Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 6 (13.2.1925)
- Date
- 1925-02-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Ziehungen zu pflegen hat. Er schlägt sich nicht in Parlamenten, wie es Ihr Fraktionsfreund Dinter des öfteren schon getan hat, auch verleumdet er nicht. In Palästina werden praktische Arbeiten geleistet, die unter der Führung Weizmanns in Europa hei den Regierungen, Diplomaten usw. vertreten werden. Sie und Ihre Freunde haben i a noch nie h t gezeigt, was Sie eigentlich für praktische Arbeiten in Deutschland leisten, noch nicht einiT>aI im völkischen T h ü r i n g e n. Sie haben nur bewiesen, daß man den achtbaren Staatsbank Präsidenten Loeb besudeln kann. Ihre Verdächtigungen, die Sie gegenüber Professor Weizmann ausstoßen, werden die Beziehungen sicher nicht abbrechen. Die Diplomaten und Politiker in der Welt werden den großen Unterschied zwischen Professor Chajim Weizmann und Ihrer Person immer auseinanderhalten können. Weizmann geht eine sehr gerade Linie und Sie, Herr Fritsch, sind der Ansicht, wie es Ihr „großer Held", Freund und Führer vor einiger Zeit einmal sagte: „Frisch gelogen, ist halb gewonnen'". S. .1. Um Schwarz-rot-gold. Im „Hamburger Anzeiger", der am weitesten verbreiteten Tageszeitung Norddeutschlands, erschien eine Auseinandersetzung über die historische Berechtigung der schwarz-rot-goldenen republikanischen Rcichsflagge, in welcher u. a. erklärt wird: „Bei Gründung des Norddeutschen Bundes im Jahre 1867. der ja ein preußisches Gebilde war, wurden die preußischen Farben (weiß mit schwarzem Adler) bevorzugt. Da man aber aus zwei Farben keine Trikolore machen kann und den angeschlossenen norddeutschen Bundesstaaten auch nicht die rein preußische Fahne aufnötigen konnte, so wurde aus der kurbrandenburgischen Flagge (weiß mit rotem Adler) noch rot hinzugefügt. Die norddeutsch-preußische Bundesfahne wurde 1870 bei Gründung des Deutschen Reiches einfach auf dieses übertragen.'" Nun haben sich aber im Jahre 1867 gerade die Freien Republikaner der „Freien und Hansastadt Hamburg"" gegen die Einführung von Schwarz -weiß-rot am energischesten gewehrt, weil „Schwarz-weiß-rot im Gegensatz zur Hanseaten-Flagge auf dem Meere schlecht sichtbar'" sei, und jetzt wird ausgerechnet in Hamburg die heftigste Propaganda für die Wiedereinführung von Schwarz-weiß-rot gemacht. — Hans Sommerhäuser, der wirtschaftliche- Redakteur dieses Hamburger Blattes, hat die Flaggenfrage von dieser Seite aufgerollt, wodurch die norddeutschen Antisemiten mit ihrer wüsten und unsachlichen schwarz-weiß-roten Flaggenpropaganda stark abgewirtschaftet haben. Eine neue völkische Partei. Dieser Tage sprach in Berlin der wegen Unterschlagung vorbestrafte F. L. Holtz in dem von ihm gegründeten „Völkischen B u n d". In den letzten deutschen Wahlen mußten die Deutschnationalen und die Völkischen darauf! verzichten, Herrn F. L. Holtz wegen seines Vorlebens ein Reichstagsmandat anzubieten, und nun will sich wie wir erfahren, Herr F. L. Holtz als Herausgeber des antisemitischen „Fridericus" bei den nächsten deutschen Wahlen einen Reichstagssitz erobern. Nochmals: Die Verjudung des Antisemitismus. Im antisemitischen „Fridericus" fanden wir folgendes Inserat: Theater, Kunst u. Literatur geftttebfungen und ßieöer ernten unb ljcitcrea SnfaltS liefert ßenrn 9ßorats, fiatttbtirg 37, gtarhaUec 2/II Die Auswirkung dieser desantisemitierenden Anzeige wollen wir Herrn F. L. Holtz und seinem neuen „V ö 1 k ischen Bund" überlassen. Das Hakenkreuz amerikanisch-orientalischen Ursprungs. Diese neueste Weisheit findet sich im „Fridericus-Kalender für 1925". Dort heißt es: Das Hakenkreuz mit seinem möglicherweise durchaus amerikanisch-orientalischen Ursprung, das fremde Zeichen nüt dem kabbalistischen Beigeschmack, das deutschem Empiinden so blutwenig zu sagen hat." Die „Vorauflage" des Kalenders beträgt 100.000. Es ist also dafür gesorgt, daß diese Weisheit bei den Brüdern, die unter dem Zeichen des Hakenkreuzes überhaupt erst gesammelt worden sind, erfreulich weite Verbreitung findet. 75. Geburtstag. Professor Josef Sulz er, der rühmlich bekannte Cellovirtuose, der auch als Komponist erfolgreich tätig ist und sich der Sympathie und Wertschätzung der weitesten Kreise erfreut, begeht am 11. d. in seltener geistiger wie körperlicher Frische seinen 75. Geburtstag. Sulzer wirkte durch 30 Jahre als Solocellist der Oper und der Philharmoniker, war auch Mitglied des Helmesberger-Quartetts und bewahrt aus der Zeit seiner Aktivität kostbare Erinnerungen an persönliche Berührungen mit R. Wagner, Liszt, Brahnis, Bruckner, Goldmark und anderen Meistern. Durch die Neubearbeitung und -herausgäbe des berühmten Synagogalmusikwerkes S c h i r Z i o n seines Vaters hat sich Josei Sulzer ein bleibendes Verdienst erworben. „Menorah", .illustrierte Monatsschrift für die jüdische Familie, Wien. Preis des Jahresabonnements K 160.000. Nur schriftliche Bestellungen an Verwaltung der Menorah, Wien l/l Postfach. Soeben ist das 2. Heft des dritten Jahrganges erschienen. Unsere Leser wird es besonders interessieren, daß Herr Dr. Wolfgatig Weisl, Korrespondent der „Neuen Freien Presse" und der „Vossischen Zeitung", als ständiger Mitarbeiter der „Menorah" eine Serie von Artikeln „Alltag in Zion ' veröffentlicht. Sein letzter Artikel ist speziell dem Problem der Besiedlung Palästinas durch die religiösen Teile des Judentums gewidmet. Ueber diese Frage hat Weisl in seinem letzten großen Vortrag im Konzerthaus unter dem Beifall eines tausendköpfigen Publikums interessante Ausführungen geboten, die durch seine Skizzen in der „Menorah" wertvolle Ergänzungen finden und über seine Auffassung weitgehende Schlüsse ermöglichen. Vom Kampfe um den Besitz Palästinas, allerdings in einer weit, weit zurückführenden Zeit (2450—1450 v. d. g. Z.), erzählt uns eine Arbeit des bekannten Geschichtsforschers und Rabbiners in Mannheim, Dr. J. Zlocisti, dein interessante Reproduktionen babylonischer und ägyptischer Altertümer beigegeben wurden. Dr. Bernhard Wachstein, der bekannte Wiener Gelehrte, hat dieser Nummer einen Beitrag geliefert, der um so wertvoller ist, als hier zum ersten Male ein bisher unbekanntes Dokument zur Lebensgeschichte des altberühmten Baalschem dem Publikum zugänglich gemacht wurde. Es handelt sich um den Grabstein der Mutter des Baalschem, der durch die tätige Mithilfe Dr. Abr. Schwadron (Zloczow) auf dem jüdischen Friedhofe in Tluste gefunden wurde und dessen Reproduktion dem Aufsatze beigegeben ist. Der Artikel Dr. Wachsteins wird in allen jüdischen Kreisen lebhaftes Interesse wachrufen. Der literarische Teil enthält neben der Fortsetzung des Blumenthalschen Romanes Gilgul eine Szene aus dem Drama Moritz Heimanns „Das Weib des Akiba", eine reizende Skizze der englischen Zionistin D. L. Adler an der Universität und ein Märchen aus der Feder des Altmeisters des Zionismus Max Nordau. Von wertvollen jüdischen Persönlichkeiten erzählt uns Erich Toeplitz in seinem Artikel, Moritz Daniel Oppenheim — dem Maler des jüdischen Familienlebens. Durch eine Reihe schönster Reproduktionen erhalten wir einen Ueberblick über das Schaffen des Malers. S. Meiseis entwirft in „Don Jizchach Abarbanel" ein Lebensbild des großen spatüschen Gelehrten, der am Hofe der Könige Ruhm und Ehrungen genoß und doch es vorzog, in Not und Elend zu wandern, als Ferdinand der Katholische die Vertreibung der Juden aus Spanien anbefahl. Zeitgenössische Porträts geben ein Bild der damaligen Hofwelt. So wird die „Menorah" jedem Leser etwas Interessantes zu bieten wissen und sich besonders jeder Mutter als willkommene Lektüre für ihre heranwachsenden Kinder empfehlen. Maimonides-Institut (Beth-hamidrasch Rambam) III., Hetzgasse 40. Rabbiner Dr. A. Kaminka: Montag: 6/ bis 7 Uhr Erklärung des Buches Jesaja, 7 bis 8 Uhr More Nebuchim; Mittwoch: 6 bis 7 Uhr: Talmud, 7 bis 8 More Nebuchim: Samstag: 3 bis 4 Uhr: Pentateuch-Vortrag; Sonntag, den 15. Februar: 6 bis 7 Uhr: Dr. Nissan Goldstein, Ha- 1 a c h a - V ö r t r ä g. (geltes I- ROTGASSE -1