Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 5 (6.2.1925)
- Date
- 1925-02-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064022-3064027--13432-3080936- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 5 Seite 11 spielungen und mißverstandenen, zu „geflügelten" gewordenen Worten und u. a. zur Widerlegung der Annahme, die so weit verbreitet worden, daß J e r e m i a den Deuterojesaia nicht gekannt habe. Med.-Rat Dr. H, Haase. Dr. Weisls Vortrag über Palästina. Es war verlockend, aus dem Mund eines Publizisten, der in Jerusalem zu Hause ist und alle Phasen des zionistischen Werdeganges unmittelbar beobachten und deshalb folgerichtig beurteilen kann, einen Vortrag über die gegenwärtige Lage in Palästina zu hören. Und man wurde auch nicht enttäuscht. Dr. Weisl bezeichnete den Kampf um die Kolonisierung Palästinas als einen Kampf zwischen Osten und Westen, zwischen asiatischer und europäischer Wirtschaftskultur. Er trat mit Entschiedenheit der Auffassvng derjenigen zionistischen Kreise entgegen, die den Standpunkt vertreten, daß die zionistische Arbeit"in Palästina den Wirtschaftsmetnoden der Araber angepaßt werden solle, um die letzteren zu einer versöhnlichen Haltung zu veranlassen. Nichts wäre verfehlter als das. Ein solches Vorgehen würde das Kolonisationswerk nicht um einen Schritt weiter bringen, denn die Aufgabe des Zionismus, resp. der jüdischen Aufbautätigkeit in Palästina ist nicht, um aus Europäern Asiaten zu machen, sondern europäische Wirtschaftskultur nach Palästina zu bringen, es zu industrialisieren, zu mechanisieren und die großzügigsten Einrichtungen! der europäischen Kultur nach dort zu verpflanzen. Der Araber ist kein Judenhasser, er sieht nur deshalb im Juden seinen Feind, weil er ihn aus seiner Lethargie aufrüttelt, ihn zwingt, seine uralte schläfrige und kleinliche Arbeits- und Lebensmethode zu ändern, wenn er nicht Gefahr laufen will, ganz verdrängt zu werden. Aber dieser Kampf ist so notwendig, wie unerbittlich, und er ist immer entbrannt, wenn Elemente einer neuen Kultur in ein Land eindrängen. Der Vortragende beteuert, daß er vor einem Jahr noch sehr pessimistisch bezüglich der weiteren Entwicklung der Dinge in Palästina war und daß glücklicherweise seine Befürchtungen von den nachfolgenden Ereignissen nicht nur zerstört wurden, sodern ihn jetzt zu einem weitgehenden Optimismus veranlaßt haben. Die glückliche Wendung schreibt Dr. Weisl zwei Ereignissen zu: Der Entzweiung des. Königs Hussein mit England und zweitens den Umstand, daß im letzten Jahre nicht nur die engsten zionistischen Kreise, sondern auch die haute finance und breitesten Schichten des Judentums sich in die Reihe der Vorkämpfer für Palästina gestellt haben. England hatte nämlich die zionistische Bewegung geringzuschätzen begonnen. Der nüchterne Engländer sagte sich nicht mit Unrecht, daß er sich mit einem. Großteil der islamitischen Welt nicht wegen einer Sache der Juden zerschlagen könne, die nur von einem Bruchteil derselben vertreten, dagegen vom Gros sogar bekämpft sind. Nun stehen die Dinge so, daß ein konservativer englischer Minister des Aeußern, wie Chamberlain, auf der letzten Sitzung des Völkerbundes auf den Tisch geschlagen hat und ausrief, daß den jüdischen Leistungen in Palästina absolut Anerkennung gezollt werden muß, ob man will oder nicht. Palästina, sagte Dr. Weisl, ist neben den Vereinigten Staaten von Amerika das beste Gebiet, das zur Einwanderung sich eignet. Der Vortragende schloß seine von grandioser Sachkenntnis getragenen Ausführungen mit dem Appell, sich des Aufbauwerkes in Palästina, als der einzigen Möglichkeit, große Massen von Juden, die in anderen Staaten Reine Existenzmöglichkeit haben, unterzubringen, wärmstens anzunehmen. Das sehr zahlreich erschienene Publikum, das den Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit lauschte, spendete dem Vortragenden reichen Beifall. Bernhard Horowitz. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Samstag, den 7. d. M., findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, Wien L, Seitenstettengasse 4, ein Vortrag des Herrn Dr. N. M. Gelber statt. Thema: Zur Geschichte der Juden in Polen. Beginn K8 Uhr abends. Gäste willkommen. Beth Hamidrasch, IL, Ferdinandstr. 23. Rabbiner Lektor Dr. G e 1 b h a u s hält im obigen Institut folgende Vorträge: Sonntag von 5 bis 6 Uhr: Mechilta, Dienstag und Donnerstag von 6 bis 7 Uhr: Historische Psalmen. .1. Benzinger, Geschichte Israels bis auf die griechische Zeit. L e i p z ig 1924, Walter de G r.u y t e r & Co. Das bekannte Göschen-Bändchen liegt nunmehr in dritter Auflage vor. Es ruht voilsrändiig auf den Ergebnissen der neuesten Bibelkritik. Sem Wert besteht vor allem darin, daß es durch die Heranziehung aufteirbiblrscher Quellen die Geschichte Israels und ihre Chronologie in das große. Ganze der vorderasiatischen, Ereignisse einzureihen sucht. Es bietet dem Biibelleser eine brauchbare Orientierung. M. Hl Von Woche zu Woche H Oberkautor Jakob Bauer zur goldeneu Hochzeit. Von Heinrich Fischer, Oberkantor der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Im engsten Familienkreise feierte Oberkantor Jakob Bauer mit seiner Gattin Rosalia Bauer, geborene L ö w y, am 2. Februar dieses Jahres seine goldene Hochzeit. Fünfzig Jahre! Ein Menschenleben, und noch dazu ein so vielfach ausgezeichnetes. Bauer besaß seit frühester Jugend die Matonoh tauwoh, die schöne Stimme, samt der dazu gehörenden BUdung und Verständnis. Schon als fünfzehnjähriger Knabe erregte er Sensation mit seinem herrlichen Organ und seltenem Talente als Vorbeter und hat in sehr vielen jüdischen Gemeinden Ungarns und Oesterreichs mit großem Erfolge Gastvorträge gehalten. Seine erste Stelle als Kantor war in Ottakring (Wien), später wirkte er in Szigetvär und drei Jahre später als Oberkantor und Sekretär in Graz. In allen obgenannten Gemeinden war Bauer der ausgesprochene Liebling. Im Jahre 1880 wurde Bauer zum Oberkantor der türkisch-israelitischen Gemeinde in Wien designiert ^und trat im Jänner 1881 seine Stelle an. Am Sabbath-Hagodaul fand dort mit ihm der erste Chorgottesdienst, unter Leitung des genialen und ausgezeichneten Chormeisters J. Löwit, statt. Im selben Jahre gründete Bauer ein Fachorgan, die „Oesterreichisch-ungarische Kantorenzeitung", um die geistigen und materiellen Interessen seiner Kollegen wahrzunehmen. Seine Kantorenzeitung brachte Leben, BUdung und das Gefühl brüderlicher Zusammengehörigkeit unter die Kollegen. Bauer ist Ehrenpräses des österreichischen Kantorenvereines, Begründer der österreichischen Kantorenbildungsanstalt, aus weicher hunderte Schüler hervorgingen, welche im In- und Auslande wirken. Bauers Gattin ist eine sanfte, edelmütige Frau, die mit ihm ihre wohlgeratenen Kinder in Liebe, Eintracht und ernstreligiöser Weise zu guten Juden erzogen und herangebildet hat. Die Kantoren Oesterreichs wenden sich in tiefer Ergebenheit und freundlicher Erinnerung ihrem Nestor zu und rufen ihm zu: „Jechi!" Es lebe der tüchtige, in Ehren anerkannte Stamm der Chasanim, der Stamm, aus dem so mancher segensreiche Sproß entstammte. Es lebe der gute Ehemann, der zartfühlende Familienvater mit seiner frommen Gattin auch weiterhin in Ehre und Zufriedenheit, in frischer Gesundheit und jugendlich ungetrübter Lust, umgeben von Kindern und Kindeskindern. Sie mögen sich alle miteinander freuen int Festhalten an jüdischer Tradition und mögen sich fortpflanzen Gott zur Ehre und den Menschen zum Heile. Es erlebe das Jubelpaar einen glücklichen Lebensabend, was in den Augen aller Menschen als Gottesgabe anerkant und zum Segen werde möge. Die Verdienste Oberkantors Bauers sind schon bei so vielen Gelegenheiten gewürdigt worden, daß heute ein Mehr ein Weniger wäre, es soll ihm darum im Namen der Verehrer des Jubelpaares und seiner Lieben ein herzliches Maseltow zugerufen und im Namen meiner Kollegen dringe mein Gebet zum Himmel: Waad sikno waad sewo al taaswem. * * - * Mittags erschienen in der Wohnung des Jubelpaares, in der sich bereits die engste Familie und intime Freunde des Hauses, darunter für die Wiener türk.-israel. Gemeinde der Präses ui:d Dr«, Pa p o, versammelt hatten, Stadtrat Speiser in Begleitung des Magistratsdirektorstellvertreters. Stadtrat Speiser hielt an das Jubelpaar eine längere herzliche Ansprache und überbrachte eine schriftliche Gratulation sowie ein wertvolles Ehrengeschenk der Gemeinde Wien. Der Jubilar dankte tiefgerührt für die ihm zuteil gewordene Ehrung. Hierauf hielt Oberkantor Heinrich Fischer eine hebräische Ansprache und im Namen der Familie sprach noch Herr Julius Beck. Israelitische Kultusgemeinde Wien. In Fortsetzung der ersten öffentlichen Plenarsitzung vom Montag, den 26. v. M., über deren ersten Teil wir in der letzten Nummer unseres Blattes berichteten, wurde über eine Anzahl Anträge der „Vereinigung für soziale Tätigkeit" verhandelt. Die Mandatare der Vereinigung verlangten: Schaffung eines amtlichen Publikationsorganes der Kultusgemeinde unter Mitwirkung sämtlicher Parteien, welches die laufenden Verwaltungsangelegenheiten, Sitzungsberichte, Kommissionsberichte enthalten soll, Schaffung eines Ausschusses aller Parteien, der darüber zu wachen hat, daß die staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Rechte der »