren daran, in Zentralasien „furchtbar" zu werden, wie eine assyrische Inschrift sie nennt. 800 v. Chr, hätte niemand prophezeien können, daß noch vor Anbruch des Jahres 300 v. Chr. jede Spur semitischer Herrschaft durch arisch sprechende Eroberer weggewischt sein würde, und daß überall die semitischen Völker entweder Untertanen oder Tributpflichtige oder ganz und gar verstreut sein würden, Ueberall, ausgenommen in den nördlichen Wüsten Arabiens, wo die Beduinen unveränderlich der nomadischen Lebensweise anhingen, der alten Lebensweise der Semiten, bevor Sargon I. und seine Akkadier hinabstiegen» um Summerien zu erobern. Aber die arabischen Beduinen waren auch niemals durch arische Herren besiegt worden.

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