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Die Wahrheit · 1925-02-20 · Heft 7 (20.2.1925) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 7 (20.2.1925)
Date
1925-02-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 7 wie es der Titel anzeigt, der endlose Kampf (pull), dem der Mensch infolge der widerstreitenden Loyalitäten seines Lebens ausgesetzt ist Und die Moral ist, daß engherzige Pärteigängerschaft oder „Loyalty" nicht genügend ist. Dies ist ein Thema und eine Moral, die sich auf das ganze Menschengeschlecht bezieht. Das gewählte Hauptspiel. Jude gegen Christ, ist rein zufällig. Es hätte Ire gegen Engländer oder sonst irgend jemand sein können. Ich bin kein Ire. Ich habe nichts als seit Jahrhunderten rein englisches Blut in meinen Adern. Den vorstehenden Brief erhielt Dr. G. A. Piper mit nachstehendem Schreiben Walther Funders zugesandt Mit Erstaunen habe ich Ihre Kritik über „Die Standestreue" in den Hamburger Nachrichten vom 29. Dezember 1924 gelesen, die jedoch mit der Grundtendenz in einem offensichtlichen! Widerspruch steht. Ihre hier zum Ausdruck gebrachte „zeitgemäß" antisemitische Note wirkte m. E. nicht nur verletzend, sondern auch unangebracht. Zum Zwecke der positiven Beleuchtung Ihres Falles hat man sich, wie Sie aus der einliegenden Kopie des Briefes von John Galsworthy ersehen, an den Verfasser gewandt und ich möchte Sie daher im journalistischen Reinlichkeitsinteresse bitten, nunmehr Ihre irrige Auffassung vom 29. Dezember 1924 öffentlich zu bekennen. Sollte jedoch Ihre Ansicht über den Charakter der;,Standestreue" spezifisch antisemitisch gemeint sein, so glaube ich' in diesem Falle die Beurteilung Ihrer Persönlichkeit der „Verstandestreue" aller rechtlich Denkenden überlassen zu müssen. Herrn Dr. G. A. Piper ist, wie ich höre, inzwischen in dieser Angelegenheit die Tinte ausgegangen. Ich übergebe deshalb hiermit der Oeffentlichkeit dieses wahre Gesicht des Antisemitismus, weil ich überzeugt bin, daß das Interesse an der Beleuchtung dieses antisemitischen Theaterskandals weit über den Hamburger und deutschen Rahmen hinausgeht. J. L. Tutankhamen soll der biblische Josef sein! Der berühmte Pharao Tutankhamen gibt soeben wieder Anlaß zu einer heuen Sensation. Der amerikanische Aegyptologe Prof. Selikovic vertritt in einem Artikel der „New York World" mit Entschiedenheit die Ansicht, daß der angebliche Tutankhamen niemand anderer sei als der biblische Josef in Aegypten; er gibt dafür folgende Gründe an: Tutankhamen war Regent Aegyptens in der Epoche der 18. Dynastie, deren Regierung in die Zeiten Josefs fällt. Er ließ aus ägyptischen Denkmälern die Namen der verschiedenen Götter ausmeißeln und an ihrer Stelle den Namen einer anderen Gottheit setzen, den manche Aegyptologen „Atel" lesen. Der Professor sagt, dies sei falsch, man müsse „Adon" lesen, was hebräisch „Gott" bedeutet Ein weiterer Beweisgrund ist, daß in dem Grabe keinerlei Totenbuch gefunden wurde. Der Bibel zufolge wurde Josef, der im Alter von 110 Jahren starb, einbalsamiert und in einen Sarkophag gelegt; beim Auszug aus Aegypten nahm Moses seine Gebeine mit Der Gelehrte führt auch eine Talmudstelle an. nach der Josef in Aegypten dreifach wertvolle Schätze versteckt haben soll. Sicherlich war ein Grab das sicherste Versteck. Damit wäre auch die Anordnung aufgeklärt, in der man die Schätze vorgefunden hat Die Juden hätten in aller Eile die Gebeine förtgenommen, die Schätze durcheinandergeworfen und nur eben noch den Zugang zum Grabe zuzudecken versucht Wie man sieht, geht es bei diesen Ausführungen des Professors Selikovic lediglich nur um Vermutungen; immerhin würde es die Vermutung des amerikanischen Aegyptologen sehr wesentlich bekräftigen helfen, wenn etwa Tutankhamens Sarkophag bei seiner Oeffnung wirklich leer befunden werden sollte. Jedenfalls besteht aber kein Grund dafür, weshalb man die Behauptung, daß die Ueberreste Josefs beim Auszug der Juden mitgenommen worden seien, nicht als historische Tatsache ansehen sollte. Wichtig ist dabei insbesondere die Bibelstelle, in der berichtet wird, daß Josefs Leib einbalsamiert und in einen Sarkophag gelegt worden sei, also auf die gleiche Weise bestattet, wie die Leichen der Pharaonen und der Leute aus reichen ägyptischen Familien. Was die Person des Tutankhamen anlangt, so wurde durch verschiedene im Grabe gefundene Darstellungen festgestellt daß es sich um einen jugendlichen Regenten, beinahe noch ein Kind, handelt während Josef in hohem Alter gestorben ist. Das spricht nicht für die andere Hypothese. Nach der endgültigen Eröffnung des Sarkophags wird die ganze Situation klarer sein. Theater, Kunst u, Literatur Eine jüdische Kleinkunstbühne. In der in Nr. 5 unseres Blattes unter obigem Titel erschienenen Notiz heißt es, daß das seit einiger Zeit in Wien gastierende jiddische Kleinkunsttheater „Die g i 1 d e n e Pawe" unter der Führung von Leo Halpern und Mirjam Schnabel-Höflich steht Der Verein „Freie jüdische Volksbühne" ersucht uns um die Feststellung, daß das obgenannte Theater einzig unter Führung von Leo Halpern steht. Vortrag. Am 14. d. M. sprach im Vereine für jüdische Geschichte und Literatur Herr Rabbiner Dr. Moritz Bauer über „Das Problem der Leiden". In formschöner und doch prägnanter Weise wurde zunächst die Stellung der griechischen Philosophie zu dieser Frage gekennzeichnet, die so uralt ist wie die Menschheit. Das sophistische Prinzip: „Unrecht tun ist besser als Unrecht leiden", wird erst von Sokrates umgekehrt. Plato predigt Abkehr vom Sinnlichen — Aristoteles stellt das Ideal des „Hochherzigen" auf, die Stoiker besiegen das Leid durch Beherrschung der Affekte. Nach Verwässerung dieser Lehren durch die Neu-Pytagoräer' ergibt sich die Welt dem Mystizismus, dem Glauben an einen Erlöser. Sinnbild der antiken Auffassung: Laokoon. Ganz anderes, eine höhere Offenbarung beinhaltet die Bibel, Psalmen, Propheten, besonders Hiob, Verklärung durch die Messianische Hoffnung; das Leiden kein Unglück, sondern bedeutsamer Faktor des moralischen Lebens: „Wen Gott liebt, den züchtigt er." Friede in Gott, das Problem im Diesseits unlösbar — Verweisung auf das Jenseits — Gebote der Liebe auch gegen Fremde, vermindern das Leiden der Menschheit, das heute gegen die Vorzeit verschärft erscheint. Mit lebhaftem Beifall dankte ein zahlreiches Auditorium dem Vortragenden für Anregung und Genuß. In der Diskussion gestattete sich u. A. der Referent einige ergänzende Bemerkungen über die Auffassung einzelner Talmudisten und des Maimonides über dieses unerschöpfliche Problem, das auch in der indischen Philosophie (der Vadanta) mit dem menschlichen Solidaritätsprinzip in Zusammenhang gebracht wird. Höchst wünschenswert wäre eine Veröffentlichung derartiger guter Vorträge und ihre Verbreitung bei der studierenden Jugend. Med.-Rat Dr. H. Haase. Wiener Bethamidrasch, IL, Ferdinandstraße 23. Vorträge des Herrn Rabbiners Lektors Dr. G e 1 b h a u s. Sonntag von 5 bis 6 Uhr: Mechilta, Dienstag und Donnerstag von 6 bis 7 Uhr: Historische Psalmen. Maimonides-Institut. Das seit Beginn des Studienjahres bestehende und von Zuhörern aus allen Bezirken stark besuchte Beth-hamidrasch, III., Hetzgasse 40, hat die behördliche Genehmigung erlangt und führt nunmehr den offiziellen Titel: „Maimonides-Institut für religiös wissenschaftliche Studien (Beth-hamidrasch Rambam)". Außer der Veranstaltung von Vorträgen und Kursen hat die Anstalt zur Aufgabe, durch Herausgabe von wissenschaftlichen Schriften zur Verbreitung der Kenntnis der jüdischen Ethik, Religionsphilosophie und und Geschichte beizutragen. Dem Vorstande des Vereines gehören unter anderen die Herren Karl Altmann Osias Juer, Dr. B. Herzig, Hofrat Dr. Emil Riesenfeld, Hirsch Intrater und Kultusvorsteher Med. Dr. Isidor Klaber an. Leiter und Haupt- Dozent am Institut ist Herr Rabbiner Dr. Armand Kaminka, der im laufenden Semester folgende regelmäßige Vorträge hält: Jeden Montag 6—7 Erklärung des Buches Jesaja, 7—8 Maimonides, More Nebuchim; jeden Mittwoch 6—7 Talmud, 7—8 Maimonides, More Nebuchim, jeden Samstag Pentateuch- Vortrag. Herr Dr. Wundermann erteilt dreimal wöchentlich Bibclunterricht an Studierende. Die Veranstaltung von weiteren Vcrtrags-Zyklen und Kursen wird für die nächste Zeit geplant. Die Anmeldung von neuen Teilnehmern und Förderern ist an Herrn Intrater, III., Obere Weißgärberstraße 24 (Tel. Nr. 43.703) oder an Herrn Josua Dresdner, II., Negerlegasse 1 (Tel. Nr. 44.742) zu richten. i&MG<$ I- ROTGASSE -1

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