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Die Wahrheit · 1925-02-06 · Heft 5 (6.2.1925) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 5 (6.2.1925)
Date
1925-02-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 DIE WAHRHEIT Seite 5 schlössen, daß jüdisches Blut in seinen Adern fließe. Auch die Politiker, wie der gewesene Minister Lukacs, Baron Beck, die im Numerus clausus eine Schmach Ungarns erblickten, mußten sicli die verdächtigsten Anspielungen gefallen lassen. Gömbös würde sicherlich jedem, der an das Wort des Apostels: „Das Heil kommt von den Juden" erinnern würde, höhnisch erwidern, daß die Apostel auch nur Juden waren. Es wäre vielleicht auch nicht geraten, daß man! den rassentollen Herren selbst Worte Jesus entgegenhalte. Gömbös wäre imstande, darauf eine Antwort zu geben, die selbst dem Bischof Prohaska die Lust vertreiben könnte, sich weiterhin von den Rassenschützlern als ihren Patron verherrlichen zu lassen. Ego. Hauptmomente aus der Geschichte der Juden in Wien. Von Rabbiner Dr. M. Rosenmann. (Fortsetzung.) Ueber den Anteil, den die Juden Wiens an der Märzrevolution des Jahres 1848 genommen haben, ist eine umfangreiche Literatur vorhanden. Heinrich F r i e d j u n g schildert in seinem großen Werke „Oesterreich von 1848 bis 1860" recht knapp, aber objektiv den Einfluß, den einzelne jüdische Persönlichkeiten auf die Entwicklung der politischen Verhältnisse ausgeübt haben; Alexander Heifert, der vielschreibende judenfeindliche Historiker, versucht ebenso weitausholend wie übelwollend „das Hervortreten des jüdischen Elementes als ein bezeichnendes Merkmal der Wiener Revolution von Anbeginn und durch alle Stadien derselben" nachzuweisen, wobei er hervorhebt, daß „gerade die unbedeutenderen Leute des (jüdischen) Stammes, Leute ohne alle Verdienste und Vergangenheit, sich in den ersten Tagen der Jungen Freiheit am auffallendsten und unangenehmsten hervordrängten." Hier sei weniger auf das Auftreten Adolf Fischhofs im Hofe des Landhauses, Mannheimers am Grabe der Gefallenen (17. März), Ludwig August Frankls in der Universitätsaula sowie Josef Goldmarks in den politischen Versammlungen hingewiesen, als vielmehr auf die tiefeinschneiden den Folgen, welche die Ergebnisse der Revolutionszeit für die Struktur des Wiener Judentums hatten. Die Freizügigke*it riß alle Dämme nieder, die früher der Einwanderung der Juden aus der Provinz nach Wien in Wege standen. Die Tragweite dieser Tatsache, an der auch die bald folgende Reaktionszeit, die Verjagung des Kremsierer Reichtstages und die Niederdrückung aller Freiheitsbestrebungen nicht viel zu rütteln vermochten, war eine gewaltige. Die am 4. März 1849 oktroyierte Verfassung! welche nach § 1 „den Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte von dem Religionsbekenntnisse unabhängig" machte, war wohl ein Scheinmanöver. Verordnung über Verordnung versuchten auf Umwegen, neue Schranken für die Juden aufzuführen; allein die Wirkung derselben machte sich zumeist in den Provinzen geltend, deren jüdische Bewohner um so mehr den Drang in sich empfanden, den Schikanen der eng- PESSMH Kaffec-Znsaft laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Ober-Rabbiner Simon Schreiber aus Erlau w«rlÄÄMcl» «y^r auch heuer wieder in garantiert reiner und ausgiebiger Qualiiät zu haben bei Heinrich Franch Söhne in Kosice Diese Fabrik steht unt»r Oberaufsicht des Herrn Oberrabbiner Simon Schreiber und unter ständiger Kontrolle eines von Sr. Ehrwürden ernannten frommen jüdischen Aufsehers, so daß ihre sämtlichen Erzeugnisse verläßlich koscher sind und also von jedem Glaubensgenossen ruhig das ganze Jahr hindurch gebraucht werden können. Beachten Sie beim Einkaufe ja recht genau die Sdiufzmarhe: KürrccnfiDLE und Unterschrift: Heinridt FRANCH Söhne wenn Sie die verläßlich aechte Qualität bekommen wollen! herzigen Lokalbehörden zu entgehen. In Wien selber, wo die einflußreichen jüdischen Persönlichkeiten manchen Angriff abzuwehren verstanden und wo die „Gemeinschaft der Tolerierten1' durch eine in Kremsier von Kaiser Franz Josef I. (3. April 1849) stammende Aeußerung in die „Israelitische Gemeinde" umgewandelt wurde, schwoll der Strom der Zugezogenen mächtig an. Das „Judlenamt" am Peter verschwand; die Bezeichnung „Tolerierte*' gehörte nunmehr der Vergangenheit an, die Judenheit Wiens bekam ein anderes Format. Die Gemeinden! Böhmens, Mährens, aber auch Ungarns und Galizi-ens entsandten ihre unternehmungslustigen Söhne nach der nunmehr frei zugänglichen Hauptstadt und trotz des eingetretenen politischen Umschlages kamen sie wirtschaftlich und sozial zur Geltung. Die Presse zog die literarisch veranlagten Köpfe an; das T h e a t e r erweckte das Interesse der Juden, die sich ihm als Schauspieler, Sänger aber auch als Dichter und Komponisten widmeten. Von Warschau kam das schauspielerische Phänomen Bogwmil Dawison an das Wiener Burgtheater, wo er trotz Intriguen mancher antisemitischen Kollegen das Publikum im Sturm eroberte; langsam, aber stetig stieg der Stern Adolf Sonnenthals. Als Theaterdirektor betätigten sich Josef Wertheimer und Salomon Mosenthal, als Komponist, namentlich der aus Prossnitz stammende Ignatz Brüll; während die Werke des Berliners Giacomo Meyerbeer und des Rheinländers Jacques-O ffenbach, welche auch in Wien unter starkem Beifall zu Aufführung gelangten, die Wiener Juden mit nicht geringem Stolze erfüllten. Die Börse, sowohl die neubegründete „Frucht-

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