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Die Wahrheit · 1925-02-13 · Heft 6 (13.2.1925) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 6 (13.2.1925)
Date
1925-02-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr. 6 Aus dem Bericht der Mandatskommission seien zwei Stellen zitiert, die besonders die berechtigte Erregung nicht nur der Zionisten, sondern auch Mr. Chamberlains hervorgerufen hat: „Dieser Strom der (jüdischen) Einwanderung, besonders ans den verschiedenen östlichen Regionen Europas, verschafft Palästina eine neue Bevölkerung, deren Elemente — wie groß auch ihr zionistischer Eifer und ihr Fleiß, sowie ferner ihr Wunsch, etwas zur Errichtung des Jüdischen l^ationalheims beizutragen sein mag — dennoch nicht i n so genügender Weise technisch wie landwirtschaftlich vorgebildet sind, wie' es der augenblickliche Zustand des Landes erfordert." ,;Da die Kommission sich für die Tatsache interessiert, daß die Einwanderung vielleicht nicht immer im Verhältnis zur ökonomischen Aufnahmefähigkeit des Landes war und daß die Einwanderer nicht stets unter Berücksichtigung der landwirtschaftlichen, kommerziellen und industriellen Notwendigkeiten des Landes placiert worden sind, würde sie sich freuen, im nächsten Bericht genauere Informationen über die Anzahl, Rasse, Herkunftsland und den Beruf der Einwanderer zu erhalten." Wer halbwegs über die Verhältnisse Palästinas informiert ist — und das hätte man von der Kommission erwarten müssen — weiß, daß diese Behauptungen unrichtig sind. Und man kann sich nicht des Eindruckes erwehren, daß hinter dem Bericht ein anderer Konflikt zu Tage tritt: England—Italien, ein Eindruck, der durch das Rededuell Chamberlain— Theodoli bestärkt wird. Ebenso läßt der Vorwurf, den der englische Premier der Mandatskommission macht, sie hätte indirekt die Araber zu Petitionen ermächtigt, die Vermutung aufkommen, daß die Imponderabilien der Politik*) nicht ganz außer acht gelassen werden dürfen. Welche Aufgaben nach dem Berichte der zionistischen Organisation erwachsen, soll in der nächsten Nummer besprochen werden. (Schluß folgt.) Glossen. Die Hakenkreuzler haben abermals bewiesen, daß sie unter ihrem neuen „Studentenrecht" eigentlich das uralte Faustrecht meinen. Sie haben vor einigen Tagen mit rohen Fäusten das Gitterschloß am Anschlagkasten der Deutsch-demokratischen Hochschülervereinigung erbrochen, weil die dort affichierte Publikation, die sich mit der Rede des Unterrichtsministers gegen das Studentenrecht befaßte, ihr Mißfallen erregte. Auf diese zarte Weise sollte wohl in erster Reihe Dr. Schneider angedeutet werden, daß die Herren keinen Spaß verstehen und es dem Unterrichtsminister sehr verübeln, daß er eine Rechtsanschauung im Parlamente zu äußern wagte, die mit ihrem „Studentenrecht" unvereinbar ist. Zweitens soll dem Herrn Rektor der Universität ad oculos demonstriert werden, wer an der Universität etwas zu schaffen hat; der Rektor oder die Hakenkreuzler. Daß nebenbei auch den nichthakenkreuzlerischen Studenten in Erinnerung gebracht werden sollte, daß sie eigentlich rechtlos an dieser Universität seien, ist ja selbstverständlich. Sie sollten überhaupt Gott danken, daß man ihnen nur den Anschlagkasten und nicht auch die Köpfe einge- *) Private politische und verwandschaftliche Interessen einzelner Mitglieder der Mandatskommission. schlagen hat. Ob die Herfen, die das Schloß erbrachen, mehr als eine zahme Mißbilligung für ihre Tat erfahren werden? Herr Unterrichtsminister Dr. Schneider ist gewarnt; die hakenkreuzlerischen Studenten haben bekanntgegeben, daß sie mit ihm unzufrieden sind. * Dem General Ludendorff ist eine hohe Ehre widerfahren: Eine deutsche Universität hat ihm kürzlich das Doktordiplom verliehen und zwar das Diplom eines Doktors der Medizin. Böse Spötter, an denen es dem Aerztestand vor und nach Moliere nicht gefehlt hat, werden sich die Bemerkung nicht entgehen lassen, daß General Ludendorff ein gewisses Anrecht just auf dieses Diplom hat, denn er allein habe mehr Menschen ins Jenseits befördert als in den letzten Jahren alle deutschen Aerzte zusammen. Die deutsche Universität meinte es allerdings anders, denn es heißt in ihrer Widmung ausdrücklich: „Dem Meister der Feldherrnkunst, dessen überragendes Können unzählige deutsche Krieger vor den feindlichen Feuerschlünden — gerettet hat." Die deutschen Professoren verstehen sicherlich von der militärischen Wissenschaft nicht weniger als General Ludendorff von der Medizin. Was gilt daher gegenüber ihrem Urteil die fachmännische Kritik, der zufolge General Ludendorff durch die sträfliche Fortsetzung des Krieges, nachdem er schon verloren war, das Leben unzähliger deutscher Krieger nicht gerettet, sondern ganz unnütz vernichtet hat. Das Leben eines deutschen Kriegers hat Ludendorff allerdings ungemein sorgfältig vor jeder Gefahr beschützt, dieser Krieger war er selbst. Sollte der erwähnten deutschen Universität die köstliche Anekdote aus dem Midrasch bekannt sein, in der berichtet wird, daß ein Rabbi, um das Interesse seiner schläfrig gewordenen Zuhörerschaft zu erwecken, eine Erzählung mit den.Worten begann: In Aegypten gebar eine Frau 600.000 Kinder! Er teilte dann seinem neugierig gewordenen Publikum zur Erklärung dieses Phänomens mit, daß Moses allein so hohen Wert hatte als alle seine Stammesbrüder zusammen. Nach der Meinung der deutschen Universität dürfte wohl auch der Wert Ludendorffs ähnlich taxiert werden. Dann stimmt es allerdings, daß Ludendorff „unzähligen deutschen Kriegern das Leben gerettet hat." * * * Ein französischer Schriftsteller, Pierre Dominique, hat auf Grund ehrlicher Studien ein Buch über Deutschland veröffentlicht, in welchem er interessante persönliche Erlebnisse mitteilte. So erzählt er ein Gespräch, das er mit einem dem Hitler-Kreise nahestehenden Münchener Putschisten führte, der während seiner Gefangenschaft in der Festung die Bibel studiert hat. „Dieses große arische Buch — sagte er — von den Semiten gestohlen und mit unverständlichen Schmutzereien versehen, brachte in mir das Werk zum Abschluß, das Hitler in Betreff der Juden begonnen hätte." Der Franzose fragte hierauf erstaunt: „Und was ist dann mit dem Wort Christi?: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Der Deutsche lacht: „Der Teufel soll mich holen, wenn ich das gelesen habe!" Und er schlagt die deutsche Bibel, die in einem der ersten deutschen Verlagshäuser gedruckte Bibel auf, weist auf die Stelle hin, in der es richtig heißt:

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