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Die Wahrheit · 1925-02-20 · Heft 7 (20.2.1925) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 7 (20.2.1925)
Date
1925-02-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr. 7 stücken begegnet man dien der Wirklichkeit abgelauschten rührenden Gestalten der Uniglücklichen, die im „Ausgeding" ihren Kindern als Last erschienen und demgemäß grausam behandelt wurden. Nun hat sich vor Gericht eine ähnliche ergreifende Szene abgespielt deren traurige Helden diesmal jutjen waren. Jetzt hört man nur die wirklich redlich gemeinten Ausrufe: „Unerhört!", „Daß so etwas bei Juden vorkommt!" * * * Der Jockei-Klub hat in der letzten Zeit wiederholt die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und insbesondere hat der Schal! hocharistokratisoher Ohrfeigen ein Echo gefunden, das selbst bis in die geheiligten Räume der Themis drang. Einige Aristokraten, eifrig bemüht, das Interesse für die Vorgänge im Jockei- Klub nicht einschlafen zu lassen, haben rasch die Idee gefaßt, durch die Ballotierung des Barons Springer, eines Schwagers des Barons Rothschild, eine gesellschaftliche Sensation zu schaffen. Die moralische Ohrfeige, die Baron Springer erhielt, soll eigentlich den Baron Rotschild treffen, der den unverzeihlichen Fehler hat, ein! Jude zu sein. Streng legitimistisch gesinnte Aristokraten sollte zwar die Erinnerung, daß Kaiserin Elisabeth eine sogar streng fromme Baronin Rothschild geradezu als ihre intimste Freundin bezeichnet hat, nachsichtiger gegen das jüdische Bekenntnis deri Rothschilds stimmen. Man hört in der Tat, daß hocfoangesehene Mitglieder des Jockei-Klubs die Attacke gegen das Haus Rothschild mißbilligen und aus dem Klub austreten' wollen. Manche vermuten allerdings, daß der * Jockei-Klub auch einige Mitglieder zählt, die nicht gegen die gläubigen Rothschilds, sondern gegen die Rothschilds entweder als Gläubiger verstimmt sind oder, was noch schlimmer ist, es diesen verübeln, daß sie nicht ihr Gläubiger werden wollen. * :* * Der „Hamme r", ein antisemitisches Hetzblatt, diem man viel zumuten darf, hlat sich in seiner jüngsten Nummer zu einer Leistung emporgeschwungen, die geradezu imposant ist In vierundzwanzig Zeilen hat er sechs Behauptungen aufgestellt, von denen eine ebenso verlogen wie die andere ißt. Die erste Behauptung lautet: Die deutsch - geschriebenen Judemblätter hatten es nicht versäumt, den Fall H a a r m a n n als einen „Beweis des deutschem! Barbarismus" hinzustellen. Lüge! Nein, so . blöd und infam ist kein „Judenblatt", daß es aus einem vereinzelten Fall, aus der Tat eines zweifellos krankhaft veranlagten Scheusals solche Folgerungen ziehen würde. Zweite Behauptung: Die Zionistenpresse hätte darauf hingewiesen, daß unter den Juden kein einziger zu finden wäre, der derartige Mordtaten auszuüben fähig wäre. Lüge! Der dtamste Jude ist noch so gescheit, um zu wissen, daß eine solche Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist. Der als Jude geborene Samuely, der zur Zeit des kommunistischen Terrors in Ungarn mit sadistischer Wollust sich an den Qualen seiner christlichen und auch jüdischen Opfer ergötzte, wird von den Juden sicherlich auch als eine Art Haarmann gewertet. Dritte Behauptung: Die „Weltpresse" hätte sich in Wonne darob gewälzt, daß Lederer ein Horthy- Offizier war. Lüge! Wenn solche grausame Mörder bei Juden ein Gefühl der Wonne hervorrufen könnten, dann kämen sie wirklich schon seit langem nicht aus einem Freudenrausch hinaus. Plötzlich wäre die „Judenpresse" verstummt, denn es hätte sich herausgestellt, daß Lederer ein getaufter Jude sei. Lüge! (Diese fünfte Lüge ist um So schändlicher, als sie nicht einmal ein ungarisches Antisemitenblatt zu riskieren wagte.) Sechste Behauptung: Lederer aß das Fleisch des erwiesen ermordeten „Goj" nicht, weil er nur „koscher" aß! Für diese sechste Lüge möchte ich aus angeborenem Rechtsgefühl einen Milderunigsgrund gelten lassen. Sie ist nämlich so blödsinnig, daß man es begreiflich fände, wenn das Blatt eine Titeländerung vornähme. Es sollte sich von nun an „D e r Cliamme r" nennen. * * * Die Menschenfresser sind wirklich keine deutsche Spezialität. In Trebitsch beschäftigen sich die Behörden gegenwärtig mit ähnlichen Subjekten, die wirklich schon wegen ihrer Abstammung nicht als Vertreter des „deutschen Barbarismus" hingestellt werden könnten. Auch den Trebitseher Unholden wird zur Last gelegt, daß sie nicht nur gemordet, sondern auch Handel mit Menischenfleisch getrieben haben. Ich bin überzeugt, daß die fanatischen Antisemiten, die möglicherweise ahnungslos sich das Fleisch der abgeschlachteten polnischen Juden munden ließen, nachträglich dies aufrichtig bedauerten. Vielleicht werden sie jetzt überhaupt aufhören, Judenfresser zu sein. * * * Wieder wurde in Budapest ein Urteil gefällt, aus dem ersichtlich ist, wie peinlich manche ungarische Richter darauf bedacht sind, daß das Ansehen Ungarns gewahrt wird. Der Chefredakteur des „Vilag" hatte in eiinem Artikel betont, daß der Numerus clausus Ungarn keine Ehre mache, und bedauert, daß in Ungarn Mörder auf freiem Fuß' sich befinden.. Der Staatsanwalt und der Richter erblickten in diesen Behauptungen ein Verbrechen gegen das Anisehen Ungarns von dem Auslande. Der Redakteur bekam einen Monat Arrest, während er eine Million Kronen zu zahlen hat. Vergebens wies er darauf hin, daß in! Rumänien Staatsmänner und! Professoren erklären, die Einführung des Numerus clausus würde katastrophale Folgen für den moralischen und materiellen Kredit Rumäniens bringen. Vergebens wies er daruf hin, daß ein ungarischer Staatsanwalt — Moldovanyi — sogar im Gerichtssaale erklärt habe, das Gewissen Hejjas' sei mindestens von 54 Mordtaten belastet. Vergebens zitierte er die Namen der Helden, die bei Keeskemet an 64 Mordtaten sich beteiligten, aber amnestiert wurden. Alles umsonst. Die Richter fanden, daß etwas für das Anisehen Ungarns geschehen müsse. Der Numerus clausus ist eingeführt. Mörder, deren Taten keine Amnestie ungeschehen machen kann, gehen nicht nur frei herum, sondern werden gefeiert und bejubelt, da müssen halt wenigstens zur Rettung des Ansehens Ungarns die-

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