Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1925-02-06 · Heft 5 (6.2.1925) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 5 (6.2.1925)
Date
1925-02-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064022-3064027--13431-3080935
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 5 in dem allerhand Rüstzeug im Kampf gegen Alljudas Tücken angezeigt wird. Des Herrn Günther „Rassenkunde" wird also empfohlen (von einem Dr. Hasser). Wir zitieren wörtlich und vollständig. „Jeder Bauer kennt eine Bewertung, eine höhere und eine mindere Rasse, besitzt somit noch jenes natürliche Gefühl der Unterscheidung von erhaben und gemein, das der in lebloser Objektivität versumperte Intelligenzphilister bereits verloren hat. Freilich unterscheidet der Bauer scharf zwischen schönen und nutzbringenden Tieren. Er wird oft davon abstehen, ein hübsches Tier zu kaufen, weil das unschöne nicht nur billiger, sondern auch als Arbeitstier weit besser seinem Zweck dient. Dennoch ist jeder Bauer entzückt, wenn er ein edles Roß, Schaf, Rind oder Schwein erblickt, und macht einen tiefen Knicks, w.enn der Herr Graf vorbeireitet, welches natürliche Unterscheidungsgefühl ihm nur der rachsüchtige Tschandale in Schule, Presse, Wählerversammlung und neuerdings sogar von der Kanzel herab ausgeredet hat, denn die heutige Zeit verlangt Knickser vor Kapital und demokratischen Parteibonzen. Nun fragen wir jene instinktlosen „Objektiven": wenn es edle Säue gibt sollte es keine edlen Menschen geben?" Richtig. Was den Säuen recht ist, ist den „Germanen" billig. Uebertritte zum Judentum In Polen. Laut einem Bericht des Warschauer Rabbmats sind in seinem Sprengel seit Jänner d. J. 43 Personen anderer Konfession zum Judentum Übergetreten. Bei 32 der Proselyten handelt es sich um Rücktritte ehemaliger Juden oder Judenstämmlinge, die übrigen elf Personen sind zumeist Russen, die als Grund ihres Uebertrittes angeben, daß sie wegen ihrer aktiven Teilnahme an den Judenpogromen in der Ukraine ihr Gewissen so schwer belastet fühlen, daß sie, von Reue erfüllt, den Rest ihres Lebens dem Gott der Juden und seinem Volke, gegen welche sie sich so schwer versündigt haben, treu dienen wollen. Das Rabbinat war bemüht unter anderem auch unter Berufung auf die jüdische Tradition, keine Proselyten zu machen, die Uebertrittswerber von ihrem Vorhaben abzubringen, ohne aber mit diesem Bestreben Erfolg zu haben. Der Kampf der Sowjets gegen die judische Religion. Die Sowjets in der Ukraine haben ein Referat herausgegeben, laut welchem der Gruppenunterricht in Religion nunmehr auch offiziell verboten wird. Auch für den Einzelunterricht müssen die Melamdim eine besondere Einwilligung einholen. Ferner wurden für religiöse Beamte und Institutionen drückende Steuern eingeführt Wegen Nichtbezahlung dieser Steuern wurden bereits einige Rabbiner vor Gericht gestellt. Die rumänische Judenfrage. Auf einem Bankett, das die rumänischen Juden in Philadelphia zu Ehren des rumänischen Botschafters. Prinzen Bibesco, veranstalteten, hielt dieser eine Ansprache, der wir folgendes entnehmen: „Wie in New York bin ich auch hier als Freund in eure Mitte gekommen. Ich weiß, daß Sie unter den Geschehnissen mit den Juden in Rumänien leiden, aber glauben Sie mir, daß auch ich zusammen mit Ihnen darunter leide. Der Antisemitismus wird von den Ländern, in denen er praktiziert wird, teuer bezahlt. Spanien hat sich seit der Vertreibung der Juden noch nicht erholt, Frankreich hat unter der Affäre Dreyfus mehr gelitten als die Juden. Ich wünsche, daß sich die Juden in Rumänien wohl fühlen. Schon in meiner Jugend litt ich, als ich das strenge Regime gegen die Juden ansah. Ich weiß wohl, daß die -Juden Eine jüdische Kleinkunstbühne. In Wien gastiert seit einiger Zeit in der Riemergasse unter dem Namen „Die Gildene Pawe" ein' jiddisches Kleinkunsttheater; ähnlich dem russischen ,i|31aueki Vogel" unter der Führung von Leo Halpern und Mirjam S c h n a b e 1 - H ö f I i c h, das mit seinen . bisherigen ausgezeichnetne Darbietungen bereits durchschlagenden Erfolg hatte. Da ist Originalität und Erstmaligkeit der Arbeit, wie sie im jüdischen Theaterleben noch nicht da war. Das Theater wurde unter unsäglichen Schwierigkeiten gegründet und wird, anläßlich der gegenwärtigen Theaterkrise in Wien, nur mit ebensolchen Schwierigkeiten gehalten. Wieverlautet, haben die Mitglieder der Truppe, ihren gesamten Schmuck versetzt, um die Aufführungen zu ermöglichen. Besonders interessant sind die von Tibor Gergel y und Anna L e s z n a i entworfenen Dekorationen und handgemalten Kostüme. Vortrag. Die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien hat in einem Hörsaale der philosophischen Fakultät der Universität einen Vortragsabend veranstaltet Herr Rabbiner Dr. Arm. K a m i n k a sprach über eine alte Streitfrage der Religionsgeschichte: „Hat es einen Deuterojesaia gegeben?" Man muß immer mit Bedauern feststellen, daß sich das Volk der Bibel, die Juden, seit der Emanzipation die kritische Forschung dieses ihres literarischen Hauptschatzes von den protestantischen Gelehrten aus den Händen haben nehmen lassen. Für die wenigen jüdischen Bearbeiter dieses wichtigen und lohnenden Arbeitsfeldes gibt es nun reichlich Gelegenheit, Mißverständnisse und mehr oder weniger fromme Irrtümer der christlichen Kollegen auf diesem Gebiete aufzuklären und richtigzustellen. Dr. Kaminka versucht es, eine seit zirka 150 Jahren in der Wissenschaft als unumstößlich angenommene Hypothese, daß nämlich der zweite Teil des Prophetenbuches J e s a i a von einem anonymen Verfasser zur Zeit des Cyrus stammt, zu widerlegen. Da aus des Dichterpropheten erhabenen Gedanken einige als christliche Dogmen einei bedeutsame Umwandlung erfahren haben, ist die behandelte Frage von mehr als bloß literarischem Interesse, ob es nach Ewald „der große Unbekannte" oder Jesaia, der Sohn Arnos gewesen, der auch den zweiten Teil verfaßt hat. Dr. Kaminka führt eine große Reihe von Argumenten für diese letztere Annahme, also für die Einheitlichkeit der Autorschaft, ins Feld. Zunächst das unerklärliche In-Vergessenheit-geraten des Namens eines so genialen Dichters in Geschichte und Sage. Hätte man diese universalistische Denkart aus politischer, separatistischer Einstellung totschweigen wollen, so hätte man seine Aufnahme in den Canon und in die Lithurgie unterlassen. E s r a aber, 'der so ungemein gewissenhafte Sammler (aus dem 5. Jahrhundert), kennt Jesaia nicht . . . Seine gegen den persischen König so aufreizenden Reden hätten zur Zeit, da aus Angst .vor Denunziationen der Bau des! Altars sogar unterblieb, nicht gehalten werden können; sehnte man sich aber nach dem Altar, waren die gleichzeitigen Reden gegen den Opferdienst ... höchst unangebracht; ebenso wie es eine Polemik gegen die ( Götzenbilder nach dem Exil gewesen. Außerdem besteht ein frage noch nicht vollständig gelöst ist wenn ich aber nicht {ivölliger Mangel an zeitgemäßem Kolorit; Deuterojesaia kennt wüßte, daß die bedauerliche Lage verschwinden wird und daß t.; Babylon nicht! Neue Funde von Keilinschriften aus der Zeit in meinem Lande alle Anstrengungen in diesem Sinne ge- \i Cyrus lassen diesen auch in ganz anderem Lichte erscheinen, macht werden, würde ich keinen einzigen Tag mehr auf x-. als man früher annahm; er war in Wirklichkeit ein Götzenmeinem Posten bleiben." Für die Milderung des amerikanischen Elnwanderungs-' xesetzes. Nachdem der amerikanisch-jüdische Kongreß sich bereits beim Präsidenten bemüht hat die Zulassung der in den europäischen Häfen gestrandeten Auswanderer zu verfügen, richtet jetzt die „Union amerikanisch-jüdischer Frauen" die gleiche Bitte an den Kongreß. Auch der jüdische Orden „Brith' Abraham" will eine neue Kampagne für die Milderung des Einwanderungsgesetzes unternehmen und sich mit anderen jüdischen und nichtjüdischen Vereinigungen verbünden, die an einem liberalen Einwanderungsgesetz interessiert sind. Ein Memorandum, das die notwendigen Taten enthält, wird dem Präsidenten Coolidge und den Mitgliedern des Kongresses vorgelegt werden . * diener wie alle anderen heidnischen Könige. Das entscheidende i Argument sieht Dr. Kaminka aber in sprachlichen < Motiven: Seit Esra hat kein Jude mehr 'ein klassisches "Hebräisch geschrieben; man hat dasselbe dann auch nicht mehr verstanden. Jesaia gehört auch sprachlich dem 8. Jahrhundert an; seine Phraseologie entspricht auch der' in den "Inschriften der alten assyrischen Könige gebrauchten, die sich "darin als „Könige der vier Himmelsrichtungen" und „Könige der Heerscharen" bezeichnen. Er gebraucht Worte aus alten 4 Propheten, besonders aber aus Psalmen, deren Abfassungszeit ' zumeist ebenfalls viel später, als es richtig ist, angegeben wird und das sogar um nicht weniger als 500 Jahre! So 'Psalm 80 und 92. Aber auch die ganze Architektonik weist auf die Gemeinsamkeit hin und daß Jesaia selbst sein Buch "redigiert hat. Tiefe sprachliche und historische Kenntnisse befähigen den Vortragenden zur Deutung vieler wichtiger An- —.m. ixm^m BSSm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.