Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 7 (20.2.1925)
- Date
- 1925-02-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Die WAHRrim Seite H Von Woche zu Woche Jüdischer Sammeltag. Die Zeit des Jammers und des Klagens ist vorbei. Wohl ist die wirtschaftliche Krise in Oesterreich noch länge nicht abgeklungen und es gibt sogar genüg Schwarzseher, welche behaupten, daß es in kurzem noch trister werden dürfte, jedoch der wirtschaftliche Zusammenbruch hat das Stadium des Ereignisses schon lange überschritten, die allgemeine wirtschaftliche Not ist zu einer langwährenden Plage geworden, in die man sich zu schicken und einzufügen hat Die jüdische soziale Fürsorge hat es, so schwer es auch war, unternommen, sich den neuen Verhältnissen auzupassen, es mußte nun einmal als Tatsache hingenommen werden, daß alle Fonds, die früher den Rückhalt der einzelnen Fürsorgeinstitutionen bildeten, dauernd entwertet sind und daß die in der Nachkriegszeit so große Auslandhilfe versiegt ist. Manches jüdische Fürsorgeinstitut ist durch diese Tatsachen zur Auflösung verurteilt worden und diejenigen, die bestehen geblieben sind, mußten vielfach ihre Tätigkeit einschränken; als Beispiel sei nur angeführt, daß ein Waisenhaus, welches früher sechzig Kinder befürsorgte, derzeit nur zwanzig Kinder befürsorgen kann und das Haus nur durch Zusammenlegung mit einem anderen Institut wieder voll ausgenützt werden konnte. Die vielen Bekleidungs-, Ausspeisungs- und anderen Fürsorgevereine mußten ihre Tätigkeit auf ein Minimum einschränken. Eine Einschränkung, welche die heutige Notlage eigentlich erfordert, wurde nirgends durchgeführt: die Verköstigung und sonstige Lebenshaltung der in Instituten untergebrachten Schützlinge wurde überall auf der alten Höhe zu halten gesucht. Diese Aufgabe allein verlangt eine solche finanzielle Anstrengung der einzelnen Fürsorgevereine, daß die meisten verschuldet und vom Zusammenbruch bedroht sind. Gleichzeitig gibt es aber Tausende Fürsorgebedürftige, die nirgends ausreichende Hilfe finden können. Vor allem suchen sich nun die einzelnen Institutionen auf den verschiedensten Wegen finanziell zu konsolidieren, jedoch fast überall erweisen sich die Kräfte als zu schwach, deshalb konnte man in den letzten Jahren einen lebhaften Zug zur Vereinigung aller Fürsorgeinstitutionen und Vereine beobachten. Die Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge, in deren Rahmen diese Vereinigung erfolgt ist, vertritt nun nahezu sämtliche jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen, alle Waisenhäuser, das Blindeninstitut. das Taubstummeninstitut, die Lehrlingsheime, die Erholungsheime für Kinder und Erwachsene, fast alle Ausspeisungs-, Bekleidungs-, Kranken- und Greisenunterstützungsvereine sind ihr angeschlossen. Diese Körperschaften sind eigentlich die Veranstalter des behördlich bewilligten Sammeltages der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge, welcher am 22. und 23. Februar abgehalten wird. Jüdischen Waisen, Blinden, Tauben, Greisen und Kranken gilt es Hilfe zu bringen und da die Sammlung nur unter Juden erfolgen soll, so möge sich jeder bewußt sein, daß er für sein eigen Fleisch und Blut gibt, für das von nirgend anderswo Hilfe zu hoffen ist. Jeder Jude muß an diesen beiden Tagen seine Pflicht erfüllen, die Mithilfe aller Juden ist notwendig, soll die jüdische soziale Fürsorge tatsächlich konsolidiert werden. E. A. Ein- und Austritte aus dem Judentum. Im Monate Jänner 1925 haben 21 Austritte aus dem Judentum stattgefunden und 32 Eintritte, darunter 16 Rücktritte. Im Jahre 1924 fänden-857 Austritte statt gegen 1235 Austritte im Jahre 1923; so daß die Austritte im Jahre 1924 sich um 357 vermindert haben. Die Zahl der Eintritte war im Jahre 1923 316, im Jahre 1924 318. Jubilaumsieier. Der Israel. Tempelverein für die Bezirke Wieden und Margareten feierte vor kurzem die 50. Wiederkehr des Tages, an dem ein kleines Häuflein glaubenstreuer Juden unter den schwierigsten Verhältnissen und mit den bescheidensten Mitteln ein kleines Bethaus zur Verrichtung ihrer Andacht gemietet und gleichzeitig den Tempelverein gegründet hat. Aus diesem Anlaß fand-Sonntag, den 15. d. M. um 10 Uhr vormittags ein feierlicher Festgottesdienst unter außerordentlicher Beteiligung weiter Kreise des Wiener Judentums statt. Im dem festlich geschmückten Tempel, dessen geschmackvolle, vornehme Dekoration vom Vereinsmitgliede Herrn Samuel Mandl in liebenswürdiger Weise ausgeführt wurde, hauen sich nebst dem Gesamtvorstand unier Führung des seit 42 Jahren an der Spitze des Ver^mes stehenden hochverehrten Präsidenten Herrn Adolf fto.fmann und dem Festkomitee) u. av eingefunden: für die israelitische Kultusgemeinde deren Präsident General-Stabsarzt Prof. Dr. A. Pick. Oberrabbiner Dr. H. P. Chajes, für die Chewra Kach'scha .Vorstandsmitglied Josef Don an, . za hli eiche Vertretungen von Tempelvereinen, darunter für den VI. Bezirk Dr. Jakob Engel, für den VIII. Bezirk Ludwjg Medak, für den IX. Bezirk Börsenrat Ignatz Glü^lc, für den Bezirk Oberkantor Schlesinger,' für den XIII. Bezirk Ingenieur Wortsmann und Herr Altk$r», für ^Machsike Thora" Samuel Safran, für die Storchen - Schul die Herren jK> eisler und W e i n b e r ge rr . -der Obmann der Bezirkskommission Dr. Ernst F r i e dju h &. Bezirksrat Gustav HirschfeId. der Frauenwphltätigkeitsverein unter Führung seiner Präsidentin Frau Karoline ttofmann, ferner die Herren Dr. Heinrich Ältmann. Direktor Ignatz Mehrer. Komm.-Rat Philipp Wein, Komnv-Rät Friedrich Wiener und viele andere. Die weihevolle Feier wurde durch ein Orgelpräludium, in welchem die einschmeichelnden, zu Herzen gehenden Töne des Cello besonders auffielen, das von dem jungen Erich Schlös Inger, einem begabten aufstrebenden Talent, meisterhaft zu Gehör gebräche wurde, und durch ein Ma tauwu des jungen Oberkahtors G w i 11 m a n n eingeleitet, der in meisterhafter Weise don schönen Gesang mit Chor und Orgelbegleitung zum Vortrag brachte. Hierauf erfolgte die Begrüßung der anwesenden Festgäste durch den verdienstvollen Präsidenten Herrn Adolf Hof mann, der gleichzeitig ein Bild von der Entstehung des Tempels gab, an dessen Wiege er nebst den Heften Komm.-Rat Friedrich Wiener, Komm.-Rat Hacker und Franz Frankl s. A. gestanden. Diesen Herren gelang.es, unterstützt durch persönliche und materielle Opfer der Mitglieder und Gönner, im Jahre 1910 das schöne Gotteshaus zu errichten, welches nicht nur Erbauung und Trost den Gläubigen spendet, sondern auch den Mittelpunkt aller jödischen Bestrebungen unserer Glaubensbrüder in den beiden Bezirken bildet. Präsident Hofmann, dem das Verdienst an diesem großen Werke in erster Linie gebührt, erwähnte auch die rastlose Tätigkeit des Kantors Philipp Bassel, der seit Beginn in dem Dienst des Tempelvereines steht und noch heute dort zur Freude seiner zahlreichen Freunde wirkt» so daß er im April dieses Jahres sein SOjähriges Dienstjubiläum zugleich mit seiner goldenen Hochzeit feiern wird. Nach dem Vortrag des „Lobet den Herrn" des Kapellmeisters Bernhard V a j d a, der mit Prof. S. B r a s 1 a v s k y die musikalische Leitung des würdevollen Festgottesdienstes innehatte, durch den besonders guten Chor mit Orgelbegleitung betrat Rabbiner Dr. M. G. M e h r e r die Kanzel, um mit seiner Festrede, die wir an anderer Stelle vollinhaltlich veröffentlichen, alle Anwesenden zu begeistern. Den Rest des geschmackvoll zusammengestellten Programmes bildeten synagogale Vorträge des Chores und Einzelvorträge der Oberkaniroren Gwillmann, des allgemein beliebten Herrn G. Marguli e s und Herrn S. Weiß, dessen feiner, einschmeichelndeir Stimme man es anmerkte, daß er den Platz, an dem er 13 Jahre lang gewirkt, gewohnt ist. Um das in jeder Hinsicht gelungene, wahrhaft vornehm schöne Fest haben sich alle Vorstandsmitglieder und das Festkomitee redlich bemüht, insbesondere aber gebührt Anerkennung dem Anreger dieses Festes Herrn Desider W o 11 n e r, ferner den Herren Jac. Herlingier, Dr.. Ad. Pet'ö, Max Spitzer, Moritz König, Wilhelm A1 p e r, Max Boritz, sowie dem künstlerischen Leiter Herrn Direktor M. K. Kaufmann. Das Vereinsmitglied Siegmund Sperber stellte in liebenswürdiger Weise ein kostbares Harmonium zur Verfügung, welches viel zur Weihe des Festes beigetragen hat. Prater Bethaus-Verein „TeiUaih jeschurun". Aus Anlaß der Ueberreichung des Ehrendiploms an den verdienstvollen Ehrenpräsidenten Herrn Bernhard Mayer wird am Samstag, den 21. Februar 1925, J411 Uhr vormittags, im Vereins- Bethause, II., Sebastian Kneippgasse 14, ein F e s t g o 11 e sdienst abgehalten. Chewra Kadischa ftir den 16. und 17. Bezirk in Wien. Am 15. Februar fand die XVI. ordentliche General Versammlung; dieser Körperschaft unter dem Vorsitze des Herrn Medizina!- rates Dr. Jakob Deutsch statt. Demselben wurde von der Versammlung für das ersprießliche Wirken der besondere Dank ausgesprochen und dem Vorstande einstimmig das Absolutorium erteilt. Gleichzeitig wurde das langjährige Vorstandsmitglied, Herr Bethaus vorsteh er Wilhelm Mandl, für