Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 8 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Anzahl Juden. Niemand hat sich gründlicher bemüht, die jüdische Jugend in die Arme der Revolution zu treiben als die russische Regierung seu Alexander III. mit ihren Ausnäbmegsefzen und Plackereien . . . Jüdische Emigration ans Niederöst^rreich nach Mähren. Von Dr. Theodor Haas, Advokaten in Brünn. Wenn wir auf einer Landkarte die Lage der alten Judengemeinden Mährens betrachten, finden wir eine sehr ungleichmäßige Verteilung derselben im Lande. Es läßt sich feststellen, daß die Juden hauptsächlich im Innern des Landes angesiedelt waren, während die Grenzgebiete bis auf das südliche nur spärlich von Juden besetzt waren. In welcher Weise sich diese Verteilung der einzelnen Judengemeinden im Lande entwickelte, läßt sich nicht einheitlich und auch nicht im Rahmen eines einzigen Aufsatzes schildern; denn ungefähr jede Judengemeinde hatte ihren eigenen Entwicklungsgang, aufgebaut auf verschiedenen Grundlagen, hauptsächlich auf landesfürstlichen Privilegien an die Grundherrschaften zur Aufnahme einer bestimmten Anzahl von Juden. Hieraus haben sich die einzelnen Judengemeinden und in weiterer Folge die Kultusgemeinden herausgebildet. Wenn wir nun die Judengemeinden der einzelnen Grenzgebiete betrachten, so finden wir nach Westen, gegen Böhmen zu, als die am weitesten vorgeschobenen Judengemeinden nördlich von Iglau, welche Stadt als westlichster Punkt des südmährischen Grenzgebietes angesehen werden kann, die Gemeinden Groß-Meseritsch, Lomnitz, Boskowitz, Gewitsch, von welcher Gemeinde bei Neueründung der Kultusgemeinden im Jahre 1892 der Kultussprengel Zwittau abgetrennt wurde, schließlich schon nach Nor^mähren übergreifend, die ehemals stark bevölkerten, nunmehr bereits sehr verödeten Judengemeinden Loschitz und Aussee. Der Sprengel der letzteren Gemeinde umfaßt das ganze deutsche Gebiet Nordmährens. Nach Osten, gegen das ehemalige Ungarn zu, finden sich als am meisten ins Karpathen?ebiet vorgeschoben die alten Judengemeinden Ung.-Brod, Holleschau und Mähr.-Weißkirchen. Die Sprengel dieser Judengemeinden reichten auf kulturellem Gebiete bis an die Landesgrenze und erst bei der Neuorganisierung der Kultusgemeinden im Jahre 1892 wurde PESSACH «ailcc-Znsdii laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Ober-Rabbiner Simon Schreiber au Erlau IVO verlfiflliclft t>?3 auch heuer wieder in garantiert reiner und ausgiebiger Oua liltti zu haben bei Heinricii f ranch sonne in Hosice Diese Fabrik steht unter Oberaufsicht des Herrn Oberrabbiner Simon Schreiber und unter ständiger Kontrolle eines von Sr. Ehrwürden ernannten frommen jüdischen Aufsehers, so daß ihre sämtlichen Erzeugnisse verläßlich koscher sind und also von jedem Glaubensgenossen ruhig das ganze Jahr hindurch gebraucht werden können. " Beachten Sie beim Einkaufe ja recht genau die sonnzmarife: HArrccnOuc und Unterschrift: neinrkn r&ANCK Söhne wenn Sie die veriaaiich aechte Qualität bekommen wollen! 1 &cUqs I-Ö.OTGA5SE 1 sagen mit Zangen aus ihm gezogenen Antworten ergab sich folgende Darlegung der Angelegenheit: Der Onkel Doktor hatte im Laufe des Abends den ihm seit Jahren befreundeten Stnhlrichter ein paar lustige Anekdoten erzählt, über die dieser sehr gelacht haben soll. Ob darum, weil der Onkel ausnahmsweise die Pointe verständlich herangebracht hatte orfer iust darum, weil dies rtfcM der Fall war, .tas weiß ich nicht. Genug, der Stuhlricbter hatte herzlich eHricht, dann iertoch soäter mit Rührung dem Onkel gesäet, es gebe leider auch' sehr traurige Dincre in der W^H. So z. B. wären i" seiner Nachbar«;r>hnft zwei Familien* eine christliche und eine iiitdische. die zusammen nenn Kinder zahlen, von-- der Delo^'ernn? bedroht, da ihr hartherziger Hausherr, der sie längst gerne ans dem Hannse h^tte. ihnen m>M länger die schuldige Miete, dreihundert Gulden. senden wolle. Der Sruhlrichter, der von diesem Schicksal mit Ergriffenheit eesnrochen, war also zweifellos ein Mensch, der Herz hat. Beim Wegsrehen hatte der Onkel, einem plötzlichen Einfall gehorchend, probieren wollen, wie ihn ein schöner Hut kleiden würde. Der Hut des Stiihlrichters, dessen Name auf dem Seidenfutter angebracht war, paßte dem Onkel ausgezeichnet. Bevor er den Hut wieder auf seinen Platz zurückgeben konnte, vernahm er Schritte und in seiner Verlegenheit, so überrascht zu werben, entfernte er sich rasch mit dem Hute auf dem Kopfe, aber mit vter bestimmten Absicht, in aller Gottes früh dem Stuhlrichter den Zylinder mit einer Entschuldigung wegen der unbeabsichtigten Verwechslung zurückzusenden. Zu Hause angelangt, erwartete den Onkel Doktor ein Wagen, der ihn in ein benachbartes Dorf führte. Fr dachte ietzt wur an die Kranke und erinnerte sich erst am dritten Tage wieder an den vertauschten, zu Hause sorgfältig in einem Schranke geborgenen Zylinderhut. So gut dem Onkel Doktor der Hut paßte, so unpassend schien ihm die verspätete Zurücksendung. War es weht eine höhere Bestimmung, daß er doch bei der Hochzeit in einem repräsentablen Hut erscheine, dessen Beschaffung er bisher versäumt hatte? Vielleicht, bedachte er, hätte es auch dem legitimen Eigentümer des Hutes widerstrebt, einen Hut aufzusetzen, den ein anderer tagelang bei sich behalten. Kurz, der Onkel Doktor kam mit der ihm eigenen Logik zu dem Ergebnis, es sei schicklicher, daß er den Hut nicht in natura seinem Eigentümer wieder erstatte, sondern in barem Oelde die Kosten desselben ersetze. Schrat-