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Die Wahrheit · 1925-02-13 · Heft 6 (13.2.1925) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 6 (13.2.1925)
Date
1925-02-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 6__________DIE WAHRHEIT ____ Seite 9 Wenn der Rassenhaß auf die Berge steigt. Wir lesen in der „Vossischen Zeitung" aus der Feder Dr. med. Heuslers: An der Pforte einer Alpenhütte klopfen zwei müde Wanderer an, der erste ist Freud, der Schöpfer der Psychoanalyse, der zweite ist Arnstein, der Chefkonstrukteur des Amerika- Zeppelins. Es wird ihnen eröffnet: „Juden werden hier nicht aufgenommen, Ihre Erfindungen sind internationales Teufelswerk, das unser Vaterland schändet." Diese Möglichkeit setzte ich als warnendes Beispiel an den Schluß von Erörterungen, die ich gelegentlich der Hauptversammlung des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvcreines in München als Gegner des Ausschlusses der Sektion Donauland anstellte. Der Beschluß der Versammlung, Donauland auszuschließen, ist nicht nur für den Alpenverein, sondern weit darüber hinaus von so grundsätzlicher Bedeutung, daß es sich verlohnt, darüber Betrachtungen anzustellen. Zunächst über die Versammlung selbst. Unübertrefflich an geister Enge, Pharisäertum und völkischer Taktik; nur formell juristisch eingestellt auf Niederwerfung eines durch antisemitische Tendenzen entstandenen und unterhaltenen Zwistes zwischen zwei österreichischen Sektionen, eines Zwistes, der, wenn er zwischen zwei rein arischen Sektionen mit ähnlicher Grenzstreitunterlage entstanden wäre, niedergeschlagen würde. Für den, der nicht \ölkisch eingestellt war, ungefähr das Niveau von Mietsstreitigkeiten, die vor Gericht unangenehm breitgetreten werden und schließlich zum Siege des allmächtigen Mietsherrn führen. Die Verteidigung durch den Vorsitzenden von Donauland in Formen, die so anständig, ehrlich und' vornehm waren, wie sie von keinem der Ankläger auch nur annähernd erreicht wurden. Bei der vollkommen völkisch beherrschten Situation war es auch nicht möglich, irgendwie den Verhandlungsgang abzubiegen auf das eigentliche Grundproblem der Sache, die Rassenfrage. Sehr bezeichnend in dieser Beziehung war das Monitum durch den Vorsitzenden, Herrn Minister a. D. Sydow, das ich mir zuzog, als ich mich unterstand, auf die Rassenfrage und auf das völkische Prinzip einzugehen. Denn dieses ist doch der Hauptfaktor der augenblicklichen Selbstzerfleischung des deutschen Volkes. Wie man aber das Judentum nicht einfach aus unserem Volkskörper herausschneiden kann, so ist es auch unmöglich, die nicht deutschvölkische Mehrheit des deutschen Volkes deutschvölkisch anzustreichen. Wie wenig durchführbar das deutschvölkische Prinzip im Kampfe mit dem Judentum ist, läßt sich gerade hinsichtlich vieler geistiger Bindungen an unzähligen Beispielen zeigen. Ich schildere solche, die sich mir als arischem Arzt aufdrängen. So konsultieren völkische Herrschaften, wenn es sich um ihre eigene Gesundheit handelt, unbedenklich jüdische A e r z t e. Es ist ferner nicht bekannt geworden, daß auch nur ein völkischer Herr, wenn er es nötig hatte, darauf verzichtete, seinem Blute Salvarsan einverleiben zu lassen, jenes wohltätige Gift, das ein bahnbrechender Frankfurter jüdischer Arzt erfunden hat. Es liegt hier also das Widersinnige vor, daß sich völkische Herren ihr Blut von einem Juden aufbessern lassen, nachdem sie sich vorher, ohne Bedenken einer Blutprobe unterzogen haben, die den Namen ihres Entdeckers trägt, wiederum einer deutsch-jüdischen wissenschaftlichen Größe von Weltruf. Selbstverständlich aber übersteigt ihre geistige Kombinationsgabe die Erkenntnis, daß das Geschlechtsübel, das ihre Säfte beherbergt, vielleicht eine noch schlimmere Rassenverderbnis bedeutet als das Judenübel. Ich kenne nur ein Mittel, das all diesen zerrüttenden Zuständen ein Ende machen kann, und das heißt Duldsamkeit. Die läßt sich nur langsam zurückgewinnen, immerhin deuten manche Zeichen im Reiche auf Besserung. Für die Zukunft des Alpenvereines aber wird es ausschlaggebend sein, wenn er sich endlich auf seinen eigentlichen Zweck besinnt, die Förderung frohen Genusses und stärkender Erholung in der Bergwelt. Um diesen, alle einigenden Gedanken wird sich, so hoffe ich, in unserer Sektion Berlin, wie anderwärts, alles scharen, was sich nicht nur den Sinn für Natur, sondern auch den Sinn für Gerechtigkeit und Duldsamkeit bewahrt hat. „Kyrill". Unter dieser Spitzmarke erklärt Dr. Max Friedland in der „Wartezimmer-Zeitung": „Es ist der größte Witz der Geschichte, daß. der Großfürst Kyrill, einer der schlimmsten Kriegshetzer gegen Deutschland, an den tausende deutsche Gefangene, die in Rußland waren, mit Zähneknirschen denken, daß dieser Mann in Deutschland in Koburg lebt, und das Leben eines Grandseigneurs führt, während ganz Deutschland noch unter den Folgen seines Krieges stöhnt. — Wir können uns auch nicht denken, daß der Kronprinz z. B. in Frankreich so leben könnte. Wann werden wir von dieser östlichen Invasion befreit?" — Nun liegt die „Wartezimmer-Zeitung" bekanntlich in allen Wartezimmern und Kliniken der deutschen Aerzte auf, und infolgedessen hat diese immerhin heikle Frage inzwischen in Deutschland eine lebhafte Diskussion hervorgerufen, deren Ende noch nicht abzusehen ist, zumal sich in den letzten Jahren viele russische Antisemiten in Deutschland naturalisieren ließen, die sich in den nachnovemberlichen deutschen Wahlkämpfen als Wahlhelfer für die antisemitischen Parteien betätigten. Bemerkenswert ist noch, daß sich die in Ungarn und R um ä n i ei n naturalisierten 'russischen Antisemiten ähnlich betragen. Gotteslästerer. Der Herausgeber der hannoverschen Zeitschrift „Der Sturm", Georg Quindel, wurde von der Strafkammer des Landgerichts Hannover wegen Gotteslästerung zu 15 Tagen Gefängnis, bzw. 150 Mark Geldstrafe verurteilt. Quindel hatte einen Artikel über „den Gott der Juden" veröffentlicht, in welchem er sich unqualifizierbare Beleidigungen zuschulden kommen ließ. Als Sachverständiger wurde u. a. Landrabbiner Dr. Freund vernommen. Dieser führte ungefähr aus: Es ist richtig, daß wir keinen Papst haben, der berechtigt wäre, mit absoluter Gewißheit uie Glaubenssätze aufzustellen, aber dennoch gibt es auch im Judentum eine Sicherheit, wie der üottesbegriff und die Sittlichkeit aufgefaßt werden. Im Jahre 1885 veröffentlichten sämtliche Rabbiner Deutschlands ohne Unterschied der religiösen Parteistellung 15 Grundsätze der jüdischen Lehre. Im Jahre 1893 wurde im Parlament der Antrag gestellt, die Lehren der Juden zu untersuchen. Daraufhin wurden sämtliche im Gebrauch befindlichen oder sonst noch in Betracht kommenden jüdischen Religionsbücher angefordert. Für diese viele Hunderte von Büchern umfassende Sammlung ergab die Prüfung, daß „keiner der in der Presse gegen die jüdischen Religionsbücher erhobenen Augriffe durch den Inhalt begründet sei"... Unsere religiöse Gesetzgebung beginnt mit der Offenbarung am Sinai. Die Erzväter verehren wir wohl als unsere Ahnen, als die Begründer und Vorläufer der Religion, wollen aber nicht alles für vorbildlich und maßgeblich halten, was diese getan haben . . . Bezüglich des Talmud erklärte er, daß dieser kein Gesetzbuch, sondern eine Quelle sei, die alle oft entgegengesetzten und widerstreitenden Meinungen enthält, die im Laufe von Jahrhunderten in den Lehrhäusern ausgesprochen worden sind. Das heißt nicht, daß der Talmud nur ein Vexierkasten mit auswechselbarem Boden sei, wo jeder entnehmen könne, was ihm behage, sondern aus widerstreitenden Meinungen wird: auf Grund bestimmter Regeln das Maßgebende festgestellt. Professor Weizmanns politische Beziehungen, Theodor F r i t s c h schreibt in der letzten Woche in seinem „Hammer": Die Hebräer benützen jede Gelegenheit, um die angeblichen Verdienste ihrer Leute immer wieder der Mitwelt in gebührende Erinnerung zu bringen. So bringt das „Montagsblatt" in Prag die Nachricht am Tage des Vortrages Weizmanns, daß er, Weizmann, ausgezeichnete nahe Beziehungen zu den Diplomaten des Westens hatte und noch habe. Nun das wird man nicht bestreiten können, daß Professor Chajim Weizmann bessere Beziehungen hat wie Herr Theodor Fritsch aus Leipzig vom Hammer-Verlag. Herr Fritsch ist nur als Verleumder den deutschen Gerichten und dem Volke bekannt, eventuell noch in der Völkischen Dreimänner-Fraktion im Reichstag und Landtag, und selbst dort wird er nicht gerne gesehen. Professor Weizmann hat niemals bestritten, daß er mit Wilson, Harding, Lloyd George, Balfour u. a. in der Angelegenheit des jüdischen Nationalheims in Palästina verhandelte. Aber nun kommt Herr Fritsch aus Leipzig und sagt, daß alle diese Diplomaten und Politiker uns Juden, aber vor allen Dingen Weizmann, geschäftlich verbunden sind. Weiter, daß Professor Chajim Weizmann ein gefährliches „Giftgas" im Kriege gegen Deutschland erfand und so der Entente zum Siege verholten hat. Fritsch sagt ferner, Weizmann hätte niemals so einen Einfluß bei den Briten finden können, hätte er nicht im Kriege dieses schlimme „Giftgas" erfunden. Nein Herr Fritsch, das stimmt alles nicht, Weizmann treibt keine Politik der Herren Wulle, Gräfe oder Dinter, sondern weiß genau, was er für Verhandlungen und diplomatische Be-

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