Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 7 (20.2.1925)
- Date
- 1925-02-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064022-3064029--13458-3080964- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Košice 1× ep/1000233
OCR text
Nr. 7 Dl£ WAHRHEIT Seite 3 rufsvorbereitung haben nicht, nur in der Beratung, sondern auch irn - Budget einen ansehnlichen Platz eingenommen'. Gesinnungen sind! billig, nur Taten zeigen 'von dem Ernst, mit dem Menschen für die Sache einstehen. Und diesen Ernst haben die deutschen Zionisten vollauf bewiesen, was wir selbst als Gegner anerkennen müssen. Wir haben zu Beginn (unserer Artikelserie darauf hingewiesen, daß die Probleme des Zionismus letzten Endes auch uns bewegende sdnd. Auch wir können sie ktf die Formen „Revision unid Konzentration" kleiden. Höchstens, daß uns das Problem des Völkerbundes von unserem Standpunkt aus erspart bleibt. Aber Palästina, Jewish Agency und geistiger Ausbau unserer Organisation sind auch unsere Fragen und diese hiermit zur Diskussion zu stellen, war Aufgabe meiner Artikelserie. mmm Glossen. Die-beiden Brüder, die mit ihrem 89jährigem Vater vor dem Richter erschienen, weil jeder wollte, daß der andere einen größeren Beitrag für die wohl nur kurz bemessene Lebenszeit dies Greises leiste, haben einen Schrei der Fassungslosigkeit und der Empörung hervorgerufen. Ich möchte beiden Herrn das Kompliment machen, daß »sie durch ihr Auftreten den Juden eigentlich zu großen Ehren verholfen haben. In unzähligen Romanen und Theater- PESSMn Haffcc Zusatz laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Ober-Rabbiner Simon Schreiber au Erlau wmtIÄÄMcI» auch heuer wieder in garantiert reiner und Qu« 1 i rf ü tf zu haben bei Heinrich rraiHk SOhne in Kosice Diese Fabrik steht unter Oberaufsicht des Herrn Oberrabbiner Simon Schreiber und unter ständiger Kontrolle eines von Sr. Ehrwürden ernannten frommen jüdischen Aufsehers, so daß ihre sämtlichen Erzeugnisse verläßlich koscher sind und also von jedem Glaubensgenossen ruhig das ganze Jahr hindurch gebraucht werden können. Beachten Sie beim Einkaufe ja recht genau die Sdiulzmarhe: KAFFEEMÜHLE und Unterschrift: Heinrich FRANC« Söhne wenn Sie die verläßlich aechte Qualität bekommen wollen! Kfl stochern, sonst hättest Du Dich in solche Ausgaben nicht gestürzt," meinte die Tante Doktorin. Nun miuß zur Entschuldigung des Onkel Doktor gesagt werden, daß es nicht die Kosten für den Zyliinderhut waren, die ihn vom Kaufe abhielten, sondern die Mühe der Anprobe; er sollte 30 Hüte auf den Kopf setzen und probieren, bis ihm einer paßte, diazu konnte er sich nicht entschließen. Es hätte ihm der Kauf eines Zylinderhutes auch eine Reise nach R. gekostet, denn im Provinzstädtchen, in welchem mein Onkel seine Praxis ausübte, gab es zu jener Zeit noch keine Herrenmodegeschäfte; seine Patienten waren ihm aber mehr ans Herz gewachsen als der moderne Hut Mein Onkel gelangte aber dennoch zu einem neuen, modernen Zylinderhut; auf welche Art er in den Besitz eines solchen gelangte, will ich erzählen. In W., meinem Heimatsstädtchen, lebte Fabrikant Starke, der sich mit der Erzeugung landwirtschaftlicher Maschinen beschäftigte und dem es gelang, von kleinen Anfängen zu einer großen Fabrik sich emporzuschwingen. Mein Onkel war nicht nur Faibriks-, sonldern auch langjähriger Hausarzt und Vertrauensmann der Familie Starke. Zu dieser Zeit feierte Starke seine Silberhochzeit und das fünfundzwanzigjährige Bestehen seiner Maschinenfabrik. Mit der Jubelfeier war eine ganze Reihe von Festlichkeiten verbunden, welchen auch mein Onkel beigezogen wurde. Meie Vetter, der junge Arzt, ein hervorragender Musiker, hatte zur Feier einen Marsch komponiert, den die Tochter des Hauses am Abend zum Vortrage bringen sollte. Die Notabein aus dem ganzen Bezirke waren zur Soiree am Abend geladen und an die hundert Zylinderhüte fanden in der Garderobe Unterkunft. Onkel Doktor hatte seine Angströhre aufgesetzt, der Scholesch-regolim-Rock ohne Seidenhut war doch ein Widerspruch in sich selbst, eine contradictip in adjecto, wie Onkel Doktor zw sagen beliebte. Die Oesellschaft war sehr animiert. Der Hochzeitsmarsch des Doktor-Komponisten fand rauschenden Beifall, Onkel Doktor war eitel Wonne. Allein so reiche Ehren dem Onkel auch erwiesen wurden, länger als bis gegen 10 Uhr abends konnte keine Gesellschaft ihn fesseln. Zu dieser Stunde empfahl er sich englisch. In der Garderobe war keine dienende Seele zu finden, die Zeit war ja noch nicht vorgeschritten und die Diener waren beim Abendessen in den Dienstwohnräumen. Onkel Doktor hatte seinen Oberrock und Stock bald entdeckt, den Zylinderhut aber setzte er nicht auf, er ließ ihn auf dem Haken hängen, sondern stellte sich vor den Toilettespiegel im Vorraum und1 probierte dfie Zylinderhüte, bis er einen neuen, modernen Hut fand, der ihm zu Gesicht stand, dann ging er seines Weges. Tags darauf erzählte Starke dem Onkel Doktor, daß er dem Stuhlrichter einen Hut zur Heimfahrt überlassen mußte; eine alte Angströhre, die einer der Herren gegen seinen neuen Zylinder eingetauscht, wollte er nicht aufsetzen. Bei der Hochzeit seines Aeltesten erschien Onkel Doktor mit einem neuen, pickfeinen, modernen Zylinderhut, worüber Tante nicht weniger erstaunt war, später erst erzählte er, durch welch glücklichen Einfall er in den Besitz des Zylinderhutes gelangte.